{"id":18475,"date":"2009-01-02T08:48:22","date_gmt":"2009-01-02T07:48:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/?p=18475"},"modified":"2009-01-02T08:48:22","modified_gmt":"2009-01-02T07:48:22","slug":"die-vielfalt-als-wert-begreifen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=18475","title":{"rendered":"Die Vielfalt als Wert begreifen"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/081231kaltensundheim.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-thumbnail wp-image-18476\" title=\"Mediendienst f\u00fcr das Biosph\u00e4renreservat Rh\u00f6n \/ Landschaftspflegeverband\" src=\"http:\/\/www.schoene-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/081231kaltensundheim-265x198.jpg\" alt=\"Mediendienst f\u00fcr das Biosph\u00e4renreservat Rh\u00f6n \/ Landschaftspflegeverband\" hspace=\"5\" width=\"265\" height=\"198\" align=\"left\" srcset=\"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/081231kaltensundheim-265x198.jpg 265w, https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/081231kaltensundheim.jpg 600w\" sizes=\"(max-width: 265px) 100vw, 265px\" \/><\/a><strong>Kaltensundheim. <\/strong>Naturschutz muss man wohl auch philosophisch betrachten \u2013 das zeigte zumindest die Tagung \u201eWas kostet Naturschutz?\u201c, zu der jetzt die Th\u00fcringer Verwaltungsstelle des Biosph\u00e4renreservates Rh\u00f6n eingeladen hatte. Gemeinsam mit der Th\u00fcringer Landesanstalt f\u00fcr Landwirtschaft, der Th\u00fcringer Landesanstalt f\u00fcr Umwelt und Geologie sowie dem Landschaftspflegeverband \u201eBiosph\u00e4renreservat Th\u00fcringische Rh\u00f6n e.V\u201c gab es nach dem theoretischen auch einen praktischen Teil \u2013 n\u00e4mlich einen Ausflug in das Projektgebiet des Naturschutzgro\u00dfprojektes \u201eTh\u00fcringer Rh\u00f6nhutungen\u201c.<!--more--><\/p>\n<p><strong>Gro\u00dfe Bedeutung im globalen Zusammenhang<\/strong><\/p>\n<p>Der Leiter der Th\u00fcringer Verwaltungsstelle des Biosph\u00e4renreservates Rh\u00f6n, Karl-Friedrich Abe, konnte im Kulturhaus von Kaltensundheim nicht nur namhafte Referenten aus ganz Deutschland begr\u00fc\u00dfen, sondern auch zahlreiche Zuh\u00f6rer aus der gesamten Rh\u00f6nregion. In seinem Vortrag widmete sich Prof. Dr. Peter Kunzmann vom Ethikzentrum der Friedrich-Schiller-Universit\u00e4t in Jena den \u201ewertgebenden Arten\u201c und ihrem Schutz. Dabei sagte er, dass das Bewahren eines Zustandes, also gewisserma\u00dfen die Konservierung der Natur, ein konservatives Anliegen des Menschen ist. \u201eEin Einfrieren bestimmter Zust\u00e4nde ist unnat\u00fcrlich, denn die Natur ver\u00e4ndert sich st\u00e4ndig\u201c, betonte Kunzmann. Biodiversit\u00e4t, der heute viel gebrauchte Begriff, meine in erster Linie die Vielfalt von Arten. \u201eUnd diese Vielfalt m\u00fcssen wir als Wert begreifen. Der Eigenwert der biologischen Vielfalt ist da inbegriffen.