{"id":178144,"date":"2019-02-25T19:10:47","date_gmt":"2019-02-25T18:10:47","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=178144"},"modified":"2019-02-25T19:10:49","modified_gmt":"2019-02-25T18:10:49","slug":"weltreligionentag-bietet-einblick-in-moeglichkeiten-des-zusammenlebens-der-religionen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=178144","title":{"rendered":"Weltreligionentag bietet Einblick in M\u00f6glichkeiten des Zusammenlebens der Religionen"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"wp-block-paragraph\">\u201eLiebe und Partnerschaft\u201c, \u201eTod und Sterben\u201c, \u201eZusammenleben in der Gesellschaft\u201c \u2013 es sind diese Themen, die viele Facetten des t\u00e4glichen Lebens abbilden und die f\u00fcr jeden einzelnen Menschen etwas anderes bedeuten. Auf der Suche nach dem, was vielleicht trennt und vielleicht verbindet und das auch noch innerhalb der drei gro\u00dfen Religionen, die wir in Deutschland vorfinden, war in der vergangenen Woche die Max-Eyth-Schule. Der Weltreligionentag stand hier auf dem Programm, organisiert von den Fachschaften Religion, Ethik und Politik der Europaschule gemeinsam mit dem Katholischen Dekanat Alsfeld und der Katholischen Jugendzentrale Alsfeld. Gef\u00f6rdert wurde die Veranstaltung, zu der Vertreter und Vertreterinnen des Christentums, des Islam und des Judentums eingeladen waren, von dem Bundesprojekt Demokratie leben!<br>\n\u201eEs lohnt sich, \u00fcber diese Themen zu sprechen, und zwar bevor es hakt und knirscht\u201c \u2013 mit diesen Worten er\u00f6ffnete Schulleiter Friedhelm Walther den Tag und betonte: \u201eEs geht dabei l\u00e4ngst nicht nur um Religion, sondern um Werte und Lebensf\u00e4higkeit.\u201c Und es ging um den ganz pers\u00f6nlichen Zugang zu diesen Themen, wie Kathrin Landwehr vom Katholischen Dekanat unterstrich. Nicht Zahlen, Daten, Fakten standen im Vordergrund, sondern das, was das Leben der Menschen ausmacht: Wie leben sie vor dem Hintergrund ihrer religi\u00f6sen Sozialisierung ihren Alltag? F\u00fcr jedes der oben genannten Themenfelder stand den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern der elften Klassen des Beruflichen Gymnasiums ein Raum bereit. Jeweils eine Stunde konnten sie dort gemeinsam mit Vertretern der Religionen sprechen, dann zogen die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler weiter, um sich dem n\u00e4chsten Thema zu widmen. F\u00fcr das Christentum nahmen Pfarrer Johannes Wildner und K\u00e4the Wildner sowie Pfarrer Harald Wysk an den Gespr\u00e4chen teil. Johannes Wilder ist Pfarrer in Schlitz, seine Frau K\u00e4the ist Theaterp\u00e4dagogin und Deutschlehrerin; Harald Wysk ist Pfarrer im Ruhestand, Mitarbeiter der Notfallseelsorge und Vorsitzender des Alsfelder Hospizvereins. F\u00fcr den Islam waren der Hodscha der Alsfelder T\u00fcrkisch-Islamischen Gemeinde Hasan Erden dabei. Er wurde begleitet von der \u00dcbersetzerin Hatice Sarig\u00fcl und der Lehrerin der Gemeinde Ilknor Taner. Vertreten waren au\u00dferdem Nadya Homsi von der Moscheegemeinde Gie\u00dfen sowie Merve Yildirim und T\u00fcrkan Otkan von der Moscheegemeinde Stadtallendorf. Als j\u00fcdische Vertreter waren Thorsten Schmermund aus Marburg und Wolfgang Hengstler aus Fulda vertreten.<br>\nJeder Raum war dem Thema entsprechend gestaltet, Impulsfragen waren vorbereitet: \u201eWie bewertet meine Religion Ehe und Scheidung?\u201c, \u201eWelche Haltung hat sie zu Homosexualit\u00e4t?\u201c, \u201eGibt es ein Leben nach dem Tod?\u201c, \u201eWarum gibt es Leid?\u201c, \u201eWieviel religi\u00f6se Vielfalt kann eine Gesellschaft vertragen?\u201c, \u201eGeh\u00f6rt Religion in die Politik?\u201c. Diese und viele andere Fragen sprachen die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler, aber auch die Vertreterinnen und Vertreter der Religionen offen an. Sie nahmen viele neuen Erkenntnisse mit, etwa, dass jede j\u00fcdisch geschlossene Ehe einen Vertrag beinhaltet, der die Frau im Falle einer Scheidung absichert, dass aber nur ein Mann eine Scheidung aussprechen kann, was wiederum viele Bl\u00fcten im gesellschaftlichen Leben treibe, wie Thorsten Schmermund, selbst \u00fcbrigens mit einer Nichtj\u00fcdin verheiratet, erz\u00e4hlte. Allen Religionen gemeinsam ist hier die Absicht das Leben zu teilen, so wie es K\u00e4the Wildner formulierte, und sich frei zu entscheiden, wen man heiraten wolle, wie auch der Hodscha unterstrich. Auch Ehen unterschiedlicher Religionen standen die Vertreter aller in der Max-Eyth-Schule anwesenden Glaubensrichtungen offen gegen\u00fcber. W\u00e4hrend das Christentum vorehelichem Sex inzwischen recht gelassen gegen\u00fcberstehe, m\u00fcsse im Islam dann aber z\u00fcgig geheiratet werden, so dessen Vertreter. Auch im Judentum sei Sex vor der Ehe immer noch nicht gern gesehen.