{"id":30872,"date":"2009-06-08T05:39:48","date_gmt":"2009-06-08T03:39:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=30872"},"modified":"2009-06-07T20:08:18","modified_gmt":"2009-06-07T18:08:18","slug":"bischof-von-osnabrueck-predigte-beim-bonifatiusfest-feierliche-eroeffnung-der-traditionellen-bonifatiuswallfahrten","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=30872","title":{"rendered":"Bischof von Osnabr\u00fcck predigte beim Bonifatiusfest \u2013 Feierliche Er\u00f6ffnung der traditionellen Bonifatiuswallfahrten"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fulda (bpf). <\/strong>Am heiligen Bonifatius sehe man in hervorragender Weise, was eine einzige Person mit Ausstrahlung bewirken k\u00f6nne, \u201ein der lebendigen Kraft des dreifaltigen Gottes\u201c. Dies betonte Bischof von Osnabr\u00fcck, Dr. Franz-Josef Bode, am Sonntag in Fulda bei der Er\u00f6ffnung der traditionellen Bonifatiuswallfahrten. Eine Person k\u00f6nne viel bewirken, \u201ewenn sie sich selbst ganz in die Wagschale wirft f\u00fcr das Evangelium \u2013 bei Bonifatius bis zum Blutzeugnis \u2013 , wenn sie Orte und Strukturen initiiert, an denen Tiefe und Weite des Glaubens modellhaft und in besonderer Konzentration gelebt werden\u201c. Auf Personen und Orte, Strukturen und Leben, Knotenpunkte und Vernetzungen werde es in der Kirche immer ankommen, zeigte sich Bode \u00fcberzeugt.<!--more--><br \/>\n<strong><br \/>\n\u201eIn der lebendigen Kraft des dreifaltigen Gottes f\u00fcr die Kirche wirken\u201c<\/strong><\/p>\n<p>In einem feierlichen Pontifikalamt mit \u00fcber 7.000 Wallfahrern (in diesem Jahr fehlten rund 1.000 Wallfahrer, die sich auf den Pilgerweg nach Walld\u00fcrn gemacht haben) auf dem Fuldaer Domplatz hob Bischof Bode bei teils wolkenverhangenem, teils sonnigem Himmel hervor, da\u00df es auf die unerm\u00fcdliche Aussaat eines Glaubens ankomme, \u201evon dem wir selbst \u00fcberzeugt sein m\u00fcssen, da\u00df er Menschen zum Leben hilft und neue Christen gewinnen kann\u201c. Wer daran selbst nicht mehr glaube, habe das \u201eSpiel\u201c l\u00e4ngst verloren. Das Buch Jesus Sirach preise Pers\u00f6nlichkeiten, die Rat erteilten durch Einsicht, die prophetisch auf den immer gr\u00f6\u00dferen Gott verwiesen, \u201edamit er den ersten Platz in unserem Leben einnimmt und alles andere sich dem nachordnet\u201c. Es seien Menschen, die sagen, was sie tun, und tun, was sie sagen, wie einmal ein Jugendlicher zu den versammelten deutschen Bisch\u00f6fen gesagt habe. \u201eVon solchen Personen \u2013 und es gibt sie nicht nur bei den \u00f6ffentlich bekannten, sondern auch unter den vielen, die Gemeinde, Kirche und Gesellschaft mittragen \u2013 von solchen Personen lebt Kirche der Zukunft mehr als von vielen Debatten und Sitzungen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Kritik an Kapellenweihe der Piusbruderschaft<\/strong><\/p>\n<p>Die Kirche werde sicher nicht zukunftsf\u00e4higer durch eine provokative Veranstaltung wie die Kapellenweihe der Piusbruderschaft, sagte Bischof Bode im Hinblick auf dieses zeitgleich in Fulda stattfindende Ereignis. \u201eKann das denn die Antwort auf die ausgebreiteten Arme des Heiligen Vaters sein?