\u201c Prof. Dr. Kunzmann unterstrich, dass es heute um den Erhalt lebensnotwendiger Ressourcen, vor allem von Nutzpflanzen und Nutztieren, geht. Im globalen Zusammenhang gesehen sei das n\u00e4mlich von gr\u00f6\u00dfter Bedeutung. Generell unterstrich er, dass es eigentlich der Mensch ist, der wertgebenden Arten einen Wert verleiht \u2013 und das unabh\u00e4ngig vom Nutzen f\u00fcr ihn selbst. \u201eWenn ein Tier durch den Wald geht, dann sieht es Fressbares oder den eigenen potentiellen Fresser. Der Mensch sieht die Dinge ganz anders; er sieht Moose, die B\u00e4ume und einen sonnendurchfluteten Wald.\u201c All das mache f\u00fcr ihn die Vielfalt aus, denn eine vielgestaltige Landschaft sei ihm lieber als eine monotone. Die Vielfalt als etwas Positives zu betrachten, k\u00f6nne man daher auch aus dem biblisch-christlichen Kontext ableiten, bei dem es um die \u201eG\u00fcte der Gesch\u00f6pfe\u201c geht.<\/p>\n<p><strong>Aussterberate 20.000 fach im Vergleich zur normalen Rate<\/strong><\/p>\n<p>Forscher h\u00e4tten errechnet, dass die Menschen Jahr f\u00fcr Jahr rund 33 Billionen Dollar an Dienstleistungen von der Natur annehmen \u2013 wenn es beispielsweise um die Fruchtbarkeit des Bodens oder das Sauberhalten des Wassers geht, nannte Karl-Friedrich Abe eine Zahl, die sich kaum jemand vorstellen kann. \u201eDem gegen\u00fcber steht die momentan 20 000-fache Aussterberate im Vergleich zur normalen Aussterberate. Welchen Wert verlieren wir also durch das massenhafte Aussterben von Arten?\u201c, fragte Abe. Die Diskussion \u00fcber einen sinnvollen Naturschutz zeige das Dilemma, in dem sich dieser selbst befindet, denn man m\u00fcsse dabei immer fragen, wer die Kriterien daf\u00fcr aufstellt.<br \/>\nDer Wandel der Kulturlandschaft, hob J\u00fcrgen Boddenberg von der Th\u00fcringer Landesanstalt f\u00fcr Wald, Jagd und Fischerei in seinem Referat hervor, sei nicht aufzuhalten. Gleichzeitig sei die Beibehaltung der traditionellen Wirtschaft in Zukunft nur auf ausgew\u00e4hlten Fl\u00e4chen m\u00f6glich. Einer Wiederbelebung traditioneller Wirtschaftsformen sind damit enge Grenzen gesetzt, meinte er. Die einzige Konstante, das habe die Vergangenheit auf der Erde und auch in Th\u00fcringen gezeigt, sei der Wandel. \u201eViele schleichende Ver\u00e4nderungen fallen uns gar nicht auf, h\u00f6chstens, wenn wir ein paar Jahre woanders gewesen sind. Die Geschwindigkeit des Wandels nimmt dabei zu \u2013 denn wir sind dabei, immer mehr Fl\u00e4chen an unsere Bed\u00fcrfnisse anzupassen\u201c, sagte Boddenberg. Eine Realit\u00e4t sei es, dass Offenlandbereiche zuwachsen. Die urspr\u00fcngliche Vegetation in Th\u00fcringen seien aber W\u00e4lder gewesen. Durch ihre Nutzung in den vergangenen Jahrhunderten betrage deren Anteil an der Gesamtfl\u00e4che nur noch 30 Prozent \u2013 einhergegangen sei damit ein Artenverlust.<\/p>\n<p>Der Wandel bedeute nicht immer den Verlust von Arten, denn einige k\u00f6nnen sich der Ver\u00e4nderung eines Biotops auch gut anpassen, erkl\u00e4rte Boddenberg. Wandel k\u00f6nne auch die Chance zur Etablierung anderer, ebenfalls als wertgebend zu bezeichnenden Lebensgemeinschaften bieten. \u201eOhne die Fortf\u00fchrung der traditionellen Bewirtschaftung unserer Fl\u00e4chen werden wir einen Artenverlust hinnehmen m\u00fcssen. Leider werden bei der Vermittlung von Naturschutz, seinen Aufgaben und Zielen oft solche Sachen wie das Heimatgef\u00fchl au\u00dfer Acht gelassen\u201c, res\u00fcmierte Boddenberg.