{"id":172215,"date":"2018-03-08T03:35:43","date_gmt":"2018-03-08T02:35:43","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fuldaer-nachrichten.de\/?p=172215"},"modified":"2018-03-08T03:35:43","modified_gmt":"2018-03-08T02:35:43","slug":"sehen-verbindet-mit-den-dingen-hoeren-mit-dem-menschen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fuldaernachrichten.de\/?p=172215","title":{"rendered":"\u201eSehen verbindet mit den Dingen, h\u00f6ren mit dem Menschen.\u201c"},"content":{"rendered":"<p>\u201eSehen verbindet mit den Dingen, h\u00f6ren mit den Menschen\u201c, sagt Prof. Dr. Robert Behr, ein Pionier in der \u00dcberwindung von Taubheit, in Anlehnung an die Schriftstellerin Helen Keller. Wer schlecht oder gar nicht h\u00f6rt, ist rasch isoliert. \u201eWenn man einem Menschen etwas zwei oder drei Mal sagen, oder gar schreien muss, damit er es besser versteht, dann zieht er sich zur\u00fcck\u201c, schildert der Chef der Neurochirurgie am Klinikum Fulda die Lebenswirklichkeit, denn der, der nichts versteht, gilt als abst\u00e4ndig oder dumm. Im Fl\u00e4mischen ist \u201etaub\u201c die \u00dcbersetzung des deutschen \u201edumm\u201c und \u201edoof\u201c, und im Deutschen liegen \u201etaub\u201c und \u201etumb\u201c nahe beieinander. Die Folgen: \u201eFast alle tragen gerne eine Brille als modisches Accessoire, aber keiner gern ein H\u00f6rger\u00e4t\u201c, sagt Behr. Wenn \u00e4ltere Menschen schwerer h\u00f6ren, was zum Alterungsprozess geh\u00f6rt, f\u00fchlen sie sich isoliert. Wenn Menschen aber von Geburt an oder in jungen Jahren das Geh\u00f6r verlieren, bleiben sie gegen\u00fcber den H\u00f6renden wie in einer anderen Welt zur\u00fcck. \u201eWie denkt man eigentlich ohne Sprache?\u201c, fragt Behr, denn wir denken \u2013 kulturell gepr\u00e4gt \u2013 in Worten: \u201eWie entwickeln Kinder &#8211; ohne Worte &#8211; ihr Denken und ihre Denkstrukturen?\u201c<\/p>\n<p>Wer von Geburt an nicht h\u00f6rt, lernt nicht zu sprechen und lebt in einer Parallelwelt. Das hat der Neurochirurg in Dekaden beobachtet. \u201eWenn die Kinder dann aber erstmals h\u00f6ren oder wieder h\u00f6ren k\u00f6nnen, erleben sie einen Entwicklungsschub. Kinder, die zuvor beinahe autistisch wirkten, leben pl\u00f6tzlich auf. Sie leben nicht mehr zur\u00fcckgezogen, sondern nehmen am ganzen und vollen Leben teil. Es ist jedes Mal ein Gl\u00fcck, eine solche Entwicklung miterleben zu d\u00fcrfen\u201c, schildert der Neurochirurg. <\/p>\n<p>Wie wir h\u00f6ren<\/p>\n<p>Im Normalfall h\u00f6ren wir, wenn die Schallwellen, aufgefangen von der Ohrmuschel, das Trommelfell in Schwingungen versetzen. Diese Wellen werden \u00fcber die Geh\u00f6rkn\u00f6chelchen an die H\u00f6rschnecke weitergeleitet, wo sie durch Interferenz im Cortischen Organ, das in der H\u00f6rschnecke sitzt, zun\u00e4chst die etwa 12.000 \u00e4u\u00dferen Haarzellen erregen. Das Cortische Organ ist praktisch Teil der H\u00f6rschnecke und l\u00e4uft entlang deren Windungen. Es ist jener Ort, an dem die Schallwelle in ein elektrisches Signal umgewandelt wird. Diese 12.000 \u00e4u\u00dferen Haarzellen stimulieren die etwa 3000 inneren Haarzellen, die dann die etwa 30.000 Fasern des H\u00f6rnervs elektrisch erregen. Der H\u00f6rnerv leitet die Impulse an den H\u00f6rnervenkern im Hirnstamm weiter. Ist der H\u00f6rnerv gesch\u00e4digt, etwa durch einen Tumor (NF-2), fehlerhaft oder nicht angelegt, ist ein H\u00f6ren nicht m\u00f6glich. Mit dem ABI werden die Schallwellen durch ein Mikrophon aufgenommen und in einem Sprachprozessor, der hinter dem Ohr getragen wird, in elektrische Impulse umgearbeitet. Diese werden \u00fcber eine elektromagnetische Spule induktiv auf das unter der Haut gelegene H\u00f6rimplantat weitergeleitet und gelangen dann durch ein feines Kabel und eine spezielle Sonde an den H\u00f6rnervenkern.    (Bildquelle: MED-EL)<\/p>\n<p>Warum das H\u00f6ren beeintr\u00e4chtigt sein kann<\/p>\n<p>Die Ursache des Nicht-H\u00f6rens oder Schwer-H\u00f6rens, sagt Behr, sind in den meisten F\u00e4llen Schall-Leitungsprobleme. Die k\u00f6nnen relativ einfacher Natur sein, etwa wenn wir Wasser im Ohr haben, oder wenn Ohrenschmalz den Geh\u00f6rgang verstopft. Aufw\u00e4ndiger ist die Abhilfe, wenn die Geh\u00f6rkn\u00f6chelchen mit den Jahren versteift sind und als Folge dieser Otosklerose nicht mehr schwingen, wie sie es einst taten. Dann soll meist ein H\u00f6rger\u00e4t helfen, den Schall so weit zu verst\u00e4rken, dass die Knochen ins Schwingen kommen, doch auch operative Verfahren k\u00f6nnen es erm\u00f6glichen, den Schall vom Trommelfell zum Innenohr zu leiten.<\/p>\n<p>Schwerh\u00f6rigkeit im Innenohr<\/p>\n<p>Davon zu unterscheiden ist als zweiter Fall die Innenohrschwerh\u00f6rigkeit. Im Inneren der H\u00f6rschnecke, der Cochlea (siehe Grafik weiter oben), befinden sich etwa 15.000 Haarzellen. Sie sind an einer Seite angewachsen und schwimmen mit der anderen frei in der Lymphfl\u00fcssigkeit, mit der das Innere der Cochlea gef\u00fcllt ist. Trifft nun Schall von au\u00dfen auf die Cochlea, beginnen die Haarzellen zu schwingen. Je st\u00e4rker der mechanische Impuls von au\u00dfen, desto st\u00e4rker schwingen die Haarzellen. Dieses mechanische Signal wiederum wird in ein elektrisches umgesetzt und \u00fcber den H\u00f6rnerv ins Stammhirn geleitet. Die Haarzellen im unteren Bereich der Cochlea nehmen die hellen T\u00f6ne wahr. Nach oben hin nehmen die Haarzellen die tieferen T\u00f6ne wahr. Man spricht von der Tonotopie der H\u00f6rschnecke. Jede der 15.000 Haarzellen nimmt eine bestimmte Frequenz wahr. <\/p>\n<p>Zu viel und zu hoher Schalldruck von au\u00dfen kann diese Haarzellen \u00fcberbeanspruchen, und sie nehmen Schaden. H\u00e4ufige Ursachen f\u00fcr Sch\u00e4den an den Zellen sind L\u00e4rm, das H\u00f6ren zu lauter Musik \u2013 zum Beispiel in der Disco, das H\u00f6ren mit zu laut gestellten Kopfh\u00f6rern oder ein Knalltrauma. Aber es gibt auch virale und bakterielle Infektionen, die die Haarzellen sch\u00e4digen k\u00f6nnen, ebenso wie bestimmte Medikamente, die zu hoch dosiert wurden, deren Einnahme aber lebensnotwendig sein kann. Eine Hirnhautentz\u00fcndung, sagt Behr schlie\u00dflich, k\u00f6nne zu einer Verkalkung der H\u00f6rschnecke f\u00fchren.<\/p>\n<p>Die Sch\u00e4digung des H\u00f6rnervs\t<\/p>\n<p>Der dritte Typ von Sch\u00e4digung liegt in einem Defekt in der \u00dcbertragung des elektrischen Nervensignals zwischen der H\u00f6rschnecke und dem Stammhirn. Im Stammhirn werden die elektrischen Signale verarbeitet, moduliert und zum Gro\u00dfhirn geleitet, wo \u00fcberhaupt erst ein bewusster H\u00f6reindruck entsteht. <\/p>\n<p>Ein h\u00e4ufiger Grund f\u00fcr eine Sch\u00e4digung des H\u00f6rnervs zwischen Cochlea und Stammhirn ist die Erkrankung an einem gutartigen Tumor, der \u2013 nach seinem Beschreiber \u201eSchwann\u201c benannt \u2013 Schwannom hei\u00dft. Der Tumor w\u00e4chst langsam von den Schwannzellen ausgehend, die die Nervenfasern umh\u00fcllen. Der Tumor zerst\u00f6rt schlie\u00dflich den H\u00f6rnerv und f\u00fchrt damit zu Taubheit. Diese Erkrankung, die Neurofibromatose Typ II, ist erblich und mithin angeboren. Die Ursache f\u00fcr die L\u00e4sion, die Verletzung, liegt auf dem Chromosom 22. In etwa 50 Prozent der F\u00e4lle bildet sich die Krankheit zudem durch Neumutationen. Sie trifft Frauen und M\u00e4nner gleicherma\u00dfen und meist in jungen Jahren. Manche ertauben im Alter von 15 Jahren oder j\u00fcnger, die meisten aber in ihren Zwanzigern, berichtet Behr. Die Inzidenz, also die Wahrscheinlichkeit des Auftretens der Erkrankung, betr\u00e4gt 1 zu 35.000 bis 1 zu 40.000. Das hei\u00dft, dass im Durchschnitt ein Mensch von 35.000 bis 40.000 daran erkrankt. Die exakte Zahl der Betroffenen ist laut Behr schwer zu erheben, da die Erkrankung zum Teil lange unentdeckt bleibt und sich erst im Verlauf meist mit H\u00f6rst\u00f6rungen \u00e4u\u00dfert.<\/p>\n<p>Wie die Professoren House und Hitzelberger die Taubheit zu \u00fcberwinden begannen<\/p>\n<p>1979 unternahmen der HNO-Arzt William House und der Neurochirurg William Hitzelberger in Los Angeles erste Versuche, mit Hilfe einer Kugelelektrode, die der Chirurg am Stammhirn am Kern des H\u00f6rnervs anbrachte, einen elektrischen Reiz im Milliamperebereich auszul\u00f6sen, den die zuvor taube Patientin tats\u00e4chlich als akustischen Eindruck wahrnahm. Solch eine Elektrode wurde probeweise implantiert, und die Patientin hatte \u201eirgendetwas geh\u00f6rt\u201c, berichtet Behr. Dann aber habe eine Weile \u201eFunkstille geherrscht\u201c, bis das Experiment von 1979 in den 1980er Jahren den Ansto\u00df gab, zun\u00e4chst einen Defekt der Haarzellen in der Cochlea mit einer zu implantierenden elektrischen Leitung zu \u00fcberbr\u00fccken.<\/p>\n<p>Das Cochlea-Implantat<\/p>\n<p>Die Schallwelle wird \u00fcber ein Mikrofon &#8211; \u00e4hnlich wie beim konventionellen H\u00f6rger\u00e4t &#8211; in elektrische Signale umgewandelt und ein Implantat mit zw\u00f6lf Elektroden auf der Innenseite der Cochlea eingesetzt. Hierbei machen sich die Entwickler des Implantats und die Otochirurgen, die die Elektrode einsetzen, die Tonotopie &#8211; die systematische, aufsteigende Empfindlichkeit der Cochlea f\u00fcr helle T\u00f6ne in ihrem unteren Bereich und f\u00fcr tiefe T\u00f6ne in ihrem oberen Bereich \u2013 zunutze. Die Elektrode wird so eingesetzt, dass die elektrischen Signale f\u00fcr die hellen T\u00f6ne im unteren und jene f\u00fcr die tiefen T\u00f6nen im oberen Bereich der Cochlea abgegeben werden. Statt der 3000 inneren Haarzellen sind es aber nur zw\u00f6lf &#8211; bei manchen Fabrikaten auch etwas mehr &#8211; Elektroden, die die Impulse setzen. Im \u201eFitting\u201c werden Frequenz, Amplitude, Pulsdauer und St\u00e4rke des Signals auf den einzelnen Patienten individuell eingestellt. Nicht immer kommen alle zw\u00f6lf Elektroden zum Einsatz, um zu vermeiden, dass sich die Signale in der individuellen Wahrnehmung des H\u00f6renden st\u00f6rend \u00fcberlagern. \u201eDas zeigt, mit wie wenig Stimuli unser Gehirn schon eine vollst\u00e4ndige akustische Information erzeugt, aber nicht jedes Individuum leistet den Informationsprozess in gleicher Weise. Wer fr\u00fcher schon sprechen konnte, kann an diese Erfahrung ankn\u00fcpfen\u201c, sagt Behr.