{"id":3872,"date":"2007-06-25T23:08:47","date_gmt":"2007-06-25T21:08:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=3872"},"modified":"2007-06-25T23:08:47","modified_gmt":"2007-06-25T21:08:47","slug":"wandern-und-regionale-identitaet-hat-die-rhoen-eine-seele","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=3872","title":{"rendered":"Wandern und regionale Identit\u00e4t \u2013 hat die Rh\u00f6n eine Seele?"},"content":{"rendered":"<p><strong>Sch\u00f6nes aus Gersfeld.<\/strong> Die Arbeitsgemeinschaft der Rh\u00f6ner Landkreise (ARGE Rh\u00f6n), der Rh\u00f6nklub und der Verein Natur- und Lebensraum Rh\u00f6n (VNLR) hatten am 16. Juni 2007 zum Symposium \u201eWandern und regionale Identit\u00e4t\u201c nach Gersfeld eingeladen.<!--more--><\/p>\n<p>Im mit 100 Teilnehmern voll besetzten Saal referierte Dr. Christoph Engl, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der S\u00fcdtirol Marketinggesellschaft. In seinem Vortrag kommt Engl rasch zur Sache: Wanderregionen sind nur dann erfolgreich, wenn sie Seele haben! Auf die Ausstrahlung der Landschaft, aber auch auf die Ausstrahlung der Menschen kommt es an. Glaubw\u00fcrdigkeit und Authentizit\u00e4t sind zentrale Kriterien. Dabei macht Engl an die Adresse der Touristiker deutlich, dass es ein Fehler sei zu glauben, man k\u00f6nne Landschaft oder Produkte einer Landschaft verkaufen.<\/p>\n<p><strong>Tr\u00e4ume und Sehns\u00fcchte wecken<\/strong><\/p>\n<p>\u201eDestinationen verkaufen Tr\u00e4ume. Viele Regionen prostituieren sich, indem sie anbieten, was der Kunde will.\u201c Engl meint, dies sei der falsche Weg. Man m\u00fcsse im Angebot f\u00fchren, was beim Gast Tr\u00e4ume und Sehns\u00fcchte weckt. Vor allem komme es auf das Alleinstellungsmerkmal an. Warum soll der Gast im Urlaub etwas kaufen, was er \u00fcberall auf der Welt bekommt?<\/p>\n<p>Dem Wandern prognostiziert Engl eine gro\u00dfe Zukunft. Die Sehnsucht nach Zeit, nach Gemeinschaft und Gesundheit, aber auch das naturnahe Genie\u00dfen und das authentische Erfahren bezeichnet Engl als die Luxusg\u00fcter der Zukunft. Wie kaum eine andere Natursportart kann mittels Wandern diesen Megatrends Rechnung getragen werden. Wandern hilft, unser Leben zu entschleuningen, zu entspannen.<\/p>\n<p><strong>\u201eSoftangebote\u201c statt &#8220;Gipfelst\u00fcrmen&#8221;<\/strong><\/p>\n<p>Mit Blick auf die Fremdenverkehrsangebote macht Engl deutlich, dass sich die Vorstellungen der Wanderer in den letzten Jahren gr\u00fcndlich ver\u00e4ndert haben. Das \u201eKilometerfressen\u201c und \u201eGipfelst\u00fcrmen\u201c ist nicht mehr angesagt. Wichtig sind so genannte \u201eSoftangebote\u201c. Der Wanderer von heute liebt aussichtsreiche Touren auf nicht asphaltierten Wegen. Er sch\u00e4tzt die Einkehr in der H\u00fctte, will Menschen treffen und sehen und gesehen werden. Der Austausch und die Gesellschaft mit Gleichgesinnten sind dabei zentrale Anliegen.<\/p>\n<p>Befragungen in S\u00fcdtirol zeigen, dass f\u00fcr die Gruppe der Wanderer unter 39 Jahren Fitness und Gesundheit die wichtigsten Motive f\u00fcr das Wandern sind. Bei den \u00fcber 39-J\u00e4hrigen stehen Gesundheit und Naturerlebnis im Vordergrund. Engl: \u201eWandern ist keineswegs Altbacken, Wandern bringt die Seele in Bewegung!\u201c\u00c2\u00a0<\/p>\n<p><strong>Authentisches Erleben von Landschaft\u00c2\u00a0<br \/>\n<\/strong>\u00c2\u00a0<br \/>\nWanderdestinationen m\u00fcssen dem Rechnung tragen und ein authentisches Erleben von Landschaft erm\u00f6glichen. Dabei m\u00fcssen sich die Menschen der Region und die Kulturlandschaft im Einklang mit dem Gesamtleitbild der touristischen Destination pr\u00e4sentieren. Dies bedeutet im Umkehrschluss aber auch, dass man sich auf seine Alleinstellungsmerkmale besinnen muss und auf andere Dinge bewusst verzichtet. F\u00fcr S\u00fcdtirol gilt: \u201eWir sind kein Hullygully-Land\u201c. Kritik \u00fcbt Engl an Werbefotos mit Wanderern. Nach seiner Ansicht werden Wanderer oft viel zu hausbacken dargestellt, Nordic Walking betrachtet er als kurzfristige Modeerscheinung.