<br \/>\nMit der Betriebswirtschaft der Sch\u00e4ferei besch\u00e4ftigte sich Prof. Dr. Ulrich Hampicke vom Lehrstuhl f\u00fcr Landschafts\u00f6konomie an der Ernst-Moritz-Arndt-Universit\u00e4t Greifswald. Damit lenkte er genau wie Uta Maier vom Verband f\u00fcr Agrarforschung und -bildung Th\u00fcringen e.V. bereits zum praktischen Teil der Tagung \u00fcber \u2013 zur Besichtigung von Fl\u00e4chen im Naturschutzgro\u00dfprojekt \u201eTh\u00fcringer Rh\u00f6nhutungen\u201c. Die Sch\u00e4ferei, musste Hampicke anhand von Zahlen feststellen, fahre pro Jahr einen Verlust von rund 500 Euro pro Hektar ein. Schuld daran sei der hohe Arbeitsaufwand, die Arbeitszeit der Sch\u00e4fer und das Futter f\u00fcr Schafe und Hunde. Dennoch sei die Arbeit des Sch\u00e4fers unverzichtbar f\u00fcr den Erhalt der Kulturlandschaft und ihrer Elemente, beispielsweise der Kalkmagerrasen in der Rh\u00f6n. Die Defizite m\u00fcssten durch \u00f6ffentliche Zahlungen aufgefangen werden, unter anderem aus dem Programm zur F\u00f6rderung von umweltgerechter Landwirtschaft, Erhaltung der Kulturlandschaft, Naturschutz und Landschaftspflege in Th\u00fcringen, kurz \u201eKULAP\u201c genannt. Dabei verwies Hampicke darauf, dass das Th\u00fcringer Programm eines der besten bundesweit ist und neben dem nordrhein-westf\u00e4lischen das einzige, das die F\u00f6rderung von Ackerwildkr\u00e4utern beinhaltet.<\/p>\n<p><strong>Vergleich zur Wirtschaft<\/strong><\/p>\n<p>Auch Prof. Dr. Hampicke wurde in seinem Vortrag philosophisch. Der Sch\u00e4fer, betonte er, produziere zwei wertvolle Produkte \u2013 zum einen L\u00e4mmer; zum anderen Landschaft. \u201eDer Sch\u00e4fer muss das Bewusstsein haben, dass er f\u00fcr beide Teile vern\u00fcnftig bezahlt wird. Er braucht eine leistungsgerechte Entlohnung und keine Beihilfen, auf die noch nicht einmal ein Rechtsanspruch besteht.\u201c Unterst\u00fctzungen wie die allgemeine Fl\u00e4chenpr\u00e4mie, Zahlungen aus dem KULAP, Ausgleichszulagen und Defizitzahlungen bek\u00e4men auch Weizenanbauer \u2013 und zwar auch dann, wenn die Preise f\u00fcr Weizen oben sind. \u201eMan sollte deshalb f\u00fcr das Ergebnis bezahlen, nicht f\u00fcr den Aufwand. In der Wirtschaft darf f\u00fcr jeden Ramsch Gewinn gemacht werden; beim knappsten und wertvollsten Gut Naturschutz werden aber nur die Kosten erstattet\u201c, sagte Hampicke. \u201eWenn ein Banker f\u00fcr sein Versagen eine Million bekommt, warum sollte dann ein Sch\u00e4fer nicht auch eine Million bekommen, wenn er mit seiner Arbeit eine Art erh\u00e4lt?\u201c, fragte der Professor \u00fcberspitzt.<br \/>\nIm Anschluss sahen sich die Teilnehmer der Tagung auf verschiedenen Fl\u00e4chen des Naturschutzgro\u00dfprojektes \u201eTh\u00fcringer Rh\u00f6nhutungen\u201c um. Dabei erhielten sie fachkundige Ausk\u00fcnfte von Petra Ludwig und Julia Gombert vom Landschaftspflegeverband \u201eBiosph\u00e4renreservat Th\u00fcringische Rh\u00f6n\u201c, die das Gro\u00dfprojekt koordinieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Kaltensundheim. 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