{"id":48040,"date":"2009-12-18T05:57:57","date_gmt":"2009-12-18T04:57:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=48040"},"modified":"2009-12-18T07:58:09","modified_gmt":"2009-12-18T06:58:09","slug":"symposium-des-deutschen-wanderverbandes-in-kassel-zum-thema-wandern-und-gesundheit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=48040","title":{"rendered":"Symposium des Deutschen Wanderverbandes in Kassel zum Thema Wandern und Gesundheit"},"content":{"rendered":"<p><strong>Kassel. <\/strong>In der Habichtswaldklinik in Kassel trafen sich am 10. und 11. Dezember mehr als 100 Vertreter von Tourismusorganisationen, wissenschaftlichen Einrichtungen, Verb\u00e4nden, Wandervereinen und Krankenkassen aus dem ganzen Bundesgebiet, um sich mit dem Thema \u201eWandern und Gesundheit\u201c zu besch\u00e4ftigen. \u201eWas ist Gesundheit, ist Wandern gesund, wie k\u00f6nnen wir mehr Menschen zum Wandern bewegen?\u201c\u2013 das waren wesentliche Fragen des Fachkongresses.<!--more--><\/p>\n<p>Er wurde veranstaltet vom Deutschen Wanderverband und der Fachhochschule Osnabru\u00cc\u02c6ck im Rahmen des Projektes \u201eLET\u00c2\u00b4s GO \u2013 jeder Schritt h\u00e4lt fit\u201c. LET\u00c2\u00b4S GO wird vom Bundesministerium fu\u00cc\u02c6r Gesundheit gef\u00f6rdert und ist Teil von \u201eIN FORM \u2013 Deutschlands Initiative fu\u00cc\u02c6r gesunde Ern\u00e4hrung und mehr Bewegung\u201c. In der Region Kassel soll es bald noch mehr wandernde Arbeitnehmer geben, das jedenfalls wu\u00cc\u02c6nscht sich Professor Dr. Reinhard N\u00f6ring, Leiter des Gesundheitswesens der Volkswagen AG, Kassel Baunatal.<\/p>\n<p>Er stellte das Wandern als neues, m\u00f6gliches Angebot in der betrieblichen Gesundheitsf\u00f6rderung vor. Der VW Konzern fu\u00cc\u02c6hle sich verpflichtet, so Prof. N\u00f6ring, den Mitarbeitern sichere Arbeitspl\u00e4tze sowie Gesundheit und Wohlbefinden am Arbeitsplatz zu bieten. Im Jahr 2023 werden voraussichtlich 40 Prozent der VW-Besch\u00e4ftigten u\u00cc\u02c6ber 55 Jahre alt sein. Damit steigt auch der Bedarf an Ma\u00dfnahmen zur Gesundheitsf\u00f6rderung. Unabh\u00e4ngig vom Alter oder Gesundheitszustand sei das regelm\u00e4\u00dfige, moderate Wandern ein hervorragendes Mittel, um sich fit zu halten.<\/p>\n<p>\u201eIch will, ich kann \u2013 das vermittelt Wandern\u201c, meinte der Leiter des VW-Gesundheitswesens. Wandern sei einfach umzusetzen und biete viele positive Aspekte \u2013 fu\u00cc\u02c6r die k\u00f6rperliche und seelische Gesundheit sowie die soziale Kompetenz. Durch den Kongress sehe er sich best\u00e4tigt, das Wandern in die Gesundheitsangebote des VW-Werks aufzunehmen. Gemeinsam mit dem Deutschen Wanderverband, der seinen Sitz in Kassel hat, sollen nun Angebote fu\u00cc\u02c6r die Mitarbeiter entwickelt werden.<\/p>\n<p>\u201eFu\u00cc\u02c6r den Deutschen Wanderverband und seine Mitgliedsvereine bieten sich dadurch viele neue M\u00f6glichkeiten, nicht nur in der Region Kassel\u201c, sind sich Verbandspr\u00e4sident Dr. Hans-Ulrich Rauchfu\u00df und Verbandsgesch\u00e4ftsfu\u00cc\u02c6hrerin Ute Dicks sicher. Dr. Petra Drohsel vom Bundesministerium fu\u00cc\u02c6r Gesundheit lobte das Wandern als niedrigschwelliges Angebot, um mehr Bu\u00cc\u02c6rger zu mehr Bewegung zu motivieren.