{"id":40421,"date":"2009-09-30T06:25:38","date_gmt":"2009-09-30T04:25:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=40421"},"modified":"2009-09-30T07:40:01","modified_gmt":"2009-09-30T05:40:01","slug":"urlaub-mal-ganz-anders-arbeiten-fuer-ein-stueck-alte-kulturlandschaft-aktive-landschaftspflege-statt-ausruhen-und-geniessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=40421","title":{"rendered":"Urlaub mal ganz anders: Arbeiten f\u00fcr ein St\u00fcck alte Kulturlandschaft &#8211; Aktive Landschaftspflege statt Ausruhen und Genie\u00dfen"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/090929_Bergwaldprojekt.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-40422\" title=\"090929_Bergwaldprojekt\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/090929_Bergwaldprojekt-265x171.jpg\" alt=\"090929_Bergwaldprojekt\" width=\"265\" height=\"171\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/090929_Bergwaldprojekt-265x171.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/090929_Bergwaldprojekt.jpg 592w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a>Rh\u00f6n. <\/strong>18 M\u00e4nner und Frauen verbrachten jetzt Urlaub der besonderen Art im Biosph\u00e4renreservat Rh\u00f6n. Statt auszuruhen oder die Landschaft zu genie\u00dfen waren sie aktiv in der Landschaftspflege und Lebensraumgestaltung t\u00e4tig. \u201eIch will meinen Urlaub sinnvoll verbringen und etwas f\u00fcr die Natur und die Gesellschaft leisten\u201c, sagt eine junge Frau, die im \u201enormalen\u201c Leben als Beamtin t\u00e4tig ist. So wie ihr ging es auch den anderen: Sie hatten sich beim Verein \u201eBergwaldprojekt e.V.\u201c mit Sitz in W\u00fcrzburg ganz gezielt f\u00fcr einen Arbeitsurlaub angemeldet, der sie ins Biosph\u00e4renreservat Rh\u00f6n f\u00fchrte. <!--more--><\/p>\n<p>Hier waren am Mathesberg bei Ehrenberg acht Hektar eines ehemaligen Fichtenbestandes von Kleinholz zu ber\u00e4umen, um dem urspr\u00fcnglichen Borstgrasen wieder eine Chance zu geben, sich anzusiedeln. Au\u00dferdem mussten am Rande des Roten Moors Karpatenbirken und \u00d6hrchenweiden entfernt werden, damit die dort vorhandene seltene Hochstaudenflur auch in Zukunft ungehindert gedeihen kann.<\/p>\n<p>Das \u201eBergwaldprojekt\u201c ist urspr\u00fcnglich in der Schweiz entstanden und sollte die Wiederanpflanzung von W\u00e4ldern f\u00f6rdern, die aufgrund des Sauren Regens zerst\u00f6rt waren. Die Umweltorganisation Greenpeace und der World Wide Fund for Nature (WWF) f\u00f6rderten diese Ziele. \u201eDas Motto war und ist, nicht zu reden, sondern anzupacken\u201c, sagt Andreas Frieseke, selbstst\u00e4ndiger F\u00f6rster aus Dresden und Projektleiter beim \u201eBergwaldprojekt\u201c. In der Rh\u00f6n leitete er den Einsatz der beiden Gruppen am Mathesberg und am Roten Moor. Ewald Sauer von der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosph\u00e4renreservats Rh\u00f6n koordinierte die Arbeiten.<\/p>\n<p>Das \u201eBergwaldprojekt\u201c besch\u00e4ftigt sich neben Neuanpflanzungen von W\u00e4ldern auch mit dem Zaunbau und zunehmend mit der Landschaftspflege. 2009 konnten insgesamt 45 verschiedene Projekte in ganz Deutschland realisiert werden \u2013 auf der Basis des unentgeltlichen Einsatzes von Freiwilligen. Rund ein Drittel bis 40 Prozent der Kosten m\u00fcssen dabei von den verantwortlichen Stellen wie den Biosph\u00e4renreservaten oder Nationalparken getragen werden. Den Rest steuert der Verein bei \u2013 haupts\u00e4chlich sind das Spendengeldern von Privatpersonen, Unternehmen oder auch Gelder aus F\u00f6rdermitgliedschaften. \u201eWir sind mittlerweile von der Nordsee bis in die oberbayerischen Alpen t\u00e4tig. Unser Ziel ist es, den Freiwilligen verschiedene Arbeiten anzubieten. Daher kommt auch unser zunehmendes Engagement f\u00fcr den Arten- und Biotopschutz\u201c, sagt Frieseke.<\/p>\n<p>Ewald Sauer ist sehr froh dar\u00fcber, dass der freiwillige, einw\u00f6chige Arbeitsurlaub im Biosph\u00e4renreservat Rh\u00f6n zustande kam. \u201eWenn 18 hoch motivierte Leute eine Woche lang anpacken, dann sieht man, wie es vorangeht\u201c, meint er. Am Osthang des Mathesberges ging es darum, einen bereits gerodeten ehemaligen Fichtenstandort wieder in Gr\u00fcnland umzuwandeln. Daf\u00fcr mussten \u00c4ste und Zweige gesammelt und verbrannt werden \u2013 eine teilweise wirkliche Knochenarbeit f\u00fcr die Industriekaufleute, Banker, Studenten, Beamten, Ern\u00e4hrungsberater, Greenpeace-Mitarbeiter oder Rentner. \u201eWir wollen dazu beitragen, dass hier wieder das entsteht, f\u00fcr was der Berg bekannt ist\u201c, sagt ein \u00e4lterer Mann. Damit meint er einen traditionellen Balzplatz f\u00fcr die Birkh\u00e4hne aus dem Roten Moor. \u201eIn den letzten Jahren wurden immer wieder Birkh\u00fchner hier gesichtet, aber eben nur sporadisch, weil sie der Fichtenwald abschreckte.