{"id":182066,"date":"2019-10-10T20:35:39","date_gmt":"2019-10-10T18:35:39","guid":{"rendered":"http:\/\/fuldaer-nachrichten.de\/?p=182066"},"modified":"2019-10-10T20:36:33","modified_gmt":"2019-10-10T18:36:33","slug":"alsfeld-vortrag-und-workshop-zu-plastikmuell-und-ozeanen-mit-christian-weigand-von-blue-awareness","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=182066","title":{"rendered":"Alsfeld: Vortrag und Workshop zu Plastikm\u00fcll und Ozeanen mit Christian Weigand von Blue Awareness"},"content":{"rendered":"<p>Das Klima ist derzeit eines der Top-Themen: Die Politik diskutiert dar\u00fcber, w\u00e4hrend Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler daf\u00fcr streiken, ganz zu schweigen von den Debatten, die rund um die Klima-Aktivistin Greta Thunberg gef\u00fchrt werden. Die Albert-Schweitzer-Schule widmet sich dem Thema Umwelt, Klima und \u00d6kologie schon seit Jahren mit verschiedensten Vortr\u00e4gen und Workshops. Zum zweiten Mal bereits war nun Christian Weigand an dem Alsfelder Gymnasium, um mit Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern unterschiedlichsten Alters explizit \u00fcber die Meere, deren Bedeutung f\u00fcr Mensch und Klima sowie deren Verschmutzung zu sprechen. \u201eAuch in der 7. und 8. Klasse ist das Thema \u00d6kologie Teil des Biologie-Unterrichts\u201c, f\u00fchrte Fachlehrerin Tina Kester aus und betonte, dass auch Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler dieser Altersklasse sich bereits mit dem Thema Plastikm\u00fcll auseinandersetzen k\u00f6nnten.<br \/>\n<!--more--><br \/>\nMit Christian Weigand wurde ein Referent gewonnen, der sich mit Leidenschaft, doch ohne erhobenen Zeigefinger f\u00fcr ein neues, ein \u2013 wie er es nennt \u2013 \u201eblaues Bewusstsein\u201c einsetzt, zu danken seiner Liebe zum Meer, die der geb\u00fcrtige Merzh\u00e4user auch zum Inhalt seines Studiums des Ressourcenmanagements gemacht hatte. Er gr\u00fcndete die Organisation \u201eBlue Awareness\u201c, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Menschen ihr Verhalten und dessen Auswirkungen auf den Zustand der Meere zu verdeutlichen und sich f\u00fcr eine Verbesserung der Situation einzusetzen.<\/p>\n<p>Weigand nahm die jungen Zuh\u00f6renden in der Aula der Albert-Schweitzer-Schule mit auf einen virtuellen Surftrip und brachte ihnen damit die Sch\u00f6nheit der Ozeane, der Meere und ihrer Str\u00e4nde nah \u2013 fast sp\u00fcrbar war die Bedeutung des Zusammenspiels von Meer und Klima im Raum, umso h\u00e4rter traf es die jungen Leute, als Weigand von ganz anderen Dingen erz\u00e4hlte: Von f\u00fcnf Trillionen Plastikteilchen im Meer, die nicht nur das Leben der Meerestiere bedrohen, sondern \u00fcber die Nahrungskette auch wieder zu den Menschen gelangen, von um 50% gesunkenen Fischbest\u00e4nden seit den Siebzigerjahren, von der Bedeutung der Meere f\u00fcr Transport, Fischerei und Klima: 70% des Sauerstoffs der Welt kommt vom Meer. So gro\u00df ist die Bedeutung des Meeres auf das Klima, dass man selbst in Alsfeld von \u201eozeanischem Klima\u201c spricht. Fraglich nur, warum Menschen, die wissen, wie es um die Meere steht, so wenig f\u00fcr deren Erhalt und Wohlergehen tun. Christian Weigand hat daf\u00fcr eine Erkl\u00e4rung gefunden:<br \/>\nEs fehlt den Menschen, die nicht so eine tiefe Verbundenheit zum Meer haben, das Gef\u00fchl f\u00fcr das Meer. Und genau das meint er mit dem neuen Bewusstsein, der \u201eblue awareness\u201c. Zur Veranschaulichung hatte der Umweltsch\u00fctzer viele Fotos mitgebracht. Bilder von zugem\u00fcllten Str\u00e4nden, die man glaubt, nie mehr wieder von Plastikm\u00fcll befreien zu k\u00f6nnen. Doch das war noch nicht alles. Seine Fotos zeigten auch das Leid von Tieren, die in ihrer nat\u00fcrlichen Umwelt dem Plastik ausgesetzt mit und diesem v\u00f6llig hilflos ausgeliefert sind: Eine Schildkr\u00f6te, die als kleines Tier in einen