{"id":172725,"date":"2018-03-27T16:25:11","date_gmt":"2018-03-27T14:25:11","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=172725"},"modified":"2018-03-27T16:25:11","modified_gmt":"2018-03-27T14:25:11","slug":"fachtagung-liefert-loesungsansaetze-fuer-ein-komplexes-verkehrsproblem-generation-ruecksitz-das-elterntaxi-phaenomen-an-grundschulen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=172725","title":{"rendered":"Fachtagung liefert L\u00f6sungsans\u00e4tze f\u00fcr ein komplexes Verkehrsproblem &#8211; Generation R\u00fccksitz: Das Elterntaxi-Ph\u00e4nomen an Grundschulen"},"content":{"rendered":"<p>Viele Schulen im Landkreis gleichen morgens einem Drive-In: Immer mehr Eltern bringen ihre Kinder regelm\u00e4\u00dfig mit dem Auto. Bei schlechtem Wetter wird im Schnitt jeder dritte Grundsch\u00fcler im Elterntaxi bis vors Schultor gefahren. Bequemlichkeit, Zeitdruck oder \u00fcbertriebene Sorge der Eltern k\u00f6nnen die Ursachen sein. Ein Fachtag an der Winfriedschule stellte j\u00fcngst L\u00f6sungsans\u00e4tze f\u00fcr das komplexe Ph\u00e4nomen vor.<\/p>\n<p>Eltern, die ihre Kinder mit dem Auto in die Schule bringen, denken nicht daran, dass sie mit ihren gut gemeinten Absichten selbst zum Verkehrschaos im Umfeld der Schulen beitragen. Durch verbotswidriges Halten oder riskante Wendeman\u00f6ver gef\u00e4hrden sie sogar die Sch\u00fcler \u2013 ihre eigenen Kinder eingeschlossen. Laut Statistischem Bundesamt verungl\u00fcckten in Deutschland allein 2016 rund 28.500 Kinder unter 15 Jahren im Stra\u00dfenverkehr, davon 39 Prozent als Mitfahrer im PKW, 32 Prozent als Fahrradfahrer und 23 Prozent als Fu\u00dfg\u00e4nger. Statistisch gesehen ist es also gef\u00e4hrlicher, sein Kind mit dem Auto zu bringen als es selbst laufen zu lassen.<\/p>\n<p>Aber nicht nur die massive Unfallgefahr durch den Elterntaxi-Verkehr, sondern auch andere gute Argumente sprechen daf\u00fcr, Kinder und Jugendliche ihren Schulweg zu Fu\u00df zur\u00fccklegen zu lassen. Gerhard Brink von der Kreisverkehrswacht erkl\u00e4rt: \u201eKinder, die sich schon vor Schulbeginn ein bisschen bewegen, starten ganz anders in den Schultag. Sie kommen wach dort an, statt m\u00fcde aus dem Auto zu stolpern.\u201c Au\u00dferdem sei der Schulweg auch dazu da, mit anderen Kindern zu reden, zu lachen, sich zu verabreden. Und wer lernt, den Schulweg allein zu bew\u00e4ltigen, wei\u00df sich im Stra\u00dfenverkehr viel sicherer zu verhalten.<\/p>\n<p>L\u00f6sungen f\u00fcr das Elterntaxi-Ph\u00e4nomen lieferte j\u00fcngst eine Fachtagung des Hessischen Wirtschafts- und Verkehrsministeriums und der Landesverkehrswacht Hessen e. V., zu der der Landkreis gemeinsam der Kreisverkehrswacht in die Winfriedschule eingeladen hatte. Sie richtete sich speziell an Vertreter von Grund- und Hauptschulen, Gemeinden, Stra\u00dfenverkehrsbeh\u00f6rden, Stra\u00dfenplaner, Stadt- und Kreissch\u00fclerbeirat, Schulelternbeirat und Polizeibeamte.<\/p>\n<p>Eindrucksvoll schilderte Referent Jens Leven vom Wuppertaler B\u00fcro f\u00fcr Forschung, Entwicklung und Evaluation (bueffee) seine Erfahrungen aus jahrelanger Forschung zum Mobilit\u00e4tsmanagement an Grundschulen. Allgemein empfiehlt er bereits ab einem Elterntaxi-Anteil von 15 Prozent das Ph\u00e4nomen vor Ort anzugehen.