{"id":21737,"date":"2009-02-20T07:20:57","date_gmt":"2009-02-20T06:20:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=21737"},"modified":"2009-02-20T08:24:37","modified_gmt":"2009-02-20T07:24:37","slug":"junge-mediziner-fuer-taetigkeit-im-laendlichen-raum-gewinnen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=21737","title":{"rendered":"Junge Mediziner f\u00fcr T\u00e4tigkeit im l\u00e4ndlichen Raum gewinnen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Fulda.<\/strong> Der Landkreis Fulda will sich f\u00fcr eine grundlegende \u00c4nderung der Ausbildung und Verg\u00fctung von \u00c4rzten einsetzen, um dem drohenden \u00c4rztemangel im H\u00fcnfelder Land und in der Rh\u00f6n entgegen zu wirken und die Qualit\u00e4t der medizinischen Versorgung im l\u00e4ndlichen Raum zu erhalten.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Weitere Schritte sind notwendig<\/strong><\/p>\n<p>Erster Kreisbeigeordneter Dr. Heiko Wingenfeld vereinbarte mit Dr. Thomas Vietor von der Notdienstgemeinschaft und Bernhard Licht vom Gesundheitsnetz Osthessen (GNO) ein gemeinsames Vorgehen, um drohenden Einschnitten in der medizinischen Versorgung vorzubeugen. Mindestens halbj\u00e4hrlich will man sich zu einem \u201erunden Tisch\u201c treffen, um die weiteren Schritte zu beraten. Wingenfeld: \u201eKommunalpolitik und \u00c4rzteschaft haben sich in der Vergangenheit zu wenig abgestimmt. Das muss sich \u00e4ndern. Nur wenn die vor Ort Verantwortlichen an einem Strang ziehen, kann es gelingen, die Gesetzgebung im Bund und die Strategie der Krankenkassen zu beeinflussen.\u201c<\/p>\n<p><strong>Organisation des \u00e4rztlichen Bereitschaftsdienstes<\/strong><\/p>\n<p>Hinsichtlich der seit 1. Oktober 2008 umgesetzten Zentralisierung des \u00e4rztlichen Bereitschaftsdienstes in R\u00e4umlichkeiten des Klinikums Fulda betrachtet es der Erste Kreisbeigeordnete als selbstverst\u00e4ndlich, unter allen Umst\u00e4nden zu gew\u00e4hrleisten, dass kein Patient vor der Zentrale im Freien warten m\u00fcsse. Dr. Vietor betonte, dass es sich bei dem Patientenandrang zwischen Weihnachten und Neujahr um eine absolute und kurzzeitige Ausnahmesituation gehandelt habe. Angesichts der Erfahrungen im Dezember habe man in Abstimmung mit dem Klinikum aber weitere Vorsorge getroffen, um einen unerwarteten Patientenandrang in Zukunft besser bew\u00e4ltigen zu k\u00f6nnen. So wies Dr. Vietor darauf hin, dass alle Wartenden jederzeit auch die unmittelbar benachbarte Eingangslobby des Klinikums nutzen k\u00f6nnten. In aller Regel seien aber im Wartebereich ausreichend Pl\u00e4tze vorhanden.<\/p>\n<p>Aus Sicht der \u00c4rzteschaft ist noch viel zu wenig bekannt, dass f\u00fcr Patienten, die nicht mobil seien, weiterhin ein Hausbesuch durch den Bereitschaftsdienst m\u00f6glich ist. \u201eF\u00fcnf \u00c4rzte leisten permanent diesen Fahrdienst. Wir haben bislang noch keine Beschwerden erhalten, dass es hier zu unzumutbaren Wartezeiten gekommen sei\u201c, unterstrichen die Vertreter der \u00c4rzteschaft beim Gespr\u00e4ch im Landratsamts, an dem auch der Leiter des Kreisgesundheitsamts, Dr. Stefan Kort\u00fcm, teilnahm.<\/p>\n<p><strong>Zentralisierung ist richtig und wichtig<\/strong><\/p>\n<p>Dr. Wingenfeld bat nochmals zu \u00fcberpr\u00fcfen, ob die \u00c4rzteschaft ihre Entscheidung zur Zentralisierung des Bereitschaftsdienstes revidieren und k\u00fcnftig im Bereich H\u00fcnfeld und Rh\u00f6n wieder einen dezentralen Bereitschaftsdienst anbieten k\u00f6nnten. Dr. Vietor und Bernhard Licht betonten, dass sich die \u00c4rzte vor Ort schlicht nicht mehr in der Lage s\u00e4hen, ein dezentrales Angebot in H\u00fcnfeld und in der Rh\u00f6n vorzuhalten. \u201eNach den Erfahrungen der letzten drei Monate ist die ganz \u00fcberwiegende Mehrheit der Kollegen der \u00dcberzeugung, dass die Zentralisierung richtig ist\u201c, berichteten Dr. Vietor und Bernhard Licht. Nur die Zentralisierung des Bereitschaftsdienstes und die damit verbundene Verteilung der Dienste auf mehr Schultern bringe den \u00c4rzten die dringend erforderliche Entlastung.