{"id":183522,"date":"2019-12-03T20:57:50","date_gmt":"2019-12-03T19:57:50","guid":{"rendered":"http:\/\/fuldaer-nachrichten.de\/?p=183522"},"modified":"2019-12-03T20:57:50","modified_gmt":"2019-12-03T19:57:50","slug":"ansaetze-gegen-den-fachkraeftemangel-von-dr-christa-larsen-und-der-vogelsberg-consult-gmbh","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=183522","title":{"rendered":"Ans\u00e4tze gegen den Fachkr\u00e4ftemangel von Dr. Christa Larsen und der Vogelsberg Consult GmbH"},"content":{"rendered":"<p>Es war ein Abend f\u00fcr die Vogelsberger Unternehmerschaft, eine M\u00f6glichkeit zum Austausch, eine Gelegenheit aktuelle Arbeitsmarkttrends in der Region zu diskutieren und nicht zuletzt den einen oder anderen L\u00f6sungsansatz mit nachhause zu nehmen. Eingeladen hatte das UnternnehmensNetz Vogelsberg, eine Einrichtung der Vogelsberg Consult GmbH; als Referentin war Dr. Christa Larsen vom IWAK (Institut f\u00fcr Wirtschaft, Arbeit und Kultur der Goethe-Universit\u00e4t Frankfurt) nach Alsfeld in die Villa Raab gekommen. Ihr Institut liefert seit 2010 regelm\u00e4\u00dfig Zahlen zur regionalen Besch\u00e4ftigungsprognose und zur Bedeutung des demographischen Wandels. Ein Thema, das auch die Vogelsberger Firmen besch\u00e4ftigt: Gut sechzig Unternehmerinnen und Unternehmer, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrende und Betriebsinhaber waren der Einladung gefolgt, ebenso wie Dr. Jens Mischak, Erster Kreisbeigeordneter und Wirtschaftsdezernent.<!--more--><\/p>\n<p>Matthias Steckenreuter von Vogelsberg Consult f\u00fchrte mit anschaulichen Zahlen \u00fcber die Arbeitsmarktentwicklung im Vogelsberg in das Thema ein: Prognosen im Jahr 2010 gingen davon aus, dass der Bev\u00f6lkerungsr\u00fcckgang die Arbeitslosenquote schrumpfen lie\u00dfe, was sich bei der Verlaufsbetrachtung von 2010 bis 2019 mit einem R\u00fcckgang von 7,7% auf 4,8% best\u00e4tige. Damit einher gehe jedoch ein eklatanter Fachkr\u00e4ftemangel, auf den die Referentin im Anschluss detailliert einging. Dabei legte sie das Augenmerk wie bei den Vorerhebungen auf kurzfristige Prognosen, die den gegenw\u00e4rtigen Verlauf miteinbeziehen und L\u00f6sungsans\u00e4tze bieten. Eine Karte der Region und der umliegenden Kreise machte deutlich, dass insbesondere auch die n\u00f6rdlich und nord\u00f6stlich angrenzenden Gebiete genauso wie der Vogelsberg unter einem kritischen Arbeitskr\u00e4ftemangel leiden. Von dort also Arbeitskr\u00e4fte abwerben zu wollen, werde eine schwierige Aufgabe sein, so Larsen. Daher gelte es, die Potenziale im Kreis zu nutzen. In Zahlen stellte sich ihre Prognose f\u00fcr den Vogelsbergkreis wie folgt dar: Bis 2024 werden 6.450 Arbeitskr\u00e4fte fehlen, der gr\u00f6\u00dfte Teil \u2013 5.240 Arbeitnehmer &#8211; mit Berufsausbildung, ein kleinerer Teil ohne Berufsausbildung und ebenfalls ein kleiner Teil mit Hochschulabschluss. Bem\u00fchungen, dem Fachkr\u00e4ftemangel entgegenzuwirken, m\u00fcssten sich also offensichtlich auf Personen mit Berufsabschluss fokussieren. Als Ursachen f\u00fcr die Engp\u00e4sse machte die Expertin zu einem gro\u00dfen Teil den altersbedingen Ersatzbedarf aus. Diese Zahl habe sich im Lauf der Betrachtung seit 2010 von 3.190 auf zu erwartende 8.270 sehr dynamisch entwickelt, f\u00fchrte Larsen aus \u2013 ihr Fazit: \u201eDie Grundkoordinaten des Arbeitsmarktes sind alarmierend. Die L\u00fccke ist gro\u00df.\u201c Waren fr\u00fchere Fachkr\u00e4ftem\u00e4ngel konjunkturbedingt, so seien sie jetzt das Ergebnis der Verrentung. Kreisweite Anstrengungen seien erforderlich, damit die Region lebensf\u00e4hig bleibe.