{"id":175571,"date":"2018-08-26T19:28:23","date_gmt":"2018-08-26T17:28:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=175571"},"modified":"2018-08-26T19:28:23","modified_gmt":"2018-08-26T17:28:23","slug":"pianale-junioren-spielen-vor-gleichaltrigen-in-der-marienschule%e2%80%a8tauschten-erfahrungen-aus-und-erzaehlen-von-ihren-traeumen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=175571","title":{"rendered":"Pianale-Junioren spielen vor Gleichaltrigen in der Marienschule,\u00e2\u20ac\u00a8tauschten Erfahrungen aus und erz\u00e4hlen von ihren Tr\u00e4umen"},"content":{"rendered":"<p>Mariia spielt Rachmaninoff. Mehr Moll als Dur. Erst voller kaskadenhafter L\u00e4ufe, dann emotional getragen. Virtuos, aber wohl nicht die Musik, die eine 17 oder 18 Jahre alte Sch\u00fclerin normalerweise h\u00f6ren w\u00fcrde. Und doch lauschen rund 50 von ihnen gebannt dem Spiel der fast gleichaltrigen Ukrainerin (16), die heute extra f\u00fcr sie am Fl\u00fcgel der Marienschule musiziert.<br \/>\nMariia Kurhuzova ist eine von insgesamt 16 jungen Leuten, die derzeit an der\u00e2\u20ac\u00a812. Pianale teilnehmen, jener einzigartigen Kombination aus Klavier-Akademie, Wettbewerb und Konzertreihe in den Schl\u00f6ssern Osthessens (wir berichteten). Mit f\u00fcnf ihrer Mitstreiter, mehr Freunde als Konkurrenten, ist sie an diesem Tag in die Schule gekommen, um f\u00fcr ihre (klassische) Musik zu werben. Und anders als in einem regul\u00e4ren Konzert haben die Zuh\u00f6rer in dem ehrw\u00fcrdigen Saal die Gelegenheit, nachdem der letzte Ton verhallt ist, die angehenden Profi-Pianisten zu befragen. Auf Augenh\u00f6he. Auch wenn der schwarze Fl\u00fcgel auf der B\u00fchne thront.<br \/>\nUnd die Fragen kommen prompt, zumeist auf Englisch. Nur hin und wieder m\u00fcssen die Englischlehrerin Frau Domann, und ihr Musik-Kollege Herr Neidel assistieren. Oder Uta Weyand, Pianale-Gr\u00fcnderin und selbst weltweit gefragte Konzertpianistin.<br \/>\n\u201eWie oft \u00fcbt ihr\u201c?\u00e2\u20ac\u00a8\u201eUnterschiedlich. Aber wenn es geht, jeden Tag.\u201c Da geht ein Raunen durchs Auditorium. Jeden Tag?!<br \/>\nZlata, die in Kharkiv in der Ukraine auf das selbe Internat geht wie Mariia, beginnt oft schon um 6 Uhr fr\u00fch. \u201eDa h\u00e4tte ich besseres zu tun\u201c, raunte da eine Mariensch\u00fclerin ihrer Freundin ins Ohr. Um gleich darauf ein wenig neidisch zu werden. Denn Mariia berichtet, dass sie regelm\u00e4\u00dfig den Unterricht schw\u00e4nzt. Quasi mit Erlaubnis.. Manchmal bekommt sie sogar zwei Monate frei, weil sie sich auf einen Wettbewerb vorbereitet. Und doch hat sie mehr als nur Musik im Kopf. Erst vor vier Monaten fing sie an, Englisch zu lernen. Spricht schon jetzt hervorragend. Englischlehrerin Frau Domann hat die Erkl\u00e4rung: \u201eKlar, Du bist so gut, weil Du nicht zur Schule gehst!\u201c Gro\u00dfes Gel\u00e4chter.<br \/>\nDoch es gibt auch stille, nachdenkliche, ja anr\u00fchrende Momente. Etwa als die Portugiesin Lidia (16) auf die Frage, wie man sich seine Lehrer aussucht, welches Verh\u00e4ltnis man zu ihnen hat, ihre sehr pers\u00f6nliche Geschichte erz\u00e4hlt. Davon, dass ihre Tutorin fast wie eine Gro\u00dfmutter f\u00fcr sie war, dass sie Lidia noch wenige Stunden vor ihrem eigenen Tod unterrichtete, dass sie ihr das Versprechen abnahm, mit dem Klavierspiel niemals aufzuh\u00f6ren. Lidia folgt diesem letzten Willen. Und in der Marienschule wird es ganz still, rollen sogar ein paar versteckte Tr\u00e4nen. Musik ist Emotion.<br \/>\nEher Dur als Moll gestimmt ist derweil Schulleiter Oswald Post. \u201eDas ist eine tolle Veranstaltung. Wir sind sehr froh, dass diese jungen Menschen f\u00fcr uns spielen.\u201c Und die Kooperation geht noch weiter. Am 27.Oktober wird die letztj\u00e4hrige Pianale-Preistr\u00e4gerin in dem M\u00e4dchengymnasium zu einem Konzert erwartet.<br \/>\nDiesmal spielten und unterhielten Mariia, Lidia, Zlata (15), Safiye (14, Gro\u00dfbritannien), Jacobo (17, Spanien) und Claudia (16, Deutschland) die Sch\u00fclerinnen 90 Minuten. Zwei Schulstunden. Und die Zuh\u00f6rer waren so konzentriert, dass sie der Stundengong zur Halbzeit regelrecht in die Realit\u00e4t riss. Die k\u00f6nnte nach Jacobos Vorstellungen aber ein wenig anders aussehen. \u201eWas w\u00fcnscht Du dir von Deinem Publikum\u201c, will eine junge Dame wissen.\u00e2\u20ac\u00a8Die Antwort: \u201eNormalerweise k\u00f6nnten die meisten Zuh\u00f6rer meine Gro\u00dfeltern sein. Wir aber w\u00fcnschen uns junges Publikum!\u201c<br \/>\nDieser Wunsch k\u00f6nnte zumindest heute (Dienstag, 21. August) in Erf\u00fcllung gehen. Dann steht das Finale der Junioren auf dem Programm. Ab 19 Uhr in der Alten Universit\u00e4t Fulda. \u201eNat\u00fcrlich sind alle Mariensch\u00fcler eingeladen\u201c, sagt Uta Weyand zum Abschied. Steht dann auch wieder Rachmaninoff (1873 \u2013 1943) auf dem Programm? \u201eWer wei\u00df\u201c, so die Pianistin. \u201eAber ein St\u00fcck aus der Romantik wird auf jeden Fall dabei sein.\u201c Musik lebt auch von der \u00dcberraschung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Mariia spielt Rachmaninoff. Mehr Moll als Dur. Erst voller kaskadenhafter L\u00e4ufe, dann emotional getragen. Virtuos, aber wohl nicht die Musik, die eine 17 oder 18 Jahre alte Sch\u00fclerin normalerweise h\u00f6ren w\u00fcrde. 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