{"id":174683,"date":"2018-06-19T22:06:44","date_gmt":"2018-06-19T20:06:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=174683"},"modified":"2018-06-19T22:06:44","modified_gmt":"2018-06-19T20:06:44","slug":"frank-hielscher-referierte-fuer-eltern-ueber-classroom-management-in-der-praxis","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=174683","title":{"rendered":"Frank Hielscher referierte f\u00fcr Eltern \u00fcber Classroom Management in der Praxis"},"content":{"rendered":"<p>Wie gelingt guter, effektiver Unterricht? Wie reagiert eine Lehrkraft auf St\u00f6rungen? Wie schafft man gute und klare Beziehungen zwischen Sch\u00fclern und Lehrern? Diesen Fragen stellen sich regelm\u00e4\u00dfig die Lehrkr\u00e4fte der Alexander-von-Humboldt-Schule. Seit vier Jahren geh\u00f6rt Classroom Management zum Konzept des Gymnasiums \u2013 mit Erfolg, wie Schulleiterin Gitta Holloch gerne best\u00e4tigt: Die Klassen, bei denen von Beginn an feste Regeln vereinbart wurden, die Lehrkr\u00e4fte alle einheitlich vorgehen und auf die Einhaltung von Vereinbarungen bestehen, lernen in einer ruhigen, sicheren Atmosph\u00e4re. Die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler f\u00fchlen sich wohl, die Lernerfolge steigen. Kein Wunder also, dass der Trainer, Coach und Systemische Berater Frank Hielscher regelm\u00e4\u00dfig zu Gast an der engagierten Schule ist, gerade eben war er wieder in Lauterbach vor Ort, um insbesondere die Lehrkr\u00e4fte der kommenden f\u00fcnften Klassen zu schulen, die mit einem einheitlichen Classroom Management gerade den kleineren Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern Strukturen und damit ein Gef\u00fchl der Sicherheit vermitteln sollen. Dabei geht es auch um F\u00fchrungsstil in der Klasse.<\/p>\n<p>F\u00fchrungsstil? Ist das nicht eher ein Ausdruck aus der Wirtschaft? Ja, findet Frank Hielscher, aber w\u00e4hrend F\u00fchrungskr\u00e4fte in der Wirtschaft t\u00e4glich nur einen Bruchteil ihrer Belegschaft im pers\u00f6nlichen, direkten Kontakt f\u00fchren, haben Lehrkr\u00e4fte es an sechs bis acht Unterrichtsstunden pro Tag mit etwa 150 bis 180 jungen Menschen zu tun. Sie leiten eine Unterrichtsstunde, die zu einem messbaren Erfolg f\u00fchren soll. Sind Lehrkr\u00e4fte daher nicht erst recht F\u00fchrungskr\u00e4fte?<br \/>\nFrank Hielscher, so der stellvertretende Schulleiter Joachim Gerking, ist der f\u00fchrende Experte zum Thema Classroom Management, ein begeisternder Fortbildner, den sich kaum eine Lehrkraft am Gymnasium entgehen lie\u00dfe. Damit auch die Eltern sich ein Bild machen k\u00f6nnten, wie der Unterricht an der Alexander-von-Humboldt-Schule l\u00e4uft und warum er so l\u00e4uft, hatte die Schulleitung Hielscher gebeten, auch zu den Eltern zu sprechen. Und das tat er nach einem langen Arbeitstag immer noch voller Begeisterung.<\/p>\n<p>Der studierte Rhetoriker, P\u00e4dagoge und Literaturwissenschaftler hatte seine ersten Erfahrungen als junger unerfahrener Lehrer gesammelt, als er in einer Hauptschulklasse unterrichten musste, mit der kaum jemand zurechtkam, und an der auch er anfangs kl\u00e4glich scheiterte, wie er zugab. Mit viel Leidenschaft und jeder Menge komischem Talent stellte er seine kl\u00e4glichen Versuche vor, sich Respekt zu verschaffen, die Klasse ruhig und aufmerksam zu bekommen, Regeln einzuf\u00fchren. All das gelang anfangs nicht. Bis er sich mit dem Classroom Management auseinandersetzte, ein Konzept, das in den anglo-amerikanischen L\u00e4ndern schon vielfach eingesetzt wird und zum Erfolg f\u00fchrt, wie Hielscher darlegte. Vier Prinzipien skizzierte er anschaulich und sehr lebhaft, nicht selten mit den anwesenden G\u00e4sten, die eine unkooperative Schulklasse mimen durften.