{"id":42650,"date":"2009-10-22T06:00:40","date_gmt":"2009-10-22T04:00:40","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=42650"},"modified":"2009-10-22T09:28:51","modified_gmt":"2009-10-22T07:28:51","slug":"geburtstagsfeier-fuer-ein-juwel-der-rhoen-vor-30-jahren-wurde-das-rote-moor-unter-naturschutz-gestellt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=42650","title":{"rendered":"Geburtstagsfeier f\u00fcr ein Juwel der Rh\u00f6n &#8211; Vor 30 Jahren wurde das Rote Moor unter Naturschutz gestellt"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/091022_rotes_moor.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-42659\" title=\"091022_rotes_moor\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/091022_rotes_moor.jpg\" alt=\"091022_rotes_moor\" width=\"560\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/091022_rotes_moor.jpg 592w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/10\/091022_rotes_moor-265x162.jpg 265w\" sizes=\"(max-width: 592px) 100vw, 592px\" \/><\/a><\/strong><\/p>\n<p><strong><strong>Ehrenberg \/ Gersfeld.<\/strong> <\/strong>Vor 30 Jahren \u2013 viel zu sp\u00e4t, wie einige meinen, wurde das Rote Moor unter Naturschutz gestellt. Bis 1984 fra\u00dfen sich jedoch die Bagger noch durch den Torf. Das, was \u00fcbrig geblieben ist, steht seitdem unter besonderem Schutz. In Ehrenberg trafen sich jetzt verschiedene Fachleute, um anl\u00e4sslich des 30-j\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums als Naturschutzgebiet in die Geschichte des Roten Moores zu blicken und Perspektiven f\u00fcr die Zukunft zu geben. Das Hochmoor spielt n\u00e4mlich als Lebensraum f\u00fcr das Birkhuhn eine besondere Rolle.<!--more--><\/p>\n<p>Das Naturschutzgebiet Rotes Moor habe die Hessische Gesellschaft f\u00fcr Ornithologie und Naturschutz sowie die Obere Naturschutzbeh\u00f6rde beim Regierungspr\u00e4sidium Kassel als \u201eEltern\u201c, meinte der Vorsitzende der Hessischen Gesellschaft f\u00fcr Ornithologie und Naturschutz, Oliver Conz. Die \u201eHebamme\u201c sei die Stiftung Hessischer Naturschutz gewesen. Den 30. Geburtstag habe das Regierungspr\u00e4sidium organisiert. Besonders Dr. Jochen Tamm von der Oberen Naturschutzbeh\u00f6rde und Ewald Sauer von der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosph\u00e4renreservats Rh\u00f6n h\u00e4tten sich f\u00fcr die Feier eingesetzt.<\/p>\n<p>Ehrenbergs B\u00fcrgermeister Thomas Schreiner hob hervor, dass in den vergangenen Jahrzehnten vor allem eines gelungen sei: die Akzeptanz in der Bev\u00f6lkerung f\u00fcr Naturschutz und das Biosph\u00e4renreservat Rh\u00f6n. \u201eDas ist f\u00fcr mich das wichtigste\u201c, sagte Schreiner. Ehrenberg selbst bezeichnete er als \u201eNaturgemeinde\u201c, die 300 Hektar Kernzone besitze. \u201eWir haben unseren Beitrag zur Schaffung des entsprechenden Anteils an Kernzone im Biosph\u00e4renreservat geleistet; jetzt m\u00fcssen andere nachlegen\u201c, meinte Schreiner. Das Naturschutzgebiet Rotes Moor, das in die Gemarkungen der Gemeinden Ehrenberg und Gersfeld f\u00e4llt, sei in der Tat eine Besonderheit.