{"id":172446,"date":"2018-03-19T18:45:21","date_gmt":"2018-03-19T17:45:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=172446"},"modified":"2018-03-19T18:45:21","modified_gmt":"2018-03-19T17:45:21","slug":"nachhaltigkeit-prof-dr-dr-klaus-toepfer-vor-dem-fuldaer-katholikenrat","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=172446","title":{"rendered":"Nachhaltigkeit &#8211; Prof. Dr. Dr. Klaus T\u00f6pfer vor dem Fuldaer Katholikenrat"},"content":{"rendered":"<p>\u201eNachhaltiges Wirtschaften\u201c und die \u201eBewahrung der Sch\u00f6pfung\u201c waren das Thema des Vortrages von Prof. Dr. Dr. Klaus T\u00f6pfer, H\u00f6xter, vor der Vollversammlung des Katholikenrates am Samstag, 10. M\u00e4rz in Fulda.<\/p>\n<p>Die Vollversammlung tagt zweimal im Jahr und hatte den ehemaligen Bundesumweltminister und jetzigen Exekutivdirektor des Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam als Gast eingeladen.<br \/>\nNachhaltigkeit \u2013 ein kirchliches Thema<br \/>\nEinf\u00fchrend erl\u00e4uterte T\u00f6pfer, dass die Nachhaltigkeit eine lange Tradition in kirchlichen Verlautbarungen habe, dass dabei die \u00f6kologische mit der sozialen Frage parallel entwickelt worden seien und dass Nachhaltigkeitsthemen oft auch in kirchlich &#8211; \u00f6kumenischer Zusammenarbeit entwickelt werden.<br \/>\nHerkunft des Begriffs<br \/>\nIn Bezug auf den Begriff \u201eNachhaltigkeit\u201c erl\u00e4uterte T\u00f6pfer, dass er erstmals unter August dem Starken von dessen Generalbergdirektor Hans Carl von Carlowitz in seinem 1713 geschriebenen Buch \u201eSylvicultura oeconomica&#8221; erw\u00e4hnt worden sei. Dem Autor sei es damals um den Holzabbau gegangen, weil f\u00fcr den Stollenbau und die Weiterverarbeitung des damals gef\u00f6rderten Silbers gro\u00dfe Mengen an Holz und Brennstoff gebraucht wurden. Mit seinen \u00dcberlegungen habe Hans Carl von Carlowitz erstmals die Konsequenzen des eigenen Tuns in der Zeit zum Thema gemacht.<br \/>\nKnappheit an Ressourcen<br \/>\nAuch heute gehe es um die Frage, welche Konsequenzen wirtschaftliches Verhalten habe und wie mit Knappheiten umgegangen werde. Gerade angesichts einer Weltbev\u00f6lkerung, die sich der 9 Milliarden Grenze n\u00e4hert, werde die Frage dringlich, wie friedliches Zusammenleben angesichts knapper Ressourcen in Zukunft m\u00f6glich sein k\u00f6nne.<br \/>\nLeben im Risiko<br \/>\nAufgrund des wissenschaftlichen und technologischen Fortschritts stelle sich zudem heute immer mehr die Frage, ob man das, was man tun kann, auch tun darf. Wenn der Mensch immer st\u00e4rker in die Bausteine von Natur und Leben vordringe, werde damit zugleich dr\u00e4ngender, dass er die Konsequenzen diesen Handelns kaum absehen und beeinflussen kann. Dass wissenschaftliches und technisches Handeln mit hoher Wahrscheinlichkeit negative Konsequenzen haben werde, sei ein zutiefst ethisches Problem. Es gebe heute, so T\u00f6pfer, kein risikoloses Handeln mehr.<\/p>\n<p>Leben im Informationsparadoxon<br \/>\nWenn man die Konsequenzen des Handelns f\u00fcr die Zukunft absch\u00e4tzen wolle, m\u00fcsse man zudem damit rechnen, dass wir in einem Informationsparadoxon leben. Leben sei nur so denkbar, dass wir unvollkommene Informationen haben.<br \/>\nAlternativlosigkeit<br \/>\nWeiterhin sei bei dem Nachdenken \u00fcber Nachhaltigkeit zu beachten, dass offenbar Demokratie und Menschheit immer mehr dem Markt, der Technik und dem Finanzwesen untergeordnet sind. Dies betone auch Papst Franziskus, dass nicht der Mensch die Technik, sondern die Technik, der Markt den Menschen bestimmt. Dies gelte auch f\u00fcr den Konsum. Schlagworte wie \u201ealternativlos\u201c bedeuteten ja, dass wir uns in einer Pfadabh\u00e4ngigkeit befinden. Das hei\u00dft, dass aufgrund vorangegangener Entscheidungsstrukturen Menschen ihren Handlungsspielraum verlieren. Wer alternativlos handele, sei nicht mehr frei.