{"id":47682,"date":"2009-12-16T03:14:28","date_gmt":"2009-12-16T02:14:28","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=47682"},"modified":"2009-12-16T04:15:27","modified_gmt":"2009-12-16T03:15:27","slug":"braun-ein-eleganter-und-geschickter-experimentator","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=47682","title":{"rendered":"Ferdinand Braun \u2013 ein eleganter und geschickter Experimentator"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fulda (mb).<\/strong> Er ist zweifellos einer der ganz gro\u00dfen S\u00f6hne Fuldas. \u201eUnser Nobelpreistr\u00e4ger\u201c, wie Fuldas OB Ferdinand Braun respektvoll betitelt.  Ihm widmete die Stadt aus besonderem Anlass unter dem Motto \u201eFerdinand Braun \u2013 Ein Experimentator als Nobelpreistr\u00e4ger\u201c einen Vortragsabend mit dem Leiter des Archivs des Deutschen Museums M\u00fcnchen, Dr. Wilhelm F\u00fc\u00dfl. Vor 100 Jahren, genau am 10. Dezember 1909, hatte der Fuldaer Wissenschaftler und T\u00fcftler in Stockholm gemeinsam mit dem Italiener Guglielmo Marconi den Nobelpreis f\u00fcr die drahtlose Telegraphie erhalten. Ein Film als Erstsemesterarbeit von Studenten des Fachbereichs Elektrotechnik der Hochschule Fulda \u00fcber Braun sowie 50 Briefmarken- und Umschlagsentw\u00fcrfe von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern der Gestaltungsklassen FOG 1 und 2 der Ferdinand Braun Schule zum gleichen Thema rundeten das Bild eines herausragenden Wissenschaftlers ab, der heute leider vielfach vergessen scheint.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/091214_braun3.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-47690\" title=\"Oberb\u00fcrgermeister Gerhard M\u00f6ller, Prof. Dr. Karim Khakzar (2.v.r.) und Dr. Wilhelm F\u00fc\u00dfl mit Studenten des Fachbereichs Elektrotechnik\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/091214_braun3-265x176.jpg\" alt=\"091214_braun3\" width=\"265\" height=\"176\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/091214_braun3-265x176.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/091214_braun3.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/091214_braun1.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-47691\" title=\"Dr. Wilhelm F\u00fc\u00dfl referierte \u00fcber den Nobelpreistr\u00e4ger Ferdinand Braun.\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/091214_braun1-265x176.jpg\" alt=\"091214_braun1\" width=\"265\" height=\"176\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/091214_braun1-265x176.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/091214_braun1.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a><!--more--><\/p>\n<p><strong>Faszinieren lassen<\/strong><\/p>\n<p>Welches \u201eLabel\u201c k\u00f6nne die Region noch deutlicher positionieren?  Diese Frage h\u00e4tten sich Fachleute w\u00e4hrend einer Runde des Regionalmarketings erst vor wenigen Tagen gestellt. Sehr schnell sei der Name Ferdinand Braun aufgetaucht, betonte Verwaltungschef Gerhard M\u00f6ller. \u201eDabei ist uns rasch klar geworden, dass wir ein Potenzial aus eigenem historischem Fundus haben.\u201c Die Wiederkehr des 100.  Jahrestages der Nobelpreisverleihung sei eine gute Gelegenheit, die Pers\u00f6nlichkeit Brauns erneut in Erinnerung zu rufen, \u201eum uns von ihm faszinieren zu lassen.\u201c<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/091214_braun2.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-47692\" title=\"091214_braun2\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/091214_braun2-265x176.jpg\" alt=\"091214_braun2\" width=\"265\" height=\"176\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/091214_braun2-265x176.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/091214_braun2.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Kein \u00fcberragendes Ergebnis<\/strong><\/p>\n<p>Wer Ferdinand Braun war, was ihn auszeichnete und warum der Fuldaer Nobelpreistr\u00e4ger kaum bekannt ist, erl\u00e4uterte F\u00fc\u00dfl in seinem Vortrag. Der 1850 (* 6. Juni) in Fulda geborene und 1918 (+ 20. April) in New York verstorbene Ferdinand Braun sei ein \u201ewilhelminischer Physiker\u201c gewesen. Wegen der mangelnden theoretischen \u201eUnterf\u00fctterung\u201c seiner Forschungen habe er mit den Gro\u00dfen seiner Zeit wie Max Planck oder Albert Einstein nicht mehr mithalten k\u00f6nnen. F\u00fc\u00dfl untermauerte seine These mit statistischen Zahlen. In seiner Schaffensphase habe Braun lediglich 150 Ver\u00f6ffentlichungen mit insgesamt 2456 Seiten herausgegeben. \u201eF\u00fcr eine 40j\u00e4hrige wissenschaftliche T\u00e4tigkeit ein nicht gerade \u00fcberragendes Ergebnis\u201c, wie der Leiter des Archiv des Deutschen Museums meint.