<\/p>\n<p>Das Auditory Brainstam Implantat<\/p>\n<p>Nach den Erfolgen mit den Cochlea-Implantaten lag der Versuch nahe, auch die Sch\u00e4digung des H\u00f6rnervs zwischen der Cochlea und dem Stammhirn mit einem Implantat zu \u00fcberbr\u00fccken. In den 1990er Jahren arbeiteten daran \u2013 neben anderen &#8211; Prof. Dr. Jan Helms und Prof. Joachim M\u00fcller (HNO) am Universit\u00e4tsklinikum W\u00fcrzburg. Die Technik mit den Elektroden, die elektrische Signale ins Nervensystem senden, um eine akustische Wahrnehmung zu erzeugen, war im Prinzip vorhanden. Sollte es also gelingen, die Elektroden nicht nur in der H\u00f6rschnecke, sondern als Auditory Brainstam Implantat auf den H\u00f6rnervenkern am Stammhirn aufzusetzen? Allerdings war das durchaus schwieriger als die Implantation in der Cochlea. Zum einen hatten die Schwannome, die in diesen F\u00e4llen typischerweise der Ausl\u00f6ser der Taubheit waren, den H\u00f6rnervenkern im Hirnstamm der hier zu operierenden Patienten vielfach aus seiner urspr\u00fcnglichen Position verschoben. Zum anderen verteilt sich die Empfindsamkeit f\u00fcr bestimmte Frequenzen nicht mit jener Systematik auf die einzelnen Fasern des H\u00f6rnervs, wie sie in der Tonotopie der Cochlea anzutreffen ist. Es ist also eine spezielle Herausforderung, die 3,5 mal 5 Millimeter gro\u00dfe Platte mit den zw\u00f6lf Elektroden in der richtigen Position auf den \u2013 von Schwannomen be- und verdr\u00e4ngten &#8211; H\u00f6rnervenkern mit einer Oberfl\u00e4che von 4 mal 5 Millimeter zu setzen.<\/p>\n<p>Als Helms in W\u00fcrzburg den Schritt von der Theorie in die Praxis ging, \u201eda brauchten sie einen Neurochirurgen mit Erfahrung in der Operation von Schwannomen, und der war dann ich\u201c, berichtet Behr, der damals in W\u00fcrzburg war, \u00fcber einen aus seiner damaligen pers\u00f6nlichen Sicht eher unspektakul\u00e4ren Vorgang, der aber einen Einschnitt in der Behandlung der Taubheit markiert und insofern eine Wegmarke in der Geschichte der Medizin gesetzt hat. Das war 1997. <\/p>\n<p>Mit dem ABI zum \u201eoffenen Sprachverst\u00e4ndnis\u201c<\/p>\n<p>\u201eDamals\u201c, erinnert sich Behr, \u201eherrschte in der Wissenschaft die Meinung vor, dass mit dem ABI bei den Patienten kein offenes Sprachverst\u00e4ndnis hinzukriegen sei, sondern dass die Patienten allenfalls Umgebungsger\u00e4usche und akustische Warnsignale w\u00fcrden wahrnehmen und besser von den Lippen anderer ablesen k\u00f6nnen\u201c. Unter dem offenen Sprachverst\u00e4ndnis verstehen die Wissenschaftler die F\u00e4higkeit eines Menschen, ein Gespr\u00e4ch verstehen und ihm folgen zu k\u00f6nnen, wenn die betreffende Person weder das Lippenbild lesen kann, noch den bisherigen Kontext des Gespr\u00e4chs kennt. \u201eDoch ich habe dann bei meinen Patienten bemerkt, dass sie eigentlich besser h\u00f6ren k\u00f6nnen als erwartet\u201c, schildert Behr seine Beobachtung: \u201eAber das hat man mir nicht geglaubt. Dann kam Bob Shannon zu uns, der Chefaudiologe des House-Ear-Institute in Los Angeles. Das war Anfang der 2000er Jahre. Er hat unsere Patienten, die ich zuvor in W\u00fcrzburg, Warschau und K\u00f6ln operiert hatte, nachuntersucht und nachgewiesen, dass sie ein offenes Sprachverst\u00e4ndnis haben. Das hat das Interesse an meiner Arbeit international bef\u00f6rdert.