<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/090929_Bergwaldprojekt1.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-40423\" title=\"090929_Bergwaldprojekt1\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/090929_Bergwaldprojekt1-265x172.jpg\" alt=\"090929_Bergwaldprojekt1\" width=\"265\" height=\"172\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/090929_Bergwaldprojekt1-265x172.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/090929_Bergwaldprojekt1.jpg 592w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/090929_Bergwaldprojekt2.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-40424\" title=\"090929_Bergwaldprojekt2\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/090929_Bergwaldprojekt2-265x175.jpg\" alt=\"090929_Bergwaldprojekt2\" width=\"265\" height=\"173\" \/><\/a>Wenn wir aber eine sichere Population des Birkhuhns in der Rh\u00f6n wieder aufbauen wollen, dann m\u00fcssen wir die Lebensr\u00e4ume wieder so herrichten, dass sie geeignet sind. Das ist eine Aufgabe, die uns die EU stellt\u201c, hebt Ewald Sauer hervor. Letztlich gehe es am Osthang des Mathesberges aber nicht nur um das Birkhuhn, sondern auch um die anderen Siedler der Offenlandbrutbereiche wie Wiesenpieper, Wachtelk\u00f6nig oder Bekassine. \u201eIn den Randfl\u00e4chen, die wir schon vor Jahren ber\u00e4umt haben, gibt es diese V\u00f6gel. Deshalb werden sie sich auch hier niederlassen, wenn die Fl\u00e4che nicht wieder gro\u00dfr\u00e4umig verbuscht\u201c, wei\u00df er. In Zukunft soll deshalb das komplette Gebiet eingez\u00e4unt und mit den Schwarzen Angus-Rindern eines ortsans\u00e4ssigen Landwirts beweidet werden. \u201eEs darf keine h\u00f6her wachsende Konkurrenz geben; dann kann sich der Borstgrasrasen gut entwickeln. Die Rinder werden Strauchgew\u00e4chse gezielt verbei\u00dfen\u201c, erkl\u00e4rt Sauer.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Forstoberrat bringt die Umwandlung des ehemaligen Fichtenbestandes in Gr\u00fcnland auch einen Gewinn f\u00fcr das Landschaftsbild. \u201eMit dem beginnenden Borstgrasrasen haben wir den Mathesberg wieder als Bergerhebung heraus modelliert \u2013 so wie es Anfang des letzten Jahrhunderts war\u201c, sagt er. Die Aufforstung mit Fichten habe vor rund 70 Jahren begonnen. Durch Wind- und Schneebruch sei der Bestand immer weiter gesch\u00e4digt worden, so dass die Rodung eine logische Folge war. \u201eJetzt stellen wir das wieder her, was damals aufgegeben wurde \u2013 n\u00e4mlich einen Ausschnitt aus der alten Kulturlandschaft mit traditioneller Nutzung.\u201c Der Borstgrasrasen sei europaweit stark gef\u00e4hrdet \u2013 und mit ihm die Pflanzengesellschaft aus Arnika, T\u00fcrkenbundlilie, Blutwurz, Waldstorchschnabel und Silberdistel.<\/p>\n<p>F\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre hat auch die Hochstaudenflur im Naturschutzgebiet \u201eRotes Moor\u201c Dank des freiwilligen Arbeitseinsatzes innerhalb des \u201eBergwaldprojekts\u201c eine neue \u00dcberlebenschance. Insgesamt 25 Hektar ungenutztes Gr\u00fcnland befinden sich hier. Aufgrund der Feuchtigkeit kann die Wiese nicht mit schwerer Technik gem\u00e4ht werden. \u201eFr\u00fcher haben die Bauern den ersten Frost abgewartet, damit sie den Boden betreten konnten. Das Gras haben sie als Einstreu f\u00fcr den Stall verwendet. Das waren hier klassische \u201eStreuwiesen\u201c, erkl\u00e4rt Ewald Sauer. Mit der Einstellung der Nutzung drohte die Fl\u00e4che zu verbuschen. Doch die seltene Hochstaudenflur wird insbesondere gern von der Bekassine genutzt. \u201eWenn wir hier die Karpatenbirken und \u00d6hrchenweiden beseitigen, dann hat sie weiterhin ihr Auskommen\u201c, hebt Ewald Sauer hervor. Diese m\u00fcssen jedoch per Hand entfernt werden, denn eine Beweidung der Fl\u00e4che ist aufgrund der gro\u00dfen Feuchtigkeit nicht m\u00f6glich.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Rh\u00f6n. 18 M\u00e4nner und Frauen verbrachten jetzt Urlaub der besonderen Art im Biosph\u00e4renreservat Rh\u00f6n. 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