<\/p>\n<p><strong>Neuerungen beobachtet<\/strong><\/p>\n<p>Nach einer \u201etypischen Professorenkarriere\u201c entwickelte sich Ferdinand Braun \u201ekontinuierlich zu einem au\u00dferordentlich eleganten und geschickten Experimentator\u201c, wie ihm einer seiner Sch\u00fcler Jonathan Zenneck sp\u00e4ter attestierte. Er habe die technischen Neuerungen seiner Zeit aufmerksam beobachtet. Seine Ver\u00f6ffentlichungen seien von \u201edezenter K\u00fcrze\u201c, wie F\u00fc\u00dfl sagt: \u201eSie pr\u00e4sentieren auf zwei, drei Seiten die Ergebnisse einer experimentell durchgef\u00fchrten Studie ohne viel Theorie.\u201c Braun war sich dieses Defizits offenbar bewusst. \u201cBeim theoretischen Zurechtlegen einer Sache steckt bei mir der Haken\u201c, soll er einmal gesagt haben. Braun war eben \u201enicht der gro\u00dfe Theoretiker und Rechner\u201c, wie F\u00fc\u00dfl auch an folgendem Beispiel schmunzelnd belegte. Als der Professor in einem Seminar 2 mal 25 rechnen wollte, stattdessen 2 mal 30 gerechnet habe, dann auf 60 kam und wiederum auf 50 abrundete. Der Erfinder der drahtlosen Telegraphie oder der \u201eBraunschen R\u00f6hre\u201c war nun mal kein Freund der Zahlen.<\/p>\n<p><strong>\u00dcberlegenheit Brauns<\/strong><\/p>\n<p>Die \u201eWurzel\u201c oder den m\u00f6glichen Ausgangspunkt f\u00fcr Ferdinand Brauns Interesse an der drahtlosen Telegraphie sieht F\u00fc\u00dfl in der Elektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt. W\u00e4hrend Konrad R\u00f6ntgens Untersuchungen ihn \u201enicht bewegten\u201c, wandte sich der  Wissenschaftler der Kathodenstrahlr\u00f6hre zu. Zur \u201eBraunschen R\u00f6hre\u201c hat er einige Ver\u00f6ffentlichungen verfasst, bald aber habe sich Braun der drahtlosen Telgraphie zugewandt. Im Dezember 1898 hatte Ferdinand Braun die Gesellschaft f\u00fcr Funkentelegraphie gegr\u00fcndet. 1903 entstand die \u201eGesellschaft f\u00fcr drahtlose Telegraphie\u201c (Telefunken) durch die Verbindung von AEG und Siemens, vor allem aber durch die Vereinigung der Systeme Brauns und Slabys, die mit Marconis System konkurrierten. Brauns Anordnung \u00fcbertraf jedoch die \u00dcbertragungsreichweite Marconis um das F\u00fcnffache. Ver\u00f6ffentlichungen nach 1900 dienten dazu, die \u00dcberlegenheit seines Systems gegen\u00fcber dem Marconis zu verdeutlichen.  Entt\u00e4uscht und aufgezehrt von den Streitigkeiten zog sich der Fuldaer Nobelpreistr\u00e4ger schlie\u00dflich von der Weiterentwicklung der drahtlosen Telegraphie zur\u00fcck. Dennoch konnte sich Ferdinand Braun als Sieger f\u00fchlen, so F\u00fc\u00dfls Res\u00fcmee.<\/p>\n<p><strong>Gleichrichtereffekt entdeckt<\/strong><\/p>\n<p>1874 und 1875 ver\u00f6ffentlichte der Wissenschaftler mehrere Aufs\u00e4tze, nachdem er festgestellt hatte, dass Schwefelsulfidkristalle den Strom in verschiedenen Richtungen unterschiedlich leiten. Dies ist die Eigenschaft eines Gleichrichters. Wechselstrom wird nur in einer Richtung durchgelassen. Ferdinand Braun hatte somit den Gleichrichter entdeckt, den Halbleiter, die Basis der modernen Elektronik. F\u00fcr seine Entdeckung konnte Braun wiederum keine theoretische Erkl\u00e4rung geben. Das geschah erst in den sp\u00e4ten 30er Jahren, viele Jahre nach dem Tod des Nobelpreistr\u00e4gers.<\/p>\n<p><strong>Der junge Mathematiker<\/strong><\/p>\n<p>Die Rekrutierung seiner Mitarbeiter durch den Krieg l\u00e4hmte schlie\u00dflich die Forschungst\u00e4tigkeit Brauns. Nach einem Sturz 1918 starb er in New York. Nur ein einziges Buch stammt laut Wilhelm F\u00fc\u00dfl aus der Feder des geb\u00fcrtigen Fuldaers. Es ist das Kinder- und Jugendbuch \u201eDer junge Mathematiker\u201c. Dieses Buch stehe in der Tradition der volksbildenden Literatur. Mit dem \u201eJungen Mathematiker\u201c wende sich Braun an Jugendliche, um sie in die Geheimnisse der Zahl und der Rechenkunst einzuf\u00fchren. Auch heute noch sei dieser Band zu empfehlen, der \u00fcbrigens im Jahr 2000 neu aufgelegt worden ist. Das Buch \u201eDer junge Mathematiker\u201c spiegelt den Braun wieder, den F\u00fc\u00dfl in all seinen Facetten vermitteln wollte. Braun hat in vielen Bereichen Neuartiges entdecken k\u00f6nnen. Teilweise sei er seiner Zeit um Jahrzehnte voraus gewesen. Streitigkeiten aber haben seiner Produktivit\u00e4t geschadet. Seine Theorieschw\u00e4che hat  nach Ansicht des Referenten der Verleihung des Nobelpreises dennoch nicht geschadet.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda (mb). Er ist zweifellos einer der ganz gro\u00dfen S\u00f6hne Fuldas. \u201eUnser Nobelpreistr\u00e4ger\u201c, wie Fuldas OB Ferdinand Braun respektvoll betitelt. Ihm widmete die Stadt aus besonderem Anlass unter dem Motto \u201eFerdinand Braun \u2013 Ein Experimentator als Nobelpreistr\u00e4ger\u201c einen Vortragsabend mit dem Leiter des Archivs des Deutschen Museums M\u00fcnchen, Dr. Wilhelm F\u00fc\u00dfl. 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