{"id":176591,"date":"2018-10-24T13:32:14","date_gmt":"2018-10-24T11:32:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=176591"},"modified":"2018-10-24T13:32:14","modified_gmt":"2018-10-24T11:32:14","slug":"gehet-hin-durch-die-tore-wiederauffuehrung-einer-bach-kantate-nach-ueber-220-jahren","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=176591","title":{"rendered":"\u201eGehet hin durch die Tore\u201c Wiederauff\u00fchrung einer Bach-Kantate nach \u00fcber 220 Jahren"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Erste-Seite-der-Handschrift-aus-dem-Bestand-des-Sta-atsarchivs-Thu\u00cc\u02c6ringen-Landesarchiv-Rudolstadt_1.jpg\"><img fetchpriority=\"high\" decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-176592\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Erste-Seite-der-Handschrift-aus-dem-Bestand-des-Sta-atsarchivs-Thu\u00cc\u02c6ringen-Landesarchiv-Rudolstadt_1-265x429.jpg\" alt=\"\" width=\"265\" height=\"429\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Erste-Seite-der-von-Thomas-Nud-ling-u\u00cc\u02c6bertragenen-Partitur.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-176593\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Erste-Seite-der-von-Thomas-Nud-ling-u\u00cc\u02c6bertragenen-Partitur-265x375.jpg\" alt=\"\" width=\"265\" height=\"375\" \/><\/a> <a href=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Mottobild-der-Kantate_Das-Goldene-Tor-i-n-Jerusalem_Foto-von-Winfried-Mo\u00cc\u02c6ller.jpg\"><img decoding=\"async\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-176595\" src=\"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/wp-content\/uploads\/2018\/10\/Mottobild-der-Kantate_Das-Goldene-Tor-i-n-Jerusalem_Foto-von-Winfried-Mo\u00cc\u02c6ller-265x218.jpg\" alt=\"\" width=\"265\" height=\"218\" \/><\/a>In der Geschichte Tanns findet sich ein Spr\u00f6ssling des weit verzweigten Bach-Geschlechts: Johann Michael Bach (1745-1820). In Struth bei Schmalkalden geboren, verbrachte er, nach Reisen durch Europa, zwei l\u00e4ngere Phasen seines Lebens, n\u00e4mlich von 1768 bis 1778 und dann noch einmal von 1785 bis 1795 als Kantor in der Rh\u00f6nstadt.1795 begab er sich in die Schweiz und lie\u00df ich schlie\u00dflich in Elberfeld (heute Wuppertal) nieder, wo er 1820 starb.<br \/>\nJohann Michael Bach gilt als letzter Vertreter der Bachfamilie insgesamt, deren Mitglieder \u00fcber Jahrhunderte hinweg alle erdenklichen musikalischen \u00c4mter Mitteldeutschlands innehatten. In Tann hat er die Kirchenmusik entscheidend mitgepr\u00e4gt: Hier entstanden die meisten seiner Kantaten. Und sicher hat er auch weitere Werke hier aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Als ehemalige Wirkungsst\u00e4tte Johann Michael Bachs bildet Tann seit einigen Jahren ein Zentrum der Besch\u00e4ftigung mit seiner Musik. In mehreren Gottesdiensten und Konzerten wurden hier bereits viele seiner Werke nach \u00fcber 200 Jahren aus dem Dornr\u00f6schenschlaf geweckt und vom Kirchenchor Tann mit Orchestern und Solisten in Gottesdiensten und Konzerten wieder aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Mit \u201eGehet hin durch die Tore\u201c soll nun eine weitere Kantate wieder am Ort ihres Entstehens erklingen. Daf\u00fcr hat Kantor Thomas N\u00fcdling die Kopie einer Handschrift aus dem Landesarchiv Th\u00fcringen &#8211; Staatsarchiv Rudolstadt erworben und sie f\u00fcr heutige Verh\u00e4ltnisse und die geplante Auff\u00fchrung eingerichtet. N\u00fcdling spricht dabei von kleineren und gr\u00f6\u00dferen Herausforderungen: \u201eJede Note, jedes Zeichen und jedes Wort m\u00fcssen in den PC eingegeben werden. Manchmal kann man aber Vieles nicht richtig lesen, weil es einfach undeutlich geschrieben ist oder sich das Alter des Papiers bemerkbar macht.