<\/p>\n<p>Als erstes lernten die Anwesenden, dass es F\u00fchrung nur von Anfang an gibt. Wer sich vor einer Klasse Respekt verschaffen wolle, gebe sich nicht mit einer Halbierung der St\u00f6rung zufrieden, sondern nur mit einer 100%-st\u00f6rungsfreien Atmosph\u00e4re. Wie man diese meist fast sogar nonverbal erreicht, verdeutlichte Hielscher auf beeindruckende Art und Weise: Blickkontakt mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern, Pr\u00e4senz zeigen, Wertsch\u00e4tzung und Anerkennung ausdr\u00fccken. Hielscher ist \u00fcberzeugt davon, dass man durch eigene Ruhe eine ganze Klasse zur Ruhe bekommt. Dabei unterstrich er, dass die Regeln vor dem ersten \u201eGuten Morgen\u201c, bekannt und eingehalten sein m\u00fcssen. Von gro\u00dfer Bedeutung neben der Formulierung der Regeln und der Pr\u00e4senz der Lehrkraft sind die Konsequenzen, auf die sich die Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler verlassen k\u00f6nnen m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Als zweites Prinzip machte Hielscher die Vorrangigkeit von Abl\u00e4ufen aus. Besonders bei st\u00f6rungsanf\u00e4lligen Klassen oder Aktivit\u00e4ten wie einem Raumwechsel seien festgelegte Abl\u00e4ufe, ein \u201eSchienensystem\u201c, unerl\u00e4sslich. Ein besonders erfolgversprechendes, weil sehr wertsch\u00e4tzendes Ritual k\u00f6nne sein, jeden Sch\u00fcler, jede Sch\u00fclerin an der Klassenraumt\u00fcr zu begr\u00fc\u00dfen, vielleicht sogar mit Handschlag. \u201eAuch hier hat sich gezeigt, dass die Leistungsbereitschaft der Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler steigt und die Unterrichtsqualit\u00e4t deutlich zunimmt\u201c, f\u00fchrte Hielscher aus.<\/p>\n<p>\u201eF\u00fchrung wiederholt nie!\u201c, lautete das dritte Prinzip. Der Referent skizzierte das Ringmodell der abgestuften Intervention, welches nonverbale und verbale Reaktionen vorsieht. Ein Hauptmerkmal dieses Modells ist die Freundlichkeit und das Wohlwollen, mit dem auf (st\u00f6rende) Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fcler eingeht. Renitente St\u00f6rer erreiche man nicht mit der Wiederholung einer Bitte oder einer Aufforderung, sondern vielmehr mit der direkten Ansprache, dem wohlwollenden Blick und der Feststellung \u201eDu hast mich verstanden.\u201c<\/p>\n<p>Eine weitere klare Ansage des Coaches war das vierte Prinzip: F\u00fchrung k\u00e4mpft nicht. K\u00e4mpfe finden nur unter Gleichen statt \u2013 wer als Lehrer mit einzelnen Sch\u00fclern k\u00e4mpft, hat die F\u00fchrung l\u00e4ngst verloren. \u201eMan wird hart getestet\u201c, gab der P\u00e4dagoge auch aus seiner Praxis zu bedenken. Nicht zuletzt aus dem Privatleben konnten alle Eltern best\u00e4tigen, dass Kinder und Jugendliche Machtk\u00e4mpfe lieben und genau wissen, bei wem sie wo drehen m\u00fcssen, um zu erreichen, dass das Gegen\u00fcber schier verzweifelt. Auch hier wusste der Experte Rat: Ein Sch\u00fcler, der einen Kampf mit dem Lehrer begonnen hat, verliert das Gesicht, wenn er aufgibt. Die Kunst ist es, ihm alternative Angebote zu machen, sodass er es zumindest vordergr\u00fcndig selbst in der Hand hat, worauf er sich einl\u00e4sst.<\/p>\n<p>Zum Abschluss dieses lebendigen, lebensnahen und in der Tat begeisternden Vortrags begl\u00fcckte Hielscher sein Publikum noch mit einem Geheimnis: \u201eDas Glas ist immer halbvoll\u201c. Man solle sich, was auch immer passiert, auf das Positive fokussieren und dieses in kleinen Wellen weitergeben, bis es sich ausgebreitet hat. \u201eDie Klasse, aber auch die Familie, jedes Gegen\u00fcber, spiegelt einen selbst wider\u201c, so seine Erfahrung, und \u201eOb das Glas halbleer oder halbvoll ist, h\u00e4ngt nicht von der Realit\u00e4t ab, sondern das entscheidet jeder selbst.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Wie gelingt guter, effektiver Unterricht? Wie reagiert eine Lehrkraft auf St\u00f6rungen? Wie schafft man gute und klare Beziehungen zwischen Sch\u00fclern und Lehrern? Diesen Fragen stellen sich regelm\u00e4\u00dfig die Lehrkr\u00e4fte der Alexander-von-Humboldt-Schule. 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