{"id":2937,"date":"2007-05-03T18:03:49","date_gmt":"2007-05-03T16:03:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=2937"},"modified":"2007-05-06T22:42:51","modified_gmt":"2007-05-06T20:42:51","slug":"ehepaar-deschauer-stiftet-stadt-eine-spaetgotische-pieta","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=2937","title":{"rendered":"Ehepaar Deschauer stiftet Stadt eine sp\u00e4tgotische Pieta"},"content":{"rendered":"<p><strong><a rel=\"lightbox[roadtrip]\" target=\"_blank\" href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2007\/05\/070503_pieta2.jpg\" title=\"070503_pieta2.jpg\"><img decoding=\"async\" align=\"left\" hspace=\"5\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2007\/05\/070503_pieta2.thumbnail.jpg\" alt=\"070503_pieta2.jpg\" \/><\/a>Sch\u00f6nes aus Fulda.<\/strong> Wer die sp\u00e4tgotische Pieta, ein Werk von \u201ehoher schnitzerischer Qualit\u00e4t\u201c geschaffen hat, werden wir wohl nie erfahren. Ebensowenig wer vor diesem Andachtsbild gestanden hat. In Zukunft jedoch wird das vermutlich aus der Region stammende ergreifende Bildnis Mariens mit dem toten Sohn im Vonderau Museum an \u201egeeigneter Stelle\u201c einen w\u00fcrdigen Platz erhalten. <!--more--><\/p>\n<p><strong>Feierstunde in der Museumskapelle<\/strong><\/p>\n<p>Das versprach Fuldas Oberb\u00fcrgermeister und Kulturdezernent Gerhard M\u00f6ller bei der \u00dcbergabe der Pieta durch das Stifterehepaar Maria und Hubert Deschauer. Auf Vermittlung des Fuldaer Kunsthauses Semler war die Schenkung an das Vonderau Museum zustande gekommen. Gro\u00df war das Interesse w\u00e4hrend der Feierstunde in der Museumskapelle an dem ausdrucksstarken Werk eines unbekannten K\u00fcnstlers, das sich heute in der original erhaltenen Farbfassung des sp\u00e4ten 18. oder fr\u00fchen 19. Jahrhunderts pr\u00e4sentiert.<\/p>\n<p><strong>Sammler und\u00c2\u00a0ihre Leidenschaft<\/strong><\/p>\n<p>Der renommierte M\u00fcnchner Kunsthistoriker Prof. Dr. Michael St\u00fcrmer w\u00fcrdigte die Mariendarstellung als ein \u201emenschlich und religi\u00f6s ergreifendes Bild, das anspricht\u201c. In seinem Festvortrag \u201eHandel, Sammler, Stifter\u201c beleuchtete der Publizist die Frage, welchen tieferen Sinn die Geschichte hat und was Sammler zu ihrer Leidenschaft bewegt. Mit Blick auf die Pieta sagte St\u00fcrmer, wer vor dem Andachtsbild gestanden habe, \u201em\u00fcssen wir selbst herausfinden\u201c. Geschichte sei demnach immer ein Selbstfindungsprozess. Was den Sammler treibt, sei ein \u201eewiges Mysterium\u201c.<\/p>\n<p>Der Stifter wachse \u00fcber den Sammler hinaus, weil er abgeben k\u00f6nne, differenziert der Festredner. \u201eDer M\u00e4zen ist die h\u00f6here Form des Sammlers, weil er schenken und beschenken will\u201c, stellte St\u00fcrmer fest und f\u00fcgte hinzu, dass die \u201eKunstwelt ein Friedhof w\u00e4re ohne Sammler und M\u00e4zene\u201c. F\u00fcr St\u00fcrmer gewinnt das Sammeln mehr und mehr Bedeutung. Denn je dramatischer der Fortschritt ist, desto gr\u00f6\u00dfer sei die Trauer \u00fcber das Untergegangene. Deshalb gebe es heute so viele Stiftungen und Sammlungen. Einen neuen Schub habe das Sammeln durch die Franz\u00f6sische Revolution bekommen. In der Folgezeit seien die ersten gro\u00dfen Museen wie das British Museum, der Louvre oder das Kassler Fridericianum entstanden.<\/p>\n<p><strong>Besonderes b\u00fcrgerschaftliches Engagement<\/strong><\/p>\n<p>Vor St\u00fcrmer hatte bereits der Oberb\u00fcrgermeister das Sammeln als Aufgabe beschrieben, wozu man Auge, Ged\u00e4chtnis und viel Geduld brauche. Am Beispiel der Pieta sei all das zusammengekommen, um \u201emit gro\u00dfem Herzen diese Stiftung vorzunehmen\u201c. \u201eDas Ehepaar Deschauer habe mit der Stiftung Zeichen gesetzt f\u00fcr besonderes b\u00fcrgerschaftliches Engagement. Die Heimatverbundenheit sei es gewesen, die das Stifterehepaar animiert habe, die Fuldaer B\u00fcrgerschaft mit einem besonderen Kunstwerk zu beschenken. Nach seiner herausragenden Restaurierung entfalte es nun seine ganze Wirkung gerade auch als religi\u00f6ses Kunstwerk, betonte M\u00f6ller, der dem Ehepaar Deschauer und allen an der Stiftung Beteiligten dankte.