{"id":173438,"date":"2018-04-22T12:07:37","date_gmt":"2018-04-22T10:07:37","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=173438"},"modified":"2018-04-22T12:07:37","modified_gmt":"2018-04-22T10:07:37","slug":"vom-mutigen-ritter-siegfried-einem-furcht-erregenden-drachen-und-einem-wuetendem-schlossherr","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=173438","title":{"rendered":"Vom mutigen Ritter Siegfried, einem Furcht erregenden Drachen und einem w\u00fctendem Schlossherr"},"content":{"rendered":"<p>In der N\u00e4he von Schlotzau, am Waldrand gelegen, befindet sich eine Erdvertiefung, die sogenannte \u201eLindwurmskaute\u201c. Ihren Namen verdankt sie wohl der Sagengestalt eines Lindwurms. Um diese nat\u00fcrliche Senke gibt es eine schon lange \u00fcberlieferte Erz\u00e4hlung.<\/p>\n<p>Bis in die sechziger Jahre hinein begann\u2013 wie seinerzeit \u00fcblich \u2013auch f\u00fcr die Schlotzauer Kinder das Schuljahr kurz nach Ostern. In der dortigen Volksschule unterrichtete Dorfschullehrer Georg Raack acht Jahrg\u00e4nge in einer Klasse. Allj\u00e4hrlich nach den Osterferien zog er mit den Sch\u00fclerinnen und Sch\u00fclern durch den Ort und holte die neuen Abc-Sch\u00fctzen zu Hause ab.<br \/>\nIn den folgenden Schultagen unternahm Raack mit seinen \u201eSch\u00fctzlingen\u201c eine heimatkundliche Wanderung rund um Schlotzau. W\u00e4hrend einer Rast an einer bestimmten Stelle am rund einen Kilometer westlich des Dorfs gelegenen Waldrand lauschten sie seiner Stimme besonders aufmerksam. Dann n\u00e4mlich erz\u00e4hlte er ihnen die Geschichte vom Lindwurm, der ehemals unter einem \u00fcber der \u201eLindwurmskaute\u201c stehenden Schloss gehaust haben soll. Ab und zu sei der Lindwurm aus dem Untergrund hervorgekrochen, um seinen Hunger zu stillen. Er sei so gro\u00df gewesen, dass sein Schwanzende, w\u00e4hrend er im entlegenen Dorf Hechelmannskirchen die Rahmt\u00f6pfe leer geleckt habe, noch im Schlossuntergrund verblieben sei.<\/p>\n<p>Der Lindwurm habe die Menschen immer wieder in Angst und Schrecken versetzt, wusste Raack. Doch eines Tages sei hoch zu Ross Ritter Siegfried vor Schlotzaus Feldern erschienen. Die B\u00e4uerinnen und Bauern h\u00e4tten ihn gebeten, dem Unget\u00fcm ein Ende zu bereiten. Mit seinem Schwert habe Siegfried deren Bitten erf\u00fcllt und den Drachen im \u201eSiegengraben\u201c, einem heute noch bestsehenden Gemarkungsteil, get\u00f6tet.<\/p>\n<p>So konnten die Dorfbewohner friedlich weiterleben und ihren t\u00e4glichen Arbeiten nachgehen, ohne Angst vor dem Lindwurm haben zu m\u00fcssen. Auch das Leben im Schloss, in dem ein Schlossherr mit seinen beiden T\u00f6chtern wohnte, ging weiter. Unweit von diesem befand sich die ehemalige Siedlung \u201eSlatzesowa\u201c (eine urkundlich erw\u00e4hnte Siedlung, gelegen im Gemarkungsteil \u201eKalter Hof\u201c). Eines Tages fand dort wieder die traditionelle Kirmes statt. Deshalb baten die Kirmesburschen den Vater der beiden h\u00fcbschen Schlossm\u00e4dchen, diese einladen zu d\u00fcrfen. Er willigte ein, verlangte von den Jungen jedoch, daf\u00fcr Sorge zu tragen, dass seine T\u00f6chter punkt Mitternachtsuhrenschlag zur\u00fcck sein m\u00fcssten, was diese auch versprachen.<br \/>\nAllerdings drehten die Burschen die Uhrzeiger w\u00e4hrend des Kirmestanzes um eine Stunde zur\u00fcck. Die M\u00e4dchen schauten immer wieder zur Uhr, um p\u00fcnktlich und wie versprochen im Schloss zu erscheinen. Doch sie hatten ja noch Zeit und konnten laut Wirtshausuhr, die erst 23 Uhr anzeigte, noch einige Tanzrunden mit den Jungen drehen.<\/p>\n<p>So wartete der Vater beim Mitternachtsuhrenschlag im Schloss vergeblich auf seine T\u00f6chter. Und weil diese nicht p\u00fcnktlich zur\u00fcck waren, w\u00fctete und polterte er derart, dass das Schloss in sich zusammenbrach, unterging und bis heute verschollen ist.<\/p>\n<p>Info<br \/>\nKaute ist eine altdeutsche Bezeichnung f\u00fcr Vertiefung oder Mulde. Solche Mulden sind durch Auswaschungen der Salzschichten entstanden, in deren Folge sich Einbruchschote von bis zu 200 Metern auftaten. Bei der Lindwurmskaute (im \u00f6rtlichen Sprachgebrauch \u201eLingwormskutt\u201c) handelt es sich vermutlich um einen mit rund 3000 Jahre noch jungen, nicht verf\u00fcllten Schlot mit darunter herf\u00fchrenden Salzschichten. Sie hat die Gr\u00f6\u00dfe eines Einfamilienhauses. Betreten sollte man sie aber nicht. \u00c4ltere Schlotzauer M\u00e4nner berichteten davon, lange Baumh\u00f6lzer in ihr versenkt zu haben. Ein vor Jahren aus einer Weide ausgebrochenes Rind, das die Senke durchqueren wollte, blieb bis zum Bauch in dem Morast stecken. Nur unter gro\u00dfer M\u00fche konnte es gerettet werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>In der N\u00e4he von Schlotzau, am Waldrand gelegen, befindet sich eine Erdvertiefung, die sogenannte \u201eLindwurmskaute\u201c. Ihren Namen verdankt sie wohl der Sagengestalt eines Lindwurms. Um diese nat\u00fcrliche Senke gibt es eine schon lange \u00fcberlieferte Erz\u00e4hlung. 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