{"id":3880,"date":"2007-06-27T00:41:15","date_gmt":"2007-06-26T22:41:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=3880"},"modified":"2007-06-27T00:41:15","modified_gmt":"2007-06-26T22:41:15","slug":"auf-der-suche-nach-bergmolch-und-feuersalamander","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=3880","title":{"rendered":"Auf der Suche nach Bergmolch und Feuersalamander"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sch\u00f6nes aus der\u00c2\u00a0Rh\u00f6n.<\/strong> Zu einer informativen Fachveranstaltung hatte der Landkreis Fulda Biosph\u00e4renreservat Rh\u00f6n naturschutzfachlich Interessierte in das Groenhoff-Haus Wasserkuppe eingeladen. Referent Harald Nicolay, international als Amphibien- und Reptilienexperte gesch\u00e4tzt, stellte zun\u00e4chst in zwei Vortr\u00e4gen das Vorkommen der heimischen Amphibien und Reptilien in der Rh\u00f6n vor. <!--more--><br \/>\nIm zweiten Abschnitt der Veranstaltung wurde ein Kreuzotterbiotop in der Revierf\u00f6rsterei Elters besucht. Nach Eintritt der Dunkelheit ging es dann auf die Pirsch in einen ehemaligen Steinbruch. Nach einigem Suchen konnten dort Bergmolche, Grasfr\u00f6sche und Erdkr\u00f6ten konnten auch Feuersalamander entdeckt werden.<\/p>\n<p>Die heimischen Amphibien werden unterschieden in Schwanzlurche und Froschlurche. Zu den heimischen Schwanzlurchen z\u00e4hlen der Teich-, Kamm-, Berg- und Fadenmolch sowie der Feuersalamander. Die Froschlurche sind mit den Arten Grasfrosch, Erdkr\u00f6te, Gelbbauchunke, Geburtshelferkr\u00f6te, Kreuzkr\u00f6te und den so genannten Gr\u00fcnfr\u00f6schen in der Rh\u00f6n vertreten. Als ausgestorben gilt der Laubfrosch. Weit verbreitet und in den Rh\u00f6ner Stillgew\u00e4ssern im Fr\u00fchjahr gut zu beobachten, sind der br\u00e4unliche Teichmolch und der schwarze Bergmolch. Der Bergmolch f\u00e4llt mit seiner orange oder auch wei\u00dflichen Unterseite auf. Deutlich gr\u00f6\u00dfer ist der Kammmolch mit seiner warzigen Haut, welche oft wei\u00dfe T\u00fcpfelchen hat und am Bauch gefleckt ist. Der Kammmolch ben\u00f6tigt relativ gro\u00dfe Gew\u00e4sser.<\/p>\n<p>Nicolay bedauert, dass es gerade \u00fcber den Kammmolch kaum Untersuchungen gibt, wie es um seinen Landlebensraum bestellt ist, welche er nach der Eiablage aufsucht. Ein weitere Vertreter der Schwanzlurche ist der Fadenmolch. Er erreicht in der Rh\u00f6n offenbar seine n\u00f6rdliche Arealgrenze. Verwechslungen mit dem Bergmolch gibt es immer wieder. Auff\u00e4llig sind die Schwimmh\u00e4ute an den Hinterf\u00fc\u00dfen der m\u00e4nnlichen Tiere sowie deren Schwanzfaden. Anzutreffen sind Fadenmolche teilweise in Klein- und Kleinstgew\u00e4ssern, aber auch vom Edersee liegen hohe Erkenntnisse \u00fcber Bestandsdichten vor.<\/p>\n<p>Der Feuersalamander bewohnt die bewaldeten Mittelgebirgslagen. Nadelw\u00e4lder meidet er. Eine Besonderheit ist, dass er voll entwickelte Larven lebend zur Welt bringt, die dann in sauberen kleinen B\u00e4chen heranwachsen. Der Feuersalamander ist scheinbar in Hessen noch weit verbreitet. Allerdings gibt es alarmierende Anzeichen von Bestandseinbr\u00fcchen an der Westabflachung des Vogelsberges. Durch Trinkwassergewinnung sind dort viele Quellen trocken gefallen. Der Feuersalamander hat viele Lebensr\u00e4ume eingeb\u00fc\u00dft. Wird der Feuersalamander gequ\u00e4lt, scheidet er in Form von wei\u00dfem Schleim ein Gift aus.