{"id":178649,"date":"2019-03-12T10:59:22","date_gmt":"2019-03-12T09:59:22","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=178649"},"modified":"2019-03-12T10:59:24","modified_gmt":"2019-03-12T09:59:24","slug":"evangelisches-dekanat-vogelsberg-empfaengt-delegation-um-bischof-peter-kohlgraf","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=178649","title":{"rendered":"Evangelisches Dekanat Vogelsberg empf\u00e4ngt Delegation um Bischof Peter Kohlgraf"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">m Rahmen seiner Visitationsreise in den Vogelsberg besuchte der Mainzer Bischof  Prof. Dr. Peter Kohlgraf das hiesige Evangelische Dekanat an seinem Sitz in Alsfeld um \u00fcber die \u00f6kumenische Zusammenarbeit in der Region zu sprechen und insbesondere die Kinder- und Jugendarbeit in den Blick zu nehmen.<br>\nStrukturreformen besch\u00e4ftigen beide Konfessionen. Das Evangelische Dekanat Vogelsberg hatte erst k\u00fcrzlich sein Gebiet mehr als verdoppelt und entspricht nun in etwa dem Kreisgebiet, das katholische Dekanat Alsfeld arbeitet schon l\u00e4nger in dieser r\u00e4umlichen Gr\u00f6\u00dfenordnung. Nat\u00fcrlich gebe es Widerstand auch in den Kirchengemeinden gegen solche Zentralisierungsprozesse. Dass Christen sich aber generell zu sehr an Strukturfragen aufh\u00e4ngen, habe eine lange Tradition und fange bereits im Neuen Testament an, bemerkte der Bischof lakonisch. Er bat die Evangelischen darum, den katholischen Geschwistern dennoch Lust zu machen auf solche Prozesse: \u201eEs wird eine Menge zu gestalten geben! Alles was man gemeinsam schaffen kann, sehe ich als Gewinn.\u201c Dr. J\u00fcrgen Sauer hob hervor, die Agenda des vierfachen Teilens, die Kohlgraf nun f\u00fcr den Pastoralen Weg aufgesetzt habe stelle das \u201eLeben teilen\u201c voran. Dies sei ein wichtiges Signal, dass Kirche sich nicht aus der Gesellschaft zur\u00fcckziehe. Dennoch, gr\u00f6\u00dfere Strukturen erforderten Zeit und Anstrengung, weite Fahrwege und Kooperation. Man k\u00f6nne die pastorale Versorgung nicht in den kleinsten D\u00f6rfern vollumf\u00e4nglich aufrecht erhalten, sondern sei auf Kooperationen auf regionaler Ebene angewiesen, waren sich die Kirchenleitenden einig. Der Nachwuchs im Pfarramt strebe \u00fcberwiegend ausdr\u00fccklich Teamarbeit an, so die Beobachtung von Dekanin Luise Berroth. \u201eUnsere Vikarinnen und Vikare fragen konkret danach und fordern das auch ein.\u201c Es sei daher sinnvoll mehrere Berufseinsteiger in eine Gegend zu schicken, damit hier bereits im Studum gewachsene Zusammenarbeit vertieft werden k\u00f6nne. In beiden Kirchen stehe und falle jede Kooperation jedoch mit den konkreten Personen. So etwas k\u00f6nne man nicht verordnen. Dennoch sei es nicht gut, wenn keiner \u00fcber den eigenen Kirchturm hinausdenkt.<br>\nRalf M\u00fcller, \u00d6kumenereferent des Evangelischen Dekanats unterstrich den Wunsch nach Synergien und f\u00fcgte energisch hinzu: \u201eEs reicht nicht, blo\u00df \u00f6kumenisch zu denken, wir m\u00fcssen unbedingt auch sozialr\u00e4umlich denken. Die D\u00f6rfer k\u00e4mpfen um die Erhaltung ihrer DGHs, wir versuchen Gemeindeh\u00e4user zu halten. Alle haben doch \u00e4hnliche Herausforderungen.\u201c Da sei noch Luft nach oben in der Zusammenarbeit, waren sich alle einig. \u201eWir werden etwa 50% der Immobilien halten\u201c prognostizierte Kohlgraf. R\u00e4ume, die nicht belebt sind, k\u00f6nnten nicht aufrecht erhalten werden. Speziell in Alsfeld werde eine \u00d6ffnung der R\u00e4ume l\u00e4ngst vorbildlich gelebt, merkte Sauer an. So werde etwa der Weltladen und die Tafel im katholischen Gemeindehaus beherbergt. Die Evangelischen erlebe er da noch eher z\u00f6gerlich.