{"id":34920,"date":"2009-07-22T06:40:49","date_gmt":"2009-07-22T04:40:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=34920"},"modified":"2009-07-22T07:35:18","modified_gmt":"2009-07-22T05:35:18","slug":"spurensuche-im-antoniusheim-fulda","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=34920","title":{"rendered":"Spurensuche im Antoniusheim Fulda"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"..\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/refernt-Bierent.jpg\"><img decoding=\"async\" title=\"St. Antoniusheim gGmbH\" src=\"..\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/refernt-Bierent.jpg\" alt=\"St. Antoniusheim gGmbH\" width=\"560\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Fulda.<\/strong> Am Montagabend begaben sich mehr als 60 Besucher auf \u00c2\u00abSpurensuche\u00c2\u00bb in eines der dunkelsten Kapitel deutscher Gesichte. Durch den Abend referierten Bj\u00f6rn Bierent und Steffi Gr\u00f6ger, die sich in den vergangen Jahren intensiv mit dem Widerstand des Antoniusheims gegen\u00fcber dem Naziregime besch\u00e4ftigt haben. W\u00e4hrend die Nationalsozialisten in Deutschland regierten, gab es keinen Platz f\u00fcr Menschen mit Behinderung. Bis zum Jahr 1941 wurden sie staatlich verfolgt und ermordet. Auch in den Jahren nach der organisierten Vernichtung gab es immer wieder \u00c2\u00abwilde Euthanasie\u00c2\u00bb gegen\u00fcber Menschen mit Behinderung. \u00c2\u00abDie NS-Zeit war die schwierigste Zeit f\u00fcr das Haus und ich freue mich, dass dieses Thema auf so gro\u00dfes Interesse st\u00f6\u00dft\u00c2\u00bb, sagte Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Rainer Sippel zu Beginn der Veranstaltung. Initiator Thomas Bach (CDU) f\u00fcgte hinzu, dass der Widerstand in der NS-Zeit dazu beigetragen habe, dass die W\u00fcrde des Menschen unantastbar geblieben sei.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p><strong>Aktiver Widerstand<\/strong><\/p>\n<p>Bei Referent Bj\u00f6rn Bierent entwickelte sich das Interesse an diesem Thema w\u00e4hrend seines Zivildienstes auf einer Wohngemeinschaft vor ca. 13 Jahren. \u00c2\u00abMir wurde damals erz\u00e4hlt, dass sich Schwester Hedda in der Zeit des Krieges mit den damaligen Bewohnern versteckt hatte, um sie zu retten. Das machte mich neugierig\u00c2\u00bb, sagte der 32-j\u00e4hrige. Das anschlie\u00dfende Studium habe er genutzt, um sich dem Thema wissenschaftlich zu n\u00e4hern.\u00c2\u00a0 \u00c2\u00abIch merkte sehr schnell, dass hier im Antoniusheim aktiv Widerstand geleistet wurde. Vor allem gab es zwei wichtige Ereignisse, an denen sich ma\u00dfgeblicher Widerstand festmachen\u00c2\u00a0 l\u00e4sst\u00c2\u00bb, erz\u00e4hlte Bierent. Dies seien die Zwangsverlegungen im Zuge der Gleichschaltung von 1937 und den geplanten Verlegungen in 1941 gewesen. \u00c2\u00abW\u00e4hrend der Gleichschaltung wurden 91 Bewohner abgeschoben. Schwester Adolfine Fabra, die damalige Oberin der Vinzentinerinnen im Antoniusheim, konnte durch ihr pers\u00f6nliches Engagement 43 der damals verlegten Bewohner zur\u00fcckholen und somit vor dem sicheren Tod retten.\u00c2\u00bb<\/p>\n<p><strong>Schwierige Zeiten<\/strong><\/p>\n<p><a href=\"..\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/vlnr-Bierent-Sippel-Bach.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" title=\"St. Antoniusheim gGmbH\" src=\"..\/wp-content\/uploads\/2009\/07\/vlnr-Bierent-Sippel-Bach-265x198.jpg\" alt=\"St. Antoniusheim gGmbH\" hspace=\"5\" width=\"265\" height=\"198\" align=\"left\" \/><\/a>1941 gab es die Anfrage des damaligen Oberpr\u00e4sidenten Traupel im Antoniusheim evakuierte Kinder unterzubringen. Die Bef\u00fcrchtung der Heimleitung war, dass der Oberpr\u00e4sident sich dadurch einen direkten Einfluss auf das Heim verschaffen und somit die \u201eEuthanasie\u201c weiter vorantreiben k\u00f6nnte. Unter gro\u00dfen M\u00fchen erreichte die Heimleitung, dass das Antoniusheim g\u00e4nzlich als Lazarett genutzt werden konnte und somit dem direkten staatlichen Einfluss auswich. Dennoch musste innerhalb kurzer Zeit neue Aufenthaltsorte f\u00fcr die Bewohner gefunden werden. Durch die Zusammenarbeit von verschiedenen Schwesternh\u00e4usern, dem Vorstand des Caritasverbandes und dem Bischof konnten alle 130 von der Verlegung betroffenen Bewohner vor der geplanten Ermordung gerettet werden.<\/p>\n<p>Bierent ist es wichtig, dass an die Geschichte immer wieder erinnert wird. \u00c2\u00abIch hatte immer ein Zitat von Pfarrer Dr. St\u00f6r im Kopf: \u201e\u00e2\u20ac\u00a6 wer sagt, wir sind eine neue Generation, wir haben aus der Geschichte gelernt (und brauchen nicht mehr zu erinnern) \u2013 der t\u00f6tet die Toten noch einmal.\u201c Daher d\u00fcrfen diese grauenhaften Verbrechen nicht in Vergessenheit geraten.\u00c2\u00bb<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda. Am Montagabend begaben sich mehr als 60 Besucher auf \u00c2\u00abSpurensuche\u00c2\u00bb in eines der dunkelsten Kapitel deutscher Gesichte. 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