<br \/>\nEs tue sich die Frage auf, wie man denn in diese Zw\u00e4nge hineingekommen ist und was zu tun ist, um sich von ihnen zu l\u00f6sen. Papst Franziskus fordere deshalb zu Recht, dass es keine Technik ohne Ethik geben d\u00fcrfe und dass technologische Prozesse sich nicht verselbst\u00e4ndigen d\u00fcrfen.<br \/>\nNachhaltigkeit<br \/>\nIn diesem Sinne bedeute Nachhaltigkeit und nachhaltiges Wirtschaften, sich der Konsequenzen seines heutigen Handelns sehr bewusst zu sein und dieses Wissen zur Grundlage des eigenen Handelns zu machen.<br \/>\ngesellschaftlicher Umgang mit dem Irrtum<br \/>\nMit dem Hinweis auf das Reaktorungl\u00fcck in Fukushima wies T\u00f6pfer darauf hin, dass die Wahrscheinlichkeit, sich zu irren und Entscheidungen zu treffen, die sp\u00e4ter ge\u00e4ndert werden m\u00fcssen, zum politischen Gesch\u00e4ft geh\u00f6re. Er forderte, den Umgang mit dem Irrtum zur Grundlage weiteren Handelns zu machen, weil die Wahrscheinlichkeit heute gro\u00df ist, dass wir uns irren.<br \/>\nVerantwortung von Wissenschaft und Forschung<br \/>\nTrotzdem komme Wissenschaft und Forschung die entscheidende Verantwortung f\u00fcr die Gestaltung der Zukunft zu. Es gehe, so T\u00f6pfer, nicht um eine Kritik an der Gesellschaft, sondern um die Notwendigkeit, dar\u00fcber nachzudenken, was man tun kann, um Entwicklungen fr\u00fchzeitig zu erkennen.<br \/>\nKreislaufgesellschaft gefordert<br \/>\nDie Einsicht, dass Deponien begrenzt sind und das die M\u00fcllverbrennung an ihre Grenzen kommt, f\u00fchre zu der Forderung, dass Produkte produziert werden, bei denen der, der sie herstellt, von Anfang an die Verantwortung hat, sie auch wieder zu entsorgen. Man m\u00fcsse wegkommen von einer linearen Produktionskette, die zwar von einzelnen auf ihre Zielsetzungen hin optimiert sind, die aber am Ende in einer Abfallproduktion ausl\u00e4uft. Wenn man zum Beispiel in einen Supermarkt schaue, komme es heute darauf an, menschliche Arbeitskraft durch Verpackung zu substituieren. Man brauche aber vielmehr eine Kreislaufgesellschaft, die bei der Entwicklung eines Produktes bereits dessen Wiederverwertung mitdenkt.<br \/>\nAlternativen haben, Freir\u00e4ume schaffen<br \/>\nBei der Entwicklung regenerativer Energien gehe es nicht nur darum, in den Industriestaaten fossile und atomare Brennstoffe zu ersetzen. Erneuerbare Energien seien eine Antwort darauf, die Entwicklung der Entwicklungsl\u00e4nder zu st\u00e4rken und gleichzeitig aus den Fehlern und negativen Konsequenzen, die in den Industriestaaten gemacht worden sind, zu lernen. Gerade angesichts einer wachsenden Weltbev\u00f6lkerung gehe es bei dem Stichwort Nachhaltigkeit darum, Alternativen zu haben und Freir\u00e4ume zu schaffen, so T\u00f6pfer abschlie\u00dfend.<\/p>\n<p>Der Katholikenrat Fulda ist das repr\u00e4sentative Vertretungsgremium der Katholiken im Bistum Fulda. er setzt sich zusammen aus Vertretern der Pastoralverb\u00fcnde, der katholischen Verb\u00e4nde, der Ordensgemeinschaften und einzelner hinzugew\u00e4hlter Pers\u00f6nlichkeiten.<\/p>\n<p>\u201eWir sind Prof. T\u00f6pfer dankbar f\u00fcr seinen Besuch in Fulda. Wir haben ihn kennengelernt als werbenden Mensch, wenn es darum geht, das eigene Verhalten auf den Pr\u00fcfstand zu stellen. Ob Energiewende, ethische Fragen oder nicht erneuerbare Ressourcen \u2013 Prof. T\u00f6pfer hat uns das Bewusstsein ge\u00f6ffnet f\u00fcr ein breites Spektrum, f\u00fcr das er sich lohnt, sich auch als Kirchenvertreter stark zu machen\u201c, so der Katholikenratsvorsitzende Steffen Flicker in seiner Verabschiedung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>\u201eNachhaltiges Wirtschaften\u201c und die \u201eBewahrung der Sch\u00f6pfung\u201c waren das Thema des Vortrages von Prof. Dr. Dr. Klaus T\u00f6pfer, H\u00f6xter, vor der Vollversammlung des Katholikenrates am Samstag, 10. M\u00e4rz in Fulda. 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