{"id":4833,"date":"2007-08-23T22:56:02","date_gmt":"2007-08-23T20:56:02","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=4833"},"modified":"2007-08-23T22:57:15","modified_gmt":"2007-08-23T20:57:15","slug":"palliativnetz-osthessen-engagiert-sich-fuer-unheilbar-kranke","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=4833","title":{"rendered":"PalliativNetz Osthessen engagiert sich f\u00fcr unheilbar Kranke"},"content":{"rendered":"<p><strong><a rel=\"lightbox[roadtrip]\" target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2007\/08\/070823_pno.jpg\" title=\"070823_pno.jpg\"><img decoding=\"async\" align=\"left\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2007\/08\/070823_pno.thumbnail.jpg\" hspace=\"5\" alt=\"070823_pno.jpg\" \/><\/a>Sch\u00f6nes aus Fulda.<\/strong> Gro\u00dfe Resonanz erfuhr die Einladung des Palliativ Netzes Osthessen am gestrigen Mittwochnachmittag: mehr als 200 \u00c4rzte, Pflegende und Interessierte kamen in die Cafeteria des Fuldaer Antoniusheims, um sich dem Thema \u201eTherapeutische Perspektiven am Lebensende\u201c zu widmen. Referenten und Anwesende haben dabei eines herausgestellt: In dieser schwierigen Phase bedarf es weit mehr als der medizinischen Versorgung. <!--more--><\/p>\n<p>Dinge wie Gespr\u00e4che \u00fcber die pers\u00f6nliche Lage, Symptomkontrolle oder Trauerarbeit sind wichtig f\u00fcr Patienten und Angeh\u00f6rige. Im Palliativnetz Osthessen arbeiten \u00c4rzte, ambulante und station\u00e4re Strukturen Hand in Hand f\u00fcr eine umfassende Versorgung in der Region. \u201eEin gutes Zusammenspiel aller, um sich sinnvoll zu erg\u00e4nzen\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Peter Fehrenbach vom Palliativ Netz Osthessen. So hat der Zusammenschluss innerhalb der letzten 7 Monate 140 Menschen betreut.<\/p>\n<p>Die so genannte Palliativmedizin versorgt Menschen mit unheilbaren Erkrankungen und setzt da an, wo die herk\u00f6mmliche Medizin aufh\u00f6rt. \u201eWir versuchen nicht mehr den Patienten zu heilen, sondern m\u00f6chten ihn auf seinem Weg begleiten\u201c, erkl\u00e4rt Dr. Peter Fehrenbach vom Palliativ Netz Osthessen. \u201eEs wird nur das behandelt, was n\u00f6tig und sinnvoll ist, um die Lebensqualit\u00e4t zu erhalten.\u201c Somit wird nicht nur die medizinische Betreuung abdeckt, Betroffene und Angeh\u00f6rige werden \u00fcber all da wo n\u00f6tig sinnvoll unterst\u00fctzt.<\/p>\n<p>Die Auswirkungen einer schweren Diagnose hat Ingrid Gr\u00f6ning hautnah miterlebt. Bei ihrer 49 j\u00e4hrigen Nichte wurde ein unheilbarer Hirntumor festgestellt. \u201eMeine Nichte stand immer voll im Leben\u201c, erkl\u00e4rt sie. \u201eSie hatte immer soviel Energie und Lebensfreude. Wir konnten damit \u00fcberhaupt nicht umgehen \u2013 waren \u00fcberfordert.\u201c Das Thema wurde zun\u00e4chst tabuisiert, die Angeh\u00f6rigen litten, die Patientin selbst wurde depressiv, ihr Zustand verschlechterte sich dramatisch.<\/p>\n<p>\u201eMenschen k\u00e4mpfen zun\u00e4chst gegen die Erkrankung und gegen das Sterben an\u201c, wei\u00df Mechthild Buchner vom ambulanten Hospizdienst \u201eDa sein\u201c in Fulda. \u201eDas Leben fest halten wollen, aber doch loslassen zu m\u00fcssen, bestimme dabei den Alltag von Kranken und Angeh\u00f6rigen.\u201c In ihrer Arbeit wird Mechthild Buchner dabei immer wieder mit der eigenen Sterblichkeit konfrontiert. Sie und ihre 28 ehrenamtlichen Mitarbeiter werden in besonderem Ma\u00dfe gefordert. \u201eIn Schulungen und Gespr\u00e4chen m\u00f6chten wir unsere Mitarbeiter auf die Herausforderungen ihrer T\u00e4tigkeit vorbereiten\u201c, erkl\u00e4rt Buchner.<\/p>\n<p>\u201eDabei k\u00f6nnen Patienten und Angeh\u00f6rige, die sich mit der Unheilbarkeit abgefunden haben, noch etwas ganz Besonderes aus der Lebensendphase machen\u201c, wei\u00df Dr. Alfred Simon, von der\u00c2\u00a0 Akademie f\u00fcr Ethik in der Medizin in G\u00f6ttingen. \u201eDas Sterben ist nach wie vor ein Tabuthema und hat viel mit Ethik und W\u00fcrde zu zun.