<\/p>\n<p>Nach Auffassung der \u00c4rztevertreter ist die Zentralisierung eine Chance, die Arbeit als niedergelassener Arzt im l\u00e4ndlichen Raum wenigstens ein kleines St\u00fcck attraktiver zu machen und wieder \u00e4rztlichen Nachwuchs zu gewinnen. \u201eTats\u00e4chlich haben wir fast \u00fcberhaupt keine jungen \u00c4rzte, die bereit sind, sich im l\u00e4ndlichen Raum niederzulassen und sich mit den wenigen Kollegen vor Ort \u2013 wenn es sie \u00fcberhaupt noch gibt \u2013 die Belastung des Bereitschaftsdienstes zu teilen.\u201c In immer mehr F\u00e4llen st\u00fcnden Allgemeinmediziner vor dem Problem, keinen Nachfolger f\u00fcr ihre Praxis zu finden.<\/p>\n<p><strong>H\u00fcnfelder Land und Rh\u00f6n droht akuter \u00c4rztemangel<\/strong><\/p>\n<p>Auch der Landkreis Fulda sieht dringenden Handlungsbedarf bei der Gewinnung von \u00e4rztlichem Nachwuchs. Derzeit sei die Versorgung mit Allgemeinmedizinern im gesamten Landkreis noch gew\u00e4hrleistet. \u201eWenn sich aber nicht bald etwas strukturell \u00e4ndert, werden wir schon in drei bis f\u00fcnf Jahren in der Rh\u00f6n und im H\u00fcnfelder Land drastische Einschnitte sp\u00fcren, weil viele Allgemeinmediziner allein aus Altersgr\u00fcnden ihre T\u00e4tigkeit aufgeben werden\u201c, prognostiziert Wingenfeld. Im Landkreis Fulda sei die Situation im Vergleich zu anderen hessischen Regionen bereits jetzt besorgniserregend. So gebe es sechs Hausarztstellen, die mangels Interessenten nicht wiederbesetzt werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Derzeit sei es fast unm\u00f6glich, junge \u00c4rzte f\u00fcr eine Niederlassung im l\u00e4ndlichen Raum zu gewinnen. Viele Medizinabsolventen w\u00fcrden eine T\u00e4tigkeit im Ausland oder das Arbeiten im Team in einer Klinik der klassischen Niederlassung vorziehen. Da Medizinabsolventen heute zu sechzig Prozent weiblich seien, stelle sich f\u00fcr junge Mediziner viel st\u00e4rker als fr\u00fcher die Frage der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Von daher erscheine eine klassische T\u00e4tigkeit als Hausarzt mit h\u00e4ufigen Bereitschaftsdiensten heute leider besonders unattraktiv, vermutet Dr. Wingenfeld.<\/p>\n<p><strong>\u00c4nderungen bei Ausbildung und Verg\u00fctung zwingend erforderlich <\/strong><\/p>\n<p>Eine L\u00f6sung f\u00fcr den drohenden \u00c4rztemangel k\u00f6nnten weder der Landkreis noch die Gemeinden vor Ort anbieten. Der Schl\u00fcssel liege vielmehr beim Bundesgesetzgeber und den Krankenkassen. \u201eWir brauchen mehr ausgebildete Mediziner und konkrete Anreize f\u00fcr eine T\u00e4tigkeit im l\u00e4ndlichen Raum\u201c, fordern Dr. Wingenfeld, Dr. Vietor und Bernhard Licht \u00fcbereinstimmend. So sei es wichtig, eine h\u00f6here Zahl von Bewerbern zum Medizinstudium zuzulassen. Zum anderen m\u00fcssten konkrete Anreize f\u00fcr eine Arbeit auf dem Land geboten werden. \u201eDazu reicht es aber sicher nicht, wenn sich eine Gemeinde entschlie\u00dft, ein g\u00fcnstiges Baugrundst\u00fcck oder Praxisr\u00e4ume zur Verf\u00fcgung zu stellen\u201c, betont Dr. Wingenfeld. Vielmehr m\u00fcsse die Verg\u00fctungsstruktur f\u00fcr \u00c4rzte grundlegend ge\u00e4ndert werden. Das bedeutet nach Meinung Wingenfelds aber auch, dass die medizinische Versorgung in Zukunft tendenziell teurer werde.<\/p>\n<p>Die Anliegen einer strukturellen \u00c4nderung bei der Medizinerausbildung und bei der Verg\u00fctung will Dr. Wingenfeld gemeinsam mit den Vertretern der \u00c4rzteschaft kontinuierlich an die Verantwortlichen in Land und Bund herantragen. Hierzu sollen regelm\u00e4\u00dfige Arbeitstreffen zwischen dem Landkreis und der \u00c4rzteschaft vor Ort dienen. \u201eDas ist sicher ein langer und steiniger Weg. Ohne grundlegende \u00c4nderung auf Seiten des Bundes und der Krankenkassen werden wir aber aus eigener Kraft nicht in der Lage sein, die vor uns stehenden Herausforderungen zu meistern \u2013 das gilt sowohl f\u00fcr den \u00e4rztlichen Bereitschaftsdienst als auch die \u00c4rzteversorgung.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Fulda. 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