{"id":46984,"date":"2009-12-08T05:52:20","date_gmt":"2009-12-08T04:52:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=46984"},"modified":"2009-12-08T08:44:37","modified_gmt":"2009-12-08T07:44:37","slug":"suizid-noch-oft-totgeschwiegen-vortrag-von-elisabeth-brockmann","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=46984","title":{"rendered":"Suizid noch oft totgeschwiegen!? Vortrag von Elisabeth Brockmann"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/003.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-46985\" title=\"Foto: Winfried M\u00f6ller\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/003-265x176.jpg\" alt=\"Foto: Winfried M\u00f6ller\" hspace=\"5\" width=\"265\" height=\"176\" align=\"left\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/003-265x176.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/12\/003.jpg 903w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a><strong>Fulda. <\/strong>Durch Suizid aus dem Leben zu scheiden sei nicht \u201efreiwillig\u201c und die Menschen \u201eermordeten\u201c sich auch nicht selbst, deshalb seien Begriffe wie Freitod oder Selbstmord fehl am Platz und diskriminierend, so Referentin Elisabeth Brockmann, Diplom Sozialp\u00e4dagogin und Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin von AGUS \u2013 Angeh\u00f6rige um Suizid, bei ihrem Vortrag \u201eTrauer nach Suizid\u201c im Evangelischen Zentrum Haus Oranien. Eingeladen hatte der Arbeitskreis Trauerhilfe, christliches Netzwerk zur Trauerbegleitung.<!--more--><\/p>\n<p>Nicht erst seit dem Tod von Nationaltorh\u00fcter Robert Enke ist das Thema Trauer nach Suizid aktuell. Das zeigte auch die gro\u00dfe Zahl von Betroffenen und Interessierten, die in den Luthersaal gekommen waren. Durch Suizid sterben mehr Menschen als durch Verkehrsunf\u00e4lle und Suizid komme in jeder Bev\u00f6lkerungsschicht gleicherma\u00dfen vor, sei nicht bildungs-, einkommens-, lebenstandart- und alterabh\u00e4ngig. Zu 75 % seien M\u00e4nner betroffen und zurzeit sei eine deutlich Zunahme des Alterssuizids zu verzeichnen, so Elisabeth Brockmann.<\/p>\n<p>Nach Feststellung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) seien von einem Suizid mindestens 6 bis 23 Menschen, Eltern, Geschwister, Angeh\u00f6rige, direkt betroffen. Als besonders belastend definierte die Referentin, dass beim Suizid keine Begleitung und keine Verabschiedung m\u00f6glich seien, sondern die Angeh\u00f6rigen w\u00fcrden unvorhergesehen mit dem Tod konfrontiert. Dies sei bei Unf\u00e4llen oder Tod nach Krankheit, auch bei einem pl\u00f6tzlichen Tod, anders, weil man Erkl\u00e4rungsm\u00f6glichkeiten habe. Solche g\u00e4be es bei Suizid nicht. Je nach Art der Selbstt\u00f6tung sei auch der anschlie\u00dfende pers\u00f6nliche Abschied erschwert.<\/p>\n<p>Damit bringe Suizid viele an ihre pers\u00f6nlichen Grenzen, auch Polizeibeamte, die den Toten f\u00e4nden. Suizid gef\u00e4hrde den eigenen Lebensweg. Das eigene Selbstwertgef\u00fchl werde in Frage gestellt \u2013 er\/sie hat nicht an mich gedacht oder ist nicht mir zu liebe am Leben geblieben- und\u00c2\u00a0 auch die Frage nach Mitschuld werde aufgeworfen. Meist w\u00fcrden die Angeh\u00f6rigen nicht offen zur Todesursache stehen k\u00f6nnen, weil Suizid \u00fcber jahrhunderte negativ bewertet wurde.<\/p>\n<p>F\u00fcr viele Suizidtrauernde sei nicht vorstellbar im Leben wieder einmal Lachen oder eine neue Partnerschaft beginnen zu k\u00f6nnen. Referentin Elisabeth Brockmann betonte, dass\u00c2\u00a0 sich bei Suizidtrauernde die Trauer \u00fcber viele Jahre hinziehe und \u201ees manchmal ein Kampf von Tag zu Tag\u201c sei. In den ersten f\u00fcnf Jahren nach einem Suizid seien alle Gedanken und Planungen vom Suizid bestimmt. Erst in den darauffolgenden f\u00fcnf Jahren k\u00f6nnten Betroffene wieder lachen und sich anders orientieren. Wichtig sei auch zu wissen, dass Trauerbew\u00e4ltigung nach Suizid bei Erwachsenen und Kindern unterschiedlich sei. Kinder h\u00e4tten ein Anrecht, entsprechend ihren Fragen, altersangemessen die Wahrheit zu erfahren. Trauer nach Suizid habe einen l\u00e4ngeren und schwereren Verlauf und bed\u00fcrfe oft auch therapeutischer Hilfe, wobei Therapeuten in der Trauerbegleitung nach Suizid \u00fcber ein spezielles Wissen verf\u00fcgen sollten. Das Leben danach brauche \u201eWegweiser\u201c. Dabei spielten religi\u00f6se Fragen nach S\u00fcnde und kirchlicher Beerdigung\u00c2\u00a0 oft auch eine wichtige Rolle.\u00c2\u00a0 Das Umfeld m\u00fcsse sich verletzter Begriffe wie \u201edurch Suizid verstorbene sind psychisch krank\u201c oder Wut auf den Verstorbenen enthalten.<\/p>\n<p>Elisabeth Brockmann bem\u00e4ngelte, dass es zu wenige Selbsthilfegruppen gebe, denn \u201ewas betroffene in Selbsthilfegruppen bieten k\u00f6nnen, k\u00f6nnen Nichtbetroffene nicht bieten\u201c.<\/p>\n<p>Auch Fulda sei in dieser Hinsicht ein \u201ewei\u00dfer Fleck\u201c. Sie regte an sich Gedanken \u00fcber die Schaffung einer\u00c2\u00a0 sollte zu machen und bot ihre Hilfe als Gesch\u00e4ftsf\u00fchrerin von AGUS an.<\/p>\n<p>Die n\u00e4chstgelegene Selbsthilfegruppe, die auf der Internetseite von AGUS zu finden ist, ist in Bad Kissingen.<br \/>\nInformationen und Hinweise erhalten sie bei der Evangelischen Gesamtgemeinde Fulda, Pfarrer Fried \u2013 Wilhelm Kohl, Tel.:0661-72408, der Katholischen Familienbildungsst\u00e4tte, Erwin Schick, Tel.: 0661 \u2013 928430 oder bei den Mitgliedern der Arbeitsgemeinschaft Trauerhilfe Fulda.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda. 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