{"id":183073,"date":"2019-11-14T20:04:32","date_gmt":"2019-11-14T19:04:32","guid":{"rendered":"http:\/\/fuldaer-nachrichten.de\/?p=183073"},"modified":"2019-11-14T20:04:32","modified_gmt":"2019-11-14T19:04:32","slug":"ermutigung-fuer-eine-ueberzeugte-europaeerin-geraldine-schwarz-erhielt-den-winfried-preis-der-stadt-fulda","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=183073","title":{"rendered":"Ermutigung f\u00fcr eine \u00fcberzeugte Europ\u00e4erin: G\u00e9raldine Schwarz erhielt den Winfried-Preis der Stadt Fulda"},"content":{"rendered":"<p>Die deutsch-franz\u00f6sische Journalistin, Autorin und Dokumentarfilmerin G\u00e9raldine Schwarz ist am Mittwochabend (13. November) im Marmorsaal des Fuldaer Stadtschlosses mit dem Winfried-Preis der Stadt Fulda ausgezeichnet worden. Die mit 10.000 Euro dotierte Auszeichnung, die seit 2001 j\u00e4hrlich verliehen wird, will besondere Verdienste um Frieden und Auss\u00f6hnung in Europa sowie um die europ\u00e4ische Einigung w\u00fcrdigen. <!--more--><\/p>\n<p>G\u00e9raldine Schwarz (44) ist die j\u00fcngste Preistr\u00e4gerin in der Geschichte des Winfried-Preises. Vor diesem Hintergrund betonte Fuldas Oberb\u00fcrgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, die Preisverleihung sei in diesem Jahr \u2013 anders als in fr\u00fche-ren Jahren \u2013 nicht so sehr als Auszeichnung f\u00fcr ein Lebenswerk zu sehen, son-dern vielmehr als Ermunterung f\u00fcr alle, nach dem Vorbild der Preistr\u00e4gerin selbst aus gewohnten Bahnen auszubrechen und sich gesellschaftlich einzubrin-gen, und zugleich als Ermutigung f\u00fcr die Preistr\u00e4gerin selbst, dem vielger\u00fchmten Roman \u201eDie Ged\u00e4chtnislosen\u201c weitere Werke folgen zu lassen und dem Thema der europ\u00e4ischen V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung neue literarische oder journalistische Fa-cetten hinzuzuf\u00fcgen. Die Jury des Winfried-Preises, der von der Dr. H.G.-Waider Stiftung in Abstimmung mit der Stadt Fulda vergeben wird, sieht in Schwarz\u00e2\u20ac\u02dc Buch \u201eDie Ged\u00e4chtnislosen \u2013 Erinnerungen einer Europ\u00e4erin\u201c einen bedeutsamen Beitrag zur Neubesinnung auf den Wert der europ\u00e4ischen Einigung und der deutsch-franz\u00f6sischen Freundschaft geleistet. Das Buch \u201eDie Ged\u00e4chtnislosen\u201c f\u00f6rdere die V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung, \u201eindem es die NS-Zeit aus deutscher und fran-z\u00f6sischer Perspektive beschreibt, den Umgang der Nachkriegsgesellschaft mit der Vergangenheit analysiert und auf dieser Basis das Bewusstsein f\u00fcr den Wert eines friedlichen und demokratischen Europas st\u00e4rkt\u201c, betonte Wingenfeld. <\/p>\n<p>Zugleich hob der OB den \u201eWeitblick\u201c des Preisstifters Heinz G. Waider hervor, der offenbar sehr fr\u00fch erkannt habe, \u201edass der zunehmende zeitliche Abstand zum 2. Weltkrieg dazu f\u00fchren k\u00f6nnte, dass in der vermeintlichen Selbstver-st\u00e4ndlichkeit von Frieden und Freiheit wom\u00f6glich die gr\u00f6\u00dfte Gefahr f\u00fcr deren Fortbestand und die Demokratie liegen k\u00f6nnte.