<\/p>\n<p><strong>\u201eRegionale Identit\u00e4t\u201c<\/strong><\/p>\n<p>In einem zweiten Referat beleuchtet Dr. Gerrit Himmelsbach vom Spessartbund das Thema \u201eWandern und regionale Identit\u00e4t\u201c aus der Sicht der Wanderverb\u00e4nde. Er stellt fest, dass sich die Deutschen Gebirgs- und Wandervereine intensiv mit dem Thema \u201eRegionale Identit\u00e4t\u201c am Bespiel von Trachten, Mundart, Kulturarbeit, aber auch im Hinblick auf Essen und Trinken besch\u00e4ftigen. Vielen ist bewusst, dass sie in die Vergangenheit blicken, um Zukunft zu gestalten. Dabei reicht die Traditionspflege vergangener Jahrzehnte mit Singen, gesellschaftlichen Aktivit\u00e4ten und Festen nicht mehr aus. Himmelsbach res\u00fcmiert, dass die in der Gr\u00fcndungsphase der Deutschen Gebirgs- und Wandervereine lebhafte Heimatdiskussion in der zweiten H\u00e4lfte des 20. Jahrhunderts erstarrte.<\/p>\n<p>In vielen Wandervereinen f\u00fchrte die Unberechenbarkeit der modernen Lebenswelt zur Ratlosigkeit. Dabei ist, davon ist Himmelsbach \u00fcberzeugt, Heimatpflege in erster Linie Menschenpflege, und diese wiederum f\u00fchrt zu Identit\u00e4t. Eine wichtige Hilfe kann dabei die Forschung leisten. Forschung macht Heimat attraktiv und hilft die Bev\u00f6lkerung zu mobilisieren.<\/p>\n<p><strong>Impulse aus der Wissenschaft<\/strong><\/p>\n<p>Durch Impulse aus der Wissenschaft konnten im Spessart eine Reihe von identit\u00e4tsstiftenden Projekten initiiert werden. Dabei m\u00fcssen Heimat und Identit\u00e4t t\u00e4glich neu gewonnen werden. Die Besch\u00e4ftigung mit der Heimat schafft Wissen, es erw\u00e4chst daraus Neugier. Dies gibt Charakter und kann zur Identit\u00e4t und Heimatliebe f\u00fchren. Dazu geh\u00f6rt aber eine lebendige Geschichte und regionale Geschichten.<\/p>\n<p>Als dritter Referent stand J\u00fcrgen Krenzer, Gastwirt des Rh\u00f6nschafhotels \u201eZur Krone\u201c in Ehrenberg, dem Publikum Rede und Antwort. Mit einem Erfahrungsbericht vom neuen Premiumwanderweg \u201eHochrh\u00f6ner\u201c stellte er Licht und Schatten des Weges in den Fokus seiner Betrachtungen. Krenzer lobt die sch\u00f6ne Landschaft und das angenehme Gehen auf \u00fcberwiegend grasbewachsenen Wegen.<\/p>\n<p>Vielleicht auch aus Unachtsamkeit ist er auf seinem Weg von Bad Salzungen nach Bad Kissingen das ein oder andere Mal in die Irre gegangen. F\u00fcr ihn weniger erfreulich war, dass die \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeiten sehr weit auseinander liegen. Die Ruhetage der Gasth\u00f6fe sind nicht aufeinander abgestimmt. Erfreulich ist die Vielfalt regionaler Speisen und Getr\u00e4nke, insbesondere in den Gastst\u00e4tten der th\u00fcringischen Rh\u00f6n. Krenzer w\u00fcnscht sich, dass manche gastronomische Einrichtungen ihre \u00d6ffnungszeiten optimieren. Dies gilt auch f\u00fcr die eine oder andere Bergh\u00fctte. Krenzer meint, die Gastronomie entlang des Hochrh\u00f6ners habe sich bislang kaum auf dieses neue Premiumangebot eingestellt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Sch\u00f6nes aus Gersfeld. Die Arbeitsgemeinschaft der Rh\u00f6ner Landkreise (ARGE Rh\u00f6n), der Rh\u00f6nklub und der Verein Natur- und Lebensraum Rh\u00f6n (VNLR) hatten am 16. 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