Sixpackhalter geschwommen war, der ihren K\u00f6rper nun in der Mitte wie eine Acht einschn\u00fcrte. Eine andere hatte einen Strohhalm in ihr Nasenloch eingesogen. Es war dort festgewachsen und konnte kaum wieder entfernt werden. Ein toter Wal, dessen Mageninhalt aus bis zu 40 Kilogramm Plastikm\u00fcll bestand, V\u00f6gel, deren Bauch so voller unverdaulicher Plastikteile war, dass sie keine andere Nahrung mehr aufnehmen konnten und verhungerten. Doch was kann man tun? Was kann jeder Einzelne tun, um die Meere und ihre Tiere zu retten? Weigand berichtete von verschiedenen Initiativen, die klein angefangen hatten und sich immer weiter ausbreiteten, um zumindest die Str\u00e4nde sauberzuhalten. \u201eGemeinsam mit anderen kann man viel erreichen\u201c, machte er Mut und stellte verschiedene Apps vor, die hilfreich sind. Darunter auch die App \u201eReplace Plastic\u201c, mit deren Hilfe die Industrie darauf aufmerksam gemacht werden soll, dass die Verbraucher keine Plastikverpackungen mehr haben m\u00f6chten. Denn dies ist der wichtigste Aspekt: M\u00fcll wird am besten vermieden, wenn die Nutzung und Herstellung von Plastik einged\u00e4mmt werden. Denn trotz aller M\u00fclltrennung landen derzeit noch viele Abfallstoffe einfach irgendwo in der Welt, werden nach Asien verkauft und gelangen von dort in die Meere, wo sie Teppiche bilden k\u00f6nnen, M\u00fcllsuppen, die so gro\u00df sind wie Mitteleuropa.<\/p>\n<p>Gemeinsam mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sammelte Weigand M\u00f6glichkeiten zur Vermeidung von Plastik: Unverpackte Lebensmittel und Verbrauchsartikel wie Duschgel in Seifenform kaufen oder Bambuszahnb\u00fcrsten verwenden. Mehrwegflaschen aus Glas kaufen. Am Ende der Veranstaltung ermutigte Weigand die jungen Leute, mit kleinen Schritten anzufangen: \u201eMan muss nicht gleich die Welt retten, nicht absolut sein, sondern realistisch und freundlich bleiben. Und man kann sich jeden Tag sagen: \u00e2\u20ac\u0161Ab heute bin ich die Person, die einen Schritt geht.\u00e2\u20ac\u02dc\u201c<\/p>\n<p>Wie konkret die Nutzung der Meere f\u00fcr Menschen, Umwelt und Wirtschaft aussieht, das konnten in einem Workshop am Nachmittag die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler der Jahrgangsstufe9 und 10 gewisserma\u00dfen am eigenen Leib erfahren: Als Reeder, Gro\u00df- oder Kleinfischer, als Touristikunternehmen, B\u00fcrgermeister, Umweltsch\u00fctzer, Energiekonzerne, Wissenschaftler oder Journalisten waren sie Teil des Planspiels \u201eOcean Limited\u201c und konnten selbst dar\u00fcber entscheiden, wie sehr sie zugunsten der Wirtschaft das Meer belasteten oder ob sie f\u00fcr wirtschaftliche Nachteile den Umweltschutz in ihre Anstrengungen als B\u00fcrgermeister oder Wirtschaftsbosse miteinbezogen. Sie konnten Gesetze erlassen, die Umweltschutz forcierten oder eben nicht, sie konnten Journalisten bestechen oder mit Infos versorgen. Bei alldem waren sie der \u201eSeele der Meere\u201c ausgeliefert, die sich aus einem Katalog Konsequenzen f\u00fcr das Handeln der Menschen aussuchte. Die Alsfelder \u201eSeele der Meere\u201c verhielt sich moderat, es gab kaum Ungl\u00fccke oder Naturkatastrophen; die die Beteiligten zum Handeln gezwungen h\u00e4tten. Was allerdings deutlich wurde, war die Wirkung von Menschen auf das \u00d6kosystem Ozean, die Erfahrung, dass alles was man tut, mit etwas anderem zusammenh\u00e4ngt und dass man daher an jeder Stelle sorgsam Entscheidungen treffen muss, Ressourcen pfleglich behandeln und die Umwelt sch\u00fctzen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Das Klima ist derzeit eines der Top-Themen: Die Politik diskutiert dar\u00fcber, w\u00e4hrend Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler daf\u00fcr streiken, ganz zu schweigen von den Debatten, die rund um die Klima-Aktivistin Greta Thunberg gef\u00fchrt werden. 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