{"id":48337,"date":"2009-12-31T14:00:27","date_gmt":"2009-12-31T13:00:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=48337"},"modified":"2009-12-30T22:48:49","modified_gmt":"2009-12-30T21:48:49","slug":"spurensuche-von-bischof-heinz-josef-algermissen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=48337","title":{"rendered":"Spurensuche von Bischof Heinz Josef Algermissen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fulda. <\/strong>W\u00e4hrend einer Reise durch Nordafrika vor einigen Jahren sah ich immer wieder, wie sich Fu\u00dfspuren im Sand der W\u00fcste in der Ferne verloren. Dieses Bild hilft mir zur\u00fcckzuschauen und festzuhalten. Wir alle sind unsere Wege gegangen und haben Spuren hinterlassen, manche sichtbaren und viele unsichtbaren. Es w\u00e4re heilsam, wenn wir das innerlich einholen k\u00f6nnten.<!--more--><\/p>\n<p>Ein gutes St\u00fcck Weges sind viele in den Gemeinden unseres Bistums im vergangenen Jahr mit anderen gemeinsam gegangen. Da fallen mir zun\u00e4chst ganz zarte Spuren ein, Schritte, die noch kaum erkennbar sind. Sie geh\u00f6ren den Kindern, die durch das Sakrament der Taufe zu Jesus Christus und seiner Kirche gekommen sind.<\/p>\n<p>Einige tausend Kinder wurden im zu Ende gegangenen Jahr getauft und damit unserer Verantwortung \u00fcbergeben. Sind wir uns dessen eigentlich bewusst? Wie ernst nehmen wir die religi\u00f6se Begleitung der Kinder? Geben wir ihnen neben guter Nahrung, Kleidung und Spielzeug auch das, was sie f\u00fcr ein Leben mit Christus und in der Kirche brauchen?<\/p>\n<p>Wenn ich fortfahre mit meiner Spurensuche, entdecke ich, wie zun\u00e4chst auseinanderliegende Spuren immer n\u00e4her zusammenkommen und dann schlie\u00dflich nebeneinander verlaufen. Sie verweisen auf jene, die in unseren Gemeinden den Bund f\u00fcrs Leben geschlossen haben.<\/p>\n<p>Es waren einige hundert Paare, die je verbindlich ihr \u201eJa\u201c sagten und dadurch eine begl\u00fcckende, aber auch gef\u00e4hrdete Gemeinschaft begannen. Wie oft m\u00fcssen sich junge Eheleute heute gegen einen ehefeindlichen Zeitgeist wehren. \u201eHaltet an Eurer \u00dcberzeugung fest und glaubt daran, dass Ihr in der Ehe miteinander gl\u00fccklich werden k\u00f6nnt!\u201c, m\u00f6chte ich ihnen zurufen. Als Gemeinden d\u00fcrfen wir sie auf ihrem Weg nicht so allein lassen.<\/p>\n<p>Und noch etwas sei in diesem Zusammenhang festgehalten: Bevor Menschen sich \u00fcber gescheiterte Ehen selbstgerecht erheben oder auch nur den Ehekrach bei den Nachbarn s\u00fcffisant weitererz\u00e4hlen, sollten sie sich lieber fragen, ob nicht vielleicht sie selbst dadurch gefehlt haben, dass sie zu wenig vorlebten, wie eine gegl\u00fcckte Liebes- und Ehegemeinschaft aussehen kann: Worte belehren nur, das Beispiel fasziniert.<\/p>\n<p>Wir sollten besonders die in unser Gebet einschlie\u00dfen, deren Spuren im letzten Jahr 2009 immer mehr auseinander gegangen sind: alle, die sich durch Streit, Neid, Eifersucht und Missgunst entfremdet haben. Und da sind schlie\u00dflich noch solche Spuren, die pl\u00f6tzlich abbrechen. Manche von ihnen lassen erkennen, dass sie von m\u00fcden F\u00fc\u00dfen getreten wurden, von Menschen, die in ihrem Leben schon weit gegangen sind. Aber da sind auch welche, an denen man ablesen kann, dass noch kr\u00e4ftig geschritten wurde, bis unerwartet der Schritt versagte.<\/p>\n<p>Wohin sind sie gegangen, unsere Toten, deren Namen und Gesichter uns noch so vertraut sind? Wir wollen sie Gottes G\u00fcte und Barmherzigkeit \u00fcbergeben. Wir sollten aber auch die Trauernden nicht vergessen, nicht \u00fcber deren Schmerz mit ein paar wohlfeilen Worten hinwegreden. Wenn wir ihr Leid mitzutragen versuchen, k\u00f6nnen wir ihnen vielleicht eine Br\u00fccke zu jener Hoffnung sein, die sich festmacht an Jesu Wort: \u201eIch lebe und auch ihr werdet leben\u201c (Johannes 14, 9).<\/p>\n<p>Manchen Spuren sind wir bisher nachgegangen. Eine sollten wir wenigstens noch kurz erw\u00e4hnen: unsere eigene, markant eingetreten oder m\u00fcde schleppend. Verlief sie zielgerichtet oder hat es uns hier und da aus der Bahn geworfen? Haben wir danach wieder Tritt gefasst? Versuchten wir unseren Weg fernab von den Spuren der anderen zu finden, eigenwillig, exzentrisch oder egoistisch? Oder haben wir, wenigstens manchmal, f\u00fcr andere, die keinen Ausweg mehr fanden, eine gute, hilfreiche Spur getreten?<\/p>\n<p>Mit dem Bild von den Spuren im Sand der W\u00fcste verkn\u00fcpfe ich ein f\u00fcr mich sehr wichtig gewordenes anderes Bild, das mir die Heilige Schrift \u00fcber den Propheten Jesaja schenkt. Gott gibt da die wunderbare Zusage: \u201eBis ihr grau werdet, will ich euch tragen. Ich habe es getan, und ich werde euch weiterhin tragen, ich werde euch schleppen und retten\u201c (Jesaja 46, 4). Wie immer unser Weg im Jahr 2009 gewesen ist, was immer im neuen Jahr 2010 sein wird: das zu wissen, liebe Leserinnen und Leser, hat Gelassenheit und stille Freude zur Folge. Im Vertrauen auf dieses Getragen-Sein k\u00f6nnen wir alles, alles schaffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda. 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