<\/p>\n<p>\u201eDas Rote Moor wurde 1979 Naturschutzgebiet \u2013 eigentlich viel zu sp\u00e4t\u201c, sagte der Staatssekret\u00e4r im Hessischen Ministerium f\u00fcr Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Mark Weinmeister. Allerdings gebe es heute dort unter anderem die Torfmosaikjungfer \u2013 und das sei ein Zeichen, dass die Unterschutzstellung einen Sinn gehabt hat. Weinmeister richtete seinen ausdr\u00fccklichen Dank an alle, die an der Renaturierung des Roten Moores beteiligt waren \u2013 in erster Linie an die Ehrenamtlichen, aber auch an die, in deren Dienstpflicht es fiel.<\/p>\n<p>Die Entwicklung des Birkhuhnbestandes im Roten Moor bereite Sorgen. \u201eDas Birkhuhn ist in seiner Population nicht so vorangekommen, wie wir uns das vorgestellt hatten\u201c, musste der Staatssekret\u00e4r zugeben. Das Naturschutzgebiet Rotes Moor, sagte Weinmeister, trage zum Tourismus im Biosph\u00e4renreservat Rh\u00f6n bei. Der Balanceakt zwischen Tourismus und Naturschutz werde im Biosph\u00e4renreservat gelebt \u2013 daf\u00fcr sei das Rote Moor der beste Beweis.<\/p>\n<p>Als das Rote Moor vor 30 Jahren zum Naturschutzgebiet erkl\u00e4rt wurde, habe es viele Gegner und Zweifler gegeben, erinnerte Gersfelds B\u00fcrgermeisterin Margit Trittin. Schlie\u00dflich habe das Moor Menschen zum Broterwerb gedient; es sei Arbeitsplatz gewesen. \u201eMit der Ausweisung zum Naturschutzgebiet gingen viele Verbote einher. Aber heute, 30 Jahre sp\u00e4ter, k\u00f6nnen die Zweifler von damals eines nicht vom Tisch wischen: Ohne die erfolgte Ausweisung zum Naturschutzgebiet g\u00e4be es kein Rotes Moor mehr.<\/p>\n<p>Das Rote Moor hat uns eine touristische Attraktivit\u00e4t beschert, und wir werben mit diesem Pr\u00e4dikat\u201c, meinte Trittin. Der Konflikt zwischen Nutzern und Sch\u00fctzern sei da, werde jedoch auf einer sachlichen Ebene ausgetragen. \u201eDie Ausweisung des Roten Moores zum Naturschutzgebiet hat uns mehr Chancen als Risiken er\u00f6ffnet\u201c, betonte die Gersfelder B\u00fcrgermeisterin. F\u00fcr ein umfassendes Verst\u00e4ndnis seien jedoch immer Aufkl\u00e4rung und Information n\u00f6tig. Daher w\u00fcnsche sie sich, das Haus am Roten Moor in Zukunft mit mehr Informationen auszustatten als bisher.<\/p>\n<p>\u201e30 Jahre sind keine Kategorie der Natur. Es hat Tausende Jahre gebraucht, um das Rote Moor aufzubauen. Aber es ist ein Jubil\u00e4um, auf das man stolz sein kann\u201c, unterstrich Fuldas Landrat Bernd Woide. Naturschutz sei immer eine Frage der Herangehensweise und der Interessenabw\u00e4gung. Im Biosph\u00e4renreservat Rh\u00f6n sei ein guter Weg gelungen zwischen regionaler Entwicklung auf der einen und Naturschutz auf der anderen Seite. \u201eNaturschutz gegen den Menschen zu machen ist schwierig, wenn nicht unm\u00f6glich\u201c, hob Woide hervor. Auch er betonte, dass das Rote Moor in den letzten 30 Jahren durch das ehrenamtliche Engagement vieler gelebt habe. \u201eWir haben zwar Hauptamtliche, aber das ehrenamtliche Engagement im Naturschutz ist durch nichts zu ersetzen.\u201c<\/p>\n<p>Adalbert Fischer, Forstamtsleiter von Hofbieber, erinnerte daran, dass in einigen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern heute noch Torf abgebaut und in der Bundesrepublik verkauft werde. \u201eUnd wir hier sind stolz darauf, wenn das Torfmoos um zwei Zentimeter w\u00e4chst\u201c, f\u00fcgte er hinzu. Fischer sprach sich f\u00fcr ein Verbot des Torfhandels in Europa aus, um die \u201eGeschwister\u201c des Roten Moores zu sch\u00fctzen.