{"id":182761,"date":"2019-11-04T20:54:00","date_gmt":"2019-11-04T19:54:00","guid":{"rendered":"http:\/\/fuldaer-nachrichten.de\/?p=182761"},"modified":"2019-11-04T20:54:00","modified_gmt":"2019-11-04T19:54:00","slug":"ds-kurs-der-alexander-von-humboldt-schule-entfuehrt-namensgeber-in-die-gegenwart-und-laesst-ihn-staunen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=182761","title":{"rendered":"DS-Kurs der Alexander-von-Humboldt-Schule entf\u00fchrt Namensgeber in die Gegenwart und l\u00e4sst ihn staunen"},"content":{"rendered":"<p>37 Kilogramm Plastikm\u00fcll produziert jeder Deutsche im Jahr, bis zum Jahr 2015 waren es weltweit bereits 6,9 Milliarden Tonnen, die sich unter anderem in f\u00fcnf gro\u00dfen Plastikm\u00fcllstrudeln auf den Meeren sammeln. Was w\u00fcrde Alexander von Humboldt wohl zu diesen Fakten sagen? Und wie w\u00fcrde er sich f\u00fchlen, w\u00e4re er heute auf der Welt, umgeben von all den technischen M\u00f6glichkeiten? <\/p>\n<p>Im Humboldt-Jahr 2019, dem Jahr, in dem der Forscher und Universalgelehrte seinen 250. Geburtstag feiert, fragten sich all das die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler des Kurses \u201eDarstellendes Spiel\u201c der Q3 der Lauterbacher Alexander-von-Humboldt-Schule unter der Leitung von Julia Speck. In einem schnellen, informativen und witzigen Theaterst\u00fcck begleiteten sie und ihr Publikum ihren Namensgeber in die Gegenwart. Den Start von \u201eHumboldts neuer Reise\u201c machten gleich sieben Humboldts, die das Leben und Wirken des Weitgereisten in kurzen, pr\u00e4gnanten Sequenzen Revue passieren lie\u00dfen: Naturforscher, Seefahrer, Entdecker von Pflanzen und Tieren, Sozialkritiker, wagemutiger Reisender, der den Menschen ein neues Bild ihrer Welt vermittelte. Und der hoffte, dass in Zukunft Angst, Krieg und Ausbeutung der Vergangenheit angeh\u00f6ren k\u00f6nnten.<\/p>\n<p>Und dann f\u00e4llt er in die Gegenwart, Alexander von Humboldt. Er ist auf einem Platz, auf dem Menschen Sport treiben, essen, trinken, auf ihre Handys schauen und sie fragen sich, ob der Humboldt auf dem Plakat wohl ein neuer DJ sei. Die Antwort finden sie bei \u2013 Siri: \u201eAlexander von Humboldt, geboren am 14.9.1869, war ein deutscher Naturforscher.\u201c Und jetzt steht er vor ihnen und wei\u00df nicht, was ein Plastikbecher ist. Woher denn auch? Doch nicht nur er erscheint den Menschen der Gegenwart wunderlich, auch sie erstaunen ihn, denn wie kann es sein, dass sie \u00fcber alle, wirklich alle Infos zu ihrem M\u00fcll verf\u00fcgen, zur Menge, zu den Folgen, und dass sie nichts dagegen tun? \u201eNicht mein Problem!\u201c, bekommt er zu h\u00f6ren, und \u201eWas k\u00f6nnen wir schon dagegen tun?\u201c<\/p>\n<p>Ein junger Mann bringt Humboldt weg und zeigt ihm die Natur, immer noch sch\u00f6n, doch unglaublich still: \u201eDie Natur m\u00fcsste sich viel bunter und artenreicher anh\u00f6ren\u201c, stellen die beiden fest, und Humboldt erinnert sich an die Arten, die er entdeckt hat, und die jetzt \u2013 laut Google \u2013 schon lange wieder ausgestorben sind. Eine kleine Gruppe von Sch\u00fclerinnen stellt die Arten dar: Fische, Krabben, Insekten \u2013 alle ausgestorben. 25% der Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht, erf\u00e4hrt der Wissenschaftler aus dem Internet und rechnet blitzschnell aus, dass die Aussterberate zehnmal h\u00f6her ist als der Durchschnitt der vergangenen 10 Millionen Jahre.<br \/>\n\u201eWarum tut ihr nichts?\u201c \u201eWarum sagt ihr nichts?\u201c \u201eUnd was ist eigentlich googeln?