{"id":181342,"date":"2019-09-18T20:52:27","date_gmt":"2019-09-18T18:52:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=181342"},"modified":"2019-09-18T20:52:27","modified_gmt":"2019-09-18T18:52:27","slug":"handwerk-in-hessen-beschaeftigungswachstum-und-weniger-ausbildungsplaetze","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=181342","title":{"rendered":"Handwerk in Hessen: Besch\u00e4ftigungswachstum und weniger Ausbildungspl\u00e4tze"},"content":{"rendered":"<p>Die Entwicklung im Handwerk verl\u00e4uft nicht nur von Bundesland zu Bundesland, sondern auch innerhalb der einzelnen Gewerbegruppen unterschiedlich. In den Medien stehen sich Berichte \u00fcber gef\u00fcllte Auftragsb\u00fccher und Besch\u00e4ftigungsaufbau und Schilderungen eklatanter Personalengp\u00e4sse und existenzbedrohendem Nachwuchsmangel gegen\u00fcber.<!--more--><\/p>\n<p>Wie sieht es in Hessen aus? Der jetzt vorliegende Bericht des IAB Hessen beleuchtet die Entwicklung des Arbeits- und Ausbildungsmarktes des Handwerks in den Jahren 2010 bis 2017.<\/p>\n<p><strong>Hessen im Bundesvergleich: Nur jeder 10. Erwerbst\u00e4tige arbeitet im Handwerk<br \/>\n<\/strong>W\u00e4hrend jeder achte Erwerbst\u00e4tige in Deutschland 2016 im Handwerk besch\u00e4ftigt war, trifft das in Hessen nur auf jeden zehnten zu &#8211; mit Abstand der niedrigste Anteil aller Fl\u00e4chenl\u00e4nder. In Hessen lag der Anteil des Handwerks auch bei den sozialversicherungspflichtig Besch\u00e4ftigten mit 9,8 Prozent niedriger als im Bundesgebiet (12,2 %). Bei den ausschlie\u00dflich geringf\u00fcgig Besch\u00e4ftigten betrug der Anteil allerdings sowohl in Hessen als auch bundesweit f\u00fcnfzehn Prozent. Der deutliche Unterschied zwischen sozialversicherungspflichtiger und geringf\u00fcgiger Besch\u00e4ftigung erkl\u00e4rt sich haupts\u00e4chlich durch die Geb\u00e4udereiniger: Nur jeder zehnte sozialversicherungspflichtig Besch\u00e4ftigte, aber jeder dritte ausschlie\u00dflich geringf\u00fcgig Besch\u00e4ftigte im Handwerk arbeitete in dieser Branche. Ermittelt man den Handwerks-Anteil f\u00fcr die geringf\u00fcgig Besch\u00e4ftigten ohne den Personenkreis der Geb\u00e4udereiniger, ergibt sich nur noch ein Anteil von 9,6 Prozent (Bund: 10,7 %).<\/p>\n<p>Bundesweit nahm die Besch\u00e4ftigung im Handwerk zwischen 2010 und 2016 mit 4,4 Prozent deutlich geringer zu als im Nicht-Handwerk (+10,8 Prozent). Hierbei zeigen sich erhebliche regionale Unterschiede. W\u00e4hrend in Hessen beim Besch\u00e4ftigungswachstum im Handwerk ein Spitzenwert von +10,0 Prozent erzielt wurde, lag es in Th\u00fcringen bei -4,6 Prozent.<br \/>\nHessen ist au\u00dferdem das einzige Bundesland, in dem die Besch\u00e4ftigung im Handwerk st\u00e4rker wuchs als im Nicht-Handwerk, wenn auch nur um 0,1 Prozentpunkte. Betrachtet man lediglich die sozialversicherungspflichtige Besch\u00e4ftigung, so zeigen sich in Hessen kaum Unterschiede zwischen der Entwicklung im Handwerk (+11,5 Prozent) und im Nicht-Handwerk (+11,8 Prozent).<\/p>\n<p><strong>Regionale Bedeutung: Anteil an Gesamtwirtschaft in Kammerbezirken Wiesbaden und Kassel bei 12 Prozent<br \/>\n<\/strong>Zum Vergleich der hessischen Regionen werden die drei Handwerkskammerbezirke in Hessen, die sich \u00e4hnlich wie die Regierungsbezirke abgrenzen, herangezogen.