<\/p>\n<p>Unter den Froschlurchen ist die Erdkr\u00f6te der h\u00e4ufigste Vertreter. Ebenfalls h\u00e4ufig ist der Grasfrosch. Moorfr\u00f6sche konnten auch in den Hochmooren der Rh\u00f6n bislang nicht nachgewiesen werden. Eine seltene FFH Art ist die Gelbbauchunke. Sie z\u00e4hlt zu den Pionierarten, die urspr\u00fcnglich in den Urstromt\u00e4lern vorkamen und vom Hochwasser frei gesp\u00fclte Kies- und Sandb\u00e4nke nutzte. Heute ist die Gelbbauchunke nur noch an zwei Standorten im Landkreis vertreten. Auch die Gelbbauchunke wei\u00df sich mit Gift zu wehren. Ihre gelb-dunkle Bauchunterseite ist f\u00fcr jeden Raubfisch ein warnendes Signal.<\/p>\n<p>Eigentlich eine Charakterart der Rh\u00f6n sollte die Geburtshelferkr\u00f6te sein. Ihren Name hat sie daher, dass die M\u00e4nnchen sich die Laichschn\u00fcre um die Hinterbeine wickeln und so praktisch Brutpflege betreiben. Nicolay berichtet, dass nur noch\u00c2\u00a0vier bis f\u00fcnf Standorte der Geburtshelferkr\u00f6te bekannt sind. Fr\u00fcher fand die Geburtshelferkr\u00f6te in alten Feuerl\u00f6schteichen der Weiler einen idealen Lebensraum. Sandsteineinfassungen, Ger\u00fcmpel und der Teich waren ihr Lebensraum. Da aber vielfach die Feuerl\u00f6schteiche verf\u00fcllt wurden oder ein starker Forellenbesatz folgte, sind eine Reihe von bekannten Standorten erloschen. Heute befindet sich das gr\u00f6\u00dfte Vorkommen der Geburtshelferkr\u00f6te in der Panzerwaschstra\u00dfe Wildflecken. Eine M\u00f6glichkeit die Gelbbauchunke zu f\u00f6rdern besteht darin, bestehende Laichgew\u00e4sser regelm\u00e4\u00dfig auszubaggern.<\/p>\n<p>Eine weitere sehr seltene Art ist die Kreuzkr\u00f6te. Auch sie kommt in der Deponie von Kalbach vor. Vorteil dieser sehr seltenen Kr\u00f6tenart ist, dass sie sehr alt werden kann. In den Hochlagen der hessischen Rh\u00f6n ist sie offenbar ausgestorben.<br \/>\nAbschlie\u00dfend nennt Nicolay in seinem Amphibienvortrag noch die Gruppe der Gr\u00fcnfr\u00f6sche. Hierzu z\u00e4hlen der kleine Teichfrosch und der deutlich gr\u00f6\u00dfere Seefrosch. Auch der Hybrid dieser beiden Arten, der Wasserfrosch, ist in der Rh\u00f6n zu finden.<\/p>\n<p>F\u00fcr den Amphibienschutz w\u00fcnscht sich Nicolay, dass wieder deutlich mehr Teiche mittels Bagger, Panzer oder Raupe angelegt werden. Auch ist es Ziel der Amphibiensch\u00fctzer, die Leitsysteme entlang der Stra\u00dfen, die w\u00e4hrend des Zuges von den Amphibien im Fr\u00fchjahr gekreuzt werden, auszubauen. Nicolay bedauert, dass f\u00fcr eine Vielzahl von Anlagen keinerlei Untersuchungen hinsichtlich deren Effizienz vorliegen.<\/p>\n<p>Im zweiten Vortragsteil ging es um die Schlangen und Echsen der Rh\u00f6n. Zu den Schlangen geh\u00f6ren die hier verbreiteten Ringelnattern und Kreuzottern sowie die vereinzelt an warmen Standorten anzutreffende Schlingnatter. Zu den Echsen z\u00e4hlen Blindschleiche, Zauneidechse und Waldeidechse. Die gr\u00f6\u00dfte unter den heimischen Schlangen ist die Ringelnatter, die bis zu 1,40 Meter\u00c2\u00a0lang werden kann. Den Ringelnatterpopulationen kann geholfen werden, indem geeignete Pl\u00e4tze f\u00fcr die Eiablage, zum Beispiel durch die Anh\u00e4ufung von Treibgut geschaffen werden. Fr\u00fcher war sie oft in Runkelmieten anzutreffen. \u00c4hnlich wie die harmlose Schlingnatter hat auch die Ringelnatter eine runde Pupille. Ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal, denn Schlangen mit senkrechten geschlitzten Pupillen geh\u00f6ren zu den Giftschlangen.<\/p>\n<p>Gut zu erkennen ist die Ringelnatter anhand des gelben Halbmondes an den Kopfseiten. W\u00e4hrend die Ringelnatter ein Vagabund ist, der weite Strecken zur\u00fccklegt, sind Schlingnatter und Kreuzotter standorttreu. Die Schlingnatter erreicht in der Rh\u00f6n ihr n\u00f6rdlichstes Verbreitungsgebiet. Die Schlange ist w\u00e4rmeliebend und bevorzugt als Lebensraum Trockenrasen, Halbtrockenrasen und Autobahnb\u00f6schungen. Oft kann man sie gemeinsam mit Zauneidechsen antreffen. Die Schlingenatter ist, ebenso wie die Kreuzotter, lebend geb\u00e4rend. Die robuste Kreuzotter, die bis n\u00f6rdlich des Polarkreises vorkommt, wird etwa 60\u00c2\u00a0bis 80\u00c2\u00a0Zentimeter lang. Auff\u00e4llig ist das dunkle R\u00fcckenband, das sie kennzeichnet. Es gibt aber auch vereinzelt schwarze Arten. Das X auf dem Kopf gab der Kreuzotter ihren Namen. F\u00fcr Nikolay ist die Kreuzotter genauso eine Leitart f\u00fcr die Rh\u00f6n wie das Auerwild und das Birkwild. Auch die Kreuzotter hat hohe Anspr\u00fcche an ihren Lebensraum.\u00c2\u00a0<\/p>\n<p>Aus Sicht des Artensch\u00fctzers Nikolay ist es \u00fcberaus bedauerlich, dass die Kreuzotter nicht als gesch\u00fctzte Art im Sinne der Flora-Fauna-Habitat-Richtlinie der Europ\u00e4ischen Union aufgenommen wurde. Nicolay: \u201eHier hat Deutschland geschlafen!\u201c. Auch beklagt Nicolay, dass in der Presse die Gef\u00e4hrlichkeit der Kreuzotter drastisch \u00fcberzeichnet wird. Nachweislich gebe es seit Ende des zweiten Weltkrieges lediglich zwei Todesf\u00e4lle durch Kreuzotterbisse.<\/p>\n<p>Im Anschluss an die vielschichtigen Vortr\u00e4ge wurde eines von 26 Sonderbiotopen f\u00fcr Kreuzottern in Osthessen besichtigt. Unter der F\u00fchrung von Revierf\u00f6rster Gillmann besichtigte die\u00c2\u00a0drei\u00dfigk\u00f6pfige Exkursionsgruppe eine kleines frei gestelltes Waldareal, auf dem Reisighaufen ideale Deckungsm\u00f6glichkeiten bieten und sich eine vielf\u00e4ltige Vegetation nach der Rodung eingestellt hat. Zwar konnten im Rahmen der Exkursion keine Kreuzotter in dem Bereich ausfindig gemacht werden, allerdings gelang es insbesondere den Kindern, die an der Fachveranstaltung teilnahmen, Blindschleiche und Waldeidechse zu fangen.<\/p>\n<p>Zum Abschluss des Tages stand dann von 21\u00c2\u00a0bis 23 Uhr noch eine Exkursion in einen ehemaligen Basaltsteinbruch auf dem Programm. In der warmen Sommernacht konnten im Lichtkegel der Taschenlampen zahlreiche Amphibien ausgemacht werden: Bergmolche, ein eigent\u00fcmlich gef\u00e4rbter Grasfrosch, Erdkr\u00f6ten und als H\u00f6hepunkt auch ein Feuersalamander wurden beobachtet.<\/p>\n<p>Zur Abrundung hatte der Referent aber auch lebende Exemplare von Kreuzotter und Kammmolch dabei, sodass f\u00fcr die Teilnehmer der spannenden Veranstaltung kaum ein Wunsch offen blieb. Martin Kremer, Mitarbeiter des Landkreises, dankte\u00c2\u00a0Nicolay f\u00fcr die informative Gestaltung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Sch\u00f6nes aus der\u00c2\u00a0Rh\u00f6n. Zu einer informativen Fachveranstaltung hatte der Landkreis Fulda Biosph\u00e4renreservat Rh\u00f6n naturschutzfachlich Interessierte in das Groenhoff-Haus Wasserkuppe eingeladen. 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