{"id":35374,"date":"2009-07-29T06:49:20","date_gmt":"2009-07-29T04:49:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=35374"},"modified":"2009-07-29T07:42:30","modified_gmt":"2009-07-29T05:42:30","slug":"internationaler-orgelsommer-im-fuldaer-dom-mit-torsten-laux","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=35374","title":{"rendered":"Internationaler Orgelsommer im Fuldaer Dom mit Torsten Laux"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/Laux.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-35375\" title=\"Dommusik \" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/Laux-265x389.jpg\" alt=\"Dommusik \" hspace=\"5\" width=\"265\" height=\"389\" align=\"left\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/Laux-265x389.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/Laux.jpg 408w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a><strong>Fulda. <\/strong>F\u00fcr sein Orgelkonzert am 9. August um 16.30 Uhr hat Torsten Laux, D\u00fcsseldorf, ein ganz besonderes Programm zusammengestellt. Vergleichend kann man hier zum vorausgegangen Konzert die gro\u00dfe f-Moll-Sonate von Mendelssohn h\u00f6ren, daneben zwei weitere Sonaten der insgesamt sechs Sonaten, die Nr. 3 A-Dur und Nr. 4 B-Dur. Letztere ist f\u00fcr manche die geschlossenste Form seiner Orgelsonaten. Dazwischen wird Torsten Laux einerseits \u00fcber ein gegebenes Thema und \u00fcber Psalmtexte improvisieren. Man darf gespannt sein, wie diese Abfolge kontrastiert oder sich zu einem Gesamtbild f\u00fcgt. Der Kostenbeitrag betr\u00e4gt 7 \u00e2\u201a\u00ac (erm\u00e4\u00dfigt 4 \u00e2\u201a\u00ac).<!--more--><\/p>\n<p><strong>Programm:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sonate I f-Moll op. 65<\/strong><\/p>\n<p>Nicht die m\u00e4chtigen Einleitungsakkorde, sondern erst die in T. 11 im Sopran einsetzende melodische Linie ist \u2013 sonatenm\u00e4\u00dfig gesprochen \u2013 das &gt;&gt;Hauptthema&lt;&lt; des ersten Satzes (Allegro moderato e serioso), das zun\u00e4chst (\u00e4hnlich wie in den Pr\u00e4ludien c- und d-Moll des op.37) fugiert behandelt wird. Wie ein klassisches Seitenthema tritt dann der Choral Was mein Gott will, das g\u00e2\u20ac\u2122scheh\u00e2\u20ac\u2122 allzeit dazu ganz lehrbuchkonform in der Tonikaparallele As-Dur. So verbl\u00fcffend, ja begl\u00fcckend zun\u00e4chst das B\u00fcndnis von Sonatensatz und Kirchenlied anmutet, so gro\u00df sind die Komplikationen, die der Komponist sich damit aufb\u00fcrdet. (In den zahlreichen Choralsonaten der Mendelssohn\u2013Nachfolger wurde diese Seite des Problems\u00c2\u00a0 nie gesehen, sondern immer nur naiv auf den Effekt des frommen Zitierens gesetzt.) Zum einen ist ein Choral grunds\u00e4tzlich anders gebaut als ein zweites Sonatenthema, zum anderen riskiert der Komponist Abweichungen vom Modulationsplan des Sonatenhauptsatzes, die ihn zu geradezu listigen Ausweichman\u00f6vern zwingen, von denen aber der weitere Verlauf des ersten Satzes wiederum erstaunlichen Nutzen zieht. Der Satz ist bei erstem Hinh\u00f6ren gleichsam eine paradoxe Kreuzung lutherischer und beethovenscher \u201eErbmasse\u201c, durch die L\u00f6sung dieser Unl\u00f6sbarkeit aber zugleich etwas v\u00f6llig Neues jenseits von Sonate und Choral.<\/p>\n<p>Dialogisierende Manualwechsel, die wohl eher ein Changieren der Register als deren Kontrastierung bezwecken. Mit dem Tempo Achtel = 100 atmet der Satz eher schwebende Eleganz als fromme Entr\u00fccktheit. Die \u00dcberlagerung von lauten und leisen Kl\u00e4ngen, schon im ersten Satz angewendet, wird im dritten (Andante recitativo) geradezu zum Kompositionsprinzip. Dass au\u00dferdem der pianissimo\u2013Bereich in sich noch differenziert werden soll, hat erst der Nachdruck der Erstausgabe von Boosey &amp; Hawkes wieder verdeutlicht.