{"id":183829,"date":"2020-03-07T22:03:40","date_gmt":"2020-03-07T21:03:40","guid":{"rendered":"http:\/\/fuldaer-nachrichten.de\/?p=183829"},"modified":"2020-03-07T22:03:40","modified_gmt":"2020-03-07T21:03:40","slug":"sibylle-katharina-sorg-botschafterin-im-auswaertigen-amt-warb-bei-schuelerinnen-und-schuelern-der-ass-und-mes-um-engagement-fuer-europa","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=183829","title":{"rendered":"Sibylle Katharina Sorg, Botschafterin im Ausw\u00e4rtigen Amt, warb bei Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern der ASS und MES um Engagement f\u00fcr Europa"},"content":{"rendered":"<p>Europa ist gro\u00df, die EU eine abstrakte Verwaltungseinheit, von der man immer nur h\u00f6rt, wenn etwas nicht klappt \u2013 diesen Eindruck kann man schnell gewinnen, wenn man sein Meinungsbild aus Kurznachrichten und Headlines zusammenbaut. Dass Europa \u2013 bei aller Kritik, die von den Menschen in der EU oft zu h\u00f6ren ist \u2013 jedoch Garant f\u00fcr Sicherheit, Wohlstand und Frieden f\u00fcr die Mitgliedsstaaten und somit auch f\u00fcr Deutschland ist, darauf zielte der Austausch ab, den Sibylle Katharina Sorg, einst Wallenr\u00f6derin und jetzt als Botschafterin im Ausw\u00e4rtigen Amt zust\u00e4ndig f\u00fcr die Beziehungen zu den EU-Mitgliedsstaaten und in der ganzen Welt zuhause, am vergangenen Freitagmorgen einer Sch\u00fclergruppe der Albert-Schweitzer-Schule und der Max-Eyth-Schule anbot.<\/p>\n<p>\u201eSchule muss das Ohr an der Zeit haben, muss ihren Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern vermitteln, was die Gesellschaft betrifft\u201c \u2013 mit diesen Worten f\u00fchrte Schulleiter Christian Bolduan in den anderthalbst\u00fcndigen Ritt durch viele Fragen zu Europa und zur deutschen Au\u00dfenpolitik ein, zum Brexit und zum Demokratieverst\u00e4ndnis in den Gremien, zur Relevanz der EU f\u00fcr Menschen im Vogelsberg und zum Arbeitsalltag in einer t\u00e4glich wechselnden Gemengelage, von der am Ende Sicherheit und Wohlstand f\u00fcr Deutschland und Europa abh\u00e4ngen. Mit Sibylle Katharina Sorg, die seit mehr als 25 Jahren im Ausw\u00e4rtigen Amt besch\u00e4ftigt ist und in diesen Jahrzehnten schon f\u00fcr einige Au\u00dfenminister und an den verschiedensten Orten in der Welt t\u00e4tig war, hatte die Albert-Schweitzer-Schule eine versierte Referentin und gl\u00fchende Europafreundin gewinnen k\u00f6nnen, die auch aus dem N\u00e4hk\u00e4stchen der Schaltzentrale der deutschen Au\u00dfenpolitik plauderte.<\/p>\n<p>Den Einstieg in eine Fragerunde, die die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der PoWi-Kurse zuvor mit ihren Fachlehrern erarbeitet hatten, gestaltete die Diplomatin mit einem Pl\u00e4doyer: \u201eEuropa ist der essentiell wichtige Bezugspunkt, um unsere Interessen in der Welt durchzusetzen.