<\/p>\n<p>Neben dem Stopp des Moorabbaus, einer Besucherlenkung, der Fichtenrodung und der Verlagerung des Segelflugbetriebs sei es bei der Ausweisung des Roten Moores zum Naturschutzgebiet in erster Linie um den Schutz des Birkhuhns gegangen, sagte J\u00f6rg Burkhard von der Unteren Naturschutzbeh\u00f6rde des Landkreises Fulda. Heute gebe es praktisch keine Birkh\u00fchner mehr im Roten Moor. \u201eEs liegt an uns, was f\u00fcr diese Art tun k\u00f6nnen, um den Lebensraum Rotes Moor wieder f\u00fcr Birkh\u00fchner interessant zu machen\u201c, meinte Burkhard.<\/p>\n<p>Ewald Sauer von der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosph\u00e4renreservats Rh\u00f6n erkl\u00e4rte, dass man nicht nur das Rote Moor allein sehen d\u00fcrfe, was das Birkhuhn anbelangt. Vielmehr gehe es um die Umgebung, also die Erweiterung des Lebensraums. Ein Beispiel f\u00fcr dieses Bestreben sei die durchgef\u00fchrte Rodung der Fichtenbest\u00e4nde am Mathesberg, der vor Jahren noch einer der letzten Aufenthaltsr\u00e4ume und sogar Balzplatz f\u00fcr das Birkhuhn gewesen ist.<\/p>\n<p>Die Grenzziehung, bis wohin nach der Ausweisung des Roten Moores als Naturschutzgebiet noch Torf abgebaut werden durfte, sei zu schmal gewesen, sagte Siegfried Reimann vom Bundesamt f\u00fcr Naturschutz. \u201eDennoch werden wir kleine Bereiche hinwegretten k\u00f6nnen\u201c, meinte er. In dem v\u00f6llig abgetorften Bereich gebe es inzwischen wieder kleine Keimzellen. \u00dcber eine Niedrigmoorvegetation k\u00f6nne so \u00fcber Jahrhunderte etwas heranwachsen, was sich in 1 000 bis 2 000 Jahren wieder als Hochmoor pr\u00e4sentiert, gab er einen Ausblick. \u201eWir freilich werden das nicht mehr erleben.\u201c<\/p>\n<p>Die Reduzierung und Ver\u00e4nderung des Lebensraums sei der Grund f\u00fcr den R\u00fcckzug des Birkhuhns aus der Rh\u00f6n, stellte Dr. Franz M\u00fcller aus Hettenhausen fest. In erster Linie sei die Aufforstung daran schuld. Au\u00dferdem seien in den letzten Jahren die Best\u00e4nde des Birkhuhns sch\u00f6ngeredet worden, wenn sie einmal leicht anstiegen. \u201eUm dem Birkhuhn zu helfen, wissen wir genug\u201c, sagte M\u00fcller.<\/p>\n<p>Er sprach sich f\u00fcr die Erweiterung und Vernetzung von potentiellen Lebensr\u00e4umen, die Verlegung von Wanderwegen und eine strenge \u00dcberwachung des Flugsportbetriebs aus. Gleichzeitig mahnte er eine L\u00e4nder \u00fcbergreifende Schutzkonzeption f\u00fcr das Birkhuhn an, die noch immer ausstehe. \u201eDass das Birkhuhn bei uns auszusterben droht, liegt daran, dass vorgeschlagene Schutzma\u00dfnahmen eben nicht kompromisslos durchgef\u00fchrt wurden. Im Gegenteil \u2013 Konzepte wurden zerredet. Was fehlt, ist mehr Engagement seitens der Verwaltungsebene, um das St\u00f6rungspotential zu senken\u201c, beklagte der ehrenamtliche Natursch\u00fctzer.<\/p>\n<p>Foto: Mediendienst f\u00fcr das Biosph\u00e4renreservat Rh\u00f6n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Ehrenberg \/ Gersfeld. Vor 30 Jahren \u2013 viel zu sp\u00e4t, wie einige meinen, wurde das Rote Moor unter Naturschutz gestellt. Bis 1984 fra\u00dfen sich jedoch die Bagger noch durch den Torf. Das, was \u00fcbrig geblieben ist, steht seitdem unter besonderem Schutz. 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