{"id":38452,"date":"2009-09-11T01:21:33","date_gmt":"2009-09-10T23:21:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=38452"},"modified":"2009-09-10T21:23:59","modified_gmt":"2009-09-10T19:23:59","slug":"demografische-entwicklung-lobbyarbeit-vordringlich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=38452","title":{"rendered":"Demografische Entwicklung: Lobbyarbeit vordringlich"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/090910_TSundMWLRusw.jpg\"><img decoding=\"async\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/090910_TSundMWLRusw-265x105.jpg\" alt=\"090910_TSundMWLRusw\" hspace=\"5\" align=\"left\" title=\"Demografie-Workshop im Lauterbacher Kreishaus - unser Foto zeigt von links: Thomas Schaumberg, Margit Wagner, Landrat Rudolf Marx, B\u00fcrgermeisterin Dr. Birgit Richtberg, Werner K\u00f6hler, B\u00fcrgermeister Heiko Stock, Gerhard Muth (ZOV-Verkehr) und Sandra Obenhack von Familienb\u00fcndnis.\nFoto: Pressestelle Vogelsbergkreis\" width=\"265\" height=\"105\" class=\"alignnone size-medium wp-image-38451\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/090910_TSundMWLRusw-265x105.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/09\/090910_TSundMWLRusw.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a><strong>Vogelsbergkreis.<\/strong> Landrat Rudolf Marx, B\u00fcrgermeister und Fachleute aus allen Abteilungen der Kreisverwaltung sind sich einig: Bei der Bew\u00e4ltigung der demografischen Entwicklung ist noch mehr Lobbyarbeit n\u00f6tig. Denn der l\u00e4ndliche Raum hat mit der Bev\u00f6lkerungsentwicklung die heftigsten Probleme. Und den Vogelsbergkreis trifft es dabei in besonderem Ma\u00dfe. Dies machte Margit Wagner w\u00e4hrend eines Workshops im Lauterbacher Kreishaus deutlich. Wagner leitet eine fach\u00fcbergreifende Arbeitsgruppe, der auch einige B\u00fcrgermeister und die Vogelsberg Consult GmbH angeh\u00f6ren.<!--more--><\/p>\n<p>Die Konferenz in der Kreisverwaltung befasste sich mit folgenden Kernfragen: Was sind die deutlichsten Auswirkungen von Alterung und Wegzug aus der Region? Was funktioniert bereits jetzt gut als Strategie zur Bew\u00e4ltigung der Probleme? Wo ist der dringlichste Handlungsbedarf? Welche verl\u00e4sslichen Prognosen gibt es?<\/p>\n<p>Landrat Marx forderte &#8211; genau wie Vogelsberg-Consult-Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Thomas Schaumberg &#8211; eine mit Vertretern der L\u00e4nder und kommunalen Spitzenverb\u00e4nde abgestimmte nationale Strategie voranzutreiben, die dann in der Region passend umgesetzt werden m\u00fcsse. Marx machte deutlich: &#8220;Wir werden weniger. Aber nicht unsere Probleme.&#8221; Als Beispiele nannte der Landrat die Jugendhilfe und die Altenhilfe. Marx dankte Margit Wagner und Thomas Schaumberg f\u00fcr die &#8220;seit Jahren bereits wirksamen Ma\u00dfnahmen in der Arbeitsmarkt- und Strukturpolitik&#8221;, die die Potenziale des l\u00e4ndlichen Raumes aufgriffen und verst\u00e4rkten. So seien unter anderem die Dorfentwicklungs- und die Ausbildungsmarktpolitik im Vogelsberg hessenweit beispielgebend.<\/p>\n<p>&#8220;Wir fangen nicht bei Null an&#8221;, unterstrich so auch Margit Wagner, verwies auf das  kreisweite Familienb\u00fcndnis und &#8220;mehr als 20 Jahre Erfolge in der Dorf- und Regionalentwicklung&#8221; und dankte f\u00fcr die Initiative mehrerer Vogelsberg-B\u00fcrgermeister, die die notwendige &#8220;interkommunale Zusammenarbeit&#8221; auf ihre Fahnen geschrieben h\u00e4tten. Romrods B\u00fcrgermeisterin Dr. Birgit Richtberg und ihr Lautertaler Kollege Heiko Stock sprachen sich unter anderem f\u00fcr eine \u00dcberpr\u00fcfung von Standards aus. Richtberg: &#8220;Wir brauchen statt Kirchturmdenken mehr Handlungsspielr\u00e4ume und dann den Mut, sie auch zu nutzen.