\u201c Im Wettstreit mit Gro\u00dfm\u00e4chten wie Russland, China und den USA sei es wichtig, im Verbund aufzutreten, so Sorg, schon die blo\u00dfen Einwohnerzahlen \u2013 beispielsweise Asien mit 4,5 Mrd. Menschen im Vergleich zu den knapp 500 Millionen in der EU, davon 80 Millionen in Deutschland \u2013 machten deutlich, wie die Machtverh\u00e4ltnisse seien. Und Herausforderungen, in denen sich Europa f\u00fcr seine Mitgliedsstaaten behaupten m\u00fcsse, sieht Sorg nicht wenige: Handelsblockaden zwischen den Gro\u00dfm\u00e4chten k\u00f6nnten zu Lasten der Europ\u00e4er gehen, ebenso wie eine aggressive Politik, wie sie von Russland in Syrien oder der Ukraine zu sehen sei. Klimawandel, Digitalisierung und Krisen in Afrika, die sich am Ende f\u00fcr Europa auswirken k\u00f6nnten \u2013 all das seien Themen, die kein Land in Europa allein bearbeiten und schon gar nicht im Weltverbund durchsetzen k\u00f6nne. Zu diesen \u00e4u\u00dferen Herausforderungen addierte Sorg die inneren: Welche Werte wolle die EU gemeinsam durchsetzen? Wie geht man mit den Problemen der Rechtsstaatlichkeit beispielsweise in Ungarn oder Polen um? Wie begegnet man wachsendem Populismus und Rechtsextremismus? Und wie kann man die Migrationsfrage gemeinsam l\u00f6sen? Dazu kommt nat\u00fcrlich ganz aktuell der Blick auf den Brexit: Wer hat ihn herbeigef\u00fchrt? (In erster Linie die W\u00e4hlerinnen und W\u00e4hler \u00fcber 60 Jahre.) Wie kann man ihn gut gestalten? Und wie kann man der Jugend klarmachen, dass ihre Stimme dennoch z\u00e4hlt, wenn sie nur laut genug erhoben wird, sprich, wenn sie alle wirklich von ihrem Wahlrecht Gebrauch machen?<\/p>\n<p>Im Gespr\u00e4ch mit den angehenden Abiturientinnen und Abiturienten wurde deutlich, dass diese sich sehr wohl mit den M\u00f6glichkeiten eines sozialvertr\u00e4glichen Wandels in der Umwelt- und Klimapolitik auseinandersetzen oder sich um die Rolle von Gro\u00dfbritannien in der EU und nun au\u00dferhalb der EU Gedanken machen. Von Sorg gab es gerade hierzu viele interessante Anst\u00f6\u00dfe, wie beispielsweise die finanziellen Einbu\u00dfen im Haushalt der EU nach dem Wegfall des gro\u00dfen Nettozahlers aufzufangen seien, wie man die nukleare Sicherheit in der EU darstellen k\u00f6nne, f\u00fcr die haupts\u00e4chlich Gro\u00dfbritannien eingetreten war, genauso wie das Land sich \u2013 im Gegensatz zu Deutschland \u2013 aktiv an milit\u00e4rischen Missionen beteiligt hat. Deutschland, so eine These, m\u00fcsse hier seinen Standpunkt \u00fcberdenken. Eine Meinung, die in der Diplomatin erst im Laufe der Jahre gereift ist, wie sie bekannte. Die befragten Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler indes sprachen sich mehrheitlich gegen milit\u00e4rische Aktionen Deutschlands aus. Gleichzeitig skizzierte Sorg auch die Nachteile des Brexits f\u00fcr die Menschen in Gro\u00dfbritannien.<\/p>\n<p>Eine Frage an die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler ergab, dass ihre Mehrzahl der Meinung ist, dass die EU Relevanz f\u00fcr ihr Leben hat. Sp\u00e4ter gaben sie an, tats\u00e4chlich ihre Infos aus den Nachrichtensendungen der \u00f6ffentlich-rechtlichen Sender und den Tageszeitungen zu entnehmen und nicht den schnellen Posts in den sozialen Medien. \u201eDazu ist Europa zu komplex. Man kann keine Inhalte in einer Kurznachricht kommunizieren\u201c, so die Expertin f\u00fcr Au\u00dfenpolitik, die auf das Runterbrechen von Inhalten auf Headlines und Einzelaussagen ohne Zusammenhang mit Sorge blickt. \u201eSo einfache Antworten und Positionen gibt es leider nicht.