{"id":175244,"date":"2018-07-19T23:49:58","date_gmt":"2018-07-19T21:49:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=175244"},"modified":"2018-07-19T23:49:58","modified_gmt":"2018-07-19T21:49:58","slug":"modell-fuer-intensive-integrationsarbeit-interview-mit-der-leiterin-des-lebkom-begegnungscafes-in-hofbieber","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=175244","title":{"rendered":"Modell f\u00fcr intensive  Integrationsarbeit  Interview mit der Leiterin des LebKom-Begegnungscaf\u00e9s in Hofbieber"},"content":{"rendered":"<p>\u201eWer nach Deutschland kommt, der muss sich an unsere Regeln, wie die Gleichberechtigung der Geschlechter, halten\u201c, lautet eine Feststellung in der Fl\u00fcchtlingsdebatte. Vergessen wird dabei oft, dass diese Wertvorstellung \u2013 die zugleich ein Menschenrecht ist \u2013 in unserer Gesellschaft mehrere Generationen gebraucht hat, um sich weitgehend durchzusetzen. Damit Menschen mit anderer kultureller Pr\u00e4gung unsere Auffassung von der Gleichwertigkeit von Mann und Frau verstehen und danach leben k\u00f6nnen, hat der Verein \u201eLebendige Kommunikation\u201c (LebKom) vor zwei Jahren in der Hofbieberer Fl\u00fcchtlingsunterkunft \u201eGeorgsh\u00f6he\u201c das Begegnungscaf\u00e9 ins Leben gerufen. Nun ist diese Einrichtung vom \u201eB\u00fcndnis f\u00fcr Demokratie und Toleranz \u2013 gegen Extremismus und Gewalt\u201c (BfDT) in einem bundesweiten Wettbewerb als einziges hessisches Projekt ausgezeichnet worden. Sozialp\u00e4dagogin Claudia Wegener, die im Hofbieberer Ortsteil Wiesen wohnt, leitet das Begegnungscaf\u00e9.<\/p>\n<p>Geht es in dem Projekt um die Begegnung zwischen Einheimischen und gefl\u00fcchteten Menschen?<br \/>\nC.W.: Auf jeden Fall; doch wir gehen einen anderen Weg als zum Beispiel bei Angeboten wie Spiele- oder Kochabenden . Wir haben in Gespr\u00e4chen mit den Gefl\u00fcchteten festgestellt, dass sich die Bewohner untereinander kaum kannten. Durch Gespr\u00e4chsrunden haben wir zu einem friedvollen Miteinander in der Unterkunft beigetragen. Vor Begegnungen mit Deutschen scheuten die meisten erst einmal zur\u00fcck; ihnen war vieles unverst\u00e4ndlich; sie hatten gro\u00dfes Interesse, zun\u00e4chst mehr \u00fcber unsere Kultur zu erfahren. Nach einer Weile suchten sie dann von sich aus Kontakt zu Einheimischen, je nach pers\u00f6nlichen Interessen die einen im sportlichen, die anderen im kulturellen Bereich.<\/p>\n<p>Wie gelingt es Ihnen, das Gespr\u00e4ch zu so privaten Themen wie Partnerschaft zu er\u00f6ffnen?<br \/>\nC.W.: Dabei spielt das Vorgehen nach dem Wert-Zentrierten Ansatz (WZA) eine wesentliche Rolle, den Prof. Muthgard Hinkelmann-Toewe entwickelt und an der Hochschule Fulda gelehrt hat. Wichtig ist, nichts \u00fcberzust\u00fclpen, sondern die Impulse der Anwesenden aufzugreifen ; Familie und Sexualit\u00e4t besch\u00e4ftigen die Menschen in allen Kulturkreisen. Auch wurde ein Raum geschaffen, in dem jeder sich vertrauensvoll \u00e4u\u00dfern darf, ohne dass seine Aussagen bewertet werden. Das f\u00fchrt dann zu neuen Fragen, bezogen auf sich selbst und auf das Miteinander und auf kulturelle Gepflogenheiten.<\/p>\n<p>Kommen zu diesen Gespr\u00e4chsrunden nicht nur die Menschen, die sowieso aufgeschlossen sind?<br \/>\nIch erinnere mich an ein lebhaftes Gespr\u00e4ch zum Thema Polygamie. Eine Afghanin sagte, sie wolle f\u00fcr sich keine Vielehe. Eine hitzige Diskussion zwischen Anwesenden aus Syrien, Afghanistan, Somalia, Iran und Pakistan begann. Doch am Ende \u00fcberwog die Erkenntnis, dass es eine freie Entscheidung ist, Traditionen auch infrage stellen zu d\u00fcrfen, wenn viele Menschen \u2013 in dem Fall vor allem Frauen \u2013 darunter leiden.<\/p>\n<p>K\u00f6nnen Sie sich eine Ausweitung des Projektes vorstellen?<br \/>\nC.W.: Der Bedarf ist zweifellos vorhanden. Doch br\u00e4uchte es politische und finanzielle Unterst\u00fctzung, damit f\u00fcr diese Art der Integrationsarbeit mehr Integrationshelfer im WZA geschult werden k\u00f6nnen.<br \/>\nWie verwenden Sie das Preisgeld in H\u00f6he von 2000 Euro?<br \/>\nC.W.: Ein Teil flie\u00dft ins Fulda-Mosocho-Projekt (FMP). Das BAMF propagiert die Verzahnung von Integrations- mit Entwicklungszusammenarbeit, um Fluchtursachen zu bek\u00e4mpfen. Genau das tut unser FMP, indem es die Stellung der Frau in Afrika st\u00e4rkt.<\/p>\n<p>Infokasten: Zur Person<br \/>\nClaudia Wegener stammt aus Grevenbroich im Rheinland und studierte an der Hochschule Fulda Sozialp\u00e4dagogik. Dort begeisterte sie sich f\u00fcr den Wert-Zentrierten Ansatz, den Prof. Dr. Muthgard Hinkelmann-Toewe entwickelt hat. Gemeinsam mit anderen Studentinnen nahm sie mit der Professorin an mehreren UN-Konferenzen zum Thema Entwicklungszusammenarbeit teil, arbeitete sp\u00e4ter als Leiterin eines Caritas-Heimes, baute in Kenia das Fulda-Mosocho-Projekt mit auf, und widmet sich heute mit viel Engagement neben der Projektarbeit im Begegnungscaf\u00e9 der Begleitung ihres schwerbehinderten Kindes.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>\u201eWer nach Deutschland kommt, der muss sich an unsere Regeln, wie die Gleichberechtigung der Geschlechter, halten\u201c, lautet eine Feststellung in der Fl\u00fcchtlingsdebatte. Vergessen wird dabei oft, dass diese Wertvorstellung \u2013 die zugleich ein Menschenrecht ist \u2013 in unserer Gesellschaft mehrere Generationen gebraucht hat, um sich weitgehend durchzusetzen. 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