{"id":174318,"date":"2018-05-30T18:31:48","date_gmt":"2018-05-30T16:31:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=174318"},"modified":"2018-05-30T18:31:48","modified_gmt":"2018-05-30T16:31:48","slug":"kab-waehlt-neue-fuehrung-digitalisierung-ist-schwerpunkt-der-bildungs-und-aktionsarbeit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=174318","title":{"rendered":"KAB w\u00e4hlt neue F\u00fchrung &#8211; Digitalisierung ist Schwerpunkt der Bildungs- und Aktionsarbeit"},"content":{"rendered":"<p>Der 29. Di\u00f6zesantag der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Di\u00f6zesanverband Fulda w\u00e4hlte in Margretenhaun nicht nur einen neuen Vorstand sondern legte auch das Schwerpunktthema f\u00fcr die n\u00e4chsten beiden Jahre Fest. Die Delegierten der KAB Ortsvereine aus dem Bistum waren sich einig, dass das Thema \u201eDigitalisierung\u201c im Vordergrund stehen m\u00fcsse. \u201eEs gibt hier keine schwarz\/wei\u00df Abgrenzung\u201c so die Vorsitzende Marga Hundenborn, \u201esondern viel mehr Facetten. Deswegen muss es unsere Aufgabe sein, die Entwicklung zu verfolgen und dort Einfluss zu nehmen, wo Digitalisierung \u00fcberwiegend dem Profit und nicht den Menschen dient.\u201c<\/p>\n<p>Die Bundesvorsitzende der KAB Deutschlands, Maria Etl, K\u00f6ln, hatte die Versammlungsteilnehmer auf das Thema eingestimmt. \u201eSelbstbestimmt oder ferngesteuer? \u2013 Menschlichkeit in der digitalen Welt\u201c, das Motto des diesj\u00e4hrigen Di\u00f6zesantags, war der Ausgangspunkt ihrer Ausf\u00fchrungen. Sie machte deutlich, dass sich die Gesellschaft in einem extremen Ver\u00e4nderungsprozess befindet. Unter dem Stichwort \u201eIndustrie 4.0\u201c, auch als 4. Industrielle Revolution bezeichnet, gehen sehr viele Ver\u00e4nderungen von der Wirtschaft aus. Der Einsatz von modernen und neuen IT-M\u00f6glichkeiten soll unter anderem Produktionsabl\u00e4ufe optimieren und damit einer Gewinnoptimierung in die Arme stimmen. Wenngleich viele Experten die Bezeichnung \u201eIndustrie 4.0\u201c eher als Marketingbegriff apostrophieren, haben die Politiker in Berlin jedoch rechtzeitig erkannt, dass sich damit durchaus zumindest ein gro\u00dfer Wandel in der Arbeitswelt vollzieht. So stie\u00df 2015 die damalige Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles mit einem \u201eGr\u00fcnbuch\u201c einen Dialogprozess an, der im Wei\u00dfbuch \u201eArbeit 4.0\u201c zusammengefasst und bewertet wurde. Darin wurde schon deutlich, dass es nicht darum gehe, neue Wege grunds\u00e4tzlich als gut oder schlecht zu bewerten, sondern die Entwicklung aufmerksam zu verfolgen und Tendenzen zum Nachteil von Arbeitnehmern und Verbrauchern zu verhindern und den Prozess aktiv mitzugestalten. \u201eRationalisierungsumbr\u00fcche stellten uns vor v\u00f6llig neue Anforderungen, ihre Folgen lassen sich bestenfalls erahnen\u201c so Etl und weiter \u201ehier m\u00fcssen wir als KAB wie Gewerkschaften und andere gesellschaftlich relevanten Gruppen ein Augenmerk darauf legen. Problemlagen sieht die KAB Bundesvorsitzende im Bereich von Arbeitsplatzab- und -umbau, steigenden Qualifizierungsanforderungen, Zunahme flexibler Formen von Arbeit, steigenden Anforderungen an die Vereinbarkeit von Familie und Beruf wie eine zunehmende Spaltung der Gesellschaft. \u201eWir brauchen eine Ordnungspolitik hin zu einer \u00f6kologischen und sozialen Marktwirtschaft!\u201c forderte Etl und f\u00fchrte als zentrale Punkte die soziale Absicherung und den Ausbau der Mitbestimmung hin zu einer Unternehmensverfassung auf. Die KAB werde weiterhin ein Augenmerk auf der Gleichrangigkeit von Erwerbs-, Familien- und gesellschaftlicher Arbeit legen.<\/p>\n<p>Dass Digitalisierung den KAB\u00c2\u00b4lern im Bistum Fulda eine ernste Angelegenheit ist, machten sie am Di\u00f6zesantag mit einem Grundsatzentschluss deutlich. \u201eDigitalisierung, die den Menschen dient und zu einer humaneren Gesellschaft f\u00fchrt: ja, rein Profitorientiere Entwicklungen: nein\u201c so KAB Di\u00f6zesansekret\u00e4r Michael Schmitt. So werde man insbesondere in den n\u00e4chsten beiden Jahren sehr wachsam sein. Beispielhaft nannte Schmitt den Einsatz von Robotern in der Pflege-Betreuung. Ob es jeder zu pflegende Mensch gut findet, sich nur noch mit `Alice`, ein Roboter der in den Niederlanden schon verst\u00e4rkt zum Einsatz kommt, zu unterhalten sei dahingestellt. Vorhanden Probleme k\u00f6nnen nach Ansicht Schmitts nicht nur mit Technik gel\u00f6st werden. \u201eDie W\u00fcrde des Menschen in seiner Ebenbildlichkeit zu Gott\u201c muss gewahrt bleiben.