&#8221; Das Wichtigste sei jedoch die schon heraus gehobene Lobbyarbeit, &#8220;damit wir in Wiesbaden und Berlin als l\u00e4ndlicher Raum mit seinen vielen Vorz\u00fcgen \u00fcberhaupt erst einmal wahrgenommen werden&#8221;, so Heiko Stock. Alle Workshopteilnehmer beklagten jedoch auch ein &#8220;leider sehr uneinheitliches Vorgehen der kommunalen Spitzenverb\u00e4nde&#8221;. Richtberg: &#8220;Wir m\u00fcssen endlich mit einer Stimme sprechen!&#8221;<\/p>\n<p>&#8220;Was macht den Vogelsbergkreis f\u00fcr junge Familien attraktiv? Durch was werden sie zum Bleiben oder gar zum Kommen ermuntert?&#8221; Diese zentrale Frage wurde beispielsweise von VHS-Leiter Hans G\u00fcnter Oer und Schulverwaltungsamtschef Erich Wahl angesprochen. &#8220;Die Menschen wollen Verl\u00e4sslichkeit und Vielfalt im Bildungsangebot &#8211; das darf auf keinen Fall unter die R\u00e4der geraten&#8221;, sagte Erich Wahl. Oer: &#8220;Wir brauchen ein bildungsf\u00f6rderndes Milieu&#8221;. Nicht &#8220;nur&#8221; die Ethik, sondern auch der konkrete Fachkr\u00e4ftemangel mache Zuwanderung und eine stabile Integrationspolitik notwendig.<\/p>\n<p>Daneben m\u00fcssten nat\u00fcrlich die Anstrengungen auf dem Arbeitsmarkt verst\u00e4rkt werden. Denn, so Thomas Schaumberg: Immer mehr Arbeitnehmer pendeln aus. Dar\u00fcber hinaus sei ein Umsteuern in der Siedlungspolitik, eine Neuordnung des Finanzausgleichs sowie eine &#8220;Beendigung des F\u00f6rderdschungels&#8221; dringend n\u00f6tig. Es gebe viel zu viele punktuelle F\u00f6rdertechniken. Die l\u00e4ndlichen R\u00e4ume br\u00e4uchten dringend &#8220;den Blick aufs Ganze&#8221;.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Chancenwahrung junger Fachkr\u00e4fte spiele die Sicherung des \u00f6ffentlichen Nahverkehrs ebenfalls eine zentrale Rolle. Gerhard Muth-Born, im Zweckverband Oberhessische Versorgungsbetriebe mitverantwortlich f\u00fcr den Bereich \u00d6PNV, gab sich hinsichtlich der Sicherung der Vogelsbergbahn optimistisch und sprach sich gleichzeitig f\u00fcr den Ausbau flexibler Systeme, wie die Anrufsammeltaxis, aus.<\/p>\n<p>Diplom-Geograf Matthias Sebald vom Amt f\u00fcr den l\u00e4ndlichen Raum machte in seiner Prognose den Handlungsbedarf deutlich. Bis 2025 wird mit einer Einwohnerzahl von nur noch 100.000 gerechnet &#8211; aktuell sind es noch 112.000. Soziologisch bedeutsam aus Sebalds Sicht: Vor allem junge gut ausgebildete Frauen wandern ab. Sie st\u00fcnden deshalb weder als &#8211; unbedingt notwendige &#8211; Fachkr\u00e4fte noch als &#8220;m\u00f6gliche M\u00fctter&#8221; &#8220;zur Verf\u00fcgung&#8221;. Zudem sind die Menschen im Vogelsberg bereits heute im Schnitt mit am \u00e4ltesten in Hessen. Auch bei den Sch\u00fclerzahlen werde der R\u00fcckgang &#8211; bereits jetzt sp\u00fcrbar &#8211; besonders drastisch ausfallen: minus 35 Prozent bis 2020. Aber Sebald sprach auch an, wo die positiven und wegweisenden Potenziale liegen: Neben der guten Bildungsstruktur die hervorragende Wohnsituation und das Wohnumfeld. Die Prognos-Familienstudie setzt bei diesen Kriterien den Vogelsbergkreis auf Platz 20 von 431 deutschlandweit. <\/p>\n<p>Beruf und Familie unter einen Hut zu bringen, ist aus Sicht vieler Experten ein weiteres zentrales Thema, mit dem sich das Familienb\u00fcndnis, die Vogelsberg Consult und das Jugendamt eingehend befassen. Helmut Benner, stellvertretender Leiter des Amtes f\u00fcr Jugend, Familie und Sport, verwies auf die erheblich verst\u00e4rkten Anstrengungen sowohl der Kommunen als auch des Kreises bei der Erf\u00fcllung des gesetzlichen Auftrags, f\u00fcr mindestens ein Drittel der unter Dreij\u00e4hrigen einen Kita-Platz oder eine Tagespflegeperson bereit zu stellen. Die Entwicklung m\u00fcsse aber zus\u00e4tzlich in Richtung &#8220;richtige Ganztagsschulen&#8221; gehen. Das sei, so auch Erich Wahl und Hans G\u00fcnter Oer, der unabweisbare gesellschaftliche Bedarf.