\u201c, fragte der Bischof von Osnabr\u00fcck und erntete hierf\u00fcr den Beifall der auf dem Domplatz versammelten Gl\u00e4ubigen.<\/p>\n<p>Zu Beginn seiner Predigt hatte sich der Osnabr\u00fccker Oberhirte fasziniert vom Stadtbild Fuldas gezeigt und daran erinnert, da\u00df in der Spannung von romanischer Schlichtheit \u00fcber barocke Pracht bis zu moderner Zweckm\u00e4\u00dfigkeit auch die Kirche heute stehe, die manchmal noch zu sehr tr\u00e4ume von gro\u00dfer Macht und gro\u00dfem Einflu\u00df in Gesellschaft und Welt hinein, die ihr zumindest \u00e4u\u00dferlich mehr und mehr genommen oder auch durch unglaubw\u00fcrdiges Verhalten Einzelner abhanden gekommen sei. Der Blick auf die Michaelskirche verweise die Kirche auf ihren Kern zur\u00fcck: \u201eDie Kirche ist erbauet auf Jesus Christ allein\u201c. Eine einzige dicke S\u00e4ule in der Krypta der Michaelskirche zeige, wie sehr alles auf dem Einen gr\u00fcnde, auf Christus. \u201eUnd Christus steht f\u00fcr das Leben des dreifaltigen Gottes, den wir an diesem Sonntag nach Pfingsten in besonderer Weise anbeten und feiern.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWeltliche M\u00e4chte, vor allem die \u00dcbermacht des Marktes und der \u00d6konomie, die \u00dcbermacht der Wirtschaft und der Irrglaube an ein immer weiteres Wachstum sind ins Wanken geraten und haben uns in eine schwere Krise gest\u00fcrzt\u201c, rief Bischof Bode sodann in Erinnerung. Man wisse noch nicht, wohin die Dinge sich wirklich entwickeln w\u00fcrden. Nun m\u00fc\u00dften ganz andere Kr\u00e4fte in den Mittelpunkt treten und die Herzen der Menschen wieder neu erfassen: \u201edie Kraft des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe, die Kraft, die nicht die Kirche zu einer weiteren Gro\u00dfmacht erhebt, sondern deren Botschaft die Menschen und die Welt von innen her durchdringt und h\u00e4lt.\u201c Dies sei die Kraft des Heiligen Geistes selbst.<\/p>\n<p>Am heutigen Tag der Europawahlen d\u00fcrfe man nicht nur auf ein Europa als Wirtschaftsraum oder als strategischen Raum setzen, sondern weit mehr auf ein Europa, das sich \u201evon innen her seiner geistigen und geistlichen Wurzeln neu bewu\u00dft\u201c werde. Schlie\u00dflich sei es gebaut worden von Pers\u00f6nlichkeiten und Schl\u00fcsselfiguren von der Art des heiligen Bonifatius. \u201eOhne die Kraft, f\u00fcr die dieser Mann und unz\u00e4hlige andere ihr Leben hingaben, war und ist Europa nicht zu bauen\u201c, gab Bode zu bedenken.<\/p>\n<p>Auch die deutsche Kirche, die sich in der Stadt wie auf dem Lande in immer gr\u00f6\u00dferen pastoralen Einheiten zusammenfinden m\u00fcsse, habe ganz und gar offen und ehrlich mit ihrem Leben vor Ort umzugehen. Sie d\u00fcrfe bei aller hundertf\u00e4ltigen Aktivit\u00e4t, bei allen Planungen und Strukturierungen nicht \u00fcbersehen, wie sehr auch manche \u00e4u\u00dferlich gut funktionierende Gemeinde heute innerlich hohl geworden sei. \u201eWenn wir jetzt nicht in den notwendigen neuen Strukturen der Weite neue Tiefe des Glaubens und Vertrauens und neue N\u00e4he zu den Menschen gewinnen, werden wir der von Krisen gesch\u00fcttelten Umgebung und dem rasanten R\u00fcckgang kirchlichen Lebens auch auf dem Land nicht mehr standhalten k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Noch