{"id":29701,"date":"2009-05-25T06:50:52","date_gmt":"2009-05-25T04:50:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=29701"},"modified":"2009-05-25T07:42:25","modified_gmt":"2009-05-25T05:42:25","slug":"fulda-und-die-weltchronik-des-marianus-scottus","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=29701","title":{"rendered":"Fulda und die Weltchronik des Marianus Scottus"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fulda. <\/strong>Auf Einladung der b\u00fcrgerschaftlichen Initiative \u201eKonrad I. \u2013 der K\u00f6nig, der aus Hessen kam\u201c referierte Privatdozentin Dr. Lotte K\u00e9ry (Universit\u00e4t Bonn) am 14. Mai erg\u00e4nzend zur Ausstellung \u201eKonrad I. \u2013 der K\u00f6nig, der in Fulda ruht\u201c im Dommuseum \u00fcber \u201eFulda und die Weltchronik des Marianus Scottus\u201c. Die Veranstaltung fand im Vortragsraum der Bibliothek des Bisch\u00f6flichen Priesterseminars statt und wurde von der genannten Initiative gemeinsam mit der Bibliothek des Priesterseminars, dem Vonderau-Museum und dem Stadtarchiv Fulda durchgef\u00fchrt und von Stadtarchivar Dr. Thomas Heiler moderiert.<!--more--><\/p>\n<p><strong>\u201eK\u00f6nigs, der aus Hessen kam\u201c<\/strong><\/p>\n<p>Wie Frau Dr. K\u00e9ry in ihrem \u201eWerkstattbericht\u201c \u00fcber eine von ihr angestellte \u201equellenkrische Untersuchung\u201c hervorhob, ist die Weltchronik des Marianus Scottus f\u00fcr die Geschichte des Klosters Fulda nicht nur von Interesse, weil ihr Verfasser, ein irischer M\u00f6nch und Priester, von 1059 bis 1069 als Inkluse am \u201eOrt des Geschehens\u201c lebte \u2013 und damit als Repr\u00e4sentant der Fuldaer Geschichtsschreibung und des Fuldaer Geisteslebens in der zweiten H\u00e4lfte des 11. Jahrhunderts zu gelten hat. Eine spezielle Bedeutung kommt dieser Chronik auch deshalb zu, weil Marianus Scottus als einziger Geschichtsschreiber die genaue Lage der Grabstelle K\u00f6nig Konrads I. (911-918), des \u201eK\u00f6nigs, der aus Hessen kam\u201c in der Fuldaer Klosterkirche bezeichnet.<\/p>\n<p>Marianus Scottus ging es in seinem dreiteiligen Werk, dessen wichtigster Textzeuge, der Vaticanus Palatinus lat. 830, in einem Faksimilie in der hiesigen Ausstellung pr\u00e4sentiert wird, vor allem darum, seine Korrektur an der bisherigen Zeitrechnung darzulegen. Er ist in erster Linie an der chronologischen Einordnung der Geschehnisse interessiert und weniger an deren historischer Darstellung oder politischen Hintergr\u00fcnden. Zudem kennt man \u2013 was f\u00fcr das Mittelalter ganz au\u00dfergew\u00f6hnlich ist \u2013 in seinem Fall nicht nur den Namen des Verfassers, sondern dieser teilt auch Einzelheiten aus seiner Biographie in seinem Werk mit. Auf seine besondere Beziehung zu Fulda weist Marianus vor allem durch seinen Bericht hin, wie er die Nachfolge des einige Jahrzehnte vor ihm dort lebenden iroschottischen Inklusen Animchad angetreten habe, dessen Heiligm\u00e4\u00dfigkeit er betont.<\/p>\n<p><strong>Bonifatius-Tradition<br \/>\n<\/strong><br \/>\nEine genauere quellenkritische Analyse anhand von drei Beispielen \u2013 den Nachrichten \u00fcber Konrad I. und seine Zeit sowie \u00fcber die \u00c4bte von Fulda und die Darstellung des Bonifatius in der Weltchronik des Marianus Scottus \u2013 zeigt jedoch, da\u00df der irische Inkluse deutlich weniger, als man auf Grund seines langen Aufenthaltes in Fulda erwarten k\u00f6nnte, \u00fcber die Geschichte dieses bedeutenden K\u00f6nigsklosters und seine Bonifatius-Tradition berichtet. Auf Grund seines vordringlichen Interesses f\u00fcr die Chronologie hat Marianus Scottus andere Schwerpunkte gesetzt. Trotzdem k\u00f6nnen \u00fcber die bisher bekannten Vorlagen hinaus einige Quellen namhaft gemacht werden, die ihm zus\u00e4tzliche Informationen geliefert haben, die auch un\u00fcbersehbare Beziehungen zu Fulda aufweisen, aber nicht mit letzter Sicherheit als in Fulda vorhanden oder gar entstanden nachgewiesen werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Au\u00dferhalb der Daten \u00fcber die Amtszeiten der \u00c4bte erh\u00e4lt man aus der Weltchronik des Marianus Scottus jedoch nur wenige Nachrichten \u00fcber Vorg\u00e4nge und Ereignisse, die sich in Fulda abgespielt haben. Selbst in dem Teil, der seine eigene Lebenszeit betrifft, wird Marianus in dem, was er \u00fcber Fulda berichtet, nur dann ausf\u00fchrlicher, wenn es um Ereignisse geht, die seine eigene Person betreffen. Hier und da streut er kleinere Nachrichten ein, \u00fcber Kirchenbau und Kirchweihe, erw\u00e4hnt einen Kaiser- und Papstbesuch, ohne jedoch N\u00e4heres mitzuteilen. Dagegen zeigt sich auch schon in enger Verbindung mit den Nachrichten \u00fcber Fulda ein erhebliches Interesse des Chronisten f\u00fcr Vorg\u00e4nge, die den Mainzer Metropolitansitz und dessen herausragende Stellung betreffen und damit f\u00fcr die Kirche und den Ort, an dem Marianus seit 1069 im Anschlu\u00df an seinen Aufenthalt in Fulda als Klausner den Rest seines Lebens verbrachte.<\/p>\n<p><strong>Kleiner Informationsaustausch<\/strong><\/p>\n<p>An den Vortrag schlo\u00df sich eine lebhafte Diskussion an, in der unter anderem die praktische Seite des Inklusentums beleuchtet wurde: Der Klausner lebte eingemauert in einer kleinen Zelle; der Kontakt mit der Au\u00dfenwelt beschr\u00e4nkte sich auf die Essensaufnahme \u2013 bei dieser Gelegenheit konnte ein kleiner Informationsaustausch stattfinden, viel mehr aber nicht. Danach bestand f\u00fcr die knapp 40 Personen, die sich zum Vortrag eingefunden hatten, bei einem Glas Wein die Gelegenheit zum Gedankenaustausch.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda. Auf Einladung der b\u00fcrgerschaftlichen Initiative \u201eKonrad I. \u2013 der K\u00f6nig, der aus Hessen kam\u201c referierte Privatdozentin Dr. Lotte K\u00e9ry (Universit\u00e4t Bonn) am 14. Mai erg\u00e4nzend zur Ausstellung \u201eKonrad I. \u2013 der K\u00f6nig, der in Fulda ruht\u201c im Dommuseum \u00fcber \u201eFulda und die Weltchronik des Marianus Scottus\u201c. 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