\u201c Mit Blick auf den Brexit f\u00fcgte sie hinzu, dass die Abstimmung dar\u00fcber auch ein Beispiel daf\u00fcr sei, wie man eine \u201eEntscheidung in Abwesenheit einer Faktendiskussion\u201c herbeif\u00fchren k\u00f6nne \u2013 allein mit Schlagworten und Emotionen.<\/p>\n<p>Weitere Themen, die von den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern an diesem Morgen angesprochen wurden, galten der Frage nach dem Lobbyismus und der Zukunft der EU als \u201eVereinigte Staaten von Europa\u201c. Letztere sieht die Expertin in naher Zukunft nicht kommen: Kulturelle Identit\u00e4t und Autonomie h\u00e4tten daf\u00fcr in vielen Mitgliedsstaaten einen zu gro\u00dfen Stellenwert. In dieser Bewertung zeige sich \u00fcbrigens ganz klar ein Unterschied zwischen den gr\u00f6\u00dften und am besten verbundenen Playern in der EU, Deutschland und Frankreich: W\u00e4hrend gerade unter Macron die Franzosen den europ\u00e4ischen Gedanken schneller und weiter \u2013 aber nur mit einem kleineren \u201eKerneuropa\u201c &#8211; vorantreiben wolle, sei Deutschland darauf bedacht, auch langsamere L\u00e4nder, die sich schnell \u00fcberrollt f\u00fchlen k\u00f6nnten, mitzunehmen und daf\u00fcr eher das Tempo zu drosseln. \u201eDer Zusammenhalt hat seinen Preis\u201c, so die Diplomatin zu dem schier unendlichen Ringen um gemeinsame Positionen und Kompromisse.<\/p>\n<p>Wie ein Land wie Deutschland seine EU- und au\u00dfenpolitische Marschroute gemeinsam mit dem Au\u00dfenministerium bestimmt und dann sowohl die Tagespolitik als auch die langfristigen Konzepte danach auslegt, das erfuhren die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler bei einem kleinen Einblick in den Tagesablauf im Ausw\u00e4rtigen Amt. Wie startet man den Tag mit einer meist \u00fcber Nacht ver\u00e4nderten Nachrichtenlage? Wer spricht mit wem? Und wo ist zwischen den Diplomaten und Staatssekret\u00e4ren dann eigentlich das Wort des Au\u00dfenministers, des Parlaments und somit letztendlich die Meinung des W\u00e4hlers zu finden?<\/p>\n<p>Am Ende dieser hochinformativen zwei Schulstunden warb Sibylle Katharina Sorg f\u00fcr die Mitarbeit im Ausw\u00e4rtigen Amt: Sie stellte Einstiegs- und Aufstiegsm\u00f6glichkeiten vor und pr\u00e4sentierte ihren Beruf als einen, der nie langweilig wird, in die Welt hinausf\u00fchrt und mit vielen Menschen in Kontakt bringt. All das m\u00fcsse man aber auch m\u00f6gen, so die Botschafterin in eigener Sache, die wie ihre Kolleginnen und Kollegen im Rotationsprinzip in der ganzen Welt eingesetzt werden kann. F\u00fcr die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler bedeutete der Besuch aus der Hauptstadt auf jeden Fall ein Erkenntniszugewinn \u2013 sowohl was Europa betrifft als auch die eigene berufliche Zukunft. Vielleicht spielt ja nun ein weiterer ambitionierter junger Mensch aus dem Vogelsberg mit dem Gedanken an eine weltweite Diplomatenkarriere.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Europa ist gro\u00df, die EU eine abstrakte Verwaltungseinheit, von der man immer nur h\u00f6rt, wenn etwas nicht klappt \u2013 diesen Eindruck kann man schnell gewinnen, wenn man sein Meinungsbild aus Kurznachrichten und Headlines zusammenbaut. 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