seien viele positive Ressourcen, Vorr\u00e4te und Quellen in den katholischen Gemeinden da, viele Personen, \u201evor allem ehrenamtliche, die wir entdecken, f\u00f6rdern, begleiten und auch beauftragen sollten, damit das Netzwerk der Begabungen und F\u00e4higkeiten zusammen mit den Priestern und Diakonen und den hauptamtlichen Laien ein Netzwerk ist\u201c. Dieses Netzwerk d\u00fcrfe nicht so sehr auf \u00e4u\u00dfere Macht setzen als vielmehr auf die innere Kraft, die von Pers\u00f6nlichkeiten ausgehe, die \u201e\u00fcberzeugt und \u00fcberzeugend ihren Glauben leben\u201c. Das seien eben in Zukunft nicht mehr so sehr allein die Kleriker und Hauptberuflichen, sondern \u201emehr und mehr jede und jeder Einzelne, der sich neu der Grundbotschaft des Christlichen stellt\u201c.<\/p>\n<p>Der Osnabr\u00fccker Bischof erinnerte an von den Nationalsozialisten ermordeten Pater Alfred Delp, der darauf hingewiesen hatte, da\u00df die Kirche auf gl\u00fchende Menschen gebaut sei. Die Kirche werde demnach weiterleben, wenn sich die Gl\u00e4ubigen von Gott erf\u00fcllen lie\u00dfen und bereit seien, f\u00fcr ihn das Leben einzusetzen. \u201eMenschen \u2013 vor allem junge \u2013 lassen sich nicht f\u00fcr den Glauben gewinnen durch den Text des Evangeliums allein, sondern nur, wenn er durch lebendige und in lebendigen Menschen daherkommt, die bereit sind, die Menschen zu lieben\u201c, stellte Bode heraus. Dann h\u00e4nge die Zukunft der Kirche nicht alleine von den pastoralen R\u00e4umen und Strukturen, sondern vielmehr von dem Vertrauen, dem Glauben, der Hoffnung und der Liebe derer ab, \u201edie das Evangelium f\u00fcr sich angenommen haben\u201c.<\/p>\n<p>Dazu bed\u00fcrfe es heute vieler Glaubensorte oder Kondensationspunkte, an denen sich der verdunstete Glaube wieder zu lebendigem Wasser verdichten k\u00f6nne: Gemeinden, Schulen, Verb\u00e4nde, Beratungsstellen, Kinderg\u00e4rten als H\u00e4user der Familie, alle Orte der karitativen Zuwendung, Gebetsschulen, geistliche Gemeinschaften, Weltjugendtage, Katholikentage, neue katechetische Formen, ja auch die modernen Medien. Dieser Vielfalt an Orten entspreche eben die Vielfalt der M\u00f6glichkeiten nicht nur hauptberuflicher T\u00e4tigkeit, sondern auch teilzeitlicher, nebenamtlicher, ehrenamtlicher und freiwilliger Dienste. \u201eSind wir in dieser Hinsicht wirklich schon erfinderisch genug im Miteinander all dieser Kr\u00e4fte?\u201c, hinterfragte der Gast aus Osnabr\u00fcck. \u201eBonifatius h\u00e4tte daf\u00fcr sicher neue Ideen gehabt, und er h\u00e4tte die Anstrengungen daf\u00fcr nicht gescheut.\u201c<\/p>\n<p>\u201eKern dieser ganzen spannenden Glaubenskommunikation\u201c, fuhr Bode fort, \u201eist der Glaube an den dreifaltigen Gott, nicht in theologischer Kompliziertheit, sondern in der tiefen Einfachheit, wie wir ihn im Kreuzzeichen immer erneuern: der Glaube an den Gott \u00fcber uns, den Vater, den immer gr\u00f6\u00dferen; an den Gott mit uns, den Sohn, der ins immer Kleinere bis in die Abgr\u00fcnde von Leid und Tod des Menschen mitgegangen ist; und an den Gott in uns, unter uns und zwischen uns, den Heiligen Geist, der uns zur Gemeinschaft der Kirche vereint in bunter Verschiedenheit und doch tiefer Einheit.