{"id":28415,"date":"2009-05-10T06:58:56","date_gmt":"2009-05-10T04:58:56","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=28415"},"modified":"2009-05-09T22:37:46","modified_gmt":"2009-05-09T20:37:46","slug":"biber-erobern-spessart-osthessen-und-wetterau","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=28415","title":{"rendered":"Biber erobern Spessart, Osthessen und Wetterau"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/biber-foto.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-28416\" title=\"Harald Schwarz\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/biber-foto-265x175.jpg\" alt=\"Harald Schwarz\" hspace=\"5\" width=\"265\" height=\"175\" align=\"left\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/biber-foto-265x175.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/05\/biber-foto.jpg 906w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a><strong>Bad Soden-Salm\u00fcnster.<\/strong> \u201eMeister Bockert\u201c\u00c2\u00a0 erobert in Hessen st\u00e4ndig neues Terrain. Die im Ostspessart 1987\/88 an Jossa und Sinn wieder eingeb\u00fcrgerten 18 Elbe-Biber haben sich in Hessen\u00c2\u00a0 auf mindestens 168 Exemplare vermehrt.\u00c2\u00a0 Das zweitgr\u00f6\u00dfte Nagetier der Welt\u00c2\u00a0 baut bereits im Kinzigtal, in der Fuldaaue bis hin zum osthessischen Bebra und im Wetteraukreis seine charakteristischen Wasserburgen.\u00c2\u00a0 Darauf wies am Freitag der Biberbeauftragte von Hessen-Forst, Harald Schwarz, in Bad Soden-Salm\u00fcnster (Main-Kinzig-Kreis) vor Journalisten hin. Der Bereichsleiter des Forstamtes Schl\u00fcchtern, das die Wiedereinb\u00fcrgerung des Bibers hessenweit betreut, und der Pr\u00e4sident des Landesjagdverbandes Hessen (LJV), Dietrich M\u00f6ller, zogen eine Bilanz des Projekts und stellten dessen Perspektiven vor.<!--more--><\/p>\n<p><strong>66 Reviere<\/strong><\/p>\n<p>\u201e66 Biberreviere wurden 2008 in Hessen gez\u00e4hlt, von denen 51 bewohnt sind\u201c, berichtete Biberbeauftragter Schwarz. Im Durchschnitt besiedeln 3,3 Nagetiere eines der Reviere,\u00c2\u00a0 die an Fl\u00fcssen, B\u00e4chen und Teichen liegen. Der Familienverband, der aus den beiden Elterntieren und zwei bis drei Jungbibern besteht, f\u00e4llt mit den st\u00e4ndig nachwachsenden, mei\u00dfelartigen Schneidez\u00e4hnen bevorzugt Pappeln und Weiden, um in den Flu\u00dfauen Flie\u00dfgew\u00e4sser zu stauen. Die Nager machen im Spessart aber auch vor stattlichen Eichen nicht Halt. Durch den Bau von D\u00e4mmen entstehen die Biberseen als typischer Lebensraum der bis zu einem Meter langen und \u00fcber 30 Kilogramm schweren Nagetiere.\u00c2\u00a0 Sie bewohnen\u00c2\u00a0 verbreiterte H\u00f6hlen in selbst gegrabenen Erdr\u00f6hren,\u00c2\u00a0 deren Decke oft mit Zweigen als weithin sichtbare Biberburg verst\u00e4rkt wird.<\/p>\n<p>\u201eDer Biber schwimmt bevorzugt zu seinen Nahrungsquellen. Auf Land sind die plumpen Tiere recht unbeholfen\u201c, erl\u00e4uterte Schwarz. Auf dem Speiseplan des Vegetariers stehen Rinde und Bl\u00e4tter von B\u00e4umen, krautige Pflanzen und Schilf, aber auch Obst und Feldfr\u00fcchte. Um Sch\u00e4den im landwirtschaftlichen Bereich zu vermeiden hat das Land Hessen bis zum Jahr 2000 vorsorglich rund 80 Hektar Wiesen angekauft, die zum Lebensraum des Bibers z\u00e4hlen.