{"id":174163,"date":"2018-05-22T16:26:58","date_gmt":"2018-05-22T14:26:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=174163"},"modified":"2018-05-22T16:26:58","modified_gmt":"2018-05-22T14:26:58","slug":"vorsitzender-des-behindertenbeirates-besorgt-ueber-fehlende-barrierefreie-sozial-gefoerderte-wohnungen-in-fulda","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=174163","title":{"rendered":"Vorsitzender des Behindertenbeirates besorgt \u00fcber fehlende barrierefreie, sozial gef\u00f6rderte Wohnungen in Fulda"},"content":{"rendered":"<p>In der letzten Sitzung des Behindertenbeirates der Stadt Fulda wurde heftig \u00fcber den Mangel an barrierefreien und bezahlbaren Wohnraum diskutiert. Der Vorsitzendende des Beirates, Hanns-Uwe Theele, verwies auf die zahlreichen Berichte in den Medien zu diesem Thema. Die dort genannten Statistiken und Gutachten sahen \u00fcberwiegend keinen Mangel an freien Wohnraum in der Stadt oder im Umland. \u201eGanz anders sieht das aber bei Wohnungen f\u00fcr \u00e4ltere Menschen und Menschen mit Behinderung aus\u201c, sagt Theele. Immer wieder wird er von Mitb\u00fcrgern angesprochen, die auf einen barrierefreien und Wohnraum angewiesen sind und keine bezahlbaren Wohnungen finden.<\/p>\n<p>Das Deutsche Institut f\u00fcr Menschenrechte (DIMR) hat inzwischen gefordert, endlich Menschen mit Behinderung ein selbstbestimmtes Leben und Wohnen zu erm\u00f6glichen. \u201eNach wie vor k\u00f6nnen Menschen mit Behinderungen von ihrem Recht, selbst \u00fcber Wohnort und Wohnform zu bestimmen, nur unzureichend Gebrauch machen&#8221;, erkl\u00e4rt Valentin Aichele, Leiter der Monitoring-Stelle UN-Behindertenrechtskonvention des DIMR. Es fehle bundesweit an bezahlbarem und barrierefreiem Wohnraum.<\/p>\n<p>Artikel 19 der UN-BRK (UN-Behindertenrechtskonvention): Vertragsstaaten gew\u00e4hrleisten, dass Menschen mit Behinderungen gleichberechtigt die M\u00f6glichkeit haben, ihren Aufenthaltsort zu w\u00e4hlen und zu entscheiden, wo und mit wem sie leben, \u00e2\u20ac\u00a6.<\/p>\n<p>Theele erg\u00e4nzt hierzu f\u00fcr die Stadt Fulda, dass es z.B. bei der Firma Burg Projektentwicklung, die in diesem Bereich sehr engagiert ist und erst vor einigen Jahren 39 barrierefreie Wohnungen geschaffen am Florentor 1 geschaffen hat und derzeit weitere 25 barrierefreie, sozial gef\u00f6rderte Wohnungen plant, eine lange Warteliste gibt. Die wenigen Investoren, die sozialen, barrierefreien Wohnraum anbieten, verf\u00fcgen \u00fcber keine freien Wohnungen. Diese Situation sei nicht l\u00e4nger akzeptabel.<\/p>\n<p>Wenn eine Familie durch einen Krankheitsfall pl\u00f6tzlich auf eine barrierefreie Wohnung angewiesen sei, k\u00f6nne sie nicht 2-3 Jahre auf eine barrierefreie, bezahlbare Wohnung warten. Im Allgemeinen entscheiden sich Wohnungssuchende f\u00fcr oder gegen eine Wohnung, wenn es darum \u00c2\u00a0geht, ob eine Wohnung gro\u00df genug ist, der Fu\u00dfbodenbelag gef\u00e4llt, die Lage der Wohnung passt und eine Garage oder Balkon vorhanden ist, die R\u00e4ume hell und trocken, die Heizung effizient und gen\u00fcgend Zimmer vorhanden sind. Wenn Menschen mit Einschr\u00e4nkungen eine bezahlbare Wohnung suchen, geraten diese Kriterien in den Hintergrund. Diejenigen, die mit einem Wohnberechtigungsschein nach barrierefreien Wohnraum suchen, k\u00f6nnen diese Kriterien nicht zum Ma\u00dfstab nehmen. Sie k\u00f6nnen froh sein, nach Monaten oder sogar Jahren \u00fcberhaupt eine Wohnung in Fulda zu finden. Auch wenn sie beim zust\u00e4ndigen Sachbearbeiter bei der Stadt um Hilfe bitten, kann dieser zurzeit nicht mit barrierefreiem, sozial gef\u00f6rderten Wohnraum dienen. Wenn die Wohnung rollstuhlgerecht, oder gar im Zentrum der Stadt sein muss, bestehen gar keine Chancen auf Erfolg. Aber gerade Menschen mit Behinderung sind oft auf eine zentrumsnahe Lage angewiesen, da sie von dort aus Ihre regelm\u00e4\u00dfigen Besuche bei \u00c4rzten, Therapeuten, Apotheken, Gesch\u00e4ften und Gastronomie einfacher bew\u00e4ltigen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Diese Fakten spiegeln sich in keiner Studie wieder, die von der Stadt oder Landkreis in Auftrag gegeben wurden. Auch die vor einigen Jahren durch die Stadt Fulda eingef\u00fchrte Satzung f\u00fcr Wohnraumf\u00f6rderung hat daran nichts Wesentliches ver\u00e4ndert. In der Stadt Fulda leben ca. 10.000 Menschen mit einer erfassten Behinderung. Davon \u00fcber 4000 Menschen mit einer Gehbehinderung, die somit auf barrierefreien Wohnraum angewiesen sind. Dazu kommen tausende \u00e4ltere Menschen, die altersbedingt Einschr\u00e4nkungen in der Beweglichkeit haben. Diese Menschen sind nicht in einer Statistik erfasst und werden in keinem Gutachten ber\u00fccksichtigt. \u201eWie k\u00f6nnen dann die Stadtverordneten und der Magistrat zukunftsorientierte Entscheidungen zum Wohl der Menschen in der Stadt Fulda treffen?\u201c so Theele. \u201eWo sind die nachhaltigen Steuerungselemente, die von den Verantwortlichen eingesetzt und umgesetzt werden? Ich kann als Vorsitzender des Behindertenbeirates immer nur in den st\u00e4dtischen Gremien und im Behindertenbeirat darauf hinweisen, wie angespannt die Lage ist und dass sich diese Situation durch den demographischen Wandel noch weiter verschlechtern wird. Auch die Menschen mit Behinderung und \u00e4ltere Mitb\u00fcrger haben ein Recht auf Wohnraum, und es wird h\u00f6chste Zeit sich diesem Problem mit Nachdruck zu stellen.\u201c<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>In der letzten Sitzung des Behindertenbeirates der Stadt Fulda wurde heftig \u00fcber den Mangel an barrierefreien und bezahlbaren Wohnraum diskutiert. Der Vorsitzendende des Beirates, Hanns-Uwe Theele, verwies auf die zahlreichen Berichte in den Medien zu diesem Thema. 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