\u201c <\/p>\n<p>Etwa zur gleichen Zeit, berichtet Behr, wurde bekannt, \u201edass in Italien Prof. Vittorio Colletti unsere Systeme zur Implantation bei taubgeborenen Kindern nutzt. Das war dann eine ganz andere Situation, wenn es bei taubgeborenen Kindern funktioniert und nicht nur bei Tumorpatienten, die nach dem Erlernen der Sprache ertaubt sind.\u201c <\/p>\n<p>Mehr als 1000 solcher Implantate seien weltweit schon eingesetzt worden, sch\u00e4tzt Behr. Auch das ABI hat \u2013 wie das Cochlea-Implantat &#8211; in seiner Au\u00dfenkomponente, die am Ohr getragen wird, eine externe Stromversorgung und ein Mikrofon \u00e4hnlich wie ein H\u00f6rger\u00e4t, und es wird dem Patienten nach der Implantation im \u201eFitting\u201c individuell angepasst.<\/p>\n<p><strong>Prof. Dr. Behr, Direktor der Klinik f\u00fcr Neurochirurgie am Klinikum Fulda, im Gespr\u00e4ch \u00fcber seine Reise nach Neuseeland:<\/strong><\/p>\n<p> \u201eIch werde in Auckland f\u00fcnf Patienten operieren,<br \/>\ndamit sie die Chance erhalten, am Leben teilzunehmen\u201c<\/p>\n<p>Der Neurochirurg Prof. Dr. Behr, Direktor der Klinik f\u00fcr Neurochirurgie am Klinikum Fulda,  z\u00e4hlt zu den Pionieren der Implantation von ABI. Das K\u00fcrzel steht f\u00fcr Auditory Brainstam Implantat. Er operiert seine Patienten weltweit, um sie vor Taubheit zu bewahren oder ihnen eine Chance auf Teilhabe an einer Welt mit akustischen Reizen zu er\u00f6ffnen. <\/p>\n<p>Herr Prof. Dr. Behr, Anfang M\u00e4rz 2018 reisen Sie f\u00fcr eine Woche nach Neuseeland&#8230;<\/p>\n<p>Ja, ich werde gemeinsam mit Professor Michel Neeff an der Universit\u00e4t von Auckland f\u00fcnf Patienten und vor allem Kinder operieren und ihnen ein Auditory Brainstam Implantat (ABI) einsetzen, damit sie die Chance erhalten, zu h\u00f6ren und am Leben teilzunehmen. <\/p>\n<p>Warum m\u00fcssen die Neuseel\u00e4nder dazu Hilfe aus Deutschland holen? Beherrschen sie dieses Verfahren nicht selbst?<\/p>\n<p>Objektiv beherrschen sie das Verfahren noch nicht selbst, und ich m\u00f6chte ihnen helfen, die Implantation des ABI zu erlernen, damit sie diese bald selbst beherrschen. Wir haben das Ziel, Expertise zu vermitteln, damit neuseel\u00e4ndische Patienten in ihrer Heimat versorgt werden k\u00f6nnen. Das Krankheitsbild ist nicht so h\u00e4ufig und der Erfahrungsschatz, den es braucht, um das Implantat einzusetzen, ist nicht so schnell aufgebaut. Wir wollen Erfahrung ins Land bringen.<\/p>\n<p>Warum sind gerade Sie pr\u00e4destiniert, diese Erfahrung zu vermitteln?<\/p>\n<p>Weil ich in den 1990er Jahren an der Universit\u00e4t W\u00fcrzburg, als das Verfahren am Anfang stand, ein Neurochirurg war, der in der betreffenden Hirnregion schon viel Erfahrung in Operationen gesammelt hatte und von den Kollegen der HNO-Klinik hinzugebeten wurde, die damals vollkommen neuen Implantate einzusetzen.<\/p>\n<p>Wie viele chirurgische Teams gibt es weltweit, die dieses Verfahren beherrschen?<\/p>\n<p>Etwa f\u00fcnf. <\/p>\n<p>Und davon ist eines in Fulda? <\/p>\n<p>Ja, davon ist eines hier in Fulda.<\/p>\n<p>Weil Sie in Fulda sind?<\/p>\n<p>Ja, wenn Sie so direkt fragen: Ja, so ist es.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<div class=\"tmnf_excerpt\"><p>\u201eSehen verbindet mit den Dingen, h\u00f6ren mit den Menschen\u201c, sagt Prof. Dr. Robert Behr, ein Pionier in der \u00dcberwindung von Taubheit, in Anlehnung an die Schriftstellerin Helen Keller. 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