<\/p>\n<p>Als M\u00f6glichkeit, dieser Entwicklung Herr zu werden, m\u00fcssten die Unternehmen ihr betriebliches Verhalten \u00e4ndern, lautete ein Rat der Expertin. Zus\u00e4tzlich zu gro\u00dfen Anstrengungen im Ausbildungsbereich k\u00f6nnten Menschen mit verschiedenen Arbeitszeitmodellen l\u00e4nger in Arbeit gehalten werden, so ein Vorschlag Larsens. Man m\u00fcsse sich darum bem\u00fchen, Akademiker wieder zur\u00fcckzuholen. Die Familienphase, in der es darum gehe, Lebensqualit\u00e4t f\u00fcr die Familie zu schaffen, biete sich hier an. Mit Blick auf die einzelnen Branchen wie beispielsweise die Logistik, in der viele Helfer besch\u00e4ftigt sind, r\u00e4t sie zur Weiterqualifikation der bereits besch\u00e4ftigten Mitarbeiter. In den im Vogelsberg in Rede stehenden Berufen sind deutlich mehr M\u00e4nner besch\u00e4ftigt. Kontinuit\u00e4t k\u00f6nne daher auch mit der Besch\u00e4ftigung von Frauen erreicht werden. \u201eFrauen sind eine gro\u00dfe Ressource\u201c, appellierte die Rednerin an die Unternehmen, auch f\u00fcr Frauen passende Arbeitszeit- und Kinderbetreuungsmodelle bereitzustellen. Als besonders kritischen Bereich identifizierte Larsen die Pflege. Hier sei ein doppelter negativer Effekt zu erwarten: Die Menschen werden immer \u00e4lter, auch Pflegekr\u00e4fte steigen aus dem Beruf aus, und es gibt zu wenig Nachwuchs. Um hier vorzubeugen sei Ausbildung die zentrale Strategie. Man m\u00fcsse Ausbildungsabbr\u00fcche vermeiden und Helfer nachqualifizieren. Mit Blick auf die zunehmende Akademisierung junger Menschen sprach Larsen sich f\u00fcr das Duale Ausbildungsintegrierte Studium aus. Grunds\u00e4tzlich gelte es, abgewanderte Menschen wieder zur\u00fcckzuholen, indem man die Region als den attraktiven Wohn- und Arbeitsort bewirbt, der sie ist. \u201eDer Vogelsberg ist die Region f\u00fcr die perfekte Work-Life-Balance\u201c, fand die Rednerin. An die G\u00e4ste des Abends gerichtet, schloss Larsen ihren Vortrag: \u201eLassen Sie sich nicht erschrecken von den Zahlen. Tun Sie sich zusammen!\u201c<\/p>\n<p>In einem zweiten Schritt stellten Matthias Steckenreuter und Katharina Barth den Handlungsansatz ProAbschluss vor, der genau da ansetzt, wo die Expertin Nach- und Weiterqualifizierung vorschlug: \u00dcber die Qualifizierungsoffensive des Landes Hessen k\u00f6nnen Betriebe und Arbeitnehmer die Nachqualifikation von Mitarbeitenden vorantreiben und Menschen ohne Berufsabschluss zu Fachkr\u00e4ften ausbilden. Die Bildungscoaches der Vogelsberg Consult stehen hierf\u00fcr zur Verf\u00fcgung, f\u00fchrte Barth aus. Sie und Matthias Steckenreuter koordinieren die Ma\u00dfnahmen, suchen Kooperationspartner, vermitteln F\u00f6rdergelder und sind Ansprechpartner f\u00fcr alle Fragen. \u201eEine solche Qualifikation ist ein Invest in die Zukunft\u201c, so das Fazit der beiden Referenten.<\/p>\n<p>Thomas Schaumberg, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Vogelsberg Consult, pr\u00e4sentierte im Anschluss weitere Handlungsans\u00e4tze gegen den Fachkr\u00e4ftemangel, die sein Haus koordinieren kann, darunter QuABB, ein Programm zur Stabilisierung von (gef\u00e4hrdeten) Ausbildungsverh\u00e4ltnissen, und eine gerade angelaufene Facebook-Aktion zur R\u00fcckgewinnung abgewanderter Vogelsberger oder zur Anwerbung umzugswilliger Personen aus dem Rhein-Main-Gebiet. Innerbetrieblich riet Schaumberg zum Dialog mit Mitarbeitenden, um St\u00e4rken und Schw\u00e4chen zu identifizieren und auszubauen bzw. zu minimieren. Es m\u00fcssten M\u00f6glichkeiten f\u00fcr \u201eVollzeit statt Teilzeit\u201c geschaffen werden und zur Weiterbesch\u00e4ftigung \u00fcber das Rentenalter hinaus. Im besten Fall k\u00f6nnten Mitarbeitende zu Botschaftern ihres Unternehmens werden und neue Mitarbeitende werben.<\/p>\n<p>Die regen Diskussionen am Ende des Abends zeigten, dass sich wohl alle Unternehmen im Kreis mit diesem Thema schon auseinandergesetzt haben und sich gerne mit anderen Firmen in der Region austauschen \u2013 laut Larsen und Schaumberg ein erster Schritt in die richtige Richtung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Es war ein Abend f\u00fcr die Vogelsberger Unternehmerschaft, eine M\u00f6glichkeit zum Austausch, eine Gelegenheit aktuelle Arbeitsmarkttrends in der Region zu diskutieren und nicht zuletzt den einen oder anderen L\u00f6sungsansatz mit nachhause zu nehmen. 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