{"id":20477,"date":"2009-02-01T08:00:43","date_gmt":"2009-02-01T07:00:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=20477"},"modified":"2009-01-31T09:51:44","modified_gmt":"2009-01-31T08:51:44","slug":"pas-de-deux-der-positionen-die-ausstellung-paarlaufen-in-der-kunststation","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=20477","title":{"rendered":"Pas de deux der Positionen &#8211; die Ausstellung \u201epaarlaufen\u201c in der Kunststation"},"content":{"rendered":"<p><strong><a href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/christian-kauffmann-im-erinnerungsraum-von-ria-gerth.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-20478\" title=\"christian-kauffmann-im-erinnerungsraum-von-ria-gerth\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/christian-kauffmann-im-erinnerungsraum-von-ria-gerth-265x198.jpg\" alt=\"christian-kauffmann-im-erinnerungsraum-von-ria-gerth\" hspace=\"5\" width=\"265\" height=\"198\" align=\"left\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/christian-kauffmann-im-erinnerungsraum-von-ria-gerth-265x198.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/christian-kauffmann-im-erinnerungsraum-von-ria-gerth.jpg 592w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a>Kleinsassen.<\/strong> Wenn Eiskunstl\u00e4ufer ihre K\u00fcr absolvieren, dann ziehen sie nicht nur nebeneinander ihre Bahnen. Das Paar trennt sich, die Partner laufen mitunter sogar in gegens\u00e4tzliche Richtungen, treffen sich wieder und verschmelzen zu eindrucksvollen Figuren. Dieses Bild der sich miteinander und gegeneinander bewegenden T\u00e4nzer muss Christian Kauffmann, den Kurator der Ausstellung \u201epaarlaufen\u201c des Oberhessischen K\u00fcnstlerbundes (OKB) in der Kunststation Kleinsassen, inspiriert haben.<!--more--><\/p>\n<p>\u201eK\u00fcnstler sind heute Einzelt\u00e4ter,\u201c so Kauffmann, \u201ewenn sie sich trotzdem in einem K\u00fcnstlerbund zusammenfinden, dann um sich einen Freiraum gegen\u00fcber dem alles bestimmenden Kunstmarkt zur\u00fcckzuerobern, aber auch um in Diskurs miteinander zu treten.\u201c Um diesen Diskurs geht es in der Ausstellung \u201epaarlaufen\u201c, in der sich immer zwei K\u00fcnstler gegen\u00fcberstehen und ihre Werke den Einfl\u00fcssen und der \u201eKommentierung\u201c durch den jeweils anderen aussetzen.<\/p>\n<p>Das Konzept des Kunsthistorikers Christian Kauffmann, der als Studienleiter der Evangelischen Stadtakademie Frankfurt f\u00fcr viele spannende Ausstellungskonzepte verantwortlich zeichnet, ging auf, denn in der direkten Gegen\u00fcberstellung der Werke werden sowohl strukturelle, formale als auch inhaltliche Schnittmengen zwischen den 18 K\u00fcnstlern des Oberhessischen K\u00fcnstlerbundes deutlich sichtbar. H\u00f6chst erstaunliche \u00dcbereinstimmungen treten dabei zutage. Sie lassen sich in drei Themenbereiche gliedern: den Blick auf die Landschaft, das Interesse f\u00fcr Biographisches und abstrakte Formen.<\/p>\n<p>Gleich in der ersten Halle wird der Besucher der Ausstellung mit zwei Installationen konfrontiert, die sich mit Biographien auseinander setzen. Rose Marie Koch geht es dabei mit ihren auf Tontafeln eingebrannten tagebuchartigen Notizen und Zeichen, um die eigene Biographie, Dieter Hoffmeister dagegen besch\u00e4ftigt sich in seiner Installation mit dem Leben der Russlanddeutschen Amalie Sp\u00e4t. Ein auf Video aufgezeichnetes Interview, ein Foto, ein Exemplar ihres immer wieder neu abgeschriebenen Gebetbuches und von ihr selbst geh\u00e4kelte Deckchen dienen ihm dabei als Belege und Werkstoff, als \u201egelebte Spuren\u201c.<\/p>\n<p>In derselben Halle treffen die Bilder von Renate Donecker und Johannes Eucker aufeinander. Obwohl die zwei sich sehr verschiedener Techniken bedienen \u2013 Donecker malt und spachtelt ihre inneren Landschaften auf Leinwand, w\u00e4hrend Eucker in seinen \u201eRekonstruktionen von Natur\u201c Landschaften fotografiert, digital bearbeitet, \u00fcbermalt und wieder fotografiert \u2013 lassen sich doch gewisse formale \u00c4hnlichkeiten feststellen: die Welt wirkt bei beiden wie durch ein Prisma gesehen. Auch die Collage spielt als Gestaltungselement eine gro\u00dfe Rolle.