{"id":183948,"date":"2020-03-25T12:14:21","date_gmt":"2020-03-25T11:14:21","guid":{"rendered":"http:\/\/fuldaer-nachrichten.de\/?p=183948"},"modified":"2020-03-25T12:14:21","modified_gmt":"2020-03-25T11:14:21","slug":"didaktikexperte-prof-peter-heiniger-ueber-gutes-lernen-das-in-die-zukunft-traegt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=183948","title":{"rendered":"Didaktikexperte Prof. Peter Heiniger \u00fcber gutes Lernen, das in die Zukunft tr\u00e4gt"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/2020-03-03_Pa\u00cc\u02c6d_Tag-3-walther.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-medium wp-image-183950\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2020\/03\/2020-03-03_Pa\u00cc\u02c6d_Tag-3-walther-265x177.jpg\" alt=\"\" width=\"265\" height=\"177\" \/><\/a>\u201eWas H\u00e4nschen lernt, kann Hans nicht mehr brauchen \u2013 was Hans braucht, kann H\u00e4nschen nicht lernen\u201c \u2013 Es sind S\u00e4tze wie diese von Prof. Peter Heiniger, die dem Kollegium der Max-Eyth-Schule noch lange im Sinn bleiben werden. Der Schweitzer Didaktikexperte, Leiter Studiengang Sekundarstufe II an der P\u00e4dagogischen Hochschule Thurgau, war einen Tag lang zu Gast in der Alsfelder Europaschule. Hier lieferte er auf Einladung des \u201eQualit\u00e4tszirkels Unterricht\u201c zu Beginn eines P\u00e4dagogischen Tages zun\u00e4chst einen mitrei\u00dfenden Inputvortrag, begleitete die Workshops der Lehrkr\u00e4fte in verschiedenen Arbeitsgruppen und fasste am Ende seine Eindr\u00fccke zusammen. Was blieb, war die Gewissheit, einen bereits in vielfacher Hinsicht richtig eingeschlagenen Weg weiterzugehen und den Unterricht f\u00fcr Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sowie f\u00fcr Lehrkr\u00e4fte noch besser an den zuk\u00fcnftigen Anforderungen zu orientieren.<\/p>\n<p>Schulleiter Friedhelm Walther begr\u00fc\u00dfte sein mehr als 120-k\u00f6pfiges Kollegium zu diesem Tag, der ganz im Zeichen der Unterrichtsentwicklung stehen w\u00fcrde. \u201eLernen und Lehren ver\u00e4ndern sich rasant, und es ist unsere Aufgabe, mit der Entwicklung Schritt zu halten, um f\u00fcr unsere Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler bestm\u00f6gliches Lernen bereitzustellen\u201c, so die Marschrichtung des Tages, die zun\u00e4chst Prof. Peter Heiniger mit ganz viel Inhalt f\u00fcllte. Als Ziel des Lehrerberufes definierte er das Vorbereiten von Kindern und Jugendlichen auf eine unbekannte Zukunft. \u201eZwei Drittel aller Grundsch\u00fcler werden sp\u00e4ter einmal in einem Beruf arbeiten, den es heute noch nicht gibt\u201c, skizzierte der Redner eine Herausforderung von Schulen und Lehrkr\u00e4ften: Worauf soll man einen Menschen vorbereiten, wenn man gar nicht wei\u00df, was er sp\u00e4ter einmal braucht? In seinem Vortrag ging Heiniger auf die Megatrends ein, die zuk\u00fcnftig das gesellschaftliche Leben und damit auch das schulische Leben bestimmen werden. Eine sich wandelnde Geschlechterrolle geh\u00f6rt nach Expertenmeinung ebenso dazu wie die die fortschreitende Individualisierung, die Globalisierung und der Umbruch politischer und wirtschaftlicher Ordnungen.