<br \/>\nIm gr\u00f6\u00dften Kammerbezirk Frankfurt-Rhein-Main ist die Bedeutung des Handwerks mit einem Anteil von 7,8 Prozent an der Gesamtwirtschaft am geringsten. Dies ist aufgrund des Einflusses des Gro\u00dfraums Frankfurt und seiner entsprechenden Branchenstruktur nachvollziehbar. Gro\u00dfst\u00e4dte sind generell multifunktionale Wirtschaftsstandorte, deren wirtschaftliche Aktivit\u00e4ten st\u00e4rker auf Dienstleistungen, Unternehmenszentralen und Verwaltung ausgerichtet sind.<br \/>\n\u00dcberdurchschnittliche Anteile des Handwerks an der Gesamtwirtschaft weisen dagegen die beiden anderen Kammerbezirke auf, die sich mit 11,8 Prozent (Kassel) und 12,0 Prozent (Wiesbaden) nur geringf\u00fcgig unterscheiden. Erwartungsgem\u00e4\u00df ist auch dort in den beiden kreisfreien St\u00e4dten Kassel und Wiesbaden das Handwerk durch den \u201eGro\u00dfstadteinfluss\u201c nur unterdurchschnittlich vertreten.<\/p>\n<p><strong>Besch\u00e4ftigung: H\u00f6chster Anstieg im Handwerk f\u00fcr den gewerblichen Bedarf<br \/>\n<\/strong>Die gr\u00f6\u00dften Besch\u00e4ftigungszunahmen innerhalb des Handwerks im Zeitraum 2010 bis 2016 verzeichneten in Hessen die stark wachsenden Handwerke f\u00fcr den gewerblichen Bedarf (+27,3 Prozent). Darunter fallen z.B. Geb\u00e4udereiniger, Feinwerkmechaniker, Metallbauer oder Informationstechniker. Ebenfalls \u00fcberdurchschnittlich stieg die Besch\u00e4ftigung im Gesundheitsgewerbe (+13,3 Prozent) wie bei Zahntechnikern, Augenoptikern oder Orthop\u00e4dietechnikern an. Im Ausbaugewerbe (+13,0 Prozent) und im Bauhauptgewerbe (+12,4 Prozent) kam es auch zu einem Anstieg. Leichte R\u00fcckg\u00e4nge mussten das Lebensmittelgewerbe (-3,4 Prozent) und die Handwerke f\u00fcr den privaten Bereich (-2,9 Prozent) hinnehmen. Darunter findet man u.a. Friseure, Steinmetze und Steinbildhauer, Schornsteinfeger sowie alle Instrumentenbauer.<\/p>\n<p>Jeder zweite Besch\u00e4ftigte im hessischen Handwerk arbeitet im Handwerk f\u00fcr den gewerblichen Bedarf oder dem Ausbaugewerbe. Das Gesundheitsgewerbe hat trotz \u00fcberdurchschnittlicher Dynamik als kleinste Gewerbegruppe nur einen verhaltenen Einfluss auf die Gesamtentwicklung nehmen k\u00f6nnen. Das Bauhauptgewerbe als drittgr\u00f6\u00dfte Gewerbegruppe konnte auch den drittgr\u00f6\u00dften Beitrag zum Besch\u00e4ftigungswachstum beisteuern.<\/p>\n<p>In Hessen bilden die Geb\u00e4udereiniger den am st\u00e4rksten besetzten Gewerbezweig. Hier ist jeder siebente Handwerksbesch\u00e4ftigte t\u00e4tig. Dahinter folgen die Kraftfahrzeugtechniker, die Elektrotechniker sowie die Maurer und Betonbauer. Die sieben besch\u00e4ftigungsst\u00e4rksten Gewerbezweige machen mehr als 60 Prozent aller im Handwerk Besch\u00e4ftigten aus.<\/p>\n<p>In allen Gewerbezweigen des zulassungspflichtigen Handwerks, das 80 Prozent aller Handwerksbesch\u00e4ftigten repr\u00e4sentiert, nahm die Besch\u00e4ftigtenzahl um 6,4 Prozent zu. Im zulassungsfreien Handwerk stieg die Besch\u00e4ftigtenzahl sogar um 36,9 Prozent.