<\/p>\n<p>\u201eNiedrigschwellig hei\u00dft nicht, keine Stufen zu gehen, sondern einfache Angebote zu machen\u201c, sagte Dr. Drohsel und erg\u00e4nzte: \u201eDer Wanderverband ist ein Garant dafu\u00cc\u02c6r, dass er Menschen motivieren kann.\u201c Sportwissenschaftler Professor Dr. Klaus B\u00f6s vom Institut fu\u00cc\u02c6r Sportwissenschaft in Karlsruhe r\u00e4umte mit einigen Missverst\u00e4ndnissen zum Thema Sport auf. \u201eMan kann nicht einfach sagen, Sport ist gesund\u201c, so B\u00f6s. Mit dem Sport sei es wie mit Medikamenten, die Dosis bestimme die Wirkung. Es gebe aber keinerlei Zweifel daran, dass regelm\u00e4\u00dfige, moderate Bewegung gesund sei.<\/p>\n<p>Ein wesentlicher Grund fu\u00cc\u02c6r gesundheitliche Probleme der bundesdeutschen Bev\u00f6lkerung sei eindeutig zu wenig Bewegung im Alltag und im Beruf. Mindestens zwei Stunden Bewegung bzw. Sport in der Woche seien notwendig, um fit zu bleiben. Optimal fu\u00cc\u02c6r die Gesundheit sind 10.000 Schritte am Tag. Allerdings schaffen wir Deutschen durchschnittlich nur weniger als 1.000 Schritte t\u00e4glich und nur noch maximal 17 Prozent der deutschen Bev\u00f6lkerung bewegen sich ausreichend. Da wir kaum noch zu Fu\u00df gehen, mu\u00cc\u02c6sste es eigentlich hei\u00dfen \u201eWie sitzt du?\u201c anstatt \u201eWie geht es dir\u201c, so der Sportwissenschaftler.<\/p>\n<p>Wandern, Walking, Jogging seien ideal, um den Einstieg in ein bewegtes Leben zu schaffen. Der innere Schweinehund k\u00f6nne nicht bek\u00e4mpft werden, meinte Prof. B\u00f6s. \u201eSie mu\u00cc\u02c6ssen ihn dazu bringen, dass er morgens raus will.\u201c Wandern ist seiner Meinung nach ein ideales Ausdauertraining und optimal fu\u00cc\u02c6r die Mehrheit der Bev\u00f6lkerung, um sich fit zu halten. Weit mehr als die Ausdauer wird bei den \u201eGesundheitswanderungen\u201c trainiert, die der Deutsche Wanderverband und die Fachhochschule Osnabru\u00cc\u02c6ck im Rahmen des Projektes LET\u00c2\u00b4S Go entwickelt haben.<\/p>\n<p>Christine Merkel vom Deutschen Wanderverband sowie Professor Dr. Christoff Zalpour und Bettina Schulte Temming von der FH Osnabru\u00cc\u02c6ck stellten das Projekt und wissenschaftliche Untersuchungen vor. Die belegen eindeutig: Die Wahrscheinlichkeit, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu erleiden, sinkt, wenn man sich regelm\u00e4\u00dfig bewegt. Prof. Zalpour erl\u00e4uterte, dass kein Mensch vollkommen gesund oder vollkommen krank sei. Man bewege sich immer zwischen diesen Polen.<\/p>\n<p>\u201eGesundheit bedeutet\u201c, so der Mediziner, \u201eein guter Schwimmer im Fluss des Lebens zu sein.\u201c Wichtig sei, die Eigenverantwortung fu\u00cc\u02c6r seine Gesundheit zu u\u00cc\u02c6bernehmen und sich viel zu bewegen \u2013 am besten jede Woche zu wandern. Prof. Zalpour gab den Tipp, sich immer wieder bewusst zu machen: \u201eIch habe zwei \u00c4rzte, mein rechtes und mein linkes Bein.\u201c Jeanette Huber vom Zukunftsinstitut in Kelkheim stellte verschiedene Trends vor, die Einfluss auf das Wandern haben.<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6re der Gesundheitstrend \u201eSelfness\u201c, der die Wellness-Bewegung abl\u00f6se. Zuku\u00cc\u02c6nftig wu\u00cc\u02c6rden viele Menschen mehr Wert auf Eigenverantwortung, Lernen, Entwicklung und mentales Wachstum legen. \u201eWellness\u201c h\u00e4tte sich inzwischen mitunter als \u201eWell-Nepp\u201c entlarvt, der fu\u00cc\u02c6r die Gesundheit wertlos sei. \u201eOben wird Zucker reingepumpt, unten Fett abgesaugt\u201c, \u00e4u\u00dferte sich die Zukunftsforscherin kritisch. Auch die Hinwendung zur Natur und deren bewusster Konsum sei ein Megatrend, ebenso wie die Individualisierung der Menschen und neue Formen der Vernetzung und Kommunikationswege.