{"id":182689,"date":"2019-10-30T21:19:20","date_gmt":"2019-10-30T20:19:20","guid":{"rendered":"http:\/\/fuldaer-nachrichten.de\/?p=182689"},"modified":"2019-10-30T21:21:24","modified_gmt":"2019-10-30T20:21:24","slug":"ju-lauterbach-30-jahre-mauerfall-mit-rudolf-marx","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=182689","title":{"rendered":"JU Lauterbach: 30 Jahre Mauerfall mit Rudolf Marx"},"content":{"rendered":"<p><strong>Vom Kalten Krieg, der Zonengrenze und dem Russenfunk \u2013 Landrat a.D. Rudolf Marx und Arnim Ortmann gaben Zeitzeugenbericht zu 30 Jahre Mauerfall bei Junger Union Lauterbach aus Bundesgrenzschutz und Bundeswehr<\/strong><\/p>\n<p>Der Tod des DDR-Grenzoffiziers Rudi Arnstadt am 14. August 1962, einen Tag nach dem ersten Jahrestag des Mauerbaues, und die Ermordung des damaligen Sch\u00fctzen und Bundesgrenzschutzbeamten Hans Pl\u00fcschke im M\u00e4rz 1998 \u2013 36 Jahre sp\u00e4ter &#8211; auf hessischer Seite bei Geisa-Wiesenfeld, begleitet den Grenzschutzoffizier Rudolf Marx sein ganzes Leben. Marx, der von 2000 &#8211; 2012 f\u00fcr die CDU Landrat des Vogelsbergkreises war, berichtete beim Stadtverband der Jungen Union Lauterbach im Posthotel Johannesberg \u00fcber seine Erlebnisse und Eindr\u00fccke als Grenzsch\u00fctzer im Kalten Krieg bis zum Fall der Mauer vor 30 Jahren. Der t\u00f6dliche Schusswechsel an der damaligen Zonengrenze ereignete sich kurz nach dem Dienstantritt es jungen Grenzj\u00e4gers Rudolf Marx, der nach Flucht aus Ostpreu\u00dfen, Kindheit in Wartenberg-Angersbach und Schreinerlehre am 1. August 1962 seinen dann 35j\u00e4hrigen Dienst beim Bundesgrenzschutz zun\u00e4chst in Eschwege antrat. <!--more--><\/p>\n<p>Marx, wie auch Arnim Ortmann, der als damals 19j\u00e4hriger Wehrpflichtiger in der Eifel den russischen Funkverkehr abh\u00f6rte, wurde zuvor vom JU-Stadtverbandsvorsitzendem Joshua \u00d6streich begr\u00fc\u00dft. Das \u201eMillennium-Kind\u201c, im Jahre 2000 geboren, erl\u00e4uterte, dass viele seiner Generation nur Filme und Erz\u00e4hlungen \u00fcber Mauerfall und Kalten Krieg kennen. Fundierte Berichte von Zeitzeugen \u00fcber die Zonengrenze, das Zonenrandgebiet und dem Kalten Krieg fehlten oft.<br \/>\nDie Region und der Bereich Lauterbach waren Schwerpunkt des \u201eKalten Krieges\u201c, was sich in gro\u00dfen NATO, US \u2013 und Bundeswehr \u2013 Man\u00f6vern \u00e4u\u00dferte. Neben diesen Gro\u00df\u00fcbungen im \u201eFulda Gap\/Fulda-L\u00fccke\u201c seien im Herbst in den 70er und 80er Jahren des letzten Jahrhunderts auch die gro\u00dfen Milit\u00e4rlager, Raketenstationen und US-Kasernen pr\u00e4gend gewesen. Au\u00dferdem gab es Sprengsch\u00e4chte in den Stra\u00dfen, um diese und Br\u00fccken beim Vorr\u00fccken des Feindes zu sprengen, fasste der 19j\u00e4hrige die Zeit des Kalten Krieges zusammen.