{"id":182489,"date":"2019-10-24T21:09:19","date_gmt":"2019-10-24T19:09:19","guid":{"rendered":"http:\/\/fuldaer-nachrichten.de\/?p=182489"},"modified":"2019-10-24T21:09:19","modified_gmt":"2019-10-24T19:09:19","slug":"die-robinie-ist-baum-des-jahres-2020","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=182489","title":{"rendered":"Die Robinie ist Baum des Jahres 2020"},"content":{"rendered":"<p><strong>Die Robinie polarisiert: Hoffnung im klimabedingten Waldumbau \u2013 andererseits invasive Baumart, die Naturkleinode bedroht. Die Baum des Jahres Stiftung informiert seit 30 Jahren die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber Belange, aber auch Probleme verschiedener Baumarten. Gemeinsam mit Schirmherrin Bundesministerin Julia Kl\u00f6ckner engagiert sich die Baum des Jahres Stiftung auch in diesem Jahr f\u00fcr Wald und Klima. Die Ausrufung erfolgt heute im Zoologischen Garten Berlin.<\/strong><!--more--><\/p>\n<p>Zarte Fliederbl\u00e4tter und duftend wei\u00dfe Bl\u00fctenst\u00e4nde, die von zuweilen bizarr verzweigten Kronen herabh\u00e4ngen und helle Tupfer in die sommerlichen W\u00e4lder zaubern<br \/>\n\u2013 wer k\u00f6nnte von dieser Sch\u00f6nheit etwas Schlechtes denken? Und doch \u2013 \u201emit Robinia<br \/>\npseudoacacia hat das Kuratorium Baum des Jahres eine Baumart gew\u00e4hlt, die die Gem\u00fcter von Natursch\u00fctzern, St\u00e4dteplanern und Forstleuten in Wallung bringt\u201c, sagt die neue Deutsche Baumk\u00f6nigin, Charlotte Baumann.<\/p>\n<p><strong>Gefahr f\u00fcr wertvolle Naturr\u00e4ume<\/strong><br \/>\nDie vor \u00fcber 300 Jahren in Mitteleuropa eingef\u00fchrte Robinie ist f\u00fcr unsere heimische Flora eine Konkurrenz, denn sie ist eine Meisterin im\u00c2\u00a0 Besiedeln der unwirtlichsten Lebensr\u00e4ume. \u201eDas Geheimnis ihres Erfolges steckt unter der Erde: Bakterien, die an der Wurzel leben, fixieren Luftstickstoff. Dieser reichert sich im Boden an \u2013 f\u00fcr stickstoffarme Naturr\u00e4ume wie Magerrasen oder Binnend\u00fcnen bedeutet dies meist das Ende\u201c, so die Deutsche Baumk\u00f6nigin. Zwar ist der Anteil von Robinien in deutschen W\u00e4ldern mit etwa 0,1 Prozent gering, doch\u00c2\u00a0 wo die Baumart sich etabliert ist sie nahezu unverw\u00fcstlich. Die Robinie steht daher auf der Liste der invasiven Baumarten.<\/p>\n<p><strong>Zwei Seiten einer Medaille<\/strong><br \/>\nUnd doch k\u00f6nnte die kontrovers diskutierte Art bei fortschreitender Klimaerw\u00e4rmung erneut Hoffnungstr\u00e4gerin werden: Salz- und immissionstolerant kommt sie gut mit st\u00e4dtischem Klima und schwierigen Bodenverh\u00e4ltnissen zurecht. Als Bienenweide ist sie in Zeiten des Insektensterbens eine bedeutende Protagonistin in der Gewinnung von Honig und spielt so eine wichtige Rolle bei der Best\u00e4ubung anderer Arten. Ihr z\u00e4hes Holz weist eine hohe Witterungsbest\u00e4ndigkeit auf und stellt im Au\u00dfenbereich eine<br \/>\nideale Alternative zu Tropenh\u00f6lzern dar. Damit die Robinie bei der Mischung klimastabiler W\u00e4lder eine Rolle spielen kann, ist weitere intensive forstwissenschaftliche Forschung notwendig.<\/p>\n<p><strong>Was tun mit der Robinie?<\/strong><br \/>\nHalten sich \u00f6kologische Vor- und Nachteile also die Waage? Mit einem klaren (waldbaulichen) Konzept kann die Robinie eine attraktive Protagonistin bei der Energieholzerzeugung und als widerstandsf\u00e4higer Stadtbaum sein. Dass sie in sensiblen Naturr\u00e4umen, ohne langfristige Abwehrstrategie zum Problem wird, ist ebenso deutlich. Charlotte Baumann: \u201eMeine Aufgabe als Botschafterin der Robinie ist es, \u00fcber die Kontroversen dieser Art zu informieren. Ich biete keine L\u00f6sungen an, aber eine von Menschen eingebrachte Art verdient, dass man ihrem Fall Geh\u00f6r schenkt.\u201c<\/p>\n<p><strong>Hintergrundinformation<\/strong><br \/>\nDie h\u00e4ufig mit der Akazie verwechselte Robinie (deshalb auch Scheinakazie) zierte im 17. Jahrhundert zun\u00e4chst Barockg\u00e4rten und Parks. Bald fand sie aufgrund ihres ungew\u00f6hnlich harten Holzes Verwendung im Grubenbau und Forstleute wagten die ersten Versuche sie im Wald einzubringen. Als Pionierbaumart beeindruckt sie durch ungew\u00f6hnlich schnelles Wachstum in den ersten Lebensjahrzehnten, entt\u00e4uscht aber bei der Stammqualit\u00e4t. Nichtsdestotrotz l\u00e4sst sich das Holz vielfach verwenden: Es ist z\u00e4h, witterungsbest\u00e4ndig und auch heute noch beliebt f\u00fcr den Bau von Br\u00fccken, Spielplatzger\u00e4ten und Terrassenm\u00f6beln.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Die Robinie polarisiert: Hoffnung im klimabedingten Waldumbau \u2013 andererseits invasive Baumart, die Naturkleinode bedroht. Die Baum des Jahres Stiftung informiert seit 30 Jahren die \u00d6ffentlichkeit \u00fcber Belange, aber auch Probleme verschiedener Baumarten. 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