{"id":180071,"date":"2019-05-13T12:15:42","date_gmt":"2019-05-13T10:15:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=180071"},"modified":"2019-05-13T12:15:43","modified_gmt":"2019-05-13T10:15:43","slug":"ach-das-war-humboldt-biologie-kurs-der-q4-der-alexander-von-humboldt-schule-durchleuchtet-einfluss-des-forschers-auf-die-heutige-naturwissenschaft","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=180071","title":{"rendered":"\u201eAch, das war Humboldt?\u201c &#8211; Biologie-Kurs der Q4 der Alexander-von-Humboldt-Schule durchleuchtet Einfluss des Forschers auf die heutige Naturwissenschaft"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Jeder Fachbereich der Alexander-von-Humboldt-Schule besch\u00e4ftigt sich in diesem Jahr mit dem Namensgeber des Lauterbacher Gymnasiums. Schlie\u00dflich ist es das Humboldt-Jahr, in dem die Welt den 250. Geburtstag des Universalgelehrten feiert. Anders als in manchen anderen F\u00e4chern lag der Bezug zu dem Forscher f\u00fcr den Biologie-Kurs der Q4 der Leiterin Silvia Diehl nahe, war die Forschung an Flora und Fauna doch eines der gro\u00dfen Bet\u00e4tigungsfelder Humboldts, der sich dieser auf verschiedenen Reisen widmete. Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler des Biologiekurses hatten mit einem Blick auf Humboldts Selbstexperimente ein \u00fcberaus spannendes Thema gew\u00e4hlt, zu dem sie in der Vita des Forschers viele Anhaltspunkte fanden.<br>\nMit einer kleinen Zusammenfassung des Lebenslaufs startete die Pr\u00e4sentation der Ergebnisse der Unterrichtsreihe kurz vor den Osterferien. So berichtete die Sch\u00fclergruppe nicht nur von den vielen Reisen, die den Forscher sowohl nach Nord- als auch nach S\u00fcdamerika f\u00fchrten, sondern auch von den verschiedenen Versuchen, die er durchf\u00fchrte: Angefangen bei der Fotosynthese \u00fcber elektropyhsiologische Versuche und Versuche zu dem Nervengift Curare bis hin zur H\u00f6henkrankheit. Dabei pflegte Humboldt Kontakt zu vielen gro\u00dfen Gelehrten seiner Zeit, darunter Johann Wolfgang von Goethe und Friedrich Schiller. Ihr vorweggenommenes Fazit verwunderte demnach nicht: Alexander von Humboldt gilt den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern der Alexander-von-Humboldt-Schule als vorbildlicher Wissenschaftler, als \u201eInfluencer seiner Zeit, nur ohne Social Media.\u201c<br>\nHumboldts Selbstversuche zu Nerven- und Muskelfasern, angeregt durch Galvanis Experimente, waren Bestandteil der zweiten Pr\u00e4sentation. Galvani hatte herausgefunden, dass es ein elektrisches Fluidum gibt, das in den Muskeln und Nerven der tierischen K\u00f6rper gespeichert ist und durch unterschiedliche Metalle zum Vorschein gebracht werden kann. Im Selbstversuch l\u00e4sst sich Humboldt dazu Cantharidenpflaster (auf dem Pflaster befindet sich eine Salbe, durch die sich eine Blase auf der Haut bildet) auf die Schultern kleben, \u00f6ffnet die entstandenen Blasen und experimentiert mit verschiedenen Metallen an den Wunden. Auch mit Zitteraalen experimentiert der Forscher, nachdem er auf seiner Amerika-Expedition fasziniert festgestellt hatte, dass diese Fische gro\u00dfe Spannungen freisetzen k\u00f6nnen. Unter anderem fand er heraus, dass, wenn zwei M\u00e4nner sich an den H\u00e4nden halten und nur einer den Fisch ber\u00fchrt, beide den gleichen Schlag erleiden. Humboldt hielt fest, dass unter gewissen Umst\u00e4nden die unmittelbare Ber\u00fchrung organisch verbundener Muskeln und Nerven keine Kontraktionen hervorbringt, sondern dass dieselben erst erfolgen, wenn andere getrennte Substanzen eine Zuleitung von einem Organ zum anderen bilden. An der Erkl\u00e4rung des Ph\u00e4nomens der Bioelektrizit\u00e4t scheiterte der Forscher jedoch. Dennoch sind seine Erkenntnisse heute Grundlage f\u00fcr das Aktionspotenzial, das die Gruppe abschlie\u00dfend vorstellte.