{"id":180351,"date":"2019-08-15T16:41:33","date_gmt":"2019-08-15T14:41:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=180351"},"modified":"2019-08-15T16:41:33","modified_gmt":"2019-08-15T14:41:33","slug":"ausgrabungen-in-der-langenbrueckenstrasse-feuchter-boden-konservierte-holz-und-alltagsgegenstaende-aus-dem-spaeten-mittelalter","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=180351","title":{"rendered":"Ausgrabungen in der Langenbr\u00fcckenstra\u00dfe: Feuchter Boden konservierte Holz und  Alltagsgegenst\u00e4nde aus dem sp\u00e4ten Mittelalter"},"content":{"rendered":"<p>Die Gegend um die Fuldaer Langebr\u00fcckenstra\u00dfe gilt als Eldorado der lokalen Arch\u00e4ologie: Hier machte der \u201eSpatenprofessor\u201c Dr. Joseph Vonderau (1863-1951) um die Wende zum 20. Jahrhundert aufsehenerregende Funde aus der Fr\u00fchzeit des Klosters Fulda, und hier wurden Arch\u00e4ologen im Zusammenhang mjt einem Bauprojekt in Bereich des Anwesens Langebr\u00fcckenstra\u00dfe 14 auch jetzt wieder f\u00fcndig. Allerdings reichten die \u00e4ltesten Funde diesmal \u201enur\u201c bis etwa ins 12. Jahrhundert zur\u00fcck. Experten wie der Fuldaer Stadt- und Kreisarch\u00e4ologe Dr. Frank Verse vermuten, dass sich der von Vonderau einst untersuchte Bereich, der im Gel\u00e4ndeniveau einige Meter h\u00f6her liegt als das jetzige Baustellenareal, wesentlich fr\u00fcher in Nutzung durch den Menschen befand als die Fl\u00e4che in Richtung Fulda, die wohl h\u00e4ufiger \u00fcberschwemmt war. <!--more--><\/p>\n<p>Gleichwohl machten die Arch\u00e4ologen um den Grabungsleiter Dr. Thilo Warnecke in der feuchten Erde einige interessante Funde, die nun noch weiter analysiert und ausgewertet werden m\u00fcssen. Bei einem Pressetermin vor Ort erl\u00e4uterte Warnecke die g\u00fcnstige Konstellation am Rand der Fulda-Aue, wo eine dauerfeuchte, schlickige Erdschicht unter g\u00fcnstigen Umst\u00e4nden auch organisches Material wie Holz, Leder oder Knochen \u00fcber Jahrhunderte hinweg konservieren kann. <\/p>\n<p>So pr\u00e4sentierte Warnecke unter anderem das Fragment eines Kugeltopfs, wahrscheinlich aus dem 12. Jahrhundert, eine Ofenkachel aus dem 15. Jahrhundert sowie einen sogenannten Gleitknochen aus dem 15. bis 17. Jahrhundert \u2013 eine fr\u00fche Form des Schlittschuhs, bei dem der Oberschenkelknochen eines Rindes unter die Schuhe geschnallt wurde. Zu den Besonderheiten der Funde geh\u00f6rt auch eine G\u00fcrtelkette aus Messing, die wohl im 16. Jahrhundert getragen wurde. Die Zahl und Art dieser Funde l\u00e4sst darauf schlie\u00dfen, dass das Gel\u00e4nde zumindest vorr\u00fcbergehend auch als M\u00fcllkippe diente. Die kaputte Ofenkachel etwa geh\u00f6rte sicher zu einem Ofen, der irgendwo in einem der Stadth\u00e4user des 15. Jahrhunderts stand. F\u00fcr eine dauerhafte Besiedlung des Areals an der Langebr\u00fcckenstra\u00dfe zu dieser Zeit fanden sich jedenfalls keine Belege. <\/p>\n<p>Bekannt ist, dass auf dem Gel\u00e4nde seit 1840 die Tuchfabrikation Schwarz ans\u00e4ssig war, 1890 baute der Fabrikant Schmitt dort seine Textilfabrik. \u00dcber die Nutzung des Areals vor 1840 ist dagegen wenig \u00fcberliefert, der Jest\u00e4dtsche Katasterplan von 1727 weist an dieser Stelle Gartenland aus. Aus der Zeit der fr\u00fchen Industrialisierung ist noch ein aus Sandsteinbl\u00f6cken gebautes Fundament erhalten geblieben, das auf der stabileren Schicht des sogenannten Fulda-Kies gegr\u00fcndet war und einst offenbar eine schwere Dampfmaschine trug.<br \/>\nZu den umfangreichsten und wohl wichtigsten Funden der j\u00fcngsten Grabung z\u00e4hlen f\u00fcnf, aus Holzpf\u00e4hlen und Schalbrettern gefertigte, etwa einen Meter tiefe K\u00e4sten sowie einige weitere l\u00e4ngliche Holzstrukturen, die m\u00f6glicherweise mit einer bestimmten Wasserf\u00fchrung oder auch mit einem Gewerbe in Zusammenhang stehen. Die rund 700 in diesem Zusammenhang entdecken Holzpf\u00e4hle und -bretter stammen vermutlich aus dem 12. bis 14. Jahrhundert, eine genaue Datierung ist erst durch eine naturwissenschaftliche Analyse m\u00f6glich. Die wissenschaftliche Dokumentation, Auswertung und Einordnung der Funde wird noch mehrere Monate in Anspruch nehmen. <\/p>\n<p>Die geplante Bebauung des Gel\u00e4ndes wird indes schon in K\u00fcrze starten k\u00f6nnen. Die Investoren f\u00fcr das Wohnbauprojekt, die Unternehmerfamilien Burg und Geisend\u00f6rfer, zeigten sich vor Ort erfreut \u00fcber die Funde und zugleich erleichtert, dass die arch\u00e4ologischen Untersuchungen, bei den zeitweise bis zu zw\u00f6lf Grabungsmitarbeiter involviert waren und deren Kosten die Bauherren zu tragen haben, im vorgesehenen Zeitrahmen abgeschlossen werden k\u00f6nnen. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Die Gegend um die Fuldaer Langebr\u00fcckenstra\u00dfe gilt als Eldorado der lokalen Arch\u00e4ologie: Hier machte der \u201eSpatenprofessor\u201c Dr. Joseph Vonderau (1863-1951) um die Wende zum 20. 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