\u201c Der Philosoph und Theologe besch\u00e4ftigt sich intensiv mit ethischen Grenzfragen. \u201eIn der herk\u00f6mmlichen Medizin ist das Sterben ein technischer Vorgang, das soziale Umfeld wird nicht mit einbezogen.\u201c Die Palliativmedizin geht hier einen wichtigen Schritt weiter.<\/p>\n<p>Prof. Dr. Eberhard Klaschik vom Malteser Krankenhaus in Bonn-Hardtberg war der erste Lehrstuhlinhaber f\u00fcr Palliativmedizin. Aus seiner Erfahrung wei\u00df er: \u201eUnser Gesundheitswesen ist ein Reparaturbetrieb, es geht immer darum noch eine M\u00f6glichkeit f\u00fcr den Patienten zu finden, um gesund zu werden. Die Tatsache die Unheilbarkeit zu akzeptieren und zu versuchen ihn bestm\u00f6glich zu begleiten, ist nicht vorgesehen.\u201c Allerdings f\u00e4nde durch viel Aufkl\u00e4rungs- und Informationsarbeit ein Umdenken statt. \u201eIn der Palliativmedizin steht der Patient im Mittelpunkt der Betreuung und man definiert gemeinsam ein Behandlungsziel.\u201c<\/p>\n<p>Die Palliativversorgung sei ein sich st\u00e4ndig wandelnder Prozess erg\u00e4nzt Thomas Sitte. Auch er ist Arzt im Palliativ Netz Osthessen. \u201eIch als Arzt nehme mich immer mehr zur\u00fcck, h\u00f6re auf den Wunsch des Patienten.\u201c. Derzeit sterben in Deutschland nur ein Drittel der Menschen zu Hause, obwohl 70 \u2013 90 Prozent den Wunsch haben. Das Palliativnetz kann f\u00fcr die Region Fulda in ihrer Arbeit dabei eine erste erfreuliche Bilanz ziehen: \u201eAlle Patienten, die wir in der Integrierten Versorgung betreuten, sind in ihrer gew\u00fcnschten Umgebung gestorben\u201c, sagt Thomas Sitte.<\/p>\n<p>Auch Dr. Petra M\u00fcller, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin des Hospiz St. Elisabeth in Fulda, w\u00fcnscht den Patienten zu Hause sterben zu k\u00f6nnen. \u201eDa wo das nicht mehr m\u00f6glich ist, betreuen wir die Patienten im Hospiz\u201c. Auch die 15 Mitarbeiter des Hospizes wissen um die Bedeutung von ethischen Gesichtspunkten, Gespr\u00e4chsf\u00fchrung, Schweigepflicht, Trauer und das Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Familie und Angeh\u00f6rige in ihrer T\u00e4tigkeit. \u201eWir k\u00f6nnen nicht die \u00c4ngste nehmen oder wichtige Entscheidungen f\u00fcr den Patienten treffen, aber wir k\u00f6nnen zuh\u00f6ren und alles daf\u00fcr tun ihm einen w\u00fcrdevollen Abschied zu geben\u201c, sagt M\u00fcller.<\/p>\n<p>Ingrid Gr\u00f6ning und ihre Nichte haben die Diagnose inzwischen angenommen. \u201eIrgendwann haben wir dar\u00fcber gesprochen und danach waren wir beide sehr erleichtert\u201c, sagt sie. Ein Etappenziel, das sie nur mit der Hilfe des Palliativ Netzes Osthessen erreichen konnten. Die mentale Unterst\u00fctzung und das Wissen, mit der Situation nicht allein zu sein, habe sehr geholfen.<\/p>\n<p>\u201eMeine Nicht tut jetzt nur noch das, was gut f\u00fcr sie ist. Ihr Zustand hat sich dadurch enorm verbessert.\u201c\u00c2\u00a0 Auch hier macht sich die Erfahrung des Palliativ Netzes bemerkbar: \u201eAufgrund unserer langj\u00e4hrigen Arbeit k\u00f6nnen wir gut beurteilen, welche Behandlung die Lebensqualit\u00e4t des Patienten noch verbessern kann und welche vielleicht mehr Schaden zuf\u00fcgt, als sie nutzt\u201c, sagt der behandelnde Arzt Dr. Joachim Kleinert.Die Patientin hat k\u00fcrzlich ihren 50. Geburtstag gefeiert.<\/p>\n<p>Weitere Informationen zum Palliativ Netz Osthessen unter <a target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.palliativnetz-osthessen.de\/\">http:\/\/www.palliativnetz-osthessen.de\/<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Zum Foto<\/strong> (vlnr): Prof. Eberhard Klaschik, Dr. Alfred Simon, Dr. Petra M\u00fcller, Ingrid Gr\u00f6ning, Mechthild Buchner, Thomas Sitte, Dr. Peter Fehrenbach, Dr. Joachim Kleinert<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Sch\u00f6nes aus Fulda. 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