{"id":39606,"date":"2009-09-22T05:49:41","date_gmt":"2009-09-22T03:49:41","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=39606"},"modified":"2009-09-21T15:53:17","modified_gmt":"2009-09-21T13:53:17","slug":"fragt-uns-wir-sind-die-letzten-zeitzeugen-berichteten-in-buedingen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=39606","title":{"rendered":"\u201eFragt uns, wir sind die Letzten\u201c \u2013 Zeitzeugen berichteten in B\u00fcdingen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/090918_Zeitzeugen.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-39607\" title=\"090918_Zeitzeugen\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/090918_Zeitzeugen-265x176.jpg\" alt=\"090918_Zeitzeugen\" width=\"265\" height=\"176\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/090918_Zeitzeugen-265x176.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/090918_Zeitzeugen.jpg 592w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a><strong>B\u00fcdingen. <\/strong>Es war ein mehr als bewegender Abend im S\u00e4lchen im B\u00fcdinger Oberhof. Vier Zeitzeugen aus Polen berichteten auf Einladung der Geschichtswerkstatt B\u00fcdingen \u00fcber ihre Leidensjahre in Ghetto und KZ. Schmucklos und eindringlich schilderten sie den Zuh\u00f6rern ihr pers\u00f6nliches Elend in Buchenwald, Auschwitz und anderen St\u00e4tten der Menschenverachtung.<!--more--><br \/>\nAlois Bauer, der seit vielen Jahren f\u00fcr das Bistum Mainz die Kontakte zu den \u00dcberlebenden der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie pflegt, hatte zusammen mit Joachim Cott von der Geschichtswerkstatt diesen Abend organisiert. Vier ehemalige Lagerinsassen, zwischen 81 und 87 Jahre alt, sprachen \u00fcber die schlimmste Zeit ihres Lebens.<\/p>\n<p>Wladyslaw Kozdon wurde als sechstes von sieben Kindern im oberschlesischen Bergwerksrevier geboren, w\u00e4chst als Pole neben Deutschen auf. 1939 verhaftet man den erst 17j\u00e4hrigen zusammen mit seinem Vater und deportiert beide ohne Prozess und Urteil nach Buchenwald, weil er angebliche verbotene Pfadfinderb\u00fccher versteckt habe. Er \u00fcberlebt im KZ, da er nicht zu schwerer Bergwerksarbeit abkommandiert wird. Zun\u00e4chst arbeitet er als Maurer, sp\u00e4ter gibt er sich als Friseur aus, um nicht auf die Listen der Todestransporte zu kommen. Der Name seines Vaters steht auf einer solchen Liste.<\/p>\n<p>Viele Jahre kann W. Kozdon nicht \u00fcber seine traumatischen Erfahrungen sprechen, bis er sie schlie\u00dflich in seinem Buch \u201e&#8230;ich kann dich nicht vergessen\u201c verarbeitet. Sein Bericht \u00fcber seine Jugend in Gefangenschaft streift dramatische Geschehnisse der Lagergeschichte. Er erz\u00e4hlt von den Abgr\u00fcnden menschlichen Handelns, von den Zuf\u00e4llen des \u00dcberlebens, aber auch von Solidarit\u00e4t. Kozdon erm\u00f6glicht den Blick in die Nischen des Lagerlebens, von deutschen politischen H\u00e4ftlingen, die diese Nischen schufen und Jugendlichen wie ihm eine Chance zum \u00dcberleben gaben. Sein Werk will er nicht als Anklage verstanden sehen, sondern als einen Beitrag zum deutsch-polnischen Dialog.<\/p>\n<p>Ignacyi Arthur Krasnokucki stammt aus einer j\u00fcdischen Familie. Er kommt mit 14 Jahren ins Ghetto Litzmannstadt (Lodz). Zwei Br\u00fcder k\u00f6nnen fliehen, der Vater verschwindet, sein Schicksal ist bis heute ungewiss. Krasnokucki bleibt zur\u00fcck mit der kranken Mutter, die er m\u00fchsam zu ern\u00e4hren versucht und vor allen Selektionen sch\u00fctzt. Sie stirbt in seinen Armen.<br \/>\nNach Aufl\u00f6sung des Ghettos kommt Krasnokucki \u00fcber mehrere Stationen ins KZ Tschenstochau, einem Au\u00dfenlager von Buchenwald, wo er als Hilfselektriker Zwangsarbeit leistet. Im August 1944 wird das Lager aufgel\u00f6st, weil die Front n\u00e4her r\u00fcckt. Am 4. April 1945 kann er vom Todesmarsch fliehen und wird von US-Soldaten gerettet.<\/p>\n<p>Jacek Zieleniewicz stammt aus einer katholischen Familie und kommt als 17j\u00e4hriger ins Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Dort sieht er Tausende j\u00fcdischer Kinder und Erwachsener in die Gaskammern gehen. \u201eDer t\u00e4gliche Wahnsinn hat uns abgestumpft; erst sp\u00e4ter sind wir aufgewacht, erschrocken \u00fcber das Unglaubliche.\u201c Nach einem Jahr kommt er in die N\u00e4he von Rottweil, in ein Au\u00dfenlager von Natzweiler: \u201eWir mussten bei Wind und Wetter raus an die Arbeit, ein Brot musste f\u00fcr acht Personen reichen. Von vormals 79 kg war ich in Rottweil nach kurzer Zeit auf 38 kg abgemagert. Wir waren verlaust und krank, mussten in unseren Briefen an die Familien aber schreiben, das wir gesund seien und es uns gut gehe.\u201c Sein Appell an die Jugendlichen: \u201eIhr seid nicht verantwortlich f\u00fcr das Geschehene \u2013 aber helft mit, dass so etwas nie wieder geschieht.\u201c<\/p>\n<p>Die von den Erz\u00e4hlungen sehr betroffenen Besucher nutzten zahlreich das Motto des Abends und fragten nach vielen Einzelheiten, die von den G\u00e4sten ausf\u00fchrlich dargelegt wurden. Nicht mehr lange wird gefragt werden k\u00f6nnen \u2013 umso wichtiger war dieser Abend. Aktuell leben noch ca. 30 000 Menschen, die den Lagern entkommen konnten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>B\u00fcdingen. Es war ein mehr als bewegender Abend im S\u00e4lchen im B\u00fcdinger Oberhof. 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