{"id":174378,"date":"2018-05-30T18:56:43","date_gmt":"2018-05-30T16:56:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=174378"},"modified":"2018-05-30T18:56:43","modified_gmt":"2018-05-30T16:56:43","slug":"die-spinnen-als-retter-vor-dem-feind","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=174378","title":{"rendered":"Die Spinnen als Retter vor dem Feind"},"content":{"rendered":"<p>Viele Menschen f\u00fcrchten sich vor Spinnen. Dabei sind die eher unansehnlichen Krabbeltiere durchaus n\u00fctzlich, nicht nur f\u00fcr das \u00d6kosystem, sondern \u2013 wie in der Gemeinde Kalbach geschehen \u2013 bei der Rettung von Menschen. Ein kleiner Junge aus dem Ort verdankt der Sage nach sein Leben den kleinen Tierchen, die seither in Oberkalbach insbesondere von den \u00e4lteren Bewohnern verehrt werden.<\/p>\n<p>Im Verlauf des Drei\u00dfigj\u00e4hrigen Krieges waren die Schweden nach Deutschland eingefallen. In der Region um Schl\u00fcchtern und Kalbach verbreiteten sie ebenfalls Angst und Schrecken. Sie mordeten, raubten und pl\u00fcnderten. Felder wurden vernichtet, ganze D\u00f6rfer und Bauernh\u00f6fe niedergebrannt, Kirchen und Schulen zerst\u00f6rt, Tiere get\u00f6tet, Frauen und Kinder verschleppt. Epidemien und Hunger t\u00f6teten zehntausende Menschen.<\/p>\n<p>Auch in Oberkalbach, wo vor dem Beginn des Krieges noch 70 Familien gelebt hatten, war das Ausma\u00df der Katastrophe unbeschreiblich. Die Menschen versteckten sich in den W\u00e4ldern, viele hielten sich am Schwarzenberg versteckt, andere hausten in den fast undurchdringlichen Dornenhecken am sogenannten J\u00e4gerhaus. Das Dorf selbst schien v\u00f6llig verwaist.<\/p>\n<p>Der Sage nach fl\u00fcchtete einst ein kleiner Junge vor den Schweden, die ihn aufgesp\u00fcrt hatten und ihn unbarmherzig verfolgten, um ihn zu t\u00f6ten. Der Knabe rannte durch die W\u00e4lder und hielt am Frauenstein inne, um Luft zu holen und ein Versteck zu finden. Der auf dem 596 Meter hohen Frauenberg zwischen Heubach und Sparhof in einer Dickung verborgene, m\u00e4chtige Doleritblock mit einer muldenf\u00f6rmigen Vertiefung an der Oberfl\u00e4che, sieht aus wie ein Taufstein und wird im Volksmund auch so genannt.<\/p>\n<p>Die herannahenden H\u00e4scher waren dem Knaben so dicht auf den Fersen, dass er den Atem der Verfolger schon sp\u00fcren konnte. In seiner Not schl\u00fcpfte er durch eine nahestehende Dornenhecke. Kaum war das Kind durch das dornige Gestr\u00fcpp gekrochen, spannen die Spinnen ein dichtes Netz seidener F\u00e4den vor die \u00d6ffnung, die der Junge hinterlassen hatte.<\/p>\n<p>Als die Horde der Schweden am Taufstein ankam, konnte sie den Fl\u00fcchtenden nicht mehr finden. Das dichte Spinngewebe, das den Fluchtweg des Oberkalbacher Knaben tarnte, war f\u00fcr die nordischen Krieger ein klares Zeichen, dass der Verfolgte einen anderen Weg eingeschlagen haben musste. Sie meinten, dass unm\u00f6glich jemand durch die Dornenhecke geschl\u00fcpft sein konnte, da das feingewobene Netz unversehrt war, und so zogen sie unverrichteter Dinge wieder ab. Die Spinnen hatten dem Jungen das Leben gerettet.<\/p>\n<p>Noch heute hegen viele Oberkalbacher eine gro\u00dfe Verehrung f\u00fcr die n\u00fctzlichen Tiere, und die Geschichte wird von Generation zu Generation weitererz\u00e4hlt. Aus den gerade einmal 34 Familien, die nach Ende des Krieges im Jahr 1648 in Oberkalbach ihr Leben wieder aufnahmen, ist heute ein lebendiger Ortsteil mit \u00fcber 800 Einwohnern entstanden, die auch Dank des \u00f6rtlichen Heimatvereins ihre Historie pflegen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Viele Menschen f\u00fcrchten sich vor Spinnen. 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