{"id":174316,"date":"2018-05-30T18:31:12","date_gmt":"2018-05-30T16:31:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=174316"},"modified":"2018-05-30T18:31:12","modified_gmt":"2018-05-30T16:31:12","slug":"zwei-intensive-stunden-mit-eindruecklichen-schilderungen-und-interessierten-nachfragen-polnische-gaeste-der-caritas-ehemalige-verfolgte-des-ns-regimes-stellten-sich-einem-weitere","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=174316","title":{"rendered":"Zwei intensive Stunden mit eindr\u00fccklichen Schilderungen und interessierten Nachfragen &#8211; Polnische G\u00e4ste der Caritas \u2013 ehemalige Verfolgte des NS-Regimes \u2013 stellten sich einem weiteren Zeitzeugengespr\u00e4ch \u2013 diesmal vor Altenpflegesch\u00fclerinnen und -sch\u00fclern"},"content":{"rendered":"<p>Zum zweiten Mal standen die polnischen G\u00e4ste der Caritas Fulda \u2013 ehemalige Verfolgte des NS-Regimes, die als Kinder zusammen mit ihren Eltern in Gefangenen- und Arbeitslager geraten waren, f\u00fcr ein Zeitzeugengespr\u00e4ch zur Verf\u00fcgung. Diesmal fand diese Gespr\u00e4chsrunde vor Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern der Altenpflegeschule Fulda in der Ratgarstra\u00dfe statt. Die Sch\u00fclerschaft hatte sich thematisch auf das Gespr\u00e4ch vorbereitet und zeigte sich dankbar, dass die Seniorinnen und Senioren bereit waren, mit\u00c2\u00a0 ihnen dieses schwierige Gespr\u00e4ch zu f\u00fchren, obwohl sie doch zur Erholung nach Deutschland gekommen waren. Einmal j\u00e4hrlich l\u00e4dt die Caritas Fulda als Zeichen der Vers\u00f6hnung und Wiedergutmachung Menschen aus dem \u00f6stlichen Nachbarland ein, die Unrecht durch Nazi-Deutschland erfahren hatten. Vermittelt werden die Besucher vom Maximilian-Kolbe-Werk in Freiburg.<\/p>\n<p>In ihrer Begr\u00fc\u00dfung erl\u00e4uterte Schulleiterin Dajana Herbst, welche gro\u00dfe Rolle in der Altenpflege die Biografie-Arbeit mit den alten Menschen spiele, und dass es daher wichtig sei, solche Zeitzeugengespr\u00e4che anzugehen und sich auch dunklen Kapiteln der Vergangenheit zu stellen. \u201eEs ist wirklich ein gro\u00dfes Geschenk, das Sie uns mit ihren Erinnerungen hier machen\u201c, betonte Schulleiterin Herbst gegen\u00fcber den G\u00e4sten.<\/p>\n<p>Die polnischen Seniorinnen und Senioren berichteten eindr\u00fccklich von ihrer Gefangennahme, vom Lageralltag, von den Arbeitseinsetzen und Schikanierungen im Lager, denen sich auch die Kinder ausgesetzt sahen. Den Zuh\u00f6rern wurde bewusst, wie stark solche Erlebnisse \u00fcber Jahrzehnte nachwirkten, auch wenn man sie nicht t\u00e4glich thematisiert. Einer der Senioren war als Zweij\u00e4hriger von seiner Mutter vier Monate im W\u00e4schelager versteckt worden, als er erkrankt war und die Mutter sich dar\u00fcber im klaren war, dass eine \u00dcberf\u00fchrung in die Krankenbaracke seinen Tod bedeutet h\u00e4tte. Eine der Frauen, die als Kind in Auschwitz interniert war, berichtete von einer pers\u00f6nlichen Begegnung mit dem ber\u00fcchtigten Dr. Mengele, der als Lagerarzt f\u00fcr seine Experimente Kinder ausw\u00e4hlte, die er zur Auswahl mit Bonbons anlockte. Seine Wahl, so die polnische Seniorin, fiel aber damals nicht auf sie, wor\u00fcber sie als Kind in ihrer naiven Unwissenheit sehr bek\u00fcmmert gewesen war&#8230;<\/p>\n<p>In der Fragerunde nach den Berichten zeigte sich, wie interessiert die Pflegesch\u00fclerinnen und<br \/>\n-sch\u00fcler an der geschichtlichen Dimension, aber auch an den pers\u00f6nlichen Schicksalen der polnischen G\u00e4ste waren. Thema war auch, wie man nach 1945 sein weiteres Leben gestalten konnte, und welche Gedanken jetzt das Verh\u00e4ltnis zu den Deutschen pr\u00e4gen. \u201eEs geht nicht um Rache, sondern es geht darum zu verhindern, dass sich so etwas nochmals wiederholt\u201c, betonte einer der polnischen Zeitzeugen. \u201eMit Hass kann man nicht leben. Heute ticken die meisten Menschen ohnehin anders. Deutsche und Polen sind in der Europ\u00e4ischen Union vereint. Wir sind hier w\u00e4hrend unseres Aufenthalts so freundlich aufgenommen worden und hatten so viele sch\u00f6ne Begegnungen mit Deutschen. Und im \u00dcbrigen: Es war eine zur\u00fcck gebliebene deutsche Familie, die uns nach dem Krieg in meinem Heimatort mit Lebensmittelgaben als erste half, die Anfangsnot zu \u00fcberstehen.\u201c \u201eMit Nationalit\u00e4t hat es nur wenig zu tun\u201c, erg\u00e4nzte abschlie\u00dfend eine der Frauen aus der polnischen G\u00e4stegruppe. \u201eEs waren immer Individuen \u2013 Menschen, die bereit gewesen waren, anderen Menschen diese Grausamkeiten anzutun!\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Zum zweiten Mal standen die polnischen G\u00e4ste der Caritas Fulda \u2013 ehemalige Verfolgte des NS-Regimes, die als Kinder zusammen mit ihren Eltern in Gefangenen- und Arbeitslager geraten waren, f\u00fcr ein Zeitzeugengespr\u00e4ch zur Verf\u00fcgung. Diesmal fand diese Gespr\u00e4chsrunde vor Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern der Altenpflegeschule Fulda in der Ratgarstra\u00dfe statt. 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