<\/p>\n<p>An die milit\u00e4rische Bedeutung Lauterbachs bei einem Einmarsch des Warschauer Paktes und der Russen und dem Weiterr\u00fccken des Feindes in das Rhein-Main-Gebiet bis zum Rhein und das Industriezentrum mannheim-Ludwigshafen erinnerte auch Lauterbachs B\u00fcrgermeister Rainer-Hans Vollm\u00f6ller. F\u00fcr ihn war der Fall der Berliner Mauer und das Niederrei\u00dfen der Grenzbefestigung zwischen beiden Teilen Deutschlands am 9. November ein bewegendes Ereignis. Nach der Grenz\u00f6ffnung half der Verwaltungsfachmann beim Aufbau von Kommunen in Th\u00fcringen.<\/p>\n<p>Rudolf Marx schilderte in seinem 90min\u00fctigen Vortrag mit anschaulichen Worten, wie menschenverachtend das DDR-Regime den Grenzzaun inmitten Deutschlands, zwischen Th\u00fcringen und Hessen, ausbaute. Mit Minen und messerscharfen Metallgitterz\u00e4unen wurde der \u201eTodesstreifen\u201c aufger\u00fcstet. Zudem gab es noch den Schie\u00dfbefehl der die Grenzsoldaten verpflichtete auf Fl\u00fcchtende zu schie\u00dfen. \u201eUnd dann die Selbstschussanlagen SM 70, trichterf\u00f6rmig, mit unz\u00e4hligen Metallsplittern gef\u00fcllt, ausgel\u00f6st durch Schn\u00fcre. Viele Fl\u00fcchtlinge starben oder wurden schlimmstens verletzt\u201c, schilderte der 76j\u00e4hrige bewegt seine Eindr\u00fccke von der innerdeutschen Grenze. Der in Romrod lebende vormalige Landrat, der als Technischer Leiter am damaligen Grenzschutzstandort Alsfeld f\u00fcr auch f\u00fcr die Waffen zust\u00e4ndig war, erinnerte an die Anf\u00e4nge des Bundesgrenzschutz 1951, wo noch keine deutschen Waffen produziert werden d\u00fcrften- Da musste man eben auf Gewehre und Pistolen aus Belgien, Spanien und der Schweiz zur\u00fcckgreifen. Eine gro\u00dfe und auch freudige Herausforderung sei der Herbst 1989 gewesen, als beim BGS in Alsfeld am Ringofen 600 Fl\u00fcchtlinge \u2013 darunter M\u00fctter mit Babys &#8211; aus der westdeutschen Botschaft per Zug in der Stadt ankamen und versorgt werden mussten. <\/p>\n<p>Der heutige Lauterbacher Rechtsanwalt und Notar Arnim Ortmann war 1989 als Wehrpflichtiger bei der Bundeswehr und dort als Abh\u00f6rspezialist in Daun in der Eifel f\u00fcr den per Morsezeichen \u00fcbertragenen Funk zwischen dem Oberkommando der sowjetischen Streitkr\u00e4fte in Zossen\/W\u00fcnsdorf bei Berlin und Moskau zust\u00e4ndig. Den Abend und die Nacht des 9. November 1989 erlebte der 19j\u00e4hrige in der Kaserne, als w\u00e4hrend seiner Freizeit vom Funkdienst die Soldaten sich im Fernsehraum versammelten und ungl\u00e4ubig den Geschehnissen an der Berliner Mauer und am Brandenburger Tor folgten. Im Morse-Funkverkehr war schon gegen Ende des Jahres 1989 ein lockerer Ton der Russen gegen\u00fcber den ihnen bekannten Abh\u00f6rern aus der Eifel bemerkbar \u2013 n\u00e4mlich mit Weihnachtsgr\u00fc\u00dfen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Vom Kalten Krieg, der Zonengrenze und dem Russenfunk \u2013 Landrat a.D. Rudolf Marx und Arnim Ortmann gaben Zeitzeugenbericht zu 30 Jahre Mauerfall bei Junger Union Lauterbach aus Bundesgrenzschutz und Bundeswehr Der Tod des DDR-Grenzoffiziers Rudi Arnstadt am 14. 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