{"id":172870,"date":"2018-04-02T12:09:15","date_gmt":"2018-04-02T10:09:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=172870"},"modified":"2018-04-02T12:09:15","modified_gmt":"2018-04-02T10:09:15","slug":"der-auferstandene-ist-bei-den-leidenden-und-sterbenden-bischof-algermissen-predigte-an-ostern-im-ueberfuellten-fuldaer-dom","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=172870","title":{"rendered":"Der Auferstandene ist bei den Leidenden und Sterbenden &#8211; Bischof Algermissen predigte an Ostern im \u00fcberf\u00fcllten Fuldaer Dom"},"content":{"rendered":"<p>\u201eImmer wieder versuchen Gruppen und Interessenverb\u00e4nde in der Gesellschaft die Meinung durchzusetzen, dass wie in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern eine \u00e2\u20ac\u0161aktive Sterbehilfe\u00e2\u20ac\u02dc erm\u00f6glicht wird. Anders als dieser Begriff suggeriert, geht es dabei nicht darum, Menschen beim Sterben zu helfen, sondern ganz bewusst und gezielt darum, ihren Tod herbeizuf\u00fchren.\u201c Das hob der Fuldaer Bischof Heinz Josef Algermissen in einem feierlichen Pontifikalamt am Ostersonntag im \u00fcberf\u00fcllten Fuldaer Dom hervor. F\u00fcr \u00f6sterliche Christen sei \u201eaktive Sterbehilfe\u201c keine M\u00f6glichkeit, sondern einzig intensivste Sterbebegleitung. Man d\u00fcrfe \u201enicht kneifen\u201c, wenn in der eigenen N\u00e4he jemand den letzten Weg gehe. \u201eWir verstehen unter Sterbebegleitung den medizinischen, pflegerischen, sozialen und seelsorglichen Beistand auf dem allerletzten Weg.\u201c Eine gro\u00dfe moralische Niederlage w\u00e4re es, die rechtlichen und finanziellen Rahmenbedingungen daf\u00fcr nicht zu schaffen, gab Algermissen in seiner letzten Osterpredigt zu bedenken. Sterbebegleitung sei im Gegensatz zu \u201eaktiver Sterbehilfe\u201c eine konkret erfahrbare Lebenshilfe. \u201eEs ist wirklich hilfreich, an der Hand eines anderen Menschen und also nicht einsam sterben zu k\u00f6nnen, aber niemals durch dessen Intervention.\u201c Die Gegenwart des gekreuzigten und auferstandenen Jesus Christus sei besonders in denen zu erkennen, \u201edie leiden und sterben, Angst haben vor dem letzten Weg und keinen Ausweg mehr kennen\u201c.<\/p>\n<p>Der Bericht Maria Magdalenas davon, dass Christus von den Toten auferstanden sei, sei auf eine eingesch\u00fcchterte, ver\u00e4ngstigte J\u00fcngerschar getroffen, betonte Algermissen zu Beginn seiner Predigt. Zu deprimierend seien die Erlebnisse der letzten Tage gewesen, besonders der Karfreitag, und sie seien unsicher gewesen, ob sie Jesus \u00fcberhaupt noch unter die Augen treten konnten, wo sie ihn doch feige im Stich gelassen h\u00e4tten. Die Botschaft von der Auferstehung des Herrn treffe auch heute auf eine verunsicherte Kirche, der der Wind \u201ekalt und scharf\u201c ins Gesicht blase. \u201eWir sp\u00fcren, wie sich das Klima in der \u00d6ffentlichkeit ge\u00e4ndert hat. Zeichen daf\u00fcr sind zum Beispiel eine oft h\u00e4mische und destruktive Kirchenkritik in den Medien und eine Gesetzgebung zumal in bioethischen Fragen, die mit christlichen Grunds\u00e4tzen oft nicht vereinbar ist.\u201c Der Bischof bezeichnete es als erstaunlich, wie man heutzutage mit eigentlich nicht verhandelbaren Grundprinzipien der menschlichen W\u00fcrde verfahre, die den V\u00e4tern des Grundgesetzes noch plausibel gewesen seien. Auch im innerkirchlichen Bereich machten sich Sorgen angesichts von Struktur\u00e4nderungen und eines deutlichen R\u00fcckbaus breit \u2013 es sei eben schwer zu ertragen, dass alles reduziert und weniger werde. \u201eDa mag es zun\u00e4chst wie eine leere Worth\u00fclse klingen, wenn man allzu schnell die Antwort parat hat, dass der Osterglaube uns Gewissheit und Halt in allen Turbulenzen schenkt. Viele Christen m\u00f6gen es tats\u00e4chlich so erfahren. Aber es gibt auch die anderen, die ebenso ratlos vor der Osterbotschaft stehen wie seinerzeit die J\u00fcnger am Ostermorgen.