{"id":175274,"date":"2018-07-20T00:05:57","date_gmt":"2018-07-19T22:05:57","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=175274"},"modified":"2018-07-20T00:05:57","modified_gmt":"2018-07-19T22:05:57","slug":"viel-beachtet-viel-gelobt-der-kunstwanderweg-der-erzart4-ist-eroeffnet","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=175274","title":{"rendered":"Viel beachtet, viel gelobt: Der Kunstwanderweg der ErzArt4 ist er\u00f6ffnet"},"content":{"rendered":"<p>\u201eEs ist ein spannender Weg geworden, ein Weg, auf den sich die K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler gerne eingelassen haben. Wir sind sehr gl\u00fccklich, diesen Weg heute gemeinsam mit Ihnen zu er\u00f6ffnen.\u201c Es war ein strahlendhei\u00dfer Sommernachmittag, als Volker Sch\u00f6nhals und Thomas Vinson vom Kunstturm M\u00fccke e.V. am vergangenen Samstag ein gro\u00dfes Publikum unter freiem Himmel zur Er\u00f6ffnung der Ausstellung ErzArt4 am Kunstturm begr\u00fc\u00dften. Fast alle der 13 ausstellenden K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler waren anwesend, daneben viele Unterst\u00fctzerinnen und Unterst\u00fctzer. Aus deren Reihen hob Volker Sch\u00f6nhals ganz besonders B\u00fcrgermeister Andreas Sommer hervor, denn erstmals findet ein Teil der Ausstellung auf kommunalem Grund statt: Der von der Gemeinde frisch erworbene Bahnhof M\u00fccke mit seiner alten Lagerhalle bildet den Abschluss des Weges \u2013 eine Premiere, aus der, wie alle Beteiligten hoffen, mehr werden k\u00f6nnte.<br \/>\n\u201eWir haben viel Landschaft und wenig Nahrung f\u00fcr den Geist\u201c, stellte der B\u00fcrgermeister in seiner kurzen Ansprache fest und w\u00fcrdigte die Verdienste des Kunstturm M\u00fccke e.V. Die hier T\u00e4tigen w\u00fcrden die Region mit dem raren Gut Kunst und Kultur versorgen, und dies sei in jeder Hinsicht f\u00f6rdernswert, so Sommer, der auf Nachfrage bekanntgab, dass eine dauerhafte Nutzung des Bahnhofs M\u00fccke f\u00fcr Kunst und kulturelle Veranstaltungen seine volle Unterst\u00fctzung in den kommunalen Gremien finde.<\/p>\n<p>Dem Kunstturm M\u00fccke schon lange verbunden ist der Gie\u00dfener Kunsthistoriker Volker Bunte. Sowohl als Aussteller als auch als Redner hat er die vorhergehenden ErzArt-Ausstellungen begleitet. Auch in diesem Jahr f\u00fchrte er vor der Erwanderung des Weges in die verschiedenen Exponate ein und stellte in einem sehr gutaufgelegen, lebhaften Vortrag auch die K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler vor.<br \/>\nViele der Arbeiten haben einen Bezug zur Region, zur Geschichte, besonders auch zur Geologie, f\u00fchrte Bunte aus, auch seien viele Werke eigens f\u00fcr diese Ausstellung und hier sogar f\u00fcr den genauen Ausstellungsort geschaffen worden. \u201eDie Wirklichkeit der Kunst beginnt in den Augen des Betrachters\u201c, zitierte der Redner den K\u00fcnstler Keith Haring \u2013 auch mit Blick auf die abstrakten, nicht immer selbsterkl\u00e4renden Bilder, Skulpturen und Installationen, die viel Interpretationsspielraum haben und sich nicht unbedingt jedem Betrachter direkt erschlie\u00dfen. \u201eDie Auseinandersetzung mit Kunst erweitert den Geist\u201c, so Bunte, bevor er auf die einzelnen K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler und deren Werke einging, \u201eErzArt bedeutet Menschen in Bewegung, aber es bedeutet auch Denken in Bewegung.\u201c<br \/>\nDer Weg selbst f\u00fchrt von zwei Arbeiten am Kunstturm und vier weiteren ganz in der N\u00e4he \u00fcber drei k\u00fcnstlerische Positionen auf einer Wiese auf dem Weg nach Merlau sowie zwei Positionen am EDEKA-Markt bis hin zur Lagerhalle am Bahnhof M\u00fccke, wo es die Werke von f\u00fcnf K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler zu sehen gibt \u2013 teilweise kann man deren Werke auch schon am Anfang oder auf dem Weg entdecken.