<br>\nDas Pfeilgift der Indios, bekannt als Curare, stellte einen weiteren Schwerpunkt in Alexander von Humboldts Forschungen dar. Es f\u00fchrt zu t\u00f6dlichen L\u00e4hmungen, die jedoch nur dann eintreten, wenn der Betroffene das Gift per Pfeil oder Spritze in die Blutbahn bekommt; wird das Gift geschluckt, ist es harmlos, wie Humboldt im Selbstversuch feststellte. Die Gruppe mit diesem Thema stellte weitere Pfeilgiftarten pflanzlichen oder tierischen Ursprungs vor und erl\u00e4uterte auch die Wirkweise der Substanzen. Alexander von Humboldt hatte das Wissen darum mit nach Europa gebracht. Heute wird das Gift als Medizin bei Morbus Parkinson, Epilepsie oder Tetanus eingesetzt.<br>\nSeine Reise nach Ecuador f\u00fchrte Alexander von Humboldt auf den inaktiven Vulkan Chimborazo \u2013 ebenfalls ein Selbstexperiment, da er und seine Begleiter ohne Atemger\u00e4te und in normaler Kleidung den Aufstieg wagten. Die Reaktionen des K\u00f6rpers auf die Bedingungen in extremer H\u00f6he wurden somit zum Bestandteil der Forschungsergebnisse. Diese beschrieb Humboldt mit Atembeschwerden, Schwindel und \u00dcbelkeit, auch Zahnfleischbluten, blutenden Lippen und blutunterlaufenen Augen. Der Forscher schreibt diese Symptome dem Sauerstoffmangel zu; gleichzeitig brachten ihn die Erfahrungen auf dem Vulkan auch zu der Erkenntnis, dass der Mensch diese Symptome durch eine langsame Anpassung \u00fcberwinden k\u00f6nne. Seine Ergebnisse hielt Humboldt \u00fcbrigens ganz akribisch fest und setzte damit heute noch g\u00fcltige Ma\u00dfst\u00e4be f\u00fcr wissenschaftliches Arbeiten.<br>\nEine letzte Gruppe des Biologie-Kurses warf noch einen Blick auf die Verbindung Humboldt-Darwin. Dabei spannten die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler einen Bogen von Aristoteles, der bereits vor Christus ein typologisches System nach Merkmalen etablierte. Sie erl\u00e4uterten die bin\u00e4re Nomenklatur, die Carl von Linn\u00e9 Mitte des 18. Jahrhunderts eingef\u00fchrt hat und die bis heute g\u00fcltig ist. Alexander von Humboldt hatte ein Forschungsprogramm zur Welterschlie\u00dfung ins Leben gerufen und ein weltweites Kommunikationsnetz aufgebaut, vom den sp\u00e4ter auch Darwin profitierte.<br>\nF\u00fcr Silvia Diehl und ihren Kurs war dies die erste Unterrichtsreihe mit Fokus auf Alexander von Humboldt. Die Kernfrage war: \u201eWo hat Humboldt Impulse gesetzt?\u201c \u2013 und da haben die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler eine ganze Menge gefunden. Sie selbst zeigten sich sehr angetan von diesem Projekt, das ihnen ihren Schulpatron auf ganz neue Weise nahegebracht hat. \u201eIch wusste gar nicht, dass Humboldt so vielseitig war\u201c, bemerkte eine Sch\u00fclerin. \u201eBei vielen Dingen, die ich schon kannte, dachte ich auf einmal \u201eWow &#8211; das war auch Humboldt?!\u201c<br>\nWas und wer Humboldt au\u00dferdem noch war, dar\u00fcber wird es an der Alexander-von-Humboldt-Schule im Lauf dieses besonderen Jahres noch weitere Veranstaltungen geben. Mehr dazu unter www.avh-lauterbach.de. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Jeder Fachbereich der Alexander-von-Humboldt-Schule besch\u00e4ftigt sich in diesem Jahr mit dem Namensgeber des Lauterbacher Gymnasiums. Schlie\u00dflich ist es das Humboldt-Jahr, in dem die Welt den 250. Geburtstag des Universalgelehrten feiert. 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