<\/p>\n<p>Attacca soll das Finale (Allegro assai vivace) angeschlossen werden. Analysierende Betrachter, die gewohnheitsgem\u00e4\u00df nach Themen und Motiven suchen, geraten hier in Verzweiflung. Der Satz hat die sch\u00f6ne Einseitigkeit romantischer Et\u00fcden pr\u00e4sentiert. \u00dcbrigens warnt die originale Metronomangabe (Halbe = 88) vor \u00fcberzogenem Tempo.<\/p>\n<p><strong>Sonate III A-Dur op. 65<\/strong><\/p>\n<p>Der einleitende A-Dur Teil des ersten Satzes (Con moto maestoso) geht auf eine verschollene Fr\u00fchfassung vom August 1829 zur\u00fcck, die Mendelssohn anl\u00e4sslich der Hochzeit seiner Schwester Fanny schrieb. Der vollgriffiger Satz spielt sich wie ein Klavierauszug \u2013 ein fr\u00fches Beispiel orchestral inspirierter romantischer Orgelmusik.<\/p>\n<p>Die Kombination einer Hochzeit mit einer Doppelfuge nebst Choral &gt;&gt;Aus tiefer Not schrei ich zu dir&lt;&lt; stellt vor un\u00fcberwindliche hermeneutische Probleme. Absolut betrachtet, passt beides erstaunlich gut zusammen und f\u00fcgt sich zu \u00fcberzeugender ABA\u00e2\u20ac\u2122- Gliederung. Das erste Fugenthema bezieht sich auf das Tenorrezitativ H\u00fcter, ist die Nacht bald hin aus der 2. Symphonie Lobgesang. Zur Fuge tritt im Pedal der phrygische Cantus frimus Aus tiefer Not schrie ich zu dir&lt;, der indes noch nicht vollst\u00e4ndig erklungen ist, wenn in T. 58 ein zweites, aus Sechzehntelketten bestehendes Fugthema einsetzt. W\u00e4hrend der Cantus frimus Zeile f\u00fcr Zeile fortschreitet, wird das Tempo von Viertel = 72 auf 100 gesteigert. Nicht nur dass in T. 80ff. die kontrapunktisch ergiebige Kombination beider Fugenthemen mitsamt Canus firmus erreicht wird, auch die romantische Idee der Steigerungsfuge ist hier vollendete Wirklichkeit. Die Wiederaufnahme des A-Dur Teils ist nicht etwa ein simples Da capo, sondern nimmt Bezug auf das erste Fugthema.<\/p>\n<p>Man hat folgenden Satz (Andante tranquillo) oft als entt\u00e4uschenden Appendix disqualifiziert. Unbeantwortet blieb dabei die Frage, was dem gewaltigen ersten Satz sonst h\u00e4tte folgen k\u00f6nnen. Spielt man das Andate tranquillo in aller Schlichtheit (Tendenz: Quasi Minuetto), so befriedigt der Satz durchaus als lieblicher Ausklang einer Sonate.<\/p>\n<p><strong>Sonate IV B-Dur<\/strong><\/p>\n<p>Nicht nur wegen ihrer seltener gespielten Tonart sollte diese Sonate st\u00e4rker im Repertoire ber\u00fccksichtigt werden. Der mit Viertel = 100 recht z\u00fcgige erste Satz (Allegro con brio), formal am ehesten als Sonatenrondo zu bezeichnen, atmet sowohl in seinen toccatenhaften Sechzehntelketten als auch im marschartigen zweiten Thema geradezu Widor\u00e2\u20ac\u2122sche Grandezza.<br \/>\nStatt sich beim zweiten Satz an der Bezeichnung \u201eAndante religioso\u201c zu sto\u00dfen, sollte bedacht werden, worin denn in dieser Musik f\u00fcr Mendelssohn und seine H\u00f6rer das (allerdings dogmatisch kaum fixierbare) Moment von Religiosit\u00e4t bestanden haben mochte: Wenn es die chorisch-hymnische Diktion war, dann hat Mendelssohn auch sonst viel \u201ereligi\u00f6se\u201c Musik komponiert.<br \/>\nMehr in Richtung Charakterst\u00fcck (vom \u201eSpinnerliedchen\u201c-Typus) tendiert der dritte Satz (Allegretto), der gr\u00f6\u00dftenteils als Orgeltrio geschrieben ist. Im pianissimo beh\u00e4nde (aber nicht hastig) dahineilend, wurde er noch f\u00fcr Rheinbergers Trios op. 189 vorbildlich. Dass die Dreistimmigkeit gelegentlich zum vier-, ja f\u00fcnfstimmigen Satz aufbl\u00fcht, wirkt im pp besonders reizvoll.<\/p>\n<p>\u201eAllegro maestoso \u00e2\u20ac\u00a6\u201c steht \u00fcber der Einleitung zum Finale; wer glaubt, schneller sein zu d\u00fcrfen, als Mendelssohn selbst vorschreibt (Viertel = 100), kommt sp\u00e4ter in Bedr\u00e4ngnis, weil dort das \u201e\u00e2\u20ac\u00a6e vivace\u201c eingel\u00f6st wird: Die sehr frei gestaltete Fuge hat es in sich! Ihre Erstfassung hatte das Thema noch nicht treppenf\u00f6r-mig, sondern in Skalenausschnitten angelegt \u2013 was noch um einiges schwerer zu spielen ist. Diese Sonate z\u00e4hlt zu den ausbalanciertesten des ganzen Opus.