<br \/>\nBunte startete seine Betrachtungen mit der Holzbildhauerin Ortrud Sturm. Deren Holzskulptur mit dem Titel \u201eauf 2\u201c markiert scheinbar den Eintritt in das Waldst\u00fcck hinter dem Turm. Den Stamm eines 40 Jahre alten Mammutbaumes hat sie \u201eauf zwei\u201c Teile gemacht, wie Bunte erkl\u00e4rte. Verschiedene geometrische Formen und die Bearbeitung mit roter Farbe bilden eine Spannung, die bei genauerem Hinsehen ein Zusammengeh\u00f6rigkeitsgef\u00fchl sichtbar werden l\u00e4sst. Eine weitere Arbeit dieser K\u00fcnstlerin ist am Ende der Ausstellung in der Lagerhalle zu sehen.<\/p>\n<p>Drei K\u00fcnstlerinnen haben ihre Arbeiten am und im Kunstturm selbst platziert. Die Steinbildhauerin Regina Schnersch zeigt mit ihrer Basaltsteinskulptur \u201eSide by Side\u201c gewisserma\u00dfen das Innere des Basalts, den sie im Basaltwerk in Ober-Ohmen gebrochen hat. Ihre Bearbeitung dieses Gesteins erm\u00f6glicht dem Betrachter eine neue Sicht darauf \u2013 es seien wunderbar bewegte, malerische Formen wahrzunehmen, so Bunte, der auf vier weitere Arbeiten Schnerschs im Bahnhof verwies.<\/p>\n<p>Die K\u00fcnstlerin Christine Wigge hat sich f\u00fcr ihre serielle Installation im Turm von einer Fotografie aus der Geschichte des Erzabbaus inspirieren lassen. Die Knopfleisten der Bergmanns-Ausgeh-Uniform hat sie aus dem Bild herausgel\u00f6st und isoliert an die Wand gebracht. Damit relativiert sie alle anderen raumfassenden Elemente der Fotografie, darunter auch ein Hakenkreuz. Gleichzeitig schafft sie Strukturen zum Weiterdenken, wie Bunte ausf\u00fchrte.<\/p>\n<p>Wie gehauchter Atem, transluzent, durchscheinend, wirken die Farben, die Christine Dahrendorf auf die Glasscheiben des Kunstturms aufgebracht hat. Aufgetragen auf wei\u00dfem Molkegrund sind drei hauchd\u00fcnne Schichten wasserl\u00f6slicher Farben, deren Erscheinungsbild mit dem Licht wechselt und somit auch den Turm und die anderen Werke dort in ver\u00e4ndertes Licht taucht.<\/p>\n<p>Raum f\u00fcr Assoziationen geben die Objekte, die Monika Bodenm\u00fcller in einer Holzkiste auf der ersten Etappe des Weges ausstellt. Unterschiedlich in Farbe, Form und Oberfl\u00e4che, regen sie den Betrachter zu Nachforschungen \u00fcber ihren Ursprung an: Wer k\u00f6nnte sie wo gefunden haben? Und was sind sie eigentlich? Und in welchem Bezug stehen die Fund- oder Sammelst\u00fccke zu dem Erz, das hier fr\u00fcher gefunden und gesammelt wurde? Auch Bodenm\u00fcller zeigt eine weitere Installation in der Lagerhalle.<\/p>\n<p>Auf dem Weg, als Teil der sie umgebenden Natur, findet sich die \u201eSerpentinata\u201c des K\u00fcnstlers Evangelos Papdopoulos. Intuitiv, mit den Gegebenheiten entstanden, bietet die Figur aus Holz und Baugipsplatten Anlass, der Fantasie freien Raum zu lassen. Sie kommuniziert mit ihrer Umgebung, und l\u00e4dt ein, begangen und erlebt zu werden, wie Bunte anregte.<\/p>\n<p>\u201eBl\u00fchenden Landschaften\u201c \u2013 schon allein der Titel l\u00e4sst Bilder vor dem inneren Auge entstehen. Die Malerin Sabine Hunecke schm\u00fcckt die M\u00fccker Landschaft mit Bl\u00fcten der digitalen Vernetzung. Mit dem Bezug zu dem, was wir daf\u00fcr der Erde heute entnehmen, Rohstoffe wie Silicium beispielsweise, schafft sie eine Verbindung zu dem, was einst hier entnommen wurde. Einen Verweis auf die Erzgewinnung liefert auch ein Rohr, das genau an diesem Ort als Zeuge fr\u00fcherer Aktivit\u00e4ten aus der Erde ragt.<\/p>\n<p>Ein Haus, das im Boden versinkt? Ein Katastrophenszenario oder doch eine Reminiszenz an das Erz, das aus diesem Boden kam? Auf jeden Fall ein deutlicher Hinweis auf die Natur, denn die Blumenwiese, auf der Friedemann Bader diesen Korpus mit dem Titel \u201edas was war und das was kommt\u201c platziert hat, war einst ein Schlammteich, in dessen weicher Masse tats\u00e4chlich bereits B\u00e4ume und G\u00e4rten verschwunden sein sollen, wie Volker Bunte verriet.<\/p>\n<p>Die \u201eKreuzkopffigur\u201c des Bildhauers Dierk Berthel scheint ein auf dem Weg verlorenes Werkzeug zu sein \u2013 vielleicht sogar aus dem Bergbau? Aus dem Kopfteil, in Kreuzform aus Stahlplatten verschwei\u00dft und br\u00fcniert, wachsen Holzleisten. Frei im Raum positioniert, wirft diese Figur Fragen auf.