<\/p>\n<p>Sie stellte Lebensstil- Typen wie die \u201eLOHAS\u201c, \u201eLatte-Macchiato-Familien\u201c, \u201eSuper-Daddys\u201c oder \u201eGrey-Hopper\u201c vor. Mit dem Thema Gesundheit seien schon heute die Menschen gut zu erreichen. Fru\u00cc\u02c6her hie\u00df es in der Werbung \u201esex sells\u201c. Heute lassen sich nicht nur mit erotischen Botschaften gute Gesch\u00e4fte machen, sondern ebenso mit der Gesundheit als Werbetr\u00e4ger, so die Zukunftsforscherin. Die Wandervereine mu\u00cc\u02c6ssen \u201edas Wandern neu denken\u201c, die neuen Lebensstile im Blick haben, um den zuku\u00cc\u02c6nftigen Trends gerecht zu werden.<\/p>\n<p>Wie wirkt Landschaft auf die Menschen? \u2013 das ist Forschungsthema von Professor Dr. Erwin Frohmann aus Graz. Er pr\u00e4sentierte eigene Untersuchungen, bei denen Studenten in ruhiger, meditativ-kontemplativer Stimmung an einem Wasserfall, in einem W\u00e4ldchen und in einer Felslandschaft verweilten. Dabei wurden die Aktivit\u00e4ten ihres vegetativen Nervensystems (Herz, Kreislauf, Atmung) gemessen und ihre Befindlichkeit erfragt. \u201eWir stellten fest\u201c, so Prof. Frohmann, \u201edass sich der kontemplative Zugang zur Landschaft signifikant auf das physische wie psychische Befinden des Menschen auswirkt.\u201c Je nach Landschaftsraum kam es zu beruhigenden oder aktivierenden Effekten. \u201eDer Wasserfall lie\u00df die Herzen schneller schlagen\u201c, so ein Ergebnis. Durchschnittlich hatten die Studenten am Wasserfall eine um 6 Herzschl\u00e4ge h\u00f6here Herzfrequenz in der Minute als im W\u00e4ldchen.<\/p>\n<p>Professor Frohmann sagte: \u201eWenn wir in die \u00e2\u20ac\u0161Atmosph\u00e4re der Landschaft\u001f eintauchen, u\u00cc\u02c6bertr\u00e4gt sich die Stimmung der Landschaft auf uns und wir spu\u00cc\u02c6ren die Verbundenheit mit der Erde. Zugleich wird die Landschaftswahrnehmung zur Pers\u00f6nlichkeitswahrnehmung. Vergleichbar mit zwei Wellenfeldern die einander begegnen.\u201c Das Wandern in der Natur kann so eine \u201etherapeutische Wirkung\u201c auf der k\u00f6rperlichen, seelischen und geistigen Ebene entfalten. Prof. Dr. Christian Gru\u00cc\u02c6neberg von der Hochschule fu\u00cc\u02c6r Gesundheit in Bochum referierte u\u00cc\u02c6ber die Rolle der Physiotherapie in der Bewegungs- und Gesundheitsf\u00f6rderung.<\/p>\n<p>Er stellte gesundheitsrelevante gesellschaftliche Entwicklungen vor, wie den demographischen Wandel und die Zunahme chronischer Erkrankungen, sowie verschiedene Definitionen von \u201eGesundheit\u201c. Es sei festzustellen, dass die Deutschen im internationalen Vergleich sehr viel fu\u00cc\u02c6r ihre Gesundheit ausgeben, die Ergebnisse allerdings nur mittelm\u00e4\u00dfig seien, sagte Prof. Gru\u00cc\u02c6neberg. In der Medizin und bei den Physiotherapeuten, den \u201eSpezialisten fu\u00cc\u02c6r menschliche Bewegung\u201c, hat es einen Wandel in der Betrachtung von Gesundheit gegeben.