<\/p>\n<p>Heiniger beschrieb Bewegungen, beispielsweise in den USA im Bereich der K\u00fcnstlichen Intelligenz, an der Europa aus verschiedenen Gr\u00fcnden kaum teilhabe. Er berichtete von dem \u00dcbersetzungsprogramm DeepL, das so gut sei, dass man sich fragen m\u00fcsse, ob man \u00fcberhaupt noch Sprachen lernen m\u00fcsse. Er verlieh damit einer gro\u00dfen Verunsicherung Ausdruck \u00fcber Inhalte und Arbeitsweisen, sowohl bei Lernenden als auch bei Lehrenden. Es stelle sich die Frage, wie gutes Lehren und Lernen gelingen k\u00f6nne, so der Professor. Als ma\u00dfgeblich sieht Heiniger hier die Motivation, die Treiber, der Beteiligten an. \u201eWarum kommen Sie jeden Morgen hierher\u201c, fragte er in die Runde. \u201eUnd warum kommen Ihre Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler zu Ihnen \u2013 au\u00dfer nat\u00fcrlich, dass sie es m\u00fcssen?\u201c Als Treiber von Lehrkr\u00e4ften k\u00f6nne man nat\u00fcrlich angeben, dass die 13 unterrichtsfreien Wochen ein Ansporn seien, es k\u00f6nne aber auch Freude am Vermitteln von Kenntnissen sein, Spa\u00df an der Arbeit mit jungen Menschen, Stolz auf die Teilhabe am Erfolg der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler. Auch diese haben ihre Treiber und ihre Motivation. \u201eDiese muss man kennen, um Wissen zu vermitteln\u201c, betonte der Referent: \u201eWir k\u00f6nnen uns noch so viele Gedanken darum machen, besser zu werden, wenn wir nicht ber\u00fccksichtigen, was unsere Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler wirklich antreibt: Wollen sie nur die Zeit absitzen oder wollen sie wirklich etwas lernen? Und wenn ja, wozu? Was ist ihr Ziel?\u201c Sehr ausf\u00fchrlich ging der Experte auf die Denkweise junger Menschen ein. Er nahm seine Zuh\u00f6rerschaft mit auf eine Reise in die Neurobiologie, stellte die Entwicklung des Hirns in der Kindheit, der Pubert\u00e4t und danach vor und machte den Lehrkr\u00e4ften deutlich, warum es gerade in der Pubert\u00e4t, in der die Jugendlichen und jungen Erwachsenen Opfer eines zugunsten des limbischen Systems kaltgestellten Frontalhirns werden: Launenhaftigkeit, schnelle Wunscherf\u00fcllung, gro\u00dfe Emotionalit\u00e4t machen ihnen und den Erwachsenen um sie herum zu schaffen. \u201eDie Jugendlichen sind neuronal entschuldigt\u201c, so Prof. Heiniger in seinem Vortrag, der, obwohl voller wichtiger Informationen, sehr unterhaltsam war. Sein Appell an die Lehrkr\u00e4fte: In dieser Phase br\u00e4uchten die jungen Menschen Strukturen, die ordnen und Wege offenhalten. Dies m\u00fcsse auch Schule in ihrem Bereich bieten \u2013 \u201eein m\u00fchsamer Weg, den Sie tagt\u00e4glich gehen.\u201c Das Bewusstsein f\u00fcr Gemeinschaft schaffen, geh\u00f6re dazu, genauso wie f\u00fcr die Notwendigkeit von Regeln, f\u00fchrte Heiniger aus und betonte: \u201eDas ist Teil unseres Jobs.\u201c<\/p>\n<p>Kann man Erfolg lehren, fragte Heiniger in die Runde und ging dieser Frage anhand der Selbstbestimmungstheorie von Deci und Ryan nach. Drei angeborene Grundbed\u00fcrfnisse haben die Wissenschaftler hier festgehalten: Soziale Eingebundenheit (erlebte N\u00fctzlichkeit), Autonomie (Was ist die Mission des Jugendlichen?) und Selbstwirksamkeit (ehrliches Lob, das der Person entspricht). Diese Bed\u00fcrfnisse sieht der Schweizer Experte als Treiber f\u00fcr gutes und erfolgreiches Lehren und stellte die Erweiterte Bloomsche Taxonomie als Schema f\u00fcr erfolgreiches Lernen vor: Es basiert auf einer abgestimmten Verwendung von Selbstregulierung und probleml\u00f6senden Denken der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler und zeigt Wege auf, von der Theorie in die Praxis zu kommen, vom Lernen ins Umsetzen.