{"id":172536,"date":"2018-03-21T17:23:26","date_gmt":"2018-03-21T16:23:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=172536"},"modified":"2018-03-21T17:23:26","modified_gmt":"2018-03-21T16:23:26","slug":"hier-lernt-man-kettenfaustschlag-und-krach-schlagen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=172536","title":{"rendered":"Hier lernt man Kettenfaustschlag und Krach schlagen"},"content":{"rendered":"<p>\u201eStopp!\u201c \u2013 ein lauter Schrei aus neun Kehlen hallt im gro\u00dfen Saal der Rh\u00f6nhalle in Tann wider und l\u00e4sst neun soeben Angeschriene erschrocken in der Laufbewegung innehalten. Zw\u00f6lf M\u00e4dchen und sechs Jungen \u00fcben sich in einem eint\u00e4gigen Kurs der Volkshochschule (VHS) des Landkreises in Selbstverteidigung. Dabei erfahren sie, dass einfache Mittel wie beispielsweise die Stimme wirkungsvoll zur Abwehr eingesetzt werden k\u00f6nnen und dass ein kleines Fl\u00e4schchen Augentropfen eine effektivere \u201eWaffe\u201c sein kann als ein Schweizer Taschenmesser.<\/p>\n<p>Seit vergangenem Jahr bietet die VHS Selbstverteidigungskurse in Krav Maga, einem urspr\u00fcnglich von israelischen Sicherheitskr\u00e4ften entwickelten System, an. W\u00e4hrend sich diese Kurse des Dozenten Rainer Handwerk an Erwachsene richten, hat Polizeikommissar Marcel Vey den neuen Crashkurs \u201eStark verteidigt\u201c auch auf j\u00fcngere Teilnehmer zugeschnitten.<\/p>\n<p>Von den anwesenden 12-14-J\u00e4hrigen ist nach eigener Aussage bislang keiner angegriffen oder \u201edumm angemacht\u201c worden. \u201eAber wenn mal was passiert, ist es gut, vorbereitet zu sein\u201c, formuliert die zw\u00f6lfj\u00e4hrige Paula Orf. Die Leiterin der Tanner VHS-Zweigstelle, Alice Gansen, hatte den Kurs auf Anregung dreier Eltern in der Rh\u00f6nstadt organisiert. Die Nachfrage war so gro\u00df, dass am Ende nicht alle Anmeldungen ber\u00fccksichtigt werden konnten. Deshalb ist in K\u00fcrze eine Wiederholung geplant.<\/p>\n<p>\u201eVom Gesetz her ist klar geregelt, dass ihr das Recht habt, euch zu wehren und auch anderen in Notsituationen zu helfen\u201c, erl\u00e4utert der Polizist, den sein Bruder, ebenfalls langj\u00e4hriger Kampfsportler, bei der Betreuung der Kursteilnehmer unterst\u00fctzt. \u201eSelbst, wenn ihr in Panik \u00fcberreagiert, m\u00fcsst ihr keine negativen Konsequenzen f\u00fcrchten.\u201c<\/p>\n<p>Dennoch sei es erste Wahl, m\u00f6glichen Konflikten aus dem Weg zu gehen: \u201eDie beste Verteidigung ist, nicht da zu sein\u201c, zitiert der Dozent eine Weisheit aus dem Kultfilm Karate-Kid. In 90 Prozent der k\u00f6rperlichen Auseinandersetzungen tr\u00fcgen beide Parteien Verletzungen davon. \u201eWer schnell wegrennen kann, ist klar im Vorteil\u201c. Insofern sei k\u00f6rperliche Fitness ein Beitrag zum Selbstschutz, meint Vey. Zum Aufw\u00e4rmtraining geh\u00f6ren dann auch Liegest\u00fctze, von manchen mit Begeisterung, von anderen eher widerwillig ausgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>F\u00fcr Situationen, in denen eine Flucht nicht m\u00f6glich ist, werden im weiteren Verlauf effektive Schlag- und Tritttechniken sowie die Befreiung aus Umklammerungen ge\u00fcbt. \u201eErst wenn eine Bewegung 1.000 Mal durchgef\u00fchrt wurde, sitzt sie\u201c, erl\u00e4utert Vey, der seit \u00fcber 25 Jahren Kampfsport betreibt. \u201eJe mehr ihr hier trainiert, desto weniger m\u00fcsst ihr zuhause machen\u201c, spornt Vey die Jungs und M\u00e4dchen an. Ziel ist es, dass sich am Ende jeder zwei oder drei Techniken aussucht, deren Ausf\u00fchrung er zu Hause mit Eltern, Geschwistern oder Freunden ab und zu wiederholt. Der zw\u00f6lfj\u00e4hrige Magnus aus Unterweid hat sich f\u00fcr den Kettenfaustschlag entschieden: anstrengend, aber daf\u00fcr sehr wirkungsvoll.<\/p>\n<p>Und was ist mit der Stimme? Die beiden Br\u00fcder Vey spielen eine Situation im Linienbus nach, wo eine \u00e4ltere Person dem neben ihm sitzenden Kind die Hand aufs Knie legt. \u201eHey, was soll das? Nehmen Sie sofort die Hand da weg!\u201c, br\u00fcllt Marcel seinen Bruder Pascal an. \u201eEs hilft nichts, die Hand z\u00f6gerlich wegzuschieben. Macht andere darauf aufmerksam, wenn ihr euch bedr\u00e4ngt f\u00fchlt. Ratsam ist es zu siezen, damit die Umstehenden die Situation besser einsch\u00e4tzen k\u00f6nnen.\u201c<\/p>\n<p>Auf die Frage nach hilfreichen Alltagsgegenst\u00e4nden zur Verteidigung hatte Max ein Schweizer Taschenmesser vorgeschlagen. \u201eDamit verletzt du dich wahrscheinlich eher selbst\u201c, warnt Vey den Zw\u00f6lfj\u00e4hrigen. Er zieht ein kleines Plastikfl\u00e4schchen mit Augentropfen hervor: \u201eWenn ihr das in die Hand nehmt und mit der Kante zuschlagt, wirkt der Treffer wegen der kleinen Fl\u00e4che gleich viel effektiver.\u201c<\/p>\n<p>Kleiner Einsatz, gro\u00dfe Wirkung \u2013 so l\u00e4sst sich auch der Kurs beschreiben, der kompakt an einem Vor- und Nachmittag mit vielen n\u00fctzlichen Tipps f\u00fcr mehr (Selbst)sicherheit sorgt. Der n\u00e4chste, f\u00fcr den bereits zahlreiche Anmeldungen eingegangen sind, findet am 21. April f\u00fcr junge M\u00e4dchen und Frauen im Georg-Stieler-Haus in Fulda statt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>\u201eStopp!\u201c \u2013 ein lauter Schrei aus neun Kehlen hallt im gro\u00dfen Saal der Rh\u00f6nhalle in Tann wider und l\u00e4sst neun soeben Angeschriene erschrocken in der Laufbewegung innehalten. Zw\u00f6lf M\u00e4dchen und sechs Jungen \u00fcben sich in einem eint\u00e4gigen Kurs der Volkshochschule (VHS) des Landkreises in Selbstverteidigung. 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