<\/p>\n<p><strong>Stra\u00dfenverkehr als einziger Feind<\/strong><\/p>\n<p>Schwarz erwartet, dass sich der Biber weiter ausbreitet und noch\u00c2\u00a0 zahlreiche hessische Gew\u00e4sser\u00c2\u00a0 besiedelt. Der Stra\u00dfenverkehr stellt allerdings f\u00fcr die Tiere, die in Hessen keine nat\u00fcrlichen Feinde haben, beim Landgang eine t\u00f6dliche Gefahr dar. So wurden etwa 2007 zehn F\u00e4lle bekannt, in denen die Nager auf der Nahrungssuche beim \u00dcberqueren von Stra\u00dfen Kraftfahrzeugen zum Opfer fielen.<\/p>\n<p>\u201eDer Biber unterliegt in Hessen nicht dem Jagdrecht\u201c, sagte J\u00e4gerpr\u00e4sident M\u00f6ller. Der Jagdverband habe auch nicht die Absicht, dies zu \u00e4ndern.\u00c2\u00a0 \u201eDie J\u00e4ger begr\u00fc\u00dfen es, dass dieser\u00c2\u00a0\u00c2\u00a0 gro\u00dfe Nager die Artenvielfalt bereichert und die Wiedereinb\u00fcrgerung so erfolgreich ist\u201c,\u00c2\u00a0 betonte M\u00f6ller. Die Gr\u00fcnr\u00f6cke, die in der Natur t\u00e4glich fl\u00e4chendeckend pr\u00e4sent sind, registrierten meist als Erste die Ausbreitung von frei lebenden Tierarten und k\u00f6nnten quasi als \u201eBiber-Meldesystem\u201c fungieren.<\/p>\n<p><strong>Lebensraum muss geeignet sein<\/strong><\/p>\n<p>Im Spessart, in dem auch schon der Luchs gesichtet worden ist, erg\u00e4nzt der Biber nach M\u00f6llers Worten neben Rot-, Schwarz- und Rehwild die Palette der gro\u00dfen, frei lebenden\u00c2\u00a0 heimischen S\u00e4ugetiere.\u00c2\u00a0 Entscheidend f\u00fcr den Erfolg des Biberprojektes\u00c2\u00a0 sei, \u201edass die Nagetiere wieder\u00c2\u00a0 einen geeigneten Lebensraum vorfinden und die Bev\u00f6lkerung die Ansiedlung unterst\u00fctzt, weil etwaige Sch\u00e4den ausgeglichen werden.\u201c M\u00f6ller: \u201eWenn diese Voraussetzungen nicht erf\u00fcllt werden, handelt es sich bei Einb\u00fcrgerungsbestrebungen schlichtweg um Tierversuche mit ungewissem Ausgang\u201c.<\/p>\n<p>Die Biber wurden im 19. Jahrhundert in Deutschland wegen ihres Fleisches, ihres Pelzes und des angeblichen Potenzmittels \u201eBibergeil\u201c sowie aufgrund von Lebensraumver\u00e4nderungen\u00c2\u00a0 wie der Trockenlegung von Feuchtgebieten und\u00c2\u00a0 landwirtschaftlicher Nutzung von Flu\u00dfauen nahezu ausgerottet. Die oberste hessische Naturschutzbeh\u00f6rde, die Landesforstverwaltung und die Hessische Gesellschaft f\u00fcr Ornithologie und Naturschutz (HGON) initiierten das Wiedereinb\u00fcrgerungsprojekt im Ostspessart, das auch vom NABU unterst\u00fctzt wird. Hessische Jagdvereine \u2013 wie der Kreisjagdverein Gelnhausen \u2013 f\u00fchren das Projekt in der Jungj\u00e4gerausbildung als beispielhaft f\u00fcr den Artenschutz und die gelungene Wiederansiedlung von frei lebenden S\u00e4ugetieren vor.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Bad Soden-Salm\u00fcnster. \u201eMeister Bockert\u201c\u00c2\u00a0 erobert in Hessen st\u00e4ndig neues Terrain. 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