<\/p>\n<p><strong>Improvisation zu f\u00fcnf Psalmen<\/strong><\/p>\n<p>Im Dom liegen in N\u00e4he der Eing\u00e4nge Gesangb\u00fccher aus. Wer Interesse hat, die Psalmtexte mitzulesen, findet diese teilweise im GL: Psalm 23 GL 718,2; Psalm 100 GL 741,2; Psalm 103, 742,3; Psalm 130 vgl. GL 163.<\/p>\n<p><strong>Vita:<\/strong><\/p>\n<p>Torsten Laux (geboren 1965 in Worms\/Rhein) studierte ab 1985 an der Musikhochschule in Frankfurt\/Main Kirchenmusik bis zur A-Pr\u00fcfung 1989 (bei Hans-Joachim Bartsch, Reinhardt Menger und Gerd Wachowski), (K\u00fcnstlerische Ausbildung bei Edgar\u00c2\u00a0 Krapp) bis zum Konzertexamen 1992. 1994 bis 1996 folgten weitere Studien bei Daniel Roth (Paris) und Bernhard Haas (Stuttgart) an der Musikhochschule Saarbr\u00fccken.<\/p>\n<p>Torsten Laux ist Preistr\u00e4ger renommierter internationaler Orgelwettbewerbe (Johann-Pachelbel-Preis der, Georg-B\u00f6hm-Orgelwettbewerb, Gottfried-Silbermann-Orgelwettbewerb, Internationaler Wettbewerb \u201eOrgelland Th\u00fcringen\u201c, August-Gottfried-Ritter-Wettbewerb, Bachpreis der Landeshauptstadt Wiesbaden, Internationaler Orgelwettbewerb in Odense\/D\u00e4nemark, Jan-Pieterszoon-Sweelinck-Wettbewerb in Danzig\/Gdansk u. a.). In Biarritz (Frankreich) gewann er alle drei Preise im Fach Improvisation. Von 1995 bis 1999 war Torsten Laux Kantor und Organist der Ev. Dankeskirche Bad Nauheim, seit 1993 ist er au\u00dferdem Dozent f\u00fcr Orgelimprovisation (seit 2000 auch Orgelliteraturspiel) an der Hochschule f\u00fcr Kirchenmusik der Ev.-Luth. Kirche in Bayern (Bayreuth). Seit Sommersemester 1999 ist er Professor f\u00fcr Orgel (K\u00fcnstlerisches Orgelspiel und Improvisation) an der Robert-Schumann-Hochschule in D\u00fcsseldorf. Torsten Laux hat zahlreiche Aufnahmen (C\u00e9sar Franck: Orgelwerke, Franz Liszt: Die drei gro\u00dfen Orgelwerke, \u201eWie sch\u00f6n leuchtet der Morgenstern\u201c, Improvisationen u.a.), f\u00fcr Rundfunkanstalten und f\u00fcr das Fernsehen eingespielt. Konzertreisen f\u00fchrten ihn nach Frankreich, Belgien, England, D\u00e4nemark, Schweden, Finnland, Italien, Polen, Ungarn, Rum\u00e4nien, USA und China. Im In- und Ausland gibt er Orgelkurse f\u00fcr Improvisation und Interpretation und ist au\u00dferdem als Juror bei internationalen Orgelwettbewerben gefragt. Gemeinsam mit H. Ludwig und Petersen gr\u00fcndete Torsten Laux 2006 das Internationale D\u00fcsseldorfer Orgelfestival und ist seitdem k\u00fcnstlerischer Leiter des Festivals.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda. F\u00fcr sein Orgelkonzert am 9. August um 16.30 Uhr hat Torsten Laux, D\u00fcsseldorf, ein ganz besonderes Programm zusammengestellt. Vergleichend kann man hier zum vorausgegangen Konzert die gro\u00dfe f-Moll-Sonate von Mendelssohn h\u00f6ren, daneben zwei weitere Sonaten der insgesamt sechs Sonaten, die Nr. 3 A-Dur und Nr. 4 B-Dur. Letztere ist f\u00fcr manche die geschlossenste Form &hellip;<\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,50,44],"tags":[],"class_list":["post-35374","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-startseite","category-kirche","category-kultur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35374","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=35374"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35374\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":35383,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/35374\/revisions\/35383"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=35374"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=35374"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=35374"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}