\u201c Das sei \u201ewie Sodoku\u201c, weil man Unleserliches aus der Logik heraus meistens erg\u00e4nzen m\u00fcsse. Anschlie\u00dfend ging N\u00fcdling auf Fehlersuche. Mit kompositorischem Verst\u00e4ndnis und Kenntnis der Werke des Tanner Bach hat er sie \u201ehoffentlich alle\u201c, wie er hofft, ausgemerzt. So liegt nach \u00fcber 150 Arbeitsstunden die Kantate \u201eGehet hin durch die Tore\u201c nun zur Auff\u00fchrung bereit. Der Kirchenchor Tann probt mittlerweile flei\u00dfig f\u00fcr die Wiederauff\u00fchrung am Reformationstag (Mittwoch, 31. Oktober, 19:30 Uhr, Stadtkirche Tann).<\/p>\n<p>Das Werk basiert auf drei Versen aus dem Buch des Propheten Jesaja (Kapitel 62, Verse 10-12). Der Prophet l\u00e4dt nach Jerusalem ein: Menschen und V\u00f6lker sollen durch die Tore der Stadt ziehen, um dort Gottes Heil entdecken und erfahren zu k\u00f6nnen. Mutig und unerschrocken sollen Hindernisse aus dem Weg ger\u00e4umt werden.<br \/>\nDass Jerusalem nicht nur als Stadt, sondern als allgemeines Sinnbild von Gottes Gegenwart gemeint ist, wird mit Blick auf die nachfolgenden S\u00e4tze deutlich: In knapper Weise fasst Johann Michael im Rezitativ \u201ePreiset ihn, ihr Jubellieder\u201c das Heilsgeschehen zusammen: Geburt, Tod, Auferstehung und Wiederkunft Jesu Christi gelten dem Heil der Menschen. Und das soll mit \u201eJubelliedern\u201c besungen werden.<br \/>\nWie Jesus den Menschen durch sein Wirken Gottes Heil nahe gebracht hat, ist Gegenstand der Arie \u201eMenschen Liebe, Menschen Gl\u00fcck\u201c: Jesu Liebe zu den Menschen stehen Hass, T\u00fccke und Heuchelei seiner Widersacher gegen\u00fcber. Mit seiner harschen Kritik an ihnen (\u201eOtternzucht\u201c, \u201e\u00fcbert\u00fcnchte Gr\u00e4ber\u201c [vgl. Mt 23]) r\u00e4umt er geistliche Hindernisse selbst beiseite. Jesus ist der von Jesaja prophezeite Heilsbringer, der die Menschen durch verschlossene Tore zu Gott und seinem Heil f\u00fchren will.<br \/>\nJohann Michael Bach komplettiert die alttestamentliche Prophetie in neutestamentlichem Licht \u2013 inhaltlich wie musikalisch: Ein eher motettisch gestalteter Chorsatz ist eng mit dem Text der jeweiligen Bibelverse verwoben und erh\u00e4lt dadurch Tiefgang; in der Arie vollzieht Bach teils waghalsige harmonische Wendeman\u00f6ver, mittels derer ihm die Gegen\u00fcberstellung von g\u00f6ttlichem Heil und menschlichem Tun \u00fcberaus deutlich gelingt.<\/p>\n<p>Zu h\u00f6ren sein wird das Werk im Gottesdienst am Reformationstag (Mittwoch, 31. Oktober 2018) um 19:30 Uhr in der Tanner Stadtkirche. Ausf\u00fchrende sind der Kirchenchor Tann, das Rathgeberensemble Fulda sowie Sopranistin Anna Ziert unter der Leitung von Kantor Thomas N\u00fcdling. Pfarrer Jonathan Stubinitzky wird \u00fcber die Kantate und ihre Bedeutung zum Reformationsfest predigen.<\/p>\n<p>Die Auff\u00fchrung erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Kultur- und Geschichtsverein Tann und wird gef\u00f6rdert von der Kirchenmusikstiftung Ziegler (Paderborn) und dem Hessischen Ministerium f\u00fcr Wissenschaft und Kunst im Rahmen des Projektes LandKulturPerlen.<\/p>\n<p>Eine musikalische \u201eLandKulturPerle\u201c: Der Tanner Bach<br \/>\nDas Modellprojekt \u201eLandKulturPerlen\u201c nimmt die kulturelle Bildung im l\u00e4ndlichen Raum Hessens in den Blick: Die Landesvereinigung Kulturelle Bildung Hessen e. V., durch F\u00f6rderung vom Hessischen Ministerium f\u00fcr Wissenschaft und Kunst und der Beauftragten der Bundesregierung f\u00fcr Kultur und Medien unterst\u00fctzt Aktionen, um deren erfolgreiche und nachhaltig wirksame kulturelle Bildungsarbeit zukunftssicher zu machen. Eine solche \u201eLandKulturPerle\u201c ist auch der Johann Michael Bach (der \u201eTanner Bach\u201c) und seine Kantate \u201eGehet hin durch die Tore\u201c.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>In der Geschichte Tanns findet sich ein Spr\u00f6ssling des weit verzweigten Bach-Geschlechts: Johann Michael Bach (1745-1820). 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