<\/p>\n<p>\u201edas uns der Himmel nicht auf den Kopf falle\u201c \u2013 Eine Reminiszenz an Alexander den Gro\u00dfen hat Peter Pelikan aus Holz aus hiesigen W\u00e4ldern geschaffen. Ein T\u00fcrstock, ges\u00e4gt, errichtet; eine Erinnerung an Bergwerkstollen, die es so in M\u00fccke jedoch nicht gab, da hier Tagebau betrieben wurde. Dennoch: Das Tor k\u00f6nnte Schutzraum sein. Dazu geh\u00f6rt ein M\u00fccke-Taler, den der K\u00fcnstler in Anlehnung an eine Himmelsscheibe dem Holzkunstwerk zuordnet. Wenige solcher M\u00fcnzen gibt es im Kunstturm zu sehen und zu erwerben.<br \/>\nWeiter f\u00fchrt der Weg in Richtung Ortsmitte. Auf der Wiese vor dem Supermarkt hat Jan Luke einen Rhythmus aus Dachlatten installiert \u2013 eine Erinnerung auch an ein S\u00e4gewerk, das an diesem Ort einst stand. Unter dem Titel \u201eImpro V\u201c hat Luke sein Werk den \u00f6rtlichen Gegebenheiten angepasst und ein scheinbar rotierendes, drehendes Konstrukt geschaffen; aus einem Alltagsmaterial, das f\u00fcr jeden zug\u00e4nglich ist.<\/p>\n<p>Drei Polaroid-Arbeiten des Fotografen Markus Elsner h\u00e4ngen an der Supermarkt-Fassade. Zwischenzeitlich aus der Mode, erfreut sich diese Art der Fotografie wieder neuer Beliebtheit. \u201eSilence\u201c und \u201eT\u00e2\u20ac\u2122s wundersamer Blick auf die Welt der Farben\u201c hat Elsner seine Werke genannt, die alles sein k\u00f6nnen, und doch etwas Genaues sind. Die zehn Bilder der letztgenannten Reihe besch\u00e4ftigen sich \u00fcberdies mit der Welt eines Herrn Donald Trump und sind sowohl hinsichtlich des k\u00fcnstlerischen Ausdrucks als auch ihres Humors und ihrer Spitzfindigkeit eine Entdeckung wert.<\/p>\n<p>Neben den bereits genannten K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstlern, die ihre Werke auch in der Lagehalle ausstellen, sei zum Schluss Markus Stein genannt. Seine Arbeiten aus Tonerde zeigen unter dem Titel \u201eMount Improbable\u201c die \u201eGipfel des Unwahrscheinlichen\u201c \u201eGeologische Poesie\u201c nannte das Volker Bunte in seiner Vorstellung und verwies auf den subtilen Umgang mit der Geologie unserer Erde.<br \/>\n\u201eDa ist das Werk, und wo stehe ich, wo bin ich, wo geh\u00f6re ich hin\u201c \u2013 all diese Fragen k\u00f6nne man sich auf dem Weg stellen, lud Bunte dazu ein, sich in den Werken zu verlieren, seine Gef\u00fchle zu entdecken, zur\u00fcckzuschauen und in die Zukunft zu blicken.<br \/>\nDie G\u00e4ste der Vernissage erlebten dies direkt im Anschluss. Weitere Interessierte haben an jedem Sonntag bis zum 9. September um 14 Uhr oder nach Vereinbarung (unter der Telefonnummer 0172 1365286) dazu Gelegenheit. Die Finissage mit K\u00fcnstlergespr\u00e4ch und Katalogvorstellung findet am 15.9. um 14 Uhr statt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>\u201eEs ist ein spannender Weg geworden, ein Weg, auf den sich die K\u00fcnstlerinnen und K\u00fcnstler gerne eingelassen haben. Wir sind sehr gl\u00fccklich, diesen Weg heute gemeinsam mit Ihnen zu er\u00f6ffnen.\u201c Es war ein strahlendhei\u00dfer Sommernachmittag, als Volker Sch\u00f6nhals und Thomas Vinson vom Kunstturm M\u00fccke e.V. am vergangenen Samstag ein gro\u00dfes Publikum unter freiem Himmel zur &hellip;<\/p>\n<\/div>","protected":false},"author":1,"featured_media":175284,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"gallery","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-175274","post","type-post","status-publish","format-gallery","has-post-thumbnail","hentry","category-startseite","post_format-post-format-gallery"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/175274","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=175274"}],"version-history":[{"count":1,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/175274\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":175285,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/175274\/revisions\/175285"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/media\/175284"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=175274"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=175274"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=175274"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}