\u201c<\/p>\n<p>Neben der Befassung mit den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ver\u00e4nderungen, \u00e4nderte der Di\u00f6zesantag auch die Satzung und w\u00e4hlte einen neuen Di\u00f6zesanvorstand, dem f\u00fcr die n\u00e4chsten drei Jahre Marga Hundenborn, Bruchk\u00f6bel, Egon Sch\u00fctz, Petersberg sowie Marcus M\u00fcller, Witzenhausen als Di\u00f6zesanvorsitzende angeh\u00f6ren. Komplettiert wird der Vorstand durch Di\u00f6zesanpr\u00e4ses Pfarrer Christian Sack, Gro\u00dfkrotzenburg, der in dieses Amt wiedergew\u00e4hlt wurde und den KAB Di\u00f6zesansekret\u00e4r Michael Schmitt.<\/p>\n<p>Gelegenheit sich einem breiten KAB Publikum zu pr\u00e4sentieren nutzte auch die 2017 wiederbegr\u00fcndete CAJ (Christliche Arbeiter-Jugend) Fulda. Salahudin Abbasi berichtete nicht nur \u00fcber Aktivit\u00e4ten um die Wiederbegr\u00fcndung, sondern machte auch die Gef\u00fchlswelt junger Menschen, insbesondere derer mit Migrationshintergrund, deutlich. Ungekl\u00e4rtes Aufenthaltsrecht und damit \u201eZukunftsfragen\u201c belasten junge Migranten extrem. Hinzu komme die Anforderung, in schnellster Zeit Sprachkompetenzen zu erwerben um den hohen Erwartungen auf dem Arbeitsmarkt gerecht zu werden. Mit letzterem h\u00e4tten auch Jugendliche, die in Deutschland geboren sind zu k\u00e4mpfen. Ziel der jungen Menschen sei es nicht, in prek\u00e4re Arbeitsverh\u00e4ltnisse hineinzugeraten, sondern Sicherheit zu haben um mit ihren T\u00e4tigkeiten ein menschenw\u00fcrdiges Auskommen zu erlangen. Abbasi verdeutlichte dies auch mit der Figur des \u201eHeiligen Prakarius\u201c, den Mitglieder der CAJ nicht nur am Di\u00f6zesantag pr\u00e4sentierten sondern auch schon bei der Maifeier des DGB in Fulda. Angesprochen auf die Konfession der Mitglieder der CAJ betonte Abbasi, dessen Eltern 1990 aus Pakistan nach Deutschland kamen und der selbst in Deutschland geboren wurde, dass es darum ginge, deutlich zu machen, dass jeder Mensch, egal welcher Religion oder nationalen Herkunft die gleiche W\u00fcrde habe und dass die gro\u00dfen Weltreligionen viel Verbindendes und wenig Trennendes beinhalten.<\/p>\n<p>Begonnen hatte der Di\u00f6zesantag der KAB im Bistum Fulda mit einem Gottesdienst in dem Di\u00f6zesanpr\u00e4ses Pfarrer Christian Sack das vor kurzem ver\u00f6ffentlichte gemeinsame Papier \u201eWirtschafts- und Finanzfragen\u201c der r\u00f6mischen Glaubenskongregation und den Dezernaten der r\u00f6mischen Kurie als Grundlage seiner Predigt nahm. Auch wenn es in den vergangenen Jahren durchaus Korrekturen in der Finanzwirtschaft gegeben habe, sei &#8220;ein \u00dcberdenken jener \u00fcberholten Kriterien, die immer noch die Welt beherrschen&#8221;, ausgeblieben, hei\u00dft es in dem Text. Die M\u00e4rkte seien nicht in der Lage, sich selbst zu regulieren. Daher m\u00fcsse die Kirche &#8220;an einige klare ethische Prinzipien erinnern&#8221;\u00c2\u00a0sowie an Voraussetzungen, die die M\u00e4rkte selbst nicht schaffen k\u00f6nnten: sozialen Zusammenhalt, Aufrichtigkeit, Vertrauen, Sicherheit. Der KAB Di\u00f6zesanpr\u00e4ses \u201everdeutlichte Inhalte des Papiers mit vielen Beispielen aus seiner, auch internationalen Arbeit, in der KAB. Immer wieder werde deutlich, dass \u201eFinanzm\u00e4rkte\u201c die Herrschaft nicht nur in der globalen Wirtschaft \u00fcbernommen h\u00e4tten. \u201eOb produzierende Gewerbe oder auch Politik, in weiten Bereichen sind diese der ungehemmten Finanzwirtschaft zwischenzeitlich unterworfen. Engagiert forderte er die KAB-Mitglieder auf, sich gerade in den im Papier aufgeworfenen Fragen aktiv zu engagieren. Die Haltung \u201ewir k\u00f6nnen ja doch nichts ausrichten\u201c sei zynisch und w\u00fcrde bedeuten, sich selbst und die Welt aufzugeben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Der 29. Di\u00f6zesantag der Katholischen Arbeitnehmer-Bewegung (KAB) Di\u00f6zesanverband Fulda w\u00e4hlte in Margretenhaun nicht nur einen neuen Vorstand sondern legte auch das Schwerpunktthema f\u00fcr die n\u00e4chsten beiden Jahre Fest. 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