<\/p>\n<p>Hauptamtsleiter Erich Bloch berichtete vom Projekt &#8220;Mittelstandsorientierte Kreisverwaltung&#8221;. Die Orientierung an den Interessen des Mittelstands st\u00e4rke die Region. G\u00fcnther Bastian, Leiter der Wasserbeh\u00f6rde, stellte die &#8220;ganz besondere Problematik&#8221; heraus, auch kleinste D\u00f6rfer zu sozial vertr\u00e4glichen Preisen mit Wasser zu ver- und das Abwasser zu entsorgen. Dr. Eckhard K\u00f6hler-H\u00e4lbig machte bei den Anpassungsprozessen in der Landwirtschaft auf die Notwendigkeit der Erhaltung der Naturlandschaft aufmerksam. Von einem R\u00fcckgang des Baus von Einfamilienh\u00e4usern um 85 Prozent berichtete der stellvertretende Bauamtsleiter Klaus Schilling. Auch Verfall und Leerst\u00e4nde seien zunehmend ein Problem. Stellvertretender Finanzabteilungschef Horst Schmidt mahnte &#8211; gemeinsam mit vielen Workshopteilnehmern &#8211; eine Reform des kommunalen Finanzausgleichs an. <\/p>\n<p>Heike Bohl stellte f\u00fcr das Vogelsberger Familienb\u00fcndnis die Vernetzung von Fachleuten und ehrenamtlich t\u00e4tigen B\u00fcrgern als wesentlich &#8220;f\u00fcr die Bew\u00e4ltigung der sozialen Herausforderungen&#8221; heraus. Sozialamtsleiter Werner K\u00f6hler verdeutlichte die Bem\u00fchungen der Kommunalen Vermittlungsagentur, die wirtschaftliche und soziale Lage im Landkreis zu stabilisieren. Die Integration in den Arbeitsmarkt von Menschen im Bereich &#8220;50-plus&#8221; werde verst\u00e4rkt, der Arbeitgeberservice sei ein verl\u00e4sslicher Partner der Wirtschaft und im Bereich Sicherung der Pflege &#8211; beim \u00c4lterwerden der Bev\u00f6lkerung ebenfalls eine gro\u00dfe Herausforderung &#8211; k\u00fcmmere sich der Kreis zum Beispiel um mehr ambulante Pflegem\u00f6glichkeiten und einen beratenden Pflegest\u00fctzpunkt. Gesundheitsamtsleiterin Renate Meudt machte erneut das Problem des \u00c4rztemangels deutlich. Hier m\u00fcssten Anreize f\u00fcr junge \u00c4rzte her, sich im l\u00e4ndlichen Raum niederzulassen.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit Margit Wagner sprach sich Pressesprecher Erich Ruhl daf\u00fcr aus, die &#8220;Negativwahrnehmung zu durchbrechen&#8221; und die St\u00e4rken noch selbstbewusster heraus zu stellen &#8211; ohne dabei &#8220;Potemkische D\u00f6rfer zu verkaufen&#8221;, betonte Ruhl, also die Probleme nicht sch\u00f6n zu reden. Abschlie\u00dfend bewertete Arbeitsgruppenleiterin Margit Wagner die &#8220;erste gro\u00dfe interdisziplin\u00e4re Runde&#8221; als sehr positiv. Nur so k\u00f6nnten fachlich tragf\u00e4hige Strategien entwickelt werden, die dann auch Handlungsempfehlung f\u00fcr die verantwortliche Politik werden k\u00f6nnten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Vogelsbergkreis. Landrat Rudolf Marx, B\u00fcrgermeister und Fachleute aus allen Abteilungen der Kreisverwaltung sind sich einig: Bei der Bew\u00e4ltigung der demografischen Entwicklung ist noch mehr Lobbyarbeit n\u00f6tig. Denn der l\u00e4ndliche Raum hat mit der Bev\u00f6lkerungsentwicklung die heftigsten Probleme. Und den Vogelsbergkreis trifft es dabei in besonderem Ma\u00dfe. 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