<br>\nEine Fragestellung im Raum \u201eTod und Sterben\u201c war die Frage nach der W\u00fcrde der Sterbenden und damit verbunden das Thema lebenserhaltende Ma\u00dfnahmen und Sterbehilfe. Im Islam sei Sterbehilfe eine S\u00fcnde, so Nadja Homsi. \u201eLeben ist von Gott gegeben und wird von Gott genommen.\u201c Der Notfallseelsorger berichtete aus seiner Praxis, wie man sterbenden Menschen begegnen k\u00f6nne und wie man mit Trauernden umgehe, w\u00e4hrend der j\u00fcdische Vertreter darlegte, dass in seiner Religion weniger die Trauer eine Rolle spiele, sondern die Tatsache, dass der Verstorbene zu Gott habe gehen d\u00fcrfen, wie Wolfgang Hengstler sagte. Der Vertreter der christlichen Religion betonte, dass man nicht das Recht habe, zu sagen, welcher Umgang mit dem Tod richtig oder falsch sei, genauso wenig wie in diesen Momenten die Religion noch eine Rolle spiele: \u201eEs geht um Hilfe, darum sich dem Menschen ohne Ansehen der Religion zuzuwenden.\u201c Auch Unterschiede in der Beerdigungskultur wurden thematisiert: Zum Islam geh\u00f6re eine rasche Beisetzung, die dem Menschen W\u00fcrde schenke, formulierte die islamische Vertreterin, w\u00e4hrend der j\u00fcdische Glaube vorsieht, dass der K\u00f6rper des Toten unversehrt bleibt.<br>\nViele Fragen des Alltags besch\u00e4ftigten die Gruppen im Themenfeld \u201eZusammenleben in der Gesellschaft\u201c. Pfarrer Wildner und die beiden muslimischen Vertreterinnen Merve Yildirim und T\u00fcrkan Otkan arbeiteten viele Gemeinsamkeiten beispielsweise in der Fastenpraxis heraus \u2013 auch wenn diese durch den Ramadan der Muslime viel pr\u00e4senter sei, als das Fasten, das auch in der Bibel beschrieben wird und von vielen Christen auch noch praktiziert wird. \u201eWenn du Gott suchst, sollst du danach hungern\u201c, f\u00fchrte Pfarrer Wildner in diesem Zusammenhang aus, in den er neben dem reinen Essenfasten auch die Sattheit der Gesellschaft an sich stellte, den Konsum, das Desinteresse der Menschen an vielen Dingen, die in der \u00dcberflussgesellschaft an Bedeutung verloren haben. Fasten k\u00f6nne Sehnsucht ein\u00fcben, so der Pfarrer. Einen Blick warf diese Gruppe beispielsweise auch auf das Beten: Arabische Christen beten zu Allah, wie Wildner aus eigenem Erleben wusste, Muslime in Deutschland beten genauso zu Gott, der f\u00fcr alle ein und derselbe ist, an den alle nur glauben, den niemand je gesehen hat. Wildner warb daf\u00fcr, dass Christen sich wieder mehr auf ihr Christentum besinnen, auf das, was sie ausmacht.<br>\nDrei Mal drei Stunden konnten die Gruppen \u00fcber diese und viele andere Themen sprechen. Es wurden engagierte Diskussionen gef\u00fchrt, die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler sowie die Referenten konnten sich austauschen, \u00fcber viel Fragen ihres t\u00e4glichen Lebens nachdenken, sie in einen religi\u00f6sen Kontext stellen oder auch nicht. Die Diskussionsinhalte werden sowohl in einem Nachtreffen der Lehrkr\u00e4fte und Vertreter der Religionen noch einmal vertieft als auch Unterrichtsthemen in den einzelnen Klassen sein.<br>\nAm Ende des Tages standen Schlussworte der einzelnen Religionsvertreter: Sie lobten die Offenheit und den Mut zu vielen Fragen und betonten, wie wichtig es sei, im Dialog zu bleiben, sich nicht abzukapseln. Die Dialogbereitschaft sei ein gro\u00dfer Schritt auf einem gemeinsamen Weg, war man sich einig. Religion beginnt mit Wandern, so ein Appell an die jungen Leute: \u201eMacht euch auf, geht und lernt!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>\u201eLiebe und Partnerschaft\u201c, \u201eTod und Sterben\u201c, \u201eZusammenleben in der Gesellschaft\u201c \u2013 es sind diese Themen, die viele Facetten des t\u00e4glichen Lebens abbilden und die f\u00fcr jeden einzelnen Menschen etwas anderes bedeuten. Auf der Suche nach dem, was vielleicht trennt und vielleicht verbindet und das auch noch innerhalb der drei gro\u00dfen Religionen, die wir in Deutschland &hellip;<\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":178145,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-178144","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-startseite"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/178144","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=178144"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/178144\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":178146,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/178144\/revisions\/178146"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/178145"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=178144"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=178144"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=178144"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}