\u201c Humboldt ist ratlos. W\u00e4hrenddessen sprudeln die Klimafakten weiter: \u201eW\u00e4hrend des 20. Jahrhunderts ist der weltweite Meeresspiegel um 15 Zentimeter gestiegen.\u201c \u201eIm Jahr 2017 wurde in New York die h\u00f6chste CO2-Konzentration seit mindestes 800.000 Jahren gemessen.\u201c \u201eDas gr\u00f6nl\u00e4ndische Eisschild schwindet um 250 bis 300 Milliarden Tonnen pro Jahr.\u201c<\/p>\n<p>Die Suche nach den Schuldigen beginnt \u2013 doch alle zeigen nur auf den anderen, am Ende auf das Publikum \u201eIhr seid schuld!\u201c Gebrochen wird der Ernst der Lage mit einer Situation, die den jungen Mann und Humboldt nach Lauterbach f\u00fchren \u2013 auf einen Platz, auf dem Humboldts Kopf steht. Der Naturforscher wundert sich. Es war ihm nicht klar, dass seine Arbeit noch heute wirkt. Doch tut sie das wirklich? \u201eDie Erde wird nicht verstanden \u2013 sie wird zerst\u00f6rt!\u201c, stellt er fest. Und dann spricht der Wissenschaftler aus Alexander von Humboldt: \u201eDie Erde hat nicht endlos Ressourcen!\u201c Und um genau das der Menschheit zu erkl\u00e4ren, nutzt Humboldt mit Hilfe der jungen Leute um ihn herum die Mittel des 21. Jahrhunderts: Er twittert, zun\u00e4chst in seiner 19.-Jahrhundert-Sprache, doch er lernt: Kurz und pr\u00e4gnant m\u00fcssen die Botschaften sein: \u201eMutter Natur ist eine Ehrenfrau!\u201c \u201eDas Klima hat mehr Defizite als eure Zeugnisse.\u201c \u201eGr\u00fcnkohl statt Braunkohle.\u201c Und mit jedem Tweet werden gute Klimanachrichten verk\u00fcndet: Ein Wasserstaubsauger wurde installiert: Bestimmte Plastik- und Styroporgegenst\u00e4nde sollen ab 2021 verboten werden. Menschen gehen gegen den Klimawandel auf die Stra\u00dfe. Und dann: \u201eChange the system\u201c: 30% der Jugendlichen im Alter zwischen 16 und 20 Jahren setzen auf Nachhaltigkeit und kaufen bewusster ein, setzen sich f\u00fcr Umweltschutz ein und sind gewillt, langfristig ihren Lebensstil zu \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Am Ende des St\u00fccks sind sie alle wieder Humboldt, sieben und einer, die die Errungenschaften Alexander von Humboldts loben. Und die wissen: \u201eDie Vermessung der Welt darf niemals abgeschlossen werden, deshalb solltest du Humboldt sein, und du und du und du\u00e2\u20ac\u00a6.\u201c<\/p>\n<p>Viel Applaus ernteten die jungen Darsteller f\u00fcr ihr Spiel, nicht nur, weil sie es geschafft hatten, mit ihrem selbstgeschriebenen und selbst inszenierten St\u00fcck ein schwieriges Thema optimistisch auf die B\u00fchne zu bringen, sondern auch weil sie dem Namensgeber ihrer Schule ein passendes, sch\u00f6nes Denkmal setzten. \u201eHumboldt w\u00e4re stolz auf euch\u201c, konstatierte zum Abschluss eine begeisterte Schulleiterin. Doch Gitta Holloch hatte nicht nur viel Lob im Gep\u00e4ck, nein, sie zog auch noch ein besonderes Dokument aus ihrer Tasche: Den einzigarten Rahmen dieses Abends nutzte sie, um der Leiterin des Kurses, Studienr\u00e4tin Julia Speck, eine Urkunde zu \u00fcbereichen: Ab sofort ist sie \u201eStudienr\u00e4tin im Beamtenverh\u00e4ltnis auf Lebenszeit\u201c. Und dar\u00fcber freuten sich alle Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sowie das ganze Publikum mit ihr.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>37 Kilogramm Plastikm\u00fcll produziert jeder Deutsche im Jahr, bis zum Jahr 2015 waren es weltweit bereits 6,9 Milliarden Tonnen, die sich unter anderem in f\u00fcnf gro\u00dfen Plastikm\u00fcllstrudeln auf den Meeren sammeln. Was w\u00fcrde Alexander von Humboldt wohl zu diesen Fakten sagen? 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