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend fru\u00cc\u02c6her die Vermeidung von Schmerzen im Vordergrund der Behandlung gestanden habe, gehe es heute um St\u00e4rkung der eigenen Ressourcen. \u201eIch kann wandern, obwohl ich Schmerzen habe\u201c, sei eine m\u00f6gliche Denkweise von Patienten, die es zu f\u00f6rdern gilt. Ronald Claa\u00dfen von der OstWestfalenLippe Marketing GmbH stellte das Konzept der \u201eTEUTO VitalWanderWelt\u201c vor. Die Gesundheitsangebote der VitalWanderWelt kombinieren Wandern bzw. Bewegung, therapeutische Anwendungen und die Telemedizin.<\/p>\n<p>Der Einsatz der Telemedizin sei das Besondere an diesem Gesundheitsprogramm, dem verschiedene Kliniken und Institute angeschlossen sind. Dabei werden w\u00e4hrend einer Wanderung registrierte Daten des Patienten, zum Beispiel ein EKG, per Telekommunikation an ein \u00e4rztliches Institut gesendet. Patienten mit Herz-Kreislauf- Erkrankungen k\u00f6nnen so wieder ermutigt werden, sich allein auf eine l\u00e4ngere Wanderung zu begeben. Durch die zeitnahe \u00dcbermittlung der Daten an einen Arzt, zum Beispiel per Handy, erleben sie die Wanderung als sichere, kontrollierte Situation.<\/p>\n<p>Dr. Alexander Hemmann, vom Landesverband Baden-Wu\u00cc\u02c6rttemberg im Deutschen Diabetiker Bund, referierte u\u00cc\u02c6ber \u201eDiabetiker auf dem Westweg\u201c. An acht Wochenenden, von April bis November 2009, haben 30-45 Teilnehmer den rund 280 Kilometer langen Westweg im Schwarzwald erwandert. Es handelte sich bei den Teilnehmern um Diabetiker, die als chronisch krank eingestuft sind, sowie um Diabetologen, Diabetes-Fachleute und Wanderfu\u00cc\u02c6hrer des Schwarzwaldvereins.<\/p>\n<p>Dieses Wandern unter \u00e4rztlicher Aufsicht, mit regelm\u00e4\u00dfigen Messungen von Blutzucker und Blutdruck, hat den Patienten Mut gemacht, trotz chronischer Erkrankung eine besondere Herausforderung zu bew\u00e4ltigen. Dr. Hemmann berichtete, dass durch die regelm\u00e4\u00dfige Bewegung bei einigen Patienten die Medikamente abgesetzt werden konnten. Horst Neid von der AOK Hessen stellte dar, dass aus seiner Sicht eine Bezuschussung von Wanderangeboten als Pr\u00e4ventionsma\u00dfnahme nicht m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p>Die rechtlichen Rahmenbedingungen des \u00c2\u00a7 20 im Sozialgesetzbuch V wu\u00cc\u02c6rden dies nicht erlauben. Aber die AOK Hessen bietet seit April 2009 ihren Versicherten unter dem Namen BONUS fit ein Bonusprogramm fu\u00cc\u02c6r gesundheitsbewusstes Verhalten an. Dabei wird finanziell honoriert, wenn Versicherte an Ma\u00dfnahmen zur Gesundheitsvorsorge teilnehmen. Maximal werden im Jahr 100 Euro erstattet. Fu\u00cc\u02c6r regelm\u00e4\u00dfige Wanderungen k\u00f6nnen Versicherte im Jahr bis zu 40 Punkte beziehungsweise 40 Euro erhalten.<\/p>\n<p>In einem Workshop stellten am FreitagProjektmitarbeiterin Bettina Schulze Temming und Gesundheitswanderfu\u00cc\u02c6hrerin Dr. Katja Sch\u00f6nwei\u00df den Teilnehmern des Symposiums eine Gesundheitswanderung in der Praxis vor. Die Vortr\u00e4ge der Dozenten stehen ab Januar 2010 auf der Homepage des Deutschen Wanderverbandes <a href=\"http:\/\/www.wanderverband.de \" target=\"_blank\">www.wanderverband.de <\/a>als Download zur Verfu\u00cc\u02c6gung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Kassel. In der Habichtswaldklinik in Kassel trafen sich am 10. und 11. 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