{"id":182048,"date":"2019-10-10T20:15:39","date_gmt":"2019-10-10T18:15:39","guid":{"rendered":"http:\/\/fuldaer-nachrichten.de\/?p=182048"},"modified":"2019-10-10T20:20:04","modified_gmt":"2019-10-10T18:20:04","slug":"schulbesuche-als-feuerprobe-ganz-kisii-county-interessiert-sich-fuer-das-fulda-mosocho-projekt-zum-schutz-von-maedchen-vor-genitalverstuemmelung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=182048","title":{"rendered":"Schulbesuche als Feuerprobe: Ganz Kisii County interessiert sich f\u00fcr das Fulda-Mosocho-Projekt zum Schutz von M\u00e4dchen vor Genitalverst\u00fcmmelung"},"content":{"rendered":"<p>Nach den Herbstferien bestimmt die Schule wieder den Alltag in vielen Familien. Auch das deutsch-kenianische Team des Fulda-Mosocho-Projektes verbringt aktuell viel Zeit in den Schulen von Mosochos Nachbarregionen Kisii South und Marani. Es befasst sich allerdings nicht mit Zahlen und Buchstaben, sondern mit den Sorgen und N\u00f6ten von Eltern, die trotz gesetzlichem Verbot unter dem gesellschaftlichen Druck stehen, ihre Tochter beschneiden zu lassen. <!--more--><\/p>\n<p>Weltweit sind \u00fcber 200 Millionen Frauen und M\u00e4dchen von weiblicher Genitalverst\u00fcmmelung (FGM) betroffen und die internationale Staatengemeinschaft steht dieser massenhaften Menschenrechtsverletzung hilflos gegen\u00fcber. Eine erfreuliche Ausnahme stellt der Wandel dar, der  sich innerhalb der Ethnie der Kisii in Kenia, wo das Ritual seit Jahrtausenden verwurzelt war, vollzogen hat: Ausgehend von Mosocho, wo der Fuldaer Verein \u201eLebendige Kommunikation\u201c (LebKom) und das Forschungs- und Praxisinstitut Center for Profs sich im Fulda-Mosocho-Projekt (FMP) kontinuierlich f\u00fcr ein Ende von FGM engagiert und dieses auch nachhaltig erreicht haben, breitet sich die Nachfrage nach einer Zusammenarbeit mit dem FMP immer weiter aus. <\/p>\n<p>Das FMP arbeitet mit Schulungen und Workshops, die auf dem Wert-Zentrierten Ansatz (WZA) basieren. Dabei handelt es sich um eine von der Fuldaer Professorin Muthgard Hinkelmann-Toewe entwickelte wissenschaftliche Strategie, mit der auf Augenh\u00f6he mit den teilnehmenden M\u00e4nnern und Frauen ein Bewusstsein f\u00fcr den gleichen Wert eines jeden Menschen und somit f\u00fcr die Gleichstellung der Geschlechter erarbeitet wird. <\/p>\n<p>Der Erfolg des FMP hat sich wie ein Lauffeuer in den Nachbarregionen Mosochos herumgesprochen.  Im August des vergangenen Jahres bot sich f\u00fcr die LebKom-Fachkraft Kerstin Hesse die Chance, gemeinsam mit ihren kenianischen Kolleginnen und Kollegen das Projekt einer Versammlung von 350 Amtstr\u00e4gern (vergleichbar mit Landr\u00e4ten und B\u00fcrgermeistern) des Kisii County vorzustellen. Am Ende stand die an das FMP-Team gerichtete offizielle Bitte des County Commissioners, die Arbeit auf ganz Kisii County (mit einer Fl\u00e4che wie der Regierungsbezirk Kassel) auszuweiten. \u201eDiese Nachfrage nach Schulungen f\u00fcr einen gesellschaftlichen Wandel ist etwas spektakul\u00e4r Neues in der herk\u00f6mmlichen Entwicklungszusammenarbeit\u201c, betont Hesse. <\/p>\n<p>Neben Mosocho ist das FMP bereits in zwei weiteren der insgesamt elf Bezirke des Countys pr\u00e4sent: mit je einer Anlaufstelle und mehr als 200 geschulten ehrenamtlich engagierten Multiplikatoren, die als erstes ihre eigenen Kinder und die aus ihrem Umfeld durch \u00dcberzeugungsarbeit vor der Verst\u00fcmmelung und ihren lebenslangen Folgen bewahren konnten. 60 von ihnen lassen sich zurzeit vertiefend im Wert-zentrierten Ansatz ausbilden, weil sie sich aus ganzem Herzen f\u00fcr ein Ende von FGM starkmachen wollen. Die erste Feuerprobe haben die \u201eNeuen\u201c hinter sich: Als Teil des deutsch-kenianischen Projektteams sprachen sie erstmals in Schulen \u00f6ffentlich vor Eltern und Lehrkr\u00e4ften \u00fcber FGM. Zahlreiche weitere Termine stehen in den kommenden Monaten an.<\/p>\n<p>Dem vorausgegangen war eine Einladung des Schulamtsleiters von Kisii South zu einem Treffen mit rund hundert Schulleitern, wo das FMP-Team seine Arbeit pr\u00e4sentiert und angeboten hatte, die interessierte Schulen zu besuchen. \u201eNutzt diese Chance\u201c, hatte der Schulamtsleiter die Anwesenden aufgefordert. Nach den ersten acht Terminen hat sich das Lampenfieber im Team etwas gelegt: \u201eWir sind auf durchweg positive Resonanz gesto\u00dfen\u201c, berichtet Kerstin Hesse. \u201eDie meisten Lehrkr\u00e4fte und Eltern nahmen die Chance, sich \u00fcber das Tabuthema Beschneidung auszutauschen, intensiv wahr.\u201c Auch die Schulleitungen sahen sich ermutigt, sich in ihren Einrichtungen zum Schutz von M\u00e4dchen zu engagieren, \u201eund zwar am besten gemeinsam mit den versierten Kr\u00e4ften aus Mosocho\u201c, so deren Bitte. <\/p>\n<p>Allerdings sehen die Regularien in der Entwicklungspolitik kein Budget f\u00fcr einen Wissenstransfer vor, sodass der Verein LebKom \u00fcber die Unterst\u00fctzung der \u201eALTERN AID STIFTUNG f\u00fcr Menschen in Not\u201c , die beispielsweise die Ehrenamtlichen-Ausbildungen mitfinanzierte, dankbar ist. Des Weiteren ist LebKom f\u00fcr sein Engagement in Afrika dringend auf Spenden angewiesen. Weitere Informationen gibt es auf der Homepage <a href=\"http:\/\/www.fulda-mosocho-project.com\" rel=\"noopener noreferrer\" target=\"_blank\">www.fulda-mosocho-project.com<\/a>.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Nach den Herbstferien bestimmt die Schule wieder den Alltag in vielen Familien. Auch das deutsch-kenianische Team des Fulda-Mosocho-Projektes verbringt aktuell viel Zeit in den Schulen von Mosochos Nachbarregionen Kisii South und Marani. 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