<\/p>\n<p>Als einen von verschiedenen Erfolgsfaktoren f\u00fcr den Unterricht pr\u00e4sentierte der Redner die von ihm so genannte \u201eKrimididaktik\u201c, die sich aus der Taxonomie ergibt: Der Unterrichtsinhalt m\u00fcsse spannend inszeniert werden, 08\/15 bliebe nicht h\u00e4ngen, eine spannende \u201eT\u00e4tersuche\u201c aber schon. \u201eSie sind als Lernprofis unterwegs\u201c, wandte Heiniger sich abschlie\u00dfend an das Kollegium der Max-Eyth-Schule, \u201eund wie immer Sie Ihren Unterricht gestalten, fragen Sie sich: \u201eWas kann ich meinen Lernenden bieten?\u201c<\/p>\n<p>Die R\u00fcckfragen aus der Lehrerschaft zeigten, wie sehr der Vortrag ihr t\u00e4gliches Erleben in der Schule ber\u00fchrt hat. Sie erhielten noch einmal Feedback zu Fragen nach ernstgemeintem und wirksamem Lob, nach Wertsch\u00e4tzung den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern gegen\u00fcber, und sie erhielten f\u00fcr sich selbst Methoden, wie sie das Geh\u00f6rte in ihrem Alltag umsetzen k\u00f6nnten. Was die Schule bereits an M\u00f6glichkeiten und Methoden hat, das stellten im Anschluss an den Impulsvortrag einzelne Lehrkr\u00e4fte der Schule ihren Kolleginnen und Kollegen vor. Es ging um \u201eUmgedrehten Unterricht\u201c (Flipped Classroom), Tools zur Selbstbeurteilung und Reflexion von Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern oder der Erstellung von ePortfolios mit Hilfe der mahara-Software. Diese und sieben weitere Unterrichtswerkzeuge zeigten die gro\u00dfe Bandbreite, die jetzt schon an der Max-Eyth-Schule vorhanden ist. Prof. Heiniger war am Ende des Tages voll des Lobes f\u00fcr diese F\u00fclle, die die Lehrkr\u00e4fte mit ihren Kolleginnen und Kollegen teilten. Er hat an diesem Tag eine lebendige Schule erlebt, in der die Menschen einen wertsch\u00e4tzenden Umgang miteinander pflegen. Mit Blick auf das Thema Zukunftsorientierung bescheinigter der der Europaschule: \u201eSie sind auf einem guten Weg\u201c, und mit Schulleiter Friedhelm Walther war sich das Kollegium einig: \u201eDiesen Weg gehen wir weiter.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>\u201eWas H\u00e4nschen lernt, kann Hans nicht mehr brauchen \u2013 was Hans braucht, kann H\u00e4nschen nicht lernen\u201c \u2013 Es sind S\u00e4tze wie diese von Prof. Peter Heiniger, die dem Kollegium der Max-Eyth-Schule noch lange im Sinn bleiben werden. Der Schweitzer Didaktikexperte, Leiter Studiengang Sekundarstufe II an der P\u00e4dagogischen Hochschule Thurgau, war einen Tag lang zu Gast &hellip;<\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":183949,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-183948","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-startseite"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/183948","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=183948"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/183948\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":183951,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/183948\/revisions\/183951"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/183949"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=183948"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=183948"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=183948"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}