<\/p>\n<p><strong>Eine Geschichte gl\u00fccklicher Zuf\u00e4lle<\/strong><\/p>\n<p>Die Genese der Entdeckung zeichnete Stefan Semler, Inhaber des gleichnamigen Kunsthauses nach. Mit der \u00dcbergabe der Pieta an das Vonderau Museum gehe ein 15-monatiges Werk zu Ende, eine Geschichte von gl\u00fccklichen Zuf\u00e4llen und Begegnungen. 1998 war die Mariendarstellung von Semlers Vater in einem 300 Jahre alten Haus am Eichsfeld entdeckt worden. Die Begutachtung der Skulptur durch Kulturamtsleiter Dr. Werner Kirchhoff, Museumsleiter Dr. Gregor Stasch sowie Restaurator Gisbert Seng ergab, dass die Pieta das \u201eKriterium des Herausragenden erf\u00fcllt\u201c, sagte Semler.<\/p>\n<p>Der schlechte Erhaltungszustand machte umfangreiche Restaurierungsarbeiten notwendig. 2005 schlie\u00dflich kam der Kontakt zum Ehepaar Deschauer zustande, das im Februar letzten Jahres den Entschluss fasste, die Pieta zu erwerben und \u00fcber die M\u00fcnchner Firma Ernst restaurieren zu lassen. Aus Interesse sei bei den Deschauers Leidenschaft f\u00fcr die Skulptur entstanden, die nach der Bearbeitung durch die Firma Ernst wieder die \u201echristliche Bedeutung als Andachtsbild\u201c deutlich macht. Die einzelnen Restaurierungsschritte skizzierte Dietrich Stalmann nach.<\/p>\n<p><strong>Kunstwerk von hoher schnitzerischer Qualit\u00e4t<\/strong><\/p>\n<p>Insgesamt 10 Farbfassungen konnten nachgewiesen werden. Die achte Ebene zeigte den besten Erhaltungszustand und ist deshalb wieder freigelegt worden. Von den \u00e4ltesten Farbfassungen gibt es laut Stalmann leider keinen Nachweis mehr. Die achte Ebene ist auf das sp\u00e4te 18. bzw. fr\u00fche 19. Jahrhundert zu datieren. Die vermutlich aus Lindenholz geschnitzte Pieta, deren Hand einzeln angefertigt worden war, pr\u00e4sentiert sich nunmehr in einer \u00e4sthetisch \u00fcberzeugenden alten Fassung und mache die hohe schnitzerische Qualit\u00e4t des Kunstwerks wieder sichtbar.<\/p>\n<p>\u201eWir freuen uns sehr, mit dieser Stiftung einen kleinen kulturellen Beitrag f\u00fcr das Vonderau Museum geleistet zu haben\u201c, betonte Rudolf Deschauer in seinem Schlu\u00dfwort. Gerne h\u00e4tten er und seine Frau der Sitftung zugestimmt, damit die k\u00fcnstlerisch wertvolle Pieta einen w\u00fcrdigen Platz erh\u00e4lt und der \u00d6ffentlichkeit zug\u00e4nglich bleibt. Allen Beteiligten dankte Deschauer f\u00fcr die gute und erfolgreiche Zusammenarbeit bei diesem Projekt, das seinen Ausdruck unter anderem auch in der einer gelungenen Dokumentation zum Anla\u00df der \u00dcbergabe der Skulptur gefunden hat. (mb)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Sch\u00f6nes aus Fulda. Wer die sp\u00e4tgotische Pieta, ein Werk von \u201ehoher schnitzerischer Qualit\u00e4t\u201c geschaffen hat, werden wir wohl nie erfahren. Ebensowenig wer vor diesem Andachtsbild gestanden hat. In Zukunft jedoch wird das vermutlich aus der Region stammende ergreifende Bildnis Mariens mit dem toten Sohn im Vonderau Museum an \u201egeeigneter Stelle\u201c einen w\u00fcrdigen Platz erhalten.<\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,44],"tags":[],"class_list":["post-2937","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-startseite","category-kultur"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2937","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=2937"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/2937\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=2937"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=2937"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=2937"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}