\u201c Bei jedem bewu\u00dften Kreuzzeichen rufe man diese Signatur des Taufglaubens in Erinnerung, so da\u00df nur ein Tag mit dem Aufblick zu Gott, mit der Zuwendung zum Menschen und in der Gemeinschaft der Kirche ein wirklich guter und christlich wirksamer Tag sei.<\/p>\n<p>Genau in der Mitte des heutigen Evangeliums stehe als Angelpunkt dieser dreifaltige Glaube im letzten Auftrag Jesu, in die Welt zu gehen und zusammen mit ihm Menschen f\u00fcr ihn zu gewinnen. Bonifatius habe dies bis zum letzten gelebt. \u201eDeshalb geht von hier, von seinem Grab, eine immer neue Herausforderung aus \u2013 dargestellt dadurch, da\u00df die Bisch\u00f6fe sich jedes Jahr seine Reliquie auflegen lassen\u201c, hob Bode hervor und forderte dazu auf, immer wieder neu \u201ehier in Fulda\u201c zusammenzukommen, um \u201euns an seinem Grab zu versammeln und nicht an seinem Stab zu vergammeln\u201c, wie Bischof Hemmerle einmal gesagt habe. \u201eLassen wir uns von hier aus immer neu senden!\u201c Jesus Christus habe verhei\u00dfen, allezeit bei seiner Kirche zu bleiben, also auch heute, \u201ein diesen verr\u00fcckten Zeiten, genauso wie gestern und morgen\u201c.<\/p>\n<p>Den Festgottesdienst feierte Fuldas Bischof Heinz Josef Algermissen in Konzelebration mit Bischof Bode, Weihbischof Prof. Dr. Karlheinz Diez undWeihbischof Johannes Kapp sowie Generalvikar Prof. Dr. Gerhard Stanke und den holl\u00e4ndischen Pfarrern Paul Verheijen aus Dokkum, dem Ort des Martyriums des hl. Bonifatius, und Boert van Derwal aus Groningen. Musikalisch wurde die Me\u00dffeier vom Fuldaer Jugendkathedralchor unter Leitung von Domkapellmeister Franz-Peter Huber, die Chors\u00e4tze von J. Haydn und A. Wilson sowie Gottesloblieder im Wechsel mit der Gemeinde sangen, sowie einem gro\u00dfen, aus sechs Blasorchestern bestehenden Instrumentalensemble unter Leitung von Regionalkantor Ulrich Moormann mitgestaltet.<\/p>\n<p>Zu Beginn des Gottesdienstes hatte Bischof Algermissen die Gl\u00e4ubigen und besonders Bischof Bode, aber auch Abtpr\u00e4ses Dr. Albert Schmidt OSB (Beuron) und Don Angelo aus dem Bistum Lugano begr\u00fc\u00dft. Seine Freude \u00fcber die auf dem Domplatz versammelten Gl\u00e4ubigen brachte der Oberhirte so zum Ausdruck: \u201eDieses Fest zu feiern, ist f\u00fcr mich ein gro\u00dfes inneres Erlebnis\u201c. Der Bischof sah in der gemeinsamen Feier mit Bode \u2013 einem weiteren Diasporabischof \u2013 ein best\u00e4rkendes Zeichen. Domdechant Prof. Dr. Werner Kathrein hatte vor Beginn des Gottesdienstes die Wallfahrer aus zahlreichen Pastoralverb\u00fcnden, aber auch aus einzelnen Pfarreien des Bistums und dar\u00fcber hinaus namentlich willkommen gehei\u00dfen. Besonders begr\u00fc\u00dfte er eine Gruppe aus Como, Fuldas Partnerstadt, bzw. der Di\u00f6zese Lugano.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda (bpf). Am heiligen Bonifatius sehe man in hervorragender Weise, was eine einzige Person mit Ausstrahlung bewirken k\u00f6nne, \u201ein der lebendigen Kraft des dreifaltigen Gottes\u201c. Dies betonte Bischof von Osnabr\u00fcck, Dr. Franz-Josef Bode, am Sonntag in Fulda bei der Er\u00f6ffnung der traditionellen Bonifatiuswallfahrten. 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