{"id":172262,"date":"2018-03-13T04:25:27","date_gmt":"2018-03-13T03:25:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=172262"},"modified":"2018-03-13T04:25:27","modified_gmt":"2018-03-13T03:25:27","slug":"blaulichtgottesdienst-der-notfallseelsorge-des-vogelsberges-beleuchtete-grenzen-der-helfenden","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=172262","title":{"rendered":"Blaulichtgottesdienst der Notfallseelsorge des Vogelsberges beleuchtete Grenzen der Helfenden"},"content":{"rendered":"<p>\u201eMit Grenzen leben\u201c \u2013 unter dieses Motto hatte Notfallseelsorger Thomas Schill den diesj\u00e4hrigen Blaulichtgottesdienst gestellt, der am Mittwochabend in der Ev. Kirche in Lauterbach stattfand. Knapp hundert Haupt- und Ehrenamtliche aus allen Bereichen der Hilfeleistung f\u00fcr Menschen in Not waren gekommen, um gemeinsam dieses Thema zu beleuchten und sich f\u00fcr ihr Wirken unter den Segen Gottes zu stellen.<\/p>\n<p>Kirchenmusikerin Claudia Regel er\u00f6ffnete den Gottesdienst, der daneben auch von der Gruppe \u201eSax Affair\u201c der Lauterbacher Musikschule begleitet wurde. Die Begr\u00fc\u00dfung der G\u00e4ste \u00fcbernahmen Jutta He\u00df, Vorsitzende des Kirchenvorstandes, sowie Pfarrer Thomas Schill, der besonders die Vertreter der einzelnen Einsatzbereiche ansprach, darunter Kriminaldirektor Andreas B\u00f6hm, Leiter der Polizeidirektion Vogelsberg, und Dr. Sven Holland, Kreisbrandinspektor im Vogelsberg. Neben Polizisten und Feuerwehrleuten wohnten \u00c4rzte und Sanit\u00e4ter verschiedener Organisationen sowie die Notfallseelsorger des Vogelsbergs und die derzeitigen Hospitanten in der Notfallseelsorge der Veranstaltung bei.<\/p>\n<p>\u201eWir wissen oft nicht, was wir tun k\u00f6nnen.\u201c \u2013 \u201eWir sind oft hilflos\u201c \u2013 \u201eWir m\u00fcssen uns Anfeindungen gefallen.\u201c \u2013 \u201eWir m\u00fcssen erleben, wie Kameraden verletzt werden oder gar umkommen.\u201c \u2013 \u201eWir m\u00f6chten Menschen in Grenzsituationen Kraft schenken.\u201c Mit Zitaten von Helferinnen und Helfern beleuchtete zun\u00e4chst der Notfallseelsorger Thomas Schill das Thema, das im Verlauf des Gottesdienstes von Einsatzkr\u00e4ften selbst noch vertieft wurde. So griff Polizeihauptkommissar Hasso Hofmann den Begriff der Grenzerfahrung sehr vielschichtig auf und beschrieb eindringlich, wo Polizisten im Einsatz Grenzerfahrungen sammeln, an ihre Grenzen und dar\u00fcber hinaus gehen: Sei es die Erfahrung von Todesangst bei aus dem Ruder laufenden Eins\u00e4tzen wie dem vergangenen G20-Gipfel in Hamburg, sei es der Umgang mit dem Tod, den man nicht ein einziges Mal aus den Kleidern sch\u00fctteln k\u00f6nnen. \u201eJeder von uns erinnert sich an die Toten, auf die er im Einsatz traf\u201c, so die ehrliche und bewegende Aussage eines Mannes, f\u00fcr den Grenzerfahrungen Berufsalltag sind und unter denen er und seine Kollegen dennoch konzentriert handeln m\u00fcssen. Hofmann sprach auch die psychischen Belastungen an, die solche Erfahrungen mit sich bringen. Abgrenzung zum Selbstschutz sei hier n\u00f6tig \u2013 sofern sie gelinge. Der Polizeihauptkommissar thematisierte das aktuelle Problem der Respektlosigkeit gegen\u00fcber Einsatz- und Hilfskr\u00e4ften und sprach auch Probleme an, die der Zuzug von Gefl\u00fcchteten \u2013 die Grenz\u00f6ffnung &#8211; f\u00fcr Polizisten mit sich gebracht hat. \u201eSituationen eskalieren schnell, dann hei\u00dft es unter Kollegen \u00e2\u20ac\u0161Das war grenzwertig\u00e2\u20ac\u02dc\u201c, variierte er den Begriff der Grenze erneut. Mit Normen, Gesetzen und Vorschriften bewege man sich innerhalb von Grenzen, eine L\u00f6sung f\u00fcr den Umgang mit den vielen verschiedenen Grenzerfahrungen b\u00f6ten sie jedoch nicht. Die k\u00f6nne jeder nur subjektiv finden, doch \u201eMensch bleiben mit seinen pers\u00f6nlichen M\u00f6glichkeiten und Grenzen ist oft schon schwer genug.\u201c Mit diesen Ausf\u00fchrungen hatte Hofmann nicht nur einen ehrlichen Blick auf eine oft unbekannte Seite des Polizeialltags gelenkt, sondern auch vielen anderen Einsatzkr\u00e4ften aus der Seele gesprochen, die alle mit \u00e4hnlichen Erfahrungen zu tun haben, wie seitens der Feuerwehr der Ehrenamtler Peter M\u00fcller in seiner Betrachtung best\u00e4tigte.<\/p>\n<p>Eingebettet war der Gottesdienst nicht nur in sehr gut ausgew\u00e4hlte Musik und Lieder, sondern auch in biblische Texte, F\u00fcrbitten und Gebete, die sich mit dem Thema \u201eGrenzerfahrung\u201c besch\u00e4ftigten, wie beispielsweise das bewegende Glaubensbekenntnis Dietrich Bonhoeffers. Pfarrer Sven Kie\u00dfling, Fachberater f\u00fcr die Psychosoziale Notfallversorgung (PSNV), fasste das Motiv des Gottesdienstes mit einem Zitat von Leonard Cohen zusammen: \u201e\u00dcberall muss es Risse geben, nur so kann das Licht hinein leuchten.\u201c Auf einer Karte in Visitenkartengr\u00f6\u00dfe konnten sich die Besucher des Gottesdienstes dieses Zitat mitnehmen.<\/p>\n<p>Kurz vor Abschluss der Veranstaltung \u00fcbernahm KBI Dr. Sven Holland noch eine erfreuliche Aufgabe: Er \u00fcberreichte dem in den Ruhestand ausgeschiedenen Notfallseelsorger Pfarrer Harald Wysk die Feuerwehr-Ehrenmedaille, eine Ehrung des Deutschen Feuerwehrverbandes. Wysk, so f\u00fchrte Dr. Holland aus, habe als erster Notfallseelsorger im Kreis die Einrichtung der Notfallseelsorge mitgepr\u00e4gt und gestaltet. Der Vogelsberg sei auf diesem Gebiet seiner Zeit weit vorausgewesen, lobte der KBI. Wysk habe den ersten Blaulichtgottesdienst durchgef\u00fchrt und sich auf dem Gebiet der Psychosozialen Notfallversorgung um die Gesunderhaltung der Einsatzkr\u00e4fte verdient gemacht. Besonderen Fokus habe der Pfarrer auf die Betreuung von betroffenen Kindern gelegt. \u201eF\u00fcr mich ist Harald Wysk das Synonym f\u00fcr die Notfallseelsorge\u201c, w\u00fcrdige Dr. Holland dessen Verdienst.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>\u201eMit Grenzen leben\u201c \u2013 unter dieses Motto hatte Notfallseelsorger Thomas Schill den diesj\u00e4hrigen Blaulichtgottesdienst gestellt, der am Mittwochabend in der Ev. Kirche in Lauterbach stattfand. 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