<br \/>\nDen mit Abstand h\u00f6chsten Beitrag zum Gesamtbesch\u00e4ftigungswachstum im Handwerk leisteten mit 50 Prozent Unternehmen aus dem zulassungsfreien Handwerk der Geb\u00e4udereiniger. Au\u00dferdem konnten die Maurer und Betonbauer mit 15 Prozent sowie die Elektrotechniker mit 13 Prozent am st\u00e4rksten das Besch\u00e4ftigungswachstum unterst\u00fctzen.<\/p>\n<p><strong>Ausbildung: Zahl der Auszubildenden im Handwerk nimmt weiter ab<br \/>\n<\/strong>Das Handwerk erbringt eine au\u00dferordentlich hohe Ausbildungsleistung. Mehr als jeder vierte betriebliche Auszubildende in Deutschland wurde 2017 im Handwerk ausgebildet. Damit ist der Ausbildungsbeitrag des Handwerks mehr als doppelt so hoch wie sein Anteil an allen sozialversicherungspflichtig Besch\u00e4ftigten. Den L\u00f6wenanteil an der Ausbildung tragen die zulassungspflichtigen Handwerke.<\/p>\n<p>Allerdings waren die R\u00fcckg\u00e4nge an Auszubildenden in den meisten Bundesl\u00e4ndern in Handwerk gr\u00f6\u00dfer als im Nicht-Handwerk. Das gilt auch f\u00fcr Hessen: Hier verringerte sich die Auszubildendenzahl im Handwerk zwischen 2010 und 2017 um 13,5 Prozent. Entsprechend ist auch die Zahl aller Auszubildenden (Handwerk und Nicht-Handwerk) zwischen 2010 und 2017 stark gesunken. W\u00e4hrend dieser R\u00fcckgang bundesweit 12,2 Prozent betrug, lag er in Hessen bei 11,3 Prozent. Damit ging hessenweit fast jeder dritte verlorene Ausbildungsplatz (32,3 Prozent) auf das Konto des Handwerks.<\/p>\n<p><strong>Ausbildung 2019: Mehr gemeldete Stellen bei den Agenturen f\u00fcr Arbeit<br \/>\n<\/strong>Seit dem Ausbildungsjahr 2016\/207 ist die Zahl der bei den Agenturen f\u00fcr Arbeit gemeldeten Stellen aus dem Handwerk gestiegen. Von 10.076 auf 10.269 im Ausbildungsjahr 2017\/2018. Im August 2019 wurden bereits 10.292 Lehrstellen im Handwerk registriert. 2.754 waren im letzten Monat zum Stichtag noch unbesetzt.<\/p>\n<p>\u201eDas Handwerk leidet ebenfalls darunter, dass immer weniger Schulabg\u00e4nger eine duale Ausbildung w\u00e4hlen. Sie gehen lieber weiter zur Schule oder nehmen ein Studium auf. Der Imageverlust ist gro\u00df und hat bereits in den Elternh\u00e4usern eingesetzt. Der sprichw\u00f6rtliche goldene Boden des Handwerks ist f\u00fcr viele nicht mehr erstrebenswert. Auch die M\u00f6glichkeiten, als Meister einen eigenen Betrieb zu er\u00f6ffnen oder ein Hochschulstudium zu beginnen, reichen augenscheinlich nicht aus, um die eigene berufliche Zukunft im Handwerk zu suchen\u201c, stellt Dr. Frank Martin, Leiter der Regionaldirektion Hessen, fest.<\/p>\n<p><strong>Hintergrundinformationen<\/strong><br \/>\nDas Handwerk wird \u00fcber berufliche T\u00e4tigkeiten nach der Handwerksordnung abgegrenzt.<br \/>\nDatenbasis sind die Handwerksz\u00e4hlung (Ver\u00f6ffentlichungen des Statistischen Bundesamtes und des Hessischen Statistischen Landesamtes), die Besch\u00e4ftigungsstatistik der Bundesagentur f\u00fcr Arbeit sowie das Datensystem Auszubildende vom Bundesinstitut f\u00fcr Berufsbildung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Die Entwicklung im Handwerk verl\u00e4uft nicht nur von Bundesland zu Bundesland, sondern auch innerhalb der einzelnen Gewerbegruppen unterschiedlich. 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