<br>\nAls ein \u00e4u\u00dferst gelungenes Beispiel \u00f6kumenischer Zusammenarbeit wurde das Vogelsberger Netzwerk um die Taiz\u00e9-Fans hervorgehoben. Habe es fr\u00fcher noch getrennte Fahrten in das D\u00f6rfchen in Burgund gegeben, so sei man bereits \u00fcber 15 Jahre gemeinsam jedes Jahr in der Osterwoche gemeinsam unterwegs, schilderte Dekanatsjugendreferentin Jutta Marth-Steckenreuter. Auch die kreisweit angebotenen Taiz\u00e9-Gebete h\u00e4tten mittlerweile eine gro\u00dfe Anh\u00e4ngerschaft: \u201eDas sind wirklich tolle Gelegenheiten, Menschen mit einer besonderen Gottesdienstart in Ber\u00fchrung zu bringen\u201c so die Erfahrung der Dekanatsreferentin Hedwig Kluth.<br>\nDie so genannte schulbezogene Jugendarbeit, die seitens der Evangelischen an staatlichen Schulen betrieben werde, sei ein Beispiel f\u00fcr sozialdiakonisches Engagement. Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler h\u00e4tten gro\u00dfen Gespr\u00e4chsbedarf und n\u00e4hmen das seelsorgliche Angebot gerne in Anspruch. Einzig, zur Vergemeinschaftung f\u00fchre solche eine Arbeit nicht automatisch. Klar gebe es vereinzelt Sch\u00fclerbibelkreise, aber man m\u00fcsse weiter nach kleinen niedrigschwelligen Formen der Vergemeinschaftung suchen, die den Brd\u00fcrfnissen der Kinder und Jugendlichen gerecht werden. Erfahrung spiritueller Gemeinschaft sei ein wichtiger Baustein ihrer Entwicklung. Luise Berroths Beobachtung dazu: \u201eDas Ziel der Vergemeinschaftung ist nicht chancenlos. Jugendliche fordern spirituelle Inhalte ein, wollen lernen und ein\u00fcben.\u201c Bei einem regionalen Konfitag sei ihr Angebot, z.B. einen anglikanischen Rosenkranz vorm Schlafengehen oder vor Pr\u00fcfungen zu beten, auf reges Interesse gesto\u00dfen. \u201eJugendliche m\u00f6chten wieder mehr wissen, wie so etwas geht, wie man ganz praktisch Glauben ausdr\u00fccken und leben kann. Wir als Mitarbeitende m\u00fcssen uns wieder mehr trauen, das auch anzubieten. Wir sollten keine Angst davor haben, dass man uns Indoktrination vorwirft, wenn wir mit Jugendlichen beten.\u201c<br>\nAbschlie\u00dfend lud der Bischof die Evangelischen in verschiedensten Bereichen zu Zusammenarbeit ein. So gebe es im M\u00e4rz thematische Gespr\u00e4chstage zum Empfang des Abendmahls f\u00fcr Ehepaare, die verschiedenen Konfessionen angeh\u00f6ren. Seine Beobachtung sei, dass es an einigen Stellen auch eine Unwissenheit katholischerseits gebe, was Evangelische in Bezug auf das Abendmahl \u00fcberhaupt glauben. Er wolle h\u00f6ren, was progressive und kritische Stimmen zum Thema zu sagen h\u00e4tten. Zielm\u00fcsse sein, dass Gl\u00e4ubige zu einer m\u00fcndigen Gewissensentscheidung kommen k\u00f6nnten.<br>\nEin weiteres Thema sei der Erfahrungsaustausch hinsichtlich struktureller Reformen. Auch hier k\u00f6nne man voneinander profitieren und sehen, wie sich das Kleinerwerden gestalten lasse. F\u00fcr die konkrete Region Vogelsberg sehe er jedoch weniger Widerst\u00e4nde kommen. \u201eWenn man in Mainz fragt, ob es eine katholische Stadt ist, dann wird jeder dies bejahen. Die Mentalit\u00e4t ist einfach katholisch.\u201c Faktischt seien aber weniger als 35 Prozent der Mainzer katholisch. \u201eDie Zahlen sind das eine, die Mentalit\u00e4t ist etwas anderes.\u201c Eine solche Diskrepanz habe k\u00fcnftig viel mehr Konfliktpotenzial als in Regionen wie dem Vogelsberg, in denen die Leute es immer schon gewohnt sind, weite Strecken zur\u00fccklegen zu m\u00fcssen und den Pfarrer nicht im Dorf wohnen zu haben.<br>\nMit gro\u00dfer Wertsch\u00e4tzung und Einigkeit und einer Hand voll neuen Ideen f\u00fcr die weitere Zusammenarbeit endete das \u00f6kumenische Treffen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>m Rahmen seiner Visitationsreise in den Vogelsberg besuchte der Mainzer Bischof Prof. Dr. Peter Kohlgraf das hiesige Evangelische Dekanat an seinem Sitz in Alsfeld um \u00fcber die \u00f6kumenische Zusammenarbeit in der Region zu sprechen und insbesondere die Kinder- und Jugendarbeit in den Blick zu nehmen. 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