<\/p>\n<p>Der erste Schritt zur L\u00f6sung des Problems sei, alle an einen Tisch zu holen: Schulleitung, Schultr\u00e4ger, Vertreter der Polizei, die zust\u00e4ndige Verkehrsbeh\u00f6rde, betroffene politische Fachaussch\u00fcsse und nat\u00fcrlich die Eltern. Ihre Sorgen ernst zu nehmen, sei besonders wichtig. \u201eDas Elterntaxi-Problem ist verkehrsplanerisch eine harte Nuss\u201c, wei\u00df Leven. \u201eEs l\u00e4sst sich nur durch eine Kombination aus gezielten und erprobten Ma\u00dfnahmen verbessern.\u201c<\/p>\n<p>Hierzu hat sein B\u00fcro eine ganze Reihe von Empfehlungen erarbeitet. Wichtig ist es demnach, tats\u00e4chliche Unfalldaten zu sichten und die Eltern zu befragen, um \u00fcberhaupt zu wissen, wor\u00fcber man redet. Im n\u00e4chsten Schritt gilt es Gefahrenstellen auf dem Schulweg aufzusp\u00fcren und nach M\u00f6glichkeit zu beseitigen. Bew\u00e4hrt hat sich im Zusammenhang mit dem Elterntaxi-Ph\u00e4nomen au\u00dferdem die Einrichtung spezieller Hol- und Bringzonen, die mindestens 250 Meter von der Schule liegen, sodass das letzte St\u00fcck des Schulwegs von den Sch\u00fclern auf jeden Fall zu Fu\u00df zur\u00fcckgelegt werden muss. Weiterhin ist es wichtig, das Schulumfeld und Problemstellen mit den Sch\u00fclern zu erkunden und ihnen konkrete Verhaltenstipps an die Hand zu geben. Die Lehrer sind ebenfalls in der Verantwortung: Auch sie k\u00f6nnen den Kindern mehr Freude am Gehen vermitteln, indem sie das Thema in den Unterricht holen. Schulwege und die die Wege zu den Hol- und Bringzonen sollten mehrfach mit den Sch\u00fclern ge\u00fcbt werden. Dies kann auch im Rahmen der \u00fcblichen Verkehrserziehung geschehen. Besonders gut werden die Hol- und Bringzonen angenommen, wenn sie \u00f6ffentlichkeitswirksam gemeinsam mit den Kindern eingeweiht werden. Hilfreich hierbei ist eine kindgerechte Kennzeichnung der Zonen und verbleibenden Wege, die beispielsweise im Rahmen einer \u201eMalaktion\u201c umgesetzt werden kann. Eine generelle Empfehlung f\u00fcr jede Schule ist dar\u00fcber hinaus die Erstellung eines modernen Schulwegplans. Dieser zeigt Kindern, wie sie sicher und selbstst\u00e4ndig den Schulweg meistern k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>\u201eGanz wichtig ist au\u00dferdem eine kontinuierliche Evaluation des Projekts\u201c, betont Leven. \u201eWerden die Hol- und Bringzonen akzeptiert? Gibt es Konflikte? Muss irgendwo noch nachgebessert werden? Wenn sich die Ver\u00e4nderungen an einer Schule in Ihrem Landkreis oder Ihrer Stadt bew\u00e4hren, kann sie zum Vorreiter f\u00fcr andere betroffene Schulen werden. Daher ist meine Empfehlung, erst einmal mit einer Schule zu beginnen\u201c, lautet das abschlie\u00dfende Fazit des Verkehrsplaners.<\/p>\n<p>Info<\/p>\n<p>Interessante Leitf\u00e4den zum Thema<br \/>\nADAC-Leitfaden f\u00fcr die Praxis: Das Elterntaxi an Grundschulen \u2013 abrufbar unter www.adac.de<br \/>\nLeitfaden \u201eSchulwegpl\u00e4ne leichtgemacht\u201c der Bundesanstalt f\u00fcr Stra\u00dfenwesen \u2013 abrufbar unter www.verkehrswachthessen.de<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>Viele Schulen im Landkreis gleichen morgens einem Drive-In: Immer mehr Eltern bringen ihre Kinder regelm\u00e4\u00dfig mit dem Auto. Bei schlechtem Wetter wird im Schnitt jeder dritte Grundsch\u00fcler im Elterntaxi bis vors Schultor gefahren. Bequemlichkeit, Zeitdruck oder \u00fcbertriebene Sorge der Eltern k\u00f6nnen die Ursachen sein. 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