\u201c Dr. Waider habe erkannt, dass es zunehmend bedeutsamer sein wird, \u201ePers\u00f6nlichkeiten, die sich zur V\u00f6lkerver-st\u00e4ndigung, zum Frieden und zu Europa bekennen, auszuzeichnen \u2013 vor allem aber zu ermutigen\u201c, sagte Wingenfeld. <\/p>\n<p>Auch die Laudatorin des Abends, die Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Alei-da Assmann, die 2018 zusammen mit ihrem Mann Jan Assmann mit dem Frie-denspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet wurde, w\u00fcrdigte die Ver-dienste der Preistr\u00e4gerin. Im Spannungsverh\u00e4ltnis zwischen Familienloyalit\u00e4t und historischer Wahrheit habe Schwarz in ihrem Roman ein \u201eneuartiges Geschichts-buch\u201c geschrieben: \u201eIhre Familien stehen exemplarisch f\u00fcr die Mitl\u00e4ufer- und Mitt\u00e4tergesellschaft\u201c, sagte Assmann. Das Buch sei ein wichtiger Impuls in Zei-ten, in denen \u201edie Ged\u00e4chtnislosen\u201c in vielen L\u00e4ndern Europas darangingen, die Geschichte umzudeuten und Verbrechen zu verharmlosen. <\/p>\n<p>In ihrer Dankesrede bekannte G\u00e9raldine Schwarz, dass sie von der Preisvergabe sehr \u00fcberrascht gewesen sei. Die Liste der bisherigen Preistr\u00e4ger umfasse illust-re Namen und verdienstvolle europ\u00e4ische Pers\u00f6nlichkeiten. \u201eAber heute habe ich verstanden, dass es bei Preis auch um eine Ermutigung f\u00fcr die Zukunft geht, und diese nehme ich gerne an\u201c, sagte Schwarz. Ihr Appell an die europ\u00e4ische \u00d6ffentlichkeit lautete: \u201eNur wenn wir Erinnerungen teilen, werden wir ein ge-meinsames europ\u00e4isches Bewusstsein st\u00e4rken. Lassen Sie nicht zu, dass der Be-griff ,Heimat\u00e2\u20ac\u02dc zu einem Ausschlusskriterium wird!\u201c<\/p>\n<p><strong>Zur Person &#8211; G\u00e9raldine Schwarz<\/strong><br \/>\nwurde 1974 in Stra\u00dfburg geboren, als Tochter einer franz\u00f6sischen Mutter und eines deutschen Vaters. Sie wuchs Frankreich auf, in Mannheim lebten ihre deut-schen Gro\u00dfeltern. Das Abitur legte sie am Lyc\u00e9e Internationale, Deutsche Abtei-lung, in Saint-Germain-en-Laye ab und studierte unter anderem in London. Die Journalistin, Autorin und Dokumentarfilmerin kam sp\u00e4ter als Korrespondentin der Nachrichtenagentur Agence France Press (AFP) nach Deutschland und lebt heute in Berlin. Ihr Roman \u201eDie Ged\u00e4chtnislosen \u2013 Erinnerungen einer Europ\u00e4e-rin\u201c erschien im Herbst 2017 im Secession-Verlag f\u00fcr Literatur, Z\u00fcrich, und ist in zehn Sprache \u00fcbersetzt worden. 2018 wurde das Buch mit dem Europ\u00e4ischen Buchpreis ausgezeichnet. In diesem Jahr kam neben dem Winfried-Preis auch der International Prize for Literature and Science der Pescarabruzzo Foundation in Italien dazu. <\/p>\n<p><strong>Hintergrund \u2013 Der Winfried-Preis<\/strong><br \/>\nMit dem Winfried-Preis der Stadt Fulda werden Pers\u00f6nlichkeiten geehrt, die sich in besonderem Ma\u00dfe um die V\u00f6lkerverst\u00e4ndigung und europ\u00e4ische Auss\u00f6hnung verdient gemacht haben. Preisstifter war der in Fulda geborene Unternehmer Heinz G. Waider (1926-2015). Namensgeber des Preises ist der aus England stammende Heilige Winfried-Bonifatius. Der missionarische Wirkungskreis des Heiligen hatte sowohl in geistiger als auch in geografischer Hinsicht eine v\u00f6lker-verbindende und friedensstiftende Dimension. Mit dem Winfried-Preis soll an dieses Handeln erinnert werden. Ausgezeichnet werden deshalb Personen, die den europ\u00e4ischen und v\u00f6lkerverbindenden Gedanken des Heiligen Bonifatius in ihrem Handeln fortf\u00fchren. Bisherige Preistr\u00e4ger waren unter anderem Joachim Gauck (2018), Norbert Lammert (2017), Abtprimas Notker Wolf (2016), Rita S\u00fcssmuth (2015), Gesine Schwan (2011) oder Jean-Claude Juncker (2010).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Die deutsch-franz\u00f6sische Journalistin, Autorin und Dokumentarfilmerin G\u00e9raldine Schwarz ist am Mittwochabend (13. November) im Marmorsaal des Fuldaer Stadtschlosses mit dem Winfried-Preis der Stadt Fulda ausgezeichnet worden. 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