\u201c<\/p>\n<p>Das Evangelium des Ostertages erz\u00e4hle ausf\u00fchrlich von Maria Magdalena, wie sie dem Auferstandenen begegnete und ihn zun\u00e4chst nicht erkannte. Auch die erste Reaktion der J\u00fcnger auf das Geschehen des Ostermorgens war keineswegs ein bereitwilliger, froher Glaube, sondern sie hielten die Erz\u00e4hlung der Frauen f\u00fcr \u201eGeschw\u00e4tz\u201c. \u201eDie Apostel waren auf diese Botschaft nicht gefasst und konnten sie zun\u00e4chst nicht glauben.\u201c Als Jesus sp\u00e4ter den Aposteln erschien, \u201etadelte er ihren Unglauben und ihre Verstocktheit, weil sie denen nicht glaubten, die ihn nach seiner Auferstehung gesehen hatten\u201c (Mk 16,14). Nur in einem langsamen und schwierigen Prozess und durch Krisen hindurch sei ihr Osterglaube gewachsen. \u201eDer christliche Glaube, zumal der an die Auferstehung Jesu Christi, ist nicht das Ergebnis menschlicher \u00dcberlegungen und rationaler Beweisf\u00fchrung. Er ist Geschenk der Gnade, Frucht des Hl. Geistes\u201c, zeigte sich Algermissen \u00fcberzeugt.<\/p>\n<p>Sodann stellte der Oberhirte auch die Frage nach dem je eigenen Osterglauben der Christen. \u201eDieser Glaube f\u00fchrt uns ja heute zum Festgottesdienst hier in unserem Hohen Dom zusammen, um die alles ver\u00e4ndernde \u00f6sterliche Erfahrung in uns zu verlebendigen.\u201c Bew\u00e4hren m\u00fcsse sich dieser Glaube in einer Gesellschaft, die sich immer mehr von christlichen Grunds\u00e4tzen entferne. Christen m\u00fcssten sich in der Konsequenz der Osterbotschaft unbedingt dort massiv als St\u00f6renfriede einsetzen, wo die M\u00e4chte des Todes am Werk seien. Da konkret h\u00e4tten sich der Glaube an die Auferstehung und die \u00f6sterliche Perspektive des christlichen Lebens zu beweisen und seien die Gl\u00e4ubigen zu klarer Position aus dem Osterglauben aufgefordert, ohne fatale Kompromisse zu schlie\u00dfen. Bew\u00e4hren m\u00fcsse sich der \u00f6sterliche Glaube laut dem Bischof auch in den Stunden pers\u00f6nlicher Grenzsituationen und schlie\u00dflich am letzten gro\u00dfen Karfreitag des eigenen Lebens, wenn der Tod anklopfe.<\/p>\n<p>Wenn alles menschliche Wissen und K\u00f6nnen am Ende sei, dann d\u00fcrften Christen mit dem Apostel Paulus bekennen: \u201eLeben wir, so leben wir dem Herrn. Sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Ob wir leben oder sterben, wir geh\u00f6ren dem Herrn. Denn Christus ist gestorben und lebendig geworden, um Herr zu sein \u00fcber Tote und Lebende\u201c (R\u00f6m 14,7-9). Mit diesem Glauben seien die Christen unterwegs; er gebe ihnen einen sicheren Halt, den sie sonst niemals h\u00e4tten. \u201eDas ist der Glaube, der durch Krisen hindurch in uns reifen soll, um den wir uns m\u00fchen, um den wir aber vor allem beten m\u00fcssen\u201c, so der Bischof. Mit diesem Glauben k\u00f6nne man das Leben mit seinen Herausforderungen, Aufgaben, Problemen, Unbegreiflichkeiten und pers\u00f6nlichen Kreuzen bestehen. \u201eMit diesem Osterglauben k\u00f6nnen wir vertrauensvoll leben \u00e2\u201d\u20ac und einmal zuversichtlich den letzten Weg gehen\u201c, schloss der Oberhirte.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>\u201eImmer wieder versuchen Gruppen und Interessenverb\u00e4nde in der Gesellschaft die Meinung durchzusetzen, dass wie in anderen europ\u00e4ischen L\u00e4ndern eine \u00e2\u20ac\u0161aktive Sterbehilfe\u00e2\u20ac\u02dc erm\u00f6glicht wird. 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