<\/p>\n<p>Im Atelier kommt es zu einer Dreiecksbeziehung. Die Bilder der Malerin Gisela Denninghoff geh\u00f6ren zu der Kategorie der \u201eActionpaintings\u201c und der gestischen Malerei. Sie sind entstanden mit und zur Musik ihres Lebensgef\u00e4hrten. Dabei reagiert die Malerin spontan auf die Musik und setzt ihre Emotionen in einen Farbrausch um, in dem Hell und Dunkel miteinander ringen. In direkter Reaktion darauf generierte Christian Malitzki seine abstrakten Computerbilder, die er als \u201edigitale Stenographie\u201c bezeichnet. Die K\u00fcnstler waren dabei die einzigen der Gruppe, die innerhalb der zweij\u00e4hrigen Vorbereitungsphase der Ausstellung ihre Werke gemeinsam und in direkter Zusammenarbeit entwickelt haben.<\/p>\n<p>In der Querhalle ist dann wieder das Thema Landschaft pr\u00e4sent. Einmal tritt es dem Betrachter in den fotorealistischen und detailgenau gearbeiteten idyllischen Graphiken von G\u00fcnter Hermann entgegen, in denen \u00fcppige Natur und darin eingebettete Architektur uns schmerzlich daran erinnern, was wir zu verlieren drohen, zum anderen lotet die Malerin Marion Fischer den schmalen Grad zwischen der gerade noch erkennbaren und der schon abstrahierten Landschaft aus.<br \/>\nDie andere Seite der Halle geh\u00f6rt der raumgreifenden autobiographischen Installation von Ria Gerth, die mit Hilfe von umfunktionierten Hasenk\u00e4figen, eine Erinnerungslandschaft baut, in der die Enge, aber auch die Geborgenheit, die erstarrte Spie\u00dfigkeit, aber auch die handwerkliche Gesch\u00e4ftigkeit ihres Heimatdorfes f\u00fchlbar wird. Dieses Erleben wird subtil kommentiert durch die fotorealistischen Gem\u00e4lde von Deniz Kuranel an den W\u00e4nden. Seine in Gerhard Richter-Manier an verwackelte Schnappsch\u00fcsse erinnernden Ausschnitte aus der Wirklichkeit bilden Situationen und Motive ab, wie sie in jedem Album kleben k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Erinnern spielt auch in den Objekten von Christel D\u00fctge eine Rolle. Die ehemalige Bibliothekarin rettete Sammeleinb\u00e4nde aus dem 19. Jahrhundert vor der Entsorgung und l\u00e4sst die Buchdeckel, die fr\u00fcher Geschichten zusammenhielten nun selbst Geschichten erz\u00e4hlen, indem sie die Spuren, die die Zeit auf ihnen hinterlassen hat, betont und neue Spuren hinzuf\u00fcgt. \u201eZeugen\u201c sind auch die Fotos von Anne Held, doch sie besch\u00e4ftigen sich weniger mit der Zeit als mit den verschiedenen Ansichten, die ein und dasselbe Ding von unterschiedlichen Perspektiven aus haben kann. Das \u201eDing\u201c ist dabei ein schwarzer Kubus, den sie direkt auf die Raumecke gemalt hat.<\/p>\n<p>Um afrikanische Landschaft geht es in der 3. Halle. Paulina Heilgenthal h\u00e4lt in abstrakten Farbfl\u00e4chen in warmen gelb-orange T\u00f6nen, die von Wegen durchzogen sind, ihre Raumerlebnisse auf dem schwarzen Kontinent fest. Wege legen auch die kleinen papiernen \u201eGedankenschiffchen\u201c von Angelika Nette zur\u00fcck, allerdings weniger sichtbar, als im Assoziationsraum der Betrachter. Gefaltet aus Bl\u00e4ttern mit Ovids Metamorphosen und aufgespie\u00dft auf gefundene St\u00f6cke, halten sie eine fragile Balance.<\/p>\n<p>Der fragile Lebensraum ist Thema von Susanne Ledendecker. Aus ihrem Atelierfenster beobachtet sie t\u00e4glich wie der Lebensraum des Feldhasen schwindet. Daher widmet sie erdfarbenen Collagen-Zeichnungen, die wie freigelegte Schichten einer restaurierten Wand wirken, dieser Problematik. \u201eVirtuelle Arch\u00e4ologie\u201c ganz anderer Art betreibt dagegen Axel Wetzel. Die feingliedrigen Monotypien, die den Bildern von Ledendecker gegen\u00fcber h\u00e4ngen, sind keine Abdr\u00fccke historischer Funde, sondern Spuren von modernen Verpackungsmaterialien. Was dieser K\u00fcnstler behandelt wie Motive einer echten arch\u00e4ologischen Grabung, sind schlicht die Produkte, die am Ende der industriellen Fertigungskette stehen: M\u00fcll.<\/p>\n<p>Industrieprodukte sind auch der Werkstoff von Yi Zheng Lin. Plastikrohre, Abfl\u00fcsse, Plastikt\u00fcten kombiniert er zu raumgreifenden botanischen Skulpturen. Seine an einen in voller Bl\u00fcte stehenden Pfirsichbaum erinnernde Plastik wuchert in die Halle der Kunststation und erschafft so einen Garten der K\u00fcnstlichkeit. Die Collagentechnik findet sich auch bei Werner Braun. Landkarten, gebrauchte Fahrscheine bilden den Grund seiner \u00dcbermalungen, in denen vor allem die menschliche Figur und der Kopf eine besondere Rolle spielen.<br \/>\nDamit ist der Besucher am Ende des Rundgangs angelangt.<\/p>\n<p>Zum ersten Mal pr\u00e4sentiert sich der Oberhessische K\u00fcnstlerbund in der Kunststation in einer Ausstellung, die von einem Kurator ausgerichtet und vorbereitet ist. Das ist neu f\u00fcr den seit 1943 existierender Zusammenschluss von K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern aus Mittelhessen. Auch dass der OKB sich mit einer solch umfangreichen Ausstellung au\u00dferhalb seines lokalen Schwerpunkts um die St\u00e4dte Gie\u00dfen und Wetzlar pr\u00e4sentiert, ist ungew\u00f6hnlich, da der OKB anders als der Berufsverband Bildender K\u00fcnstler (BBK) keiner landesweiten oder gar bundesweiten Dachorganisation angeschlossen ist.<\/p>\n<p>Doch das Konzept des Kunsthistorikers Christian Kauffmann war zu spannend und die Bedingungen in der Kunststation waren zu verlockend, um dieses Wagnis nicht einzugehen, wie Dieter Hoffmeister bei seinem Gru\u00dfwort betonte. Begeistert von dem Ergebnis und der Wirkung der Kunst in den gro\u00dfz\u00fcgigen Hallen zeigten sich daher nicht nur die zahlreichen Besucher der Vernissage, sondern auch die K\u00fcnstler, die eigens f\u00fcr die Er\u00f6ffnung mit einem Bus angereist waren und von Peter Ballmaier, dem Leiter der Kunststation, herzlich in Empfang genommen wurden. In seiner kleinen Einf\u00fchrung zur Geschichte der Kunststation, die in diesem Jahr 30 Jahre alt wird, vermittelte er den G\u00e4sten, wie eine solche Kulturinstitution mitten in dem kleinen Rh\u00f6nort entstehen konnte.<\/p>\n<p><strong>Die teilnehmenden K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler sind (in alphabetischer Reihenfolge):<\/strong><br \/>\nWerner Braun, Gisela Denninghoff, Renate Donecker, Christel D\u00fctge, Johannes Eucker, Marion Fischer, Ria Gerth, Paulina Heiligenthal, Anne Held, G\u00fcnther Hermann, Dieter Hoffmeister, Rose Marie Koch, Deniz Kuranel, Susanne Ledendecker, Christian Malitzki, Angelika Nette, Axel Wetzel, Yi Zheng Lin<\/p>\n<p>Die Ausstellung des Oberhessischen K\u00fcnstlerbundes ist mit freundlicher Unterst\u00fctzung durch die ART-regio Sparkassenstiftung entstanden. Regelm\u00e4\u00dfige \u00d6ffnungszeiten der Kunststation und des Caf\u00e9s: Di &#8211; So 13 &#8211; 17 Uhr. Eintritt 3 \u00e2\u201a\u00ac, erm\u00e4\u00dfigt 1,50 \u00e2\u201a\u00ac (auch an Vernissagentagen), Kinder und Sch\u00fcler frei. F\u00fchrungen nach Vereinbarung.<br \/>\nWeitere Informationen zur Kunststation Kleinsassen unter www.kleinsassen.de oder telefonisch unter 06657-8002, Adresse: An der Milseburg 2, 36145 Hofbieber-Kleinsassen (Marianne Blum, Kunststation Kleinsassen)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Kleinsassen. Wenn Eiskunstl\u00e4ufer ihre K\u00fcr absolvieren, dann ziehen sie nicht nur nebeneinander ihre Bahnen. Das Paar trennt sich, die Partner laufen mitunter sogar in gegens